Sinquefield Cup: Remisen, ein paar Siege und Stichkampf-Chaos


Rein von den Ergebnissen her passierte nach dem Ruhetag in St. Louis das: Runde 6 ein Sieg – Auslöser für extremen US-Patriotismus. Runde 7 und 8 – alles Remis. Runde 9 – zwei Siege! Das gab es sonst nur in Runde eins. Grund war zum einen, dass Nakamura gegen Carlsen wieder an alte Zeiten erinnerte, zum anderen eine wilde Partie zwischen Aronian und Grischuk. Insgesamt endeten 8 von 45 Partien nicht remis – das lag vor allem an Nakamura und Karjakin (je drei Niederlagen), Grischuk war der einzige, der Sieg und Niederlage auf seinem Konto hatte. Es lag an Grischuk, dass Carlsen diesen Status nicht teilte.

Das kam dabei heraus: Carlsen, Caruana, Aronian 5.5/9, Mamedyarov 5, Grischuk, Vachier-Lagrave, Anand 4.5, So 4, Nakamura und Karjakin 3. Da Sinquefield Cup Teil einer Serie ist, waren neun Remisen für MVL ein gutes Ergebnis, und konnte Nakamura sein Ergebnis verkraften – da er zuvor im Schnell- und Blitzschach erfolgreicher war. Neben diesen beiden ist auch Aronian für London im Dezember qualifiziert, um den letzten Platz müssen Caruana und So stechen.

In der Tour-Gesamtwertung steht es nämlich so: Nakamura 34.5, Aronian 34, MVL 31, Caruana und So 26, Karjakin 25.5, Mamedyarov 25, Grischuk 18, Anand 15. Kurios, dass Nakamura nur durch seine abschliessende Niederlage gegen Carlsen Platz 1 in der Gesamtwertung behaupten konnte, und gleichzeitig So damit eine zweite Chance gegen Caruana bekommt. Karjakin hat seine recht gute Ausgangsposition vor dem Turnier durch einen schwachen Auftritt beim Sinquefield Cup verspielt – russische Ursachenforschung später.

Moment mal, es gibt doch auch einen Stichkampf um den Turniersieg beim Sinquefield Cup? Nein, der entfällt, dazu später mehr. Alle Fotos ab Turnierseite auf Flickr – die meisten wieder von Lennart Ootes, andere Fotografen jeweils angegeben. Wem gebe ich das Titelfoto? Ich habe mich für Aronian entschieden, da er es kleidungsmässig (Hosen auf anderen Fotos) und schachlich am buntesten machte. Dieses Foto stammt aus Runde 8, das Titelbild hat er sich mit Runde 9 verdient. Aber nun der Reihe nach ab nach dem Ruhetag:

In Runde 6 sollte eigentlich diese Partie im Mittelpunkt stehen:

Grischuk-Carlsen 1-0 1/2. Carlsen hatte keine Lust auf sein typisches “Ähm äh” Schach und spielte eine Art Wolga-Gambit, stellte allerdings seinen Läufer nach f5 und nahm mit dem Springer auf a6. Diese Version ist auf hohem Niveau aus den 1990er Jahren bekannt – Predrag Nikolic, damals Weltklasse (u.a. Teilnehmer der Amber-Turniere), verlor mit Weiß 1994 gegen Kasparov, 1996 gegen Anand und 1998 gegen Topalov. 2018 in St. Louis lief es allerdings anders:

Grischuk hatte zwar anscheinend Probleme, sich seines Jacketts zu entledigen, aber auf dem Brett hatte Carlsen Probleme. Grischuk nutzte seine Chancen dann jedoch nicht – natürlich könnte ich zu dieser und anderen Partien mehr schreiben. Die nächsten drei Fotos von Austin Fuller:

Grischuk stand anschliessend Maurice Ashley Rede und Antwort.

Carlsen redete immerhin mit Mike Klein von chess.com. Beim Livekommentar erschien er nicht – kann daran liegen, dass mehrere andere Partien kurz danach beendet waren, andere damit an der Reihe waren und Carlsen nicht warten wollte. Chess.com erwähnte auch, dass Carlsen externen Medien in den nächsten Runden nicht zur Verfügung stand, obwohl er dazu vertraglich verpflichtet ist – da gilt wohl mal wieder “es gibt Regeln für alle, und Ausnahmen für Carlsen”.

