Caruana gewinnt Stichkampf in St. Louis und qualifiziert sich für London

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Moment mal, das schaffte er doch bereits im Berliner Kandidatenturnier? Ja, aber nun hat er nach dem WM-Match im November noch einen London-Termin im Dezember – mit niedrigerem aber immer noch bis zu fünfstelligem finanziellem Einsatz. Diese kleine Nachlese konnte ich auch in den Sinquefield Cup Abschlussbericht einbauen, aber ich wollte ihn gestern tagesaktuell veröffentlichen – andere Entscheidungen waren ja auch gefallen oder, was den alleinigen Turniersieg betrifft, fielen nicht.

Caruana und So spielten zwei Schnellpartien – die erste ein korrektes und nicht besonders gehaltvolles Remis, die zweite gewann Caruana mit Weiß und damit war die Entscheidung gefallen. Danach noch die Abschlusszeremonie mit Reden und dann bekamen drei Spieler den Pokal. Und nun verlassen die Spieler St. Louis, jedenfalls bis auf weiteres: Vier Teilnehmer des Sinquefield Cup, der russische Kommentator Peter Svidler und noch fünf andere spielen Mitte September schon wieder in St. Louis – Schach bzw. etwas, das daran erinnert, dazu später mehr.

Fotos wieder ab Turnierseite auf Flickr, vor allem von Lennart Ootes.

Die erste Partie des Stichkampfs ist “hiermit erwähnt”, die zweite war gehaltvoller. Es war eine Art Katalanisch (anfangs Nimzo-Indisch mit 4.g3), Caruana opferte auf c4 einen Bauern und bekam diesen scheinbar nicht zurück, dann der Wendepunkt der Partie:

Hier überlegte Caruana 6 Minuten, vor allem an 26.Lf4 und 26.b4, und entdeckte dass er danach jeweils jedenfalls schlechter steht. Dann fand er 26.Ta2! – ein Ausrufezeichen reicht: wenn man es sieht ist es logisch. Nun droht (gewissermassen) 27.b4 – auch nach 26.-Ld4 ist dieser Bauer dann tabu und so kann Weiß das materielle Gleichgewicht wieder herstellen. Nun grübelte So 5 Minuten und spielte dann 26.-Ld4 – einen besseren Zug hat er nicht bzw. dieser Läuferzug müsste sonst einen Zug später sein.

So, der zuvor wohl dachte “nur ich kann auf Gewinn spielen”, konnte sich an die neue Situation nicht anpassen und driftete in eine schlechtere Stellung. Mal stand er recht klar schlechter, mal nur etwas und so ging es hin und her. Die Entscheidung fiel letztendlich mit beiderseits noch Sekunden auf der Uhr.

Hier setzt So an zu 51.-Lg1? (51.-g5 52.hxg5 Kg6 oder 51.-Lc3 war offenbar 0.00), wobei Caruana die Stellung, die er in der Partie erreichte, schon zuvor forcieren konnte. Sein Turm schlug auf c6, der schwarze auf a4, und der weisse c-Freibauer war gefährlicher und partieentscheidend. Ob So unter Qualitätsopfer noch Remischancen hätte, müsste man näher untersuchen (bzw. Experten fragen), aber so wie So spielte war er chancenlos:

Hier ist die Partie fast vorbei – man beachte die beiderseitige Restbedenkzeit.

Und hier ist es soweit – So spielte noch 61.-Txc8 und gab nach 62.Txc8 auf. Keine Partie aus einem Guß, aber Caruana nutzte am Ende die Chancen, mit denen er selbst zuvor nicht mehr gerechnet hatte. Die amerikanischen Livekommentatoren lobten delay statt Inkrement – sonst hätte So das vielleicht halten können aber so hatte er pro Zug ab einem gewissen Zeitpunkt nie viel mehr als 10 Sekunden, und dabei blieb es bis er zusammenbrach.

Wer ist eigentlich dieser “Landstreicher”? Caruanas Helfer Kasimdzhanov, So hatte keinen. “Quiet please” bezieht sich darauf, dass man Kasim bei seinem Nickerchen nicht stören sollte.

Dann wie gesagt die Abschlusszeremonie. Fotos erschienen erst relativ spät, da hatte ich bereits Screenshots aus dem Live-Video erzeugt, die ich auch noch zeigen werde. Aber erst Fotos:

 

Die drei Sieger des Sinquefield Cups mit den beiden, die das finanziell ermöglichten.

Noch ein Gruppenfoto draussen. Alle stemmten den Pokal auch mal alleine und reichten ihn dann, wie unter Siegern der Fussball-WM, weiter.

Das fast komplette Gruppenfoto drinnen (dieses und das nächste Foto von Austin Fuller), wo ist Karjakin?

Er sass links neben Mamedyarov, aber hier sind einige andere etwas verdeckt oder unscharf.

Meine eigene Screenshot-Sequenz (Quelle das offizielle Video) als Galerie:

Es wurde geredet und Beifall geklatscht, irgendwann redeten auch die Spieler mal – jedenfalls drei von ihnen, Grischuk bekam kein Mikrofon aber war doch auch im Bild. Nakamura wurde erwähnt, da er sich als Erster der Tour-Gesamtwertung für London qualifizierte – ohne Stichkampf schafften es auch Aronian und Vachier-Lagrave. Auf diesem Screenshot (geteilter 9. Platz mit Sergey Karjakin, nur 15.000$ “appearance fee” beim Sinquefield Cup) offensichtlich: bei Nakamura lag es nicht an seinen Ergebnissen mit klassischer Bedenkzeit. Am Ende wurden alle Spieler nochmals gezeigt. So hat nix kapiert und lächelt, Grischuk verstand am besten was Sinn der Sache ist: “Fahndungsfotos”. Carlsen lächelt allerdings auch.

War da noch was? Ja, vom 11.-14. September wieder eine Art Schach in St. Louis – ob Aronian, MVL und Svidler zwischendurch über den Atlantik und wieder zurück fliegen, müssen sie selbst entscheiden bzw. haben es bereits getan. Kasparov taucht mal wieder auf, Topalov und Dominguez (sonst fast so inaktiv wie Kasparov) bekommen auch $$$$ von Sinquefield. Gespielt werden Matches (sechs Schnell- und vierzehn Blitzpartien) in Chess960, das sind die Paarungen: Kasparov-Topalov, Nakamura-Svidler, So-Giri, Shankland-MVL, Aronian-Dominguez. Wie die insgesamt 250.000$ Preisgeld (50.000 weniger als beim Sinquefield Cup, 100.000 mehr als bei den Schnell- und Blitzturnieren der Chess Tour) über Sieger und Verlierer verteilt werden konnte ich nicht herausfinden. Berichterstattung von mir wird es nicht geben, da ich a) Chess960 wenig abgewinnen kann (selbst habe ich es nie versucht) und b) in diesem Zeitraum teilweise anderweitig beschäftigt bin.

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