Den Vogel gezeigt: eine Klatsche für das Wunderkind

Nichts ist beim Schach undankbarer, als gegen ein Kind zu spielen. Weil junge Leute viel schneller besser werden, als ihr Rating das reflektieren könnte, sind sie in der Regel deutlich unterbewertet. Was auf dem Papier nach einer lösbaren Aufgabe aussieht, mag sich auf dem Brett als unangenehmer Brocken erweisen, der uns leicht eine Menge Elopunktekosten kann. Rechenstark, aber ahnungslos Es gibt Gegenstrategien. Junge Leute können in der Regel rechnen wie die Teufel, aber sie wissen nichts über Schach. Also legen wir die Partie ruhig an und führen sie in strategische Gewässer, so dass der junge Gegner nichts zu rechnen hat und

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Vincents Reifeprüfung

Großmeister gegen Internationaler Meister, 20-Jähriger gegen 13-Jähriger, Elo 2.600 gegen 2.400. Nicht nur auf dem Papier, auch auf dem Brett war es ein Klassenunterschied – aber andersherum. Den Ergebnissen nach war Vincent Keymers Start beim Bamberg-Open mit 3,5/4 in Ordnung, aber in den Partien hatte er den einen oder anderen wackeligen Moment überstehen müssen. Seine Reifeprüfung wartete dann in Runde fünf: Schwarz gegen den nominellen Turnierfavoriten Alexander Donchenko, ein Prestigeduell gegen ein Mitglied der „Prinzengruppe“, die dem deutschen Schach mehrere hoffnungsvolle Jung-Großmeister beschert hat. Schon in der Eröffnung wartete Keymer mit einem originellen, in dieser Konfiguration unbekannten Konzept auf (9…h7-h5!?), und

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Nicht unberührbar

Von Stefan Löffler – Ein Selfie mit Fabiano Caruana oder ein Autogramm von Vishy Anand? Kein Problem beim Grenke Classic. Man kann die Schachgrößen einfach vor oder nach dem Spiel abzupassen. Nur Magnus Carlsen war bisher kaum zu erwischen. Bis in der Karlsruher Schwarzwaldhalle die Runden begannen, verbarg er sich hinter der Bühne, und hinterher ging er dort auch wieder ab. Wer ein Foto mit dem Weltmeister wollte, musste bei einem Fotografen anstehen. Der hatte eine Blue Box aufgebaut und montierte Carlsen im Computer dazu. Am Brett dagegen zeigt sich der Norweger nicht unberührbar. Gegen Georg Meier übertrieb er das

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Lasker verzückt

Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts zog Lasker sich immer mehr vom aktivem Schach zurück und widmete sich seinem geliebten Bridge und Go. Finanzielle Engpässe führten ihn aber immer wieder ans Schachbrett zurück. Sein Auftritt beim Turnier von Zürich 1934 begann mit einer wahren Sensation. Eingehüllt im Rauch seiner Zigaretten bezwang er den Niederländer Max Euwe (1901 – 1981) in der ersten Runde, in dem er noch einmal im Alter von 65 Jahren sein enormes taktisches Potential zeigte, was ihn stets ausgezeichnet und so manch sensationelle Aufholjagd in der 2. Turnierhälfte ermöglicht hatte. Max Euwe war bereits 1927 Amateurweltmeister der FIDE und gehörte 1934  zu

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Schach als Beruf – ein erster Achtungserfolg

Im Sommer 1969 erhielt Hans Joachim Hecht die Startberechtigung für das Zonenturnier II der FIDE im österreichischen Raach. Als er einen Blick auf seinen Resturlaub warf, wurde ihm klar, wie realistisch eine Teilnahme wäre, wenn er weiter als Angestellter arbeiten würde. Mit dem Titel eines Internationalen Meisters im Rücken war eine Karriere als Profi nicht undenkbar, da er mit der Nominierung für das Zonenturnier  ein erstes grosses Turnier vor sich hatte.  Ungeachtet der offenen Frage, wieviele Einladungen er zu internationalen Turnieren überhaupt erhalten und ob er genügend Preisgelder einspielen würde, um davon eine begrenzte Zeit leben zu können, fühlte er sich

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Tarrasch auf den Spuren Laskers

In Nürnberg im Jahr 1904 spielte der weltweit geschätzte Dr. Siegbert Tarrasch eine freie Partie  gegen den jungen Aron Nimzowitsch. Nachdem 10.Zug kreuzte Tarrasch die Arme vor der Brust und sagte folgenden Satz: Noch nie in meinem Leben stand ich nach dem 10. Zuge so gewaltig auf Gewinn wie in diesem Fall”. Zum Leidwesen Tarrasch endete die Partie aber später mit einem Remis. Diese Bemerkung hat Nimzowitsch seinem Widersacher lange nicht verziehen. Dennoch war diese Beleidigung für Nimzowitsch Motivation genug, Tarrasch den Ruf als Theoretiker streitig zu machen. Ab 1911 waren beide Spieler stets bemüht Ihre Antipathie in Partiekommentaren auszudrücken. Zu Tarrasch`s