Jennifer Shahade und Yasser Seirawan kann ich auch mal zeigen. Sie hatten einen netten patriotischen Arbeitstag, aber zunächst zu der anderen gehaltvollen Remispartie des Tages:

Aronian-Nakamura 1/2, dabei waren alle drei Ergebnisse möglich. Wo ist die Red Bull Dose von Nakamura? Manchmal trinkt er daraus auch, meistens steht sie fotogen neben dem Brett. Aronian hat auch Durst. Dieses Foto früh in der Partie, das nächste zu einem späteren Zeitpunkt:

Hier sieht man, dass Aronian nur oben dezent gekleidet war. Außerdem sieht man (ansatzweise, die Red Bull Dose stört), dass ein Doppelturmendspiel auf dem Brett steht. Zunächst hatte da Nakamura schlicht und ergreifend einen Mehrbauern, Aronian konnte das maximal Remis halten. Dann erlaubte Nakamura allerdings zu viel Gegenspiel, und plötzlich stand Aronian zumindest klar besser. Dann landete der Armenier aber in einer Verluststellung, und am Ende war es Remis.

Die anderen Remispartien Mamedyarov-MVL und So-Anand sind hiermit erwähnt, war da noch was?

Caruana-Karjakin 1-0 – dieses Foto von Spectrum Studios ist offenbar das einzige, das “beide” zeigt. Karjakin liess sich recht widerstandslos abschlachten (ein grober Bock am Ende hat die Partie wohl nur abgekürzt) und bestätigte damit seine schlechte Form.

Europe Echecs hat mitunter etwas, das man anderswo nicht findet – zu Karjakin gaben sie (schon vor dieser Runde) eine russische Quelle. Sie übersetzten einiges ins Französsische, Google machte für mich den Rest. Laut seinem Manager Kyrill Zangalis hat Karjakin zuletzt an seiner Fitness gearbeitet und seine Ernährung umgestellt, dadurch hat er 15kg abgenommen und momentan fehlt ihm die Energie – “er ist wieder wie der Junge, den ich 2011 kennenlernte”. Sergey Shipov sagt, dass Karjakin wohl den ganzen Medienrummel um ihn nicht verkraftet – droht Caruana (siehe gleich) vielleicht ein ähnliches Schicksal? Generell sieht Shipov die Zukunft des russischen Schachs eher skeptisch – Kramnik muss dem Alter Tribut zollen, Grischuk und Nepomniachtchi sind zu instabil, “vielleicht kann einer aus der jüngeren Generation den derzeitigen Weltmeister herausfordern?”.

Auch Caruana danach im Interview mit Maurice Ashley (Foto Austin Fuller). Nun noch ein paar bunt gemischte Fotos von Lennart Ootes:

Die Bühne kann man noch einmal zeigen – gerade so genug Auslauf für die Spieler (hier Mamedyarov) und Platz für Zuschauer.

Eine Szene, bei der Alejandro Ramirez “den Thomas Richter macht” – auf vergleichbaren Fotos aus Wijk aan Zee (oder auch NL-Meisterschaft) drücke ich den Eloschnitt. Zwei Dinge hat er allerdings, die ich nicht habe: den GM-Titel und denselben Friseur wie Fabiano Caruana.

Zuschauer vor Ort – so sachlich beschrifte ich dieses Foto. Chess.com hat es auch und entschied sich für “Caruana and his disciples”. Dabei ist es wohl (nicht was den Foto-Moment betrifft, aber ansonsten) Zufall, dass Caruana auf diesem Foto erscheint. Andere Bildunterschriften waren “Chicagoan Warren Tutwiler shows love of country and its number-one player” und “Fabiano Caruana: The great American hope”. Am Ende noch ein Foto mit einem “untypischen” Amerikaner eingerahmt von zwei “typischen”: Caruana hat, im Gegensatz zu den Fans mit denen er posiert, weder Übergewicht noch Baseball-Mütze. Warren Tutwiler hat übrigens offenbar keine USCF-rating. In vielen Ländern gibt es wohl Fussballfans, die nie selbst gegen den Ball treten. In Norwegen gibt es wohl Schachfans, die allenfalls die Spielregeln kennen, in den USA offenbar nun auch. Teil des Hypes war auch, dass Caruana nun tags darauf Carlsen als Nummer eins der Live-Weltrangliste ablösen konnte – und schon sind wir bei Runde 7:

Da man den Text vielleicht nicht lesen kann [Foto kann man dabei, wie immer, vergrössern indem man darauf klickt] oder kein Englisch kann, übersetze ich das: “Wegen erhöhtem Medieninteresse haben sie in den ersten 15 Minuten exklusiven Zugang zum Turniersaal. Zuschauer sind ab 13:15 willkommen.”

Also warteten sie – warum dem so war ist im Hintergrund vielleicht bereits erkennbar.

