Leserservice: Leela installieren

  Den Zugriffszahlen auf unserer Seite nach liefern sich Leela, der AlphaZero für alle, und Vincent Keymer, der Stern am trüben deutschen Schachhimmel, ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die heißeste Schachgeschichte des Jahres 2018. Für Schachfans bietet das Schachprogramm gegenüber dem 13-jährigen Supertalent einen wesentlichen Vorteil: Während wir Vincent nur zuschauen und staunen dürfen, können wir uns Leela nach Hause holen und uns selbst mit ihr herumprügeln oder sie auf andere Software loslassen. Aber wie geht das? Weil uns genau diese Frage nun zum wiederholten Male erreicht, verweisen wir die Schar unserer Leser auf unsere Freunde von Chessbase. Deren Redakteur Albert Silver hat neulich nicht nur mit einem der Biohirne

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Turm hoch und aus! (III)

Anfänger lernen recht bald, dass Figuren unterschiedlich wertvoll sind: Die Leichtfiguren, Läufer und Springer, drei Bauern, der Turm fünf Bauern, die Dame neun Bauern. Diese Lektion hat unser neuer Schachfreund Şafak schon gelernt. Und weil er schlau ist, versucht er natürlich, sofort die starken Figuren ins Spiel zu bringen. Neulich war Şafak zum ersten Mal im Schachclub. Und er begann seine Partie so, wie es unter Anfängern oft zu sehen ist: 1.a4, gefolgt von 2.Ta3. Uiuiui. Diesen Unfug haben wir ihm natürlich sofort ausgetrieben, einen kleinen Vortrag übers Zentrum gehalten, außerdem diesen: erst die Springer raus, dann einen Läufer, dann den König

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Drogenrazzia beim isländischen Schachverband

Gunnar Björnsson ahnte nichts Böses, als er den Empfang des Pakets aus Spanien quittierte. Schachfiguren und Pokale – keine außergewöhnliche Sendung für den Chef des isländischen Schachverbands. Gerade hatte er begonnen, den Inhalt des Pakets zu sichten, da stürmte ein gutes Dutzend vermummter Elitepolizisten sein Büro in Reykjavik. An den Händen gefesselt, sah sich Björnsson sogleich einer intensiven Befragung zu seinen vermeintlichen kriminellen Machenschaften ausgesetzt. Wenig später landete er in einer Zelle der isländischen Polizei. Ja, Gunnar Björnsson leidet unter moderatem Übergewicht. Ein dicker Fisch, wie ihn die Ermittler an ihrer Angel wähnten, ist der gleichermaßen freundliche wie gesetzestreue Schachfunktionär nicht.

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Im Wohnzimmer des Weltmeisters: Bier, Bullet und Gangster-Rap

Schon vergangenen Monat kursierte der Scherz, Magnus Carlsen benutze Lichess als Bank. Wieder hatte der Weltmeister das monatliche Bullet-Turnier auf der Open-Source-Schach-Plattform gewonnen, und wieder hatte er sein Preisgeld für den Preisfonds der nächsten Auflage des Turniers gestiftet. Jetzt hätte beinahe jemand anderes sein Geld abgehoben. Großmeister und Bullet-Spezialist Andrew Tang führte das zweistündige Turnier eine Stunde und fünzig Minuten lang an, zeitweise mit so großem Vorsprung, dass ihm die gut 2.000 Dollar für den ersten Platz schon sicher schienen. „Keine Chance mehr. Jetzt muss ich sehen, dass ich wenigstens Zweiter werde“, sagte Carlsen, als das Turnier schon auf die Zielgerade eingebogen

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Ruhig bleiben! Vincent Keymer und die deutsche Sehnsucht nach dem großen Titel

Die Sehnsucht nach dem Titel, sie brennt. Vor fast 100 Jahren gab sich Emanuel Lasker beim WM-Kampf im fernen Havanna dem Kubaner  José Raúl Capablanca geschlagen. Seitdem tauchen in Schachdeutschland gelegentlich Hoffnungsträger auf, aber in unmittelbare Nähe zur Krone kam bislang nur einer. Nun soll es Vincent Keymer richten. Der 13-Jährige ist fraglos eines der größten, wenn nicht das größte deutsche Schachtalent seit Emanuel Lasker. Nur heißt das im internationalen Vergleich der Supertalente noch nicht allzu viel. Der Wettbewerb ist knapper und härter, als er jemals war, und in Deutschland zu leben, bedeutet für einen aufstrebenden Schachspieler alles andere als einen Standortvorteil. Schon in den 2020ern

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Der Schachsommer wird heiß: FIDE-Präsident Nigel Short?