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Ein meisterhaftes Endspiel

Wie bereits berichtet wurde Dr. Siegbert Tarrasch in Breslau geboren. Dies war die Stadt vieler bekannter Schachspieler jener Zeit u. a.  Anderssen, Zuckertort, Harrwitz, von Scheve, Riemann und Schottländer. Der junge Tarrasch spielte früh gegen einige dieser Schachlegenden und studierte die Werke von Philidor, Stamma, von der Lasa und vor allen Dingen “Das kleine Lehrbuch des Schachspiels” von Jean Dufresne. Hierdurch entwickelten sich seine schachlichen Fähigkeiten schnell. Tarrasch hat viele grosse Partien gespielt, sein schachliches Werk wurde von vielen aufstrebenden Meisterspielern studiert und ist es nach wie vor Wert studiert zu werden. Heute sehen wir die 7.Partie aus dem Kandidatenmatch zwischen dem Amerikaner

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Tarrasch und die “Berliner Mauer”

Dr. Siegbert Tarrasch (1862-1934) war von Beruf praktischer Arzt und widmete nahezu seine ganze Freizeit dem Schachspiel. Bereits 1883 gewann er sein erstes Turnier in Nürnberg und festigte anschließend schnell seinen Ruf einer der weltbesten Schachspieler zu sein. 1892 lehnte er ein Angebot Laskers zu einem Wettkampf ab, da dieser noch keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen hatte. Aus beruflichen Gründen musste er sogar eine Einladung des Schachklubs in Havanna ablehnen, die einen Weltmeisterschaftskampf mit ihm und Wilhelm Steinitz organisieren wollten. Umso härter traf es ihn, dass  ausgerechnet Lasker 1894 die Gelegenheit zu einem WM-Kampf erhielt und  Weltmeister wurde. Seine größten Erfolge verzeichnete er um die Jahrhundertwende, wo er

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Johannes Eising

Die Älteren unter Ihnen werden den Namen schon mal gehört haben. Johannes Eising stammt aus Magdeburg und verließ Ende der 50er Jahre die DDR, da er im anderen Teil Deutschlands eine bessere Lebensperspektive sah. Im Westen gehörte er lange Zeit zu den besten Spielern, was sowohl 1965 als auch 1973 einen Berufung in die westdeutsche Nationalmanschaft rechtfertigte. In der Schachbundesliga spielte er viele Jahre für Porz und Solingen, mit denen er insgesamt sieben Manschaftstitel gewann. Zu seinen bekanntesten Skalps gehören die Grossmeister Bent Larsen und Lew Polugajewski. Aus Anlass des 100 jährigen Bestehens des Schachbundes NRW fand in Dortmund 1961 ein Grossmeister-Turnier statt.

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Die verflixte 7. Partie

Die 7. Partie des WM-Kampfes von 1894, die wir heute betrachten werden, war ein ganz entscheidender Wendepunkt in diesem Wettkampf. Sie bot alles was eine grosse Schachpartie und ein grosser Wettkampf bieten sollte, Anspannung und Dramatik pur. Zur Erinnerung nach 6 Partien stand es 3:3 (+2 =2 -2). In einer spanischen Partie, bei der Steinitz einmal mehr auf seine bewährte Behandlung der Spanischen Partie setzte, entwickelte sich das Spiel zunächst in ruhigen Bahnen. Doch dann der 14. Zug von Lasker, scheinbar übermotiviert, möglicher Weise auch in Folge eines Rechenfehlers, goss er mit einem voreiligen Bauernvorstoss sehr viel Öl ins Feuer. Steinitz bewahrte die Ruhe und eroberte schnell 2

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Laskers erste WM-Partie

Ich wünsche allen Schachfreunden ein frohes neues Jahr 2018. Nach seinem grandiosen Erfolg beim Impromptu Turnier zu New York im Jahr 1893 forderte Emanuel Lasker Weltmeister Wilhelm Steinitz zu einem WM-Kampf heraus. Der in Ehren ergraute Weltmeister nahm an, obwohl er ursprünglich die Absicht hatte, keinen WM-Kampf mehr spielen zu wollen. Das Duell fand vom 15. März bis 6. Mai 1894 statt. Austragungsorte waren New York, Philadelphia und Montreal. Es wurde auf 10 Gewinnpartien bei einer Bedenkzeit von 2 Stunden für dreizig Züge und 1 Stunde für 15 weitere Züge gespielt. Vom Preisfond in Höhe von 3.000 Dollar sollte der Sieger 75 % erhalten. Der Wettkampf begann sehr intensiv. In

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Schachbundesliga – Partie der Saison 2016/17

Von IM Georgios Souleidis – Die Wahl zur Partie der Saison 2016/17 war eine klare Angelegenheit. Mit großem Vorsprung landete [[Dennis Wagner]] auf Platz eins vor [[David Navara]]. Der deutsche Großmeister analysiert im folgenden Beitrag seinen Sieg gegen Predrag Nikolic für die Leser dieser Seite. Für die Wahl zur Partie der Saison standen in diesem Beitrag zwölf Partien zur Diskussion. Von Beginn an übernahm Dennis Wagner die “Pole Position” und gab sie bis zum Schluss nicht ab. Sein Sieg mit einem wunderschönen Turmmanöver begeisterte die Schachfans und dementsprechend hatte der 20-jährige Großmeister, der für den SV Hockenheim in der SBL

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Und ewig lockt h7

Von Stefan Löffler – Eigentlich hätte Lewon Aronjan sogar einen noch stärkeren Zug gehabt, der wahrscheinlich auf banale Weise zum Sieg geführt hätte. Doch die Chance, den Weltmeister mit einem klassischen Läuferopfer auf dem Feld h7 fertigzumachen, kriegt man nur einmal im Leben. So begab es sich zwischen Aronjan und Magnus Carlsen in der vierten Runde des „Alitbox Norway Chess“-Einladungsturniers in Stavanger nach 16 Zügen, dass der weiße Läufer sein Leben für den schwarzen h-Bauern aushauchte. Partie nachspielen Seit dem WM-Kampf im November läuft es nicht rund für Carlsen. Erst im Stechen behauptete er damals seinen Titel gegen Karjakin. In

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Vor genau einem Jahr: Carlsen holt die Keule raus

Carlsen ist bekannt dafür, dass er auf die Fehler des Gegners wartet und dann zuschlägt. Die Eröffnungen spielt er verhalten und lässt nichts anbrennen. Kleinste Fehler des Gegners werden jedoch von Carlsen kaltblütig bestraft. Aber keine Regel ohne Ausnahme. In der 5. Runde fegte Carlsen den Chinesen Chao Li in einem fulminant geführten Angriff vom Brett. Ein Leckerbissen für Zuschauer und Schachenthusiasten. Aber sehen Sie selbst!  

König auf Wanderschaft, das endet in der Regel tödlich

Elisabeth Pähtz weckte Erinnerungen – Fulminanter Sieg in der 2. Runde der Schacholympiade in Baku – Von GM Thomas Pähtz kommentiert   In diesen Tagen hatte ich ein Déjà-vu-Erlebnis. Als ich am heimischen PC Elisabeths zweite Partie bei der Schach-Olympiade verfolgte, war ich vom spannenden Verlauf und der feinen taktischen Schlusspointe gefesselt. Der schwarze König ergab sich auf a5 in sein Schicksal, sonst wäre er zwei Züge später gar auf a3 gelandet, wo ihn das Matt ereilt hätte.   Eine faszinierendes Finale. Und plötzlich wanderten meine Gedanken 30 Jahre zurück. Beim Potsdamer Schachfestival 1985 glückte mir gegen den Rumänen Mihail

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Ein 13-jähriges Mädchen fordert den Weltmeister

EU-Meisterin Jana Schneider hat einen der begehrten 70 Plätze beim Simultan gegen Magnus Carlsen zum 70-jährigen ZEIT-Jubiläum erhalten – Von RAYMUND STOLZE   Am 14. Januar haben wir unsere Besucher aufgefordert, sich für das Projekt „Spielen Sie gegen den Weltmeister“ zu bewerben. Die in Hamburg herausgegebene Wochenzeitung DIE ZEIT hat sich nämlich aus Anlass ihres 70-jährigen Jubiläums „Die lange Nacht der ZEIT“ einfallen lassen. Ein Höhepunkt wird am 20. Februar ab 15 Uhr im ehemaligen Hauptzollamt der Hansestadt, Alter Wandrahm 19-20, eine Simultanshow des 25-jährigen der Schachweltmeisters Magnus Carlsen sein, der symbolisch an sage und schreibe an 70 Brettern gegen

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Wie ein Großmeister gespielt!

Beim ZMDI-Open 2015 in Dresden holte sich die 17-jährige Erfurterin Alina Zahn ihren ersten IM-Skalp – Eine Betrachtung von GM THOMAS PÄHTZ   Open-Turniere haben vor allen in den ersten Runden, wo das Oberhaus auf das Unterhaus trifft, bisweilen ihre echten Überraschungen. Und für eine sorgte in Runde 3 des ZMDI-Open 2015 in Dresden in der A-Gruppe am Montag [17. August] die 17-jährige Gymnasiastin Alina Zahn. Mutig und mit der nötigen Aggressivität bezwang das an 96 gesetzte Nachwuchstalent vom SV Empor Erfurt den Zweitliga-Spieler Cliff Wichmann von ESV Nickelhütte Aue mit einem wunderschönen Angriffswirbel. Für Alina war es zugleich der

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