So ging es drinnen zu – Carlsen traf auf Caruana. Vergleichbares Medieninteresse für eine Partie habe ich in all den Jahren in Wijk aan Zee zweimal erlebt: einmal (recht kurz nach “Toiletgate”) bei Kramnik-Topalov, und einmal (Lokalpatriotismus) bei Carlsen-Giri. Generell dürfen in Wijk aan Zee neben den Spielern nur Medien (und VIPs) auf die Bühne, aber Platz für Zuschauer ist nebendran immer. Allerdings hat die selbsternannte Welthaupstadt des Schachs St. Louis eben ein recht kleines “Rathaus”.

Caruana hatte sich zur Feier des Tages nicht rasiert! Wer das besser hinbekommt, siehe gleich, aber wir bleiben bei dieser Partie:

Anschliessende Diskussionen nach dem Remis – auch Carlsen mit Bärtchen. Was war zuvor alles passiert? Caruana spielte sein geliebtes Russisch und stand nach eigener Einschätzung zunächst gut. Mag sein, alle Figuren vernünftig entwickelt und keine Schwächen in der Stellung, aber einen konkreten Plan hatte er offenbar nicht – im Gegensatz zu Carlsen, der nach reiflicher Vorbereitung (die Zeit hatte er) bei heterogenen Rochaden dann seine Bauern am Königsflügel mobilisierte. Das war trotz Damentausch gefährlich, zumal nachdem Caruana ein taktisches Detail übersah. 27.f6 nebst 28.Sg4 war für Weiß vielleicht gewinnträchtig, dabei aber jedenfalls nicht forciert gewonnen. Carlsen machte es umgekehrt, und so konnte Caruana die Verteidigungsstellung mit Kh8, Th7, Sg8, Lf8 (und Ta8) einnehmen. “Ein Ästhet hätte hier vielleicht aufgegeben”, aber es hielt.

Vor und nach der Zeitkontrolle dann eine dreifache Zugwiederholung. Caruana reklamierte nicht – nach eigener Aussage hinterher war er sich nicht 100% sicher, ob sie bereits dreimal wiederholt hatten. Carlsen war sichtlich irritiert, grübelte und streckte dann seine Hand dem Gegner entgegen – Remis, und das (trotz entsprechendem Passus im Regelwerk) ohne Kontrolle durch einen Schiedsrichter.

Diesmal erschienen danach beide bei Maurice Ashley.

Wer war noch unrasiert oder bärtig?

MVL und Nakamura – der Franzose konnte den Vorteil des Läuferpaars nicht konkretisieren – Remis wie auch in den drei anderen Partien dieser Runde.

Und natürlich Grischuk, der gegen Ex-Weltmeister Anand einen ruhigeren Tag hatte als tags zuvor gegen Weltmeister Carlsen.

Runde 8 – rein schachlich wieder nicht allzu viel los, zu dieser Runde nur Bildergalerien:

Diese von Austin Fuller – auf dem ersten Foto deutlich, was Aronian von (Ex-)Weltmeistern unterscheidet. Nakamura und Karjakin in Fotografen-unfreundlichen Posen, so kompliziert war ihre Partie eigentlich nicht, die anderen auch nicht unbedingt.

Mamedyarov musste für sein Remis gegen Carlsen durchaus arbeiten und sich verteidigen, diese Aufgabe löste er. Danach hatte er, um 1:47 Ortszeit nachts, einen emotionalen Ausbruch auf Facebook – chess24 hat ihn komplett, hier nur die Kurzfassung: Er beklagt sich, dass er mangels Sponsoren des Geldes wegen nonstop spielen muss und sagt, dass es so nicht weitergehen kann. Aserbaidschan ist offenbar doch kein Schachparadies, wurden eigentlich die Erwartungen von Naiditsch eher erfüllt als die Erwartungen an Naiditsch?

Und zwei Galerien von Lennart Ootes:

Caruana heute wieder rasiert, dafür mit buntem Hemd. GM Chirila zeige ich vor allem des Bartes wegen. Wesley So grübelt schon an seinem ersten Zug, Grischuk hatte 1.f4!? entkorkt!

… und betrachtete das dann entspannt aus einigen Metern Abstand, Schiedsrichter Chris Bird gefiel die Bird-Eröffnung. Carlsen nochmals aus der Kategorie Bartversuche. Grischuk-So wurde dann Remis, wie alle anderen Partien.

Damit hatte Caruana weiterhin einen halben Punkt Vorsprung auf Carlsen, Aronian, Grischuk und Mamedyarov – Runde 9 konnte spannend werden, zumal es neben dem Turniersieg auch um die Qualifikation für das Finale in London ging.