Nigel Short will FIDE-Präsident werden. Das bestätigte der Brite jetzt der „Aftenposten“ (Abendpost), der größten Zeitung Norwegens. Die Ankündigung des ehemaligen WM-Herausforderers platzt mitten in eine Schlammschlacht zwischen Amtsinhaber Kirsan Iljumschinow und seinem Vize Georgios Makropoulos. Short ist nach diesen beiden der dritte Kandidat, der seinen Hut für die Wahl im Oktober in den Ring wirft. „Das Schach verdient eine bessere Alternative“, sagt der 52-Jährige. Die Geschichte des Schach-Weltverbandes ist seit der Amtsübernahme des Philippino Florencio Campomanes 1982 reich an schmierigen Gestalten und substanziellen Krisen. Und doch ist die jüngste Misere ohne Beispiel, wahrscheinlich ebenso existenzbedrohend wie jene, als der Schachweltverband Mitte der 90er-Jahre am Ende der Campomanes-Ära

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Nicht unberührbar

Von Stefan Löffler – Ein Selfie mit Fabiano Caruana oder ein Autogramm von Vishy Anand? Kein Problem beim Grenke Classic. Man kann die Schachgrößen einfach vor oder nach dem Spiel abzupassen. Nur Magnus Carlsen war bisher kaum zu erwischen. Bis in der Karlsruher Schwarzwaldhalle die Runden begannen, verbarg er sich hinter der Bühne, und hinterher ging er dort auch wieder ab. Wer ein Foto mit dem Weltmeister wollte, musste bei einem Fotografen anstehen. Der hatte eine Blue Box aufgebaut und montierte Carlsen im Computer dazu. Am Brett dagegen zeigt sich der Norweger nicht unberührbar. Gegen Georg Meier übertrieb er das

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Seit 97 Jahren ohne Weltmeister

Das große Schach-Dilemma in Deutschland Die Schachelite ist gerade in Berlin zu Gast. Beim Kandidatenturnier wird der Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen ausgespielt. Ein Deutscher ist nicht am Start. Dabei hat das Land eine sehr erfolgreiche Tradition – und einen Riesenpool an Spielern. Seit 97 Jahren hat Deutschland keinen Schach-Weltmeister mehr. Emanuel Lasker war der bis dato letzte, 1921 musste er die Krone abgeben. Lasker war von 1894 bis 1921 Weltmeister der Geistesgrößen, er starb 1941. Im Jahr 1908 trug er sogar einen WM-Zweikampf gegen seinen Intimfeind Siegbert Tarrasch aus. Solch ein deutsches WM-Duell ist heutzutage weiter entfernt denn je.

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Warum gibt es keine Top-Spieler aus Deutschland?

Das Kandidatenturnier versammelt die weltweite Schach-Elite in Berlin-Kreuzberg. Doch unter den möglichen Herausforderern von Magnus Carlsen ist kein einziger Deutscher. Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Kühlhaus in Berlin Kreuzberg hat es nicht leicht in diesen Tagen, denn es muss gleich zwei Botschaften transportieren. In dem roten Fabriketagenbau im Herzen der Hauptstadt findet derzeit das Kandidatenturnier für die Schach-WM statt, und nach dem Willen des Veranstalters World Chess soll das Kühlhaus sowohl für Berlins geschichtliche Größe stehen als auch für, nun ja: Kälte. Hier, in unmittelbarer Nachbarschaft des Technikmuseums, war Anfang des 20. Jahrhunderts nämlich die größte Eisfabrik Europas beheimatet, was sich

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Zäsur 1918

Stefan Löffler – Mit der neunten Austragung des Gedenkturniers für den Industriellen und Schachmäzen Leopold Trebitsch ging in den ersten Januartagen des Jahres 1918 auch eine Ära zu Ende. Die Ära, in der Schach eine Domäne der Bürgerlichkeit darstellte, in der Berufsspieler Kosmopoliten waren und Mäzene ihnen ein gutes Auskommen sicherten. Und auch die Zeit, in der Wien ein Zentrum, wenn nicht die Hauptstadt des internationalen Schachlebens war, weil Talente aus allen Teilen der K.u.K.-Monarchie zuströmten. Das von Vidmar vor einem gewissen Althof gewonnene Meisterturnier war das letzte, das der Wiener Schach-Klub in den feudalen Räumen des Palais Herberstein austragen

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Qualvolle-Konzentration

So angespannt sehen Menschen beim Schachspielen aus Wie anstrengend tiefe Konzentration sein kann, merkt man erