Lecker, lecker: Chilenische Igel-Rezepte

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Heute müssen wir uns für unseren Riecher auf die Schulter klopfen. Zwei vermeintlich brandheiße Strategie-Themen hatten wir neulich herausgepickt, um sie näher zu beleuchten. Wenig später durfte ein renommierter Großmeister und Schachautor in der bekanntesten Schachschule der Welt zwei Gastvorträge halten. Dafür suchte er sich genau die beiden Themen aus, die kurz zuvor bei uns zur Debatte gestanden hatten.

Was schließen wir daraus? Entweder das Schachzentrum in St. Louis guckt bei uns ab, oder wir haben diese Schachsache ziemlich gut drauf. Eines von beiden muss es sein.

Genug Eigenlob, worum geht’s hier eigentlich?

Erst einmal um den Igel-Aufbau. Der stand im Juli in unserem Igel-Epos ausführlich zur Debatte (und kam am Rande auch im Beitrag „Alles schon dagewesen!“ vor, als Bobby Fischer gegen Bent Larsen einen „Igel im Anzug“ spielte). Seinerzeit mussten wir gar nicht viel erklären, weil das drei andere Herren schon wunderbar erledigt hatten. Im oben verlinkten Igel-Epos findest Du drei Videos:

Unsere Leistung bestand im Wesentlichen darin, diese drei Links zusammenzustellen – ein Gratis-Igel-Kompendium, in dem Du die Grundlagen dieses Aufbaus findest und mehr. Dieses Kompendium können wir jetzt um ein weiteres Video erweitern:

a3-a4-a5, b5 oder c5? Mauricio Flores bespricht typische Pläne, den Igel aufzumischen.

Mauricio Flores, in den USA lebender beste Spieler Chiles, kennen die Leser dieser Seite als Autor eines Buches, das wir nicht oft genug empfehlen können – zumindest für Schachspieler, die besser werden wollen: „Chess structures“.

Raus aus der Komfortzone!

Wer seit Jahrzehnten den immergleichen Kram spielt und nicht plant, das zu ändern, bis sich der Deckel schließt, der braucht dieses Buch natürlich nicht. Aber wer seinen Horizont erweitern möchte, dem gibt Flores das nötige Handwerkszeug.

Besser zu werden, egal wobei, erfordert generell, dass Du Deine Komfortzone verlassen musst, um Dich Herausforderungen zu stellen, an denen Du wachsen kannst. Beim Schach verlässt Du die Komfortzone, indem Du Strukturen ansteuerst, die Du bislang kaum einmal auf dem Brett hattest. Um zu verhindern, dass Du dann orientierungslos vor einer neuen Stellung sitzt, kannst Du vor der Partie in Flores‘ Buch die typischen Pläne für typische Strukturen nachschauen.

Das Schachzentrum St. Louis lädt regelmäßig Schachgrößen ein, um als Gastcoach einige Zeit in der Stadt am Mississippi zu verbringen. Die Lektionen dieser Coaches erscheinen wenig später auf dem Youtube-Kanal des Schachzentrums. Mal sind sie sehr gut, mal „so-so“, und im jüngsten Fall sind sie exzellent.

Mauricio Flores ist nicht nur ein veritabler Großmeister, er ist auch ein gleichermaßen fordernder wie freundlicher Schachlehrer. Neben dem Igel hatte er sich das Thema Raum für seine Lektionen ausgesucht, denn da hatte er ein kleines Versäumnis aufzuarbeiten – ein Versäumnis, das unsere Leser längst kennen, wenn sie den Beitrag über Raumvorteil von Ende Juli gelesen haben.

Als allgemeine Schachweisheit gilt, dass die Seite mit Raumvorteil Material auf dem Brett halten will, um dem Gegner keine Erleichterung zu gönnen. Denn dem fällt es auf beengtem Raum viel schwerer, seine Truppen zu koordinieren, als demjenigen, der dafür reichlich Raum zur Verfügung hat.

Weiß hat Raumvorteil, prima, aber Schwarz steht bereit, sich per …Lb6 zu entlasten. Mauricio Flores erklärt, was nun zu tun ist.

So weit stimmt das, aber Material ist nicht gleich Material. Dass es für die Seite mit Raumvorteil vor allem darum geht, Leichtfiguren auf dem Brett zu halten, haben wir im oben verlinkten Artikel herausgearbeitet, indem wir einen Abschnitt aus Flores‘ Buch mit einem aus „Positional Decision Making“ von Boris Gelfand verglichen haben: Ihre Schwerfiguren behält die Seite mit weniger Raum durchaus gerne, weil sie so wunderbar zum Kontern taugen. Eine Schwerfigur, die ins Hinterland einer überdehnten Struktur eindringt, kann dort eine Menge Schaden anrichten – und Partien drehen.

Diesen Aspekt bespricht Flores in seinem Buch eher schwammig, während Gelfand ihn präzise auf den Punkt bringt. Das nagt an Flores, und darum beleuchtete er die Angelegenheit jetzt in St. Louis in aller Deutlichkeit noch einmal. Für seine Lektion hatte er eine Partie mitgebracht, die er in Gelfands Buch gefunden hatte, gespielt vom ehemaligen WM-Herausforderer aus Israel höchstselbst. „Play like Boris Gelfand“ heißt das Video treffend.

Beide Flores-Videos aus St. Louis findest Du auch auf unserem Youtube-Kanal. Dort soll nach und nach eine Bibliothek entstehen, in der Schachspieler vom Anfänger bis zum Meister Inhalte finden, die sie weiterbringen, und das schließt natürlich die besten Schachvideos anderer Kanäle ein: Was wir gesehen und für exzellent befunden haben, landet ab sofort in unserer Playlist „Videos, die ich mag“. Dort stehen beide Flores-Videos jetzt als neueste Neuzugänge ganz oben – bis wir wieder etwas gefunden haben, das Du nicht verpassen solltest.

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