Aber erst eine Bilderserie “Einmarsch” von Spectrum Studios:

Grischuk zieht schon vor der Partie … an einer Zigarette. Abgesprochen war wohl, dass die Sekundanten (Tkachiev für Grischuk, Littlejohn für Nakamura, Gajewski für Anand) Abstand zu ihren Chefs halten sollen. Meines Wissens ist die Dame mit Sonnenbrille weit hinter MVL allerdings nicht dessen Sekundantin, der Franzose kam wohl alleine – wie auch heute der frisch rasierte Carlsen.

Wesley So brauchte für die London-Qualifikation “eigentlich” einen Sieg gegen Caruana und hatte tags zuvor angekündigt, alles zu geben – es kam anders:

1.e4 war quasi bereits ein Remisangebot, denn ….

Caruana spielte Russisch (dieses Foto Spectrum Studios) und So hatte dagegen rein gar nichts in petto. So schnell kann man nicht Remis spielen, aber ab dem 31. Zug wurde dann wiederholt.

“Remis spielen macht Spass!” – dieses Foto von Austin Fuller.

Damit stand fest, dass Caruana jedenfalls einen Stichkampf um den Turniersieg erreicht, wer konnte ihn einholen? Der Leser weiss es bereits, aber ich berichte nun chronologisch: Mamedyarov nicht, er stand mit Schwarz gegen Anand eher schlechter und dann wurde es remis – wie auch am Ende das turnier-irrelevante Karjakin-MVL. Da war der Franzose mit Schwarz fast durchgehend am Drücker, aber am Ende war es für ihn doch ein “perfektes” Turnier (neun Remisen) und Karjakin blieb eine weitere Niederlage erspart.

Aronian-Grischuk 1-0, also konnte Aronian Caruana einholen. In dieser Partie mussten beide gewinnen, um in den Kampf um den Turniersieg eingreifen zu können. Grischuk hatte noch einen zweiten Grund – nur mit einem Sieg konnte er sich noch für London qualifizieren, in diesem Sinne reichte Aronian ein Remis. Dementsprechend riskant legte Grischuk die Partie an – das war nicht falsch, 42 Minuten für seinen 10. Zug allerdings auch für Grischuk-Verhältnisse viel. Und dann, in sich bereits anbahnender gegnerischer Zeitnot, spielte Aronian 18.Txf7?!!? – die Fragezeichen für den objektiven Wert dieses Zuges, die Ausrufezeichen für Kreativität und Mut zum Risiko.

Grischuk fand dann in Zeitnot nicht die besten Züge – nach 25.-Kh8 (25.-Kg6! musste sein) war der Vorteil dahin, und nach 29.-Td8?? 30.De7!! stand er plötzlich total auf Verlust. Zwei Fragezeichen sind streng, aber es hat nun einmal (durch die Enginebrille betrachtet) sieben Bauern eingestellt. Quasi patt für die schwarzen Figuren (Bauernzüge hatte er noch, aber 30.-b5 und 31.-a5 drohte nichts) – Weiß, dessen König auf e3 total sicher stand, hatte die Zeit für 31.h4 und 32.h5 und dann ging es dem schwarzen König an den Kragen.

Etwa gegen Mitternacht habe ich mich – wie viele andere im Chat der chess24-Liveübertragung – verabschiedet. Zu diesem Zeitpunkt lief neben Karjakin-MVL noch Carlsen-Nakamura. Das zuerst genannte für Schwarz jedenfalls klar bessere Endspiel wurde letztendlich remis, dagegen schaffte es Nakamura, sein Remisendspiel gegen Carlsen zu verlieren.

Nach 97 Zügen war es soweit (Karjakin und MVL spielten 119 Züge), und nun teilten drei Spieler Platz eins. Eine Konsequenz war, dass So für seinen müden Auftritt gegen Caruana “belohnt” wurde: nur 15 Tourpunkte für Caruana, der damit gegen So um Platz vier in der Gesamtwertung stechen muss. Die andere Konsequenz war, dass es im Prinzip einen Dreikampf um den Turniersieg geben würde. Das Regelwerk sieht vor, dass nur die beiden Wertungsbesten einen Stichkampf spielen – allerdings lagen Carlsen, Caruana und Aronian nach allen Wertungen gleichauf. Auch dafür hat das Regelwerk eine Regel: Losentscheid, wer aussen vor bleibt im Stichkampf!?

Das wollte aber keiner der drei. Aronian und Carlsen wollten einen Dreikampf, das wollte Caruana nicht. Ihm wurde Feigheit unterstellt, aber ein plausibler Grund: dann müsste er erst einen Stichkampf “um nichts” spielen (Tourpunkte und Preisgeld würde auch dann gleichmässig geteilt), und danach einen, in dem es indirekt um mindestens fünfstelliges Preisgeld geht – soviel gibt es in London, auch für Platz vier (120.000$ für Platz eins).

Das ganze Theater kommentierte Giri auf Twitter nur mit “lol”, dabei dachte er vielleicht auch an eine ähnliche und damals anders gelöste Situation beim London Classic 2015, erstes Jahr der Chess Tour. Damals spielten Giri und MVL ein Halbfinale, MVL gewann und verlor dann das Finale gegen den aufgrund besserem Tiebreak gesetzten Carlsen. Danach allerdings ein happy end für Giri: Tourpunkte für Platz zwei und drei wurden wieder nach mathematischem Tiebreak verteilt, so lag Giri vor MVL und qualifizierte sich direkt für die Chess Tour 2016. Das happy end für MVL kam später: Nachdem Norway Chess die Chess Tour verließ, half sein persönlicher Sponsor dieser aus der Patsche und finanzierte Schnell- und Blitzschach in Paris – MVL bekam dafür einen Tour-Freiplatz (d.h. für alle Turniere).

Unter anderem dazu befragte ich einen Monat später in Wijk aan Zee Malcolm Pein – das komplette Interview hier (ziemlich am Ende des Artikels), Auszüge kopiere ich nun hier hinein (diesmal ins Deutsche übersetzt):

TR “Etwas anderes: Kennen Sie Sutovskys Kritik zum London Classic, und was ist Ihre Antwort?”

Pein “Das kenne ich nicht.”

TR “Er kritisierte die vielen Remisen und nannte das Turnier langweilig.”

Pein “Das kann im Spitzenschach passieren. Dies war die siebte Auflage, viele zuvor waren aufregend. Diesmal begann es langsam und wurde am Ende unglaublich aufregend.”

TR “Die Aufregung bezog sich auch auf den Stichkampf, viele kritisierten das Regelwerk.”

Pein “Ich auch.”

TR “Vor oder nach dem Turnier?”

Pein “Kein Kommentar.”

TR “Also gibt es, wie angekündigt, Änderungen im Regelwerk?”

Pein “Es gibt bei Stichkämpfen sicher Änderungen, aber wir waren begeistert darüber, wie das Tour-Konzept insgesamt funktionierte.”

Remisprobleme gab es also schon damals, was Änderungen bei Stichkämpfen betrifft: nun soll bei drei punktgleichen Spielern einer komplett aussen vor bleiben, ist offenbar eine Verbesserung!??? Allerdings geht es nun bei Stichkämpfen auch nur um den Pokal, nicht mehr um Preisgeld und Tourpunkte.

Wie geht es weiter? Bei der Grand Chess Tour erst der Stichkampf Caruana-So, und im Dezember London Classic – das habe ich durchgestrichen, denn da ist Schnell- und Blitzschach wichtiger als die Partien mit klassischer Bedenkzeit. Fest steht bereits, dass im einen Halbfinale zwei Amerikaner aufeinander treffen, und im anderen gibt es mal wieder Aronian-MVL (siehe Weltcup und auch Gibraltar). Beim Stichkampf drücke ich Caruana die Daumen, aus zwei Gründen: erstens sollte So für seinen müden Auftritt tags zuvor nicht belohnt werden, zweitens reicht es mir, wenn sich zwei von vier vor allem durch Schnell- und Blitzschach für London qualifizieren. Das sind Nakamura und MVL, nur Aronian schaffte es dank Sinquefield Cup. Caruana würde es auch dank Sinquefield Cup schaffen, So dagegen – wie Nakamura – trotz Sinquefield Cup.

Für die vielen Remisen mag es diverse Gründe geben, einer vielleicht auch: im London-Qualifikationssinne wurde taktiert – ebenso der Fall bei der FIDE Grand Prix Serie und, jedenfalls in den letzten Runden, bei Europameisterschaften (Weltcup-Qualifikation absichern wichtiger als Medaillenchancen). Da helfen Anti-Remisregeln dann auch nicht, eines könnte dagegen helfen: Sinquefield Cup wieder vor statt nach St. Louis Rapid and Blitz. Warum haben sie die Reihenfolge eigentlich dieses Jahr umgedreht? Gute Frage, nächste Frage bzw. “dazu habe ich nicht recherchiert”. Das reicht nun, zum Stichkampf noch ein separater vermutlich eher kurzer Bericht.

 

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