Interview mit Alexander Morozevich vor der Olympiade

10. September 2012
Einer der stärksten Großmeister der Welt, Alexander Morozevich der Sieger des Moskauer Blitz Championship, beantwortete die Fragen der Moskauer Chess Federation, vertreten durch den Website-Editor Eldar Muhametov.

 

Muhametov: Alexander, meine Glückwünsche zu Ihrem Sieg. Welche Eindrücke haben Sie von der Meisterschaft?

Morozevich: Zunächst einmal ist dieses Turnier wie Urlaub (oder ein Feiertag) für mich. Unabhängig vom Endergebnis und den Höhen und Tiefen in einigen Spielen. Deshalb war es meine Hauptaufgabe gute Stimmung zu erzeugen für mich und alle, die trotz des Wetters gekommen sind um die Spiele zu sehen. Ich hoffe, dass wir unser Bestes getan haben, um ihre Erwartungen zu erfüllen. (Es wurde im Innenhof der „Strelka“ Architekturhochschule gespielt)

Muhametov: Haben die Organisatoren ihre Aufgabe gut gemacht, eine Urlaubsstimmung zu erzeugen? Wir konnten das Wetter leider nicht kontrollieren.

Morozevich: Als älterer Mensch lasse ich mir meine Festtagsstimmung nicht von schlechtem Wetter kaputt machen. Zusätzlich retteten mich die Maßnahmen, die ich gegen Kälte und Feuchtigkeit ergriffen habe, durch das Turnier. Trotzdem denke ich, dass wir ein solches Experiment nicht wiederholen sollten. Ich bin nicht sicher, dass alle Teilnehmer noch bei guter Gesundheit sind. Moskau ist keine südliche Stadt, hat es ein wechselhaftes Klima, weshalb man einen alternativen Austragungsort für das Turnier bei allen Wetterbedingungen finden sollte.

Muhametov: Alle Schach Medien, insbesondere Internationale berichten über die triumphale Rückkehr von Morozevich. Nachdem dem Ausstieg aus dem Biel Turnier und der Absage der Schacholympiade, war man beunruhigt über Ihre Gesundheit. Kann man sagen, dass jetzt alles in Ordnung ist?

Morozevich: Wenn Sie viele verschiedene Schach-Artikel zu lesen, könnten Sie ein seltsames Bild von mir haben: Morozevich steigt irgendwo aus und kommt dann wieder zurück. Ein Trottel. In der Tat ist alles viel einfacher: In Biel verließ ich das Turnier aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme. Nach meiner Rückkehr nach Moskau war ich 2 Wochen in einer Rehabilitationsklinik und mein Zustand stabilisierte sich. Die Art Ausscheidens aus dem Turnier hat mich nicht glücklich gemacht, aber das kann passieren.

Über die Olympiade sprachen wir mit unserem Trainer Yuri Dohoyan und kamen zu dem Schluss, dass wir kein Risiko eingehensollten, denn niemand wusste wie lange die Reha dauern würde. Wir haben nicht über Erholung gesprochen sondern darüber, wieder in eine optimale Verfassung zu kommen. Wir haben eine Menge von verdienten Spielern und so hoffe ich, dass unsere Jungs ihr Bestes geben und die Goldmedaille gewinnen.

Muhametov: Ich bin sicher, Sie verfolgen die Leistung der Russen in Istanbul. Können Sie die Spiele kommentieren?

Morozevich: Ich schaue die Spiele der Herren-Mannschaft. Sie spielen gut, wenn sie die Kontrolle und Anspannung bis zum Ende halten und das Glück auf unserer Seite ist, können sie gewinnen.

Muhametov: Zurück zum Turnier. War es leicht für Sie?

Morozevich: Nun, was soll ich sagen. Ich bin ein bisschen untrainiert, hatte einige grobe Schnitzer bei meinen Zügen, aber ich schaffte es, mich zu reorganisieren und weiter zu spielen als sei nichts passiert. Vielleicht war das mein Hauptvorteil.

Muhametov: Mögen Sie Blitzen im Allgemeinen? Unterstützen Sie, dass die FIDE begonnen hat, Ranglisten für Blitzturniere zu erstellen?

Morozevich: Im Allgemeinen unterstütze ich das. Es ist schwierig zu sagen ob es richtig ist die alten Berechnungsmethoden zu benutzen, aber ich denke, es ist sinnvoll, Blitz, Schnell und Blindsschach in separate Kategorien zu berechnen.

Muhametov: Es ist Ihr sechster Sieg in Folge. Nur Mikhail Tal hatte mehr Siege (10)

Morozevich: Ich glaube Sie haben Recht: 2000, 2004, 2005, 2008, 2010, 2012. Ich scheine gefährlicher zu sein in geraden Jahren.

Muhametov: Haben Sie es geschafft, gegen den Roboter zu spielen?

Morozevich: Ich war voll und ganz mit meinem Turnier und der sozialen Kommunikation beschäftigt. Von dem Roboter habe ich erst am nächsten Tag aus dem Bericht erfahren.

Muhametov: Sergey Karjakin hat einen Sponsor, Carlsen sogar einige…  Soweit ich verstehe, hilft das, ein großes Trainer Team zu unterhalten. Kann man die World Chess Championship Titel ohne diese Art der finanziellen Unterstützung gewinnen?

Morozevich: Der Titelsponsor garantiert nicht immer starkes Team, aber in der Regel ist die Zeit der Individualisten vorbei. Jeder Spieler braucht ein gutes Team, wenn er gewinnen will.

Muhametov: Haben Sie noch immer Ambitionen, der stärkste Schachspieler der Welt zu sein?

Morozevich: Ich habe noch immer Ambitionen, so gut wie möglich zu spielen und mich daneben in verschiedenen Lebensbereichen weiter zu entwickeln. Wie viel würde ein Titel kosten, wenn Gesundheit oder Glück betroffen wären? Es ist nicht leicht, diese beiden Bereiche zu kombinieren, aber jeder muss hier seinen eigenen Weg finden.

Muhametov: Wie sehen ihre Pläne für die nahe Zukunft aus?

Morozevich: Mein nächstes Turnier ist im Oktober – die European Club Championship in Israel. Dann, lasset uns beten, der FIDE Grand Prix in Taschkent ist in der zweiten Novemberhälfte.

Muhametov: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview veröffentlichte Chessdom in Englisch.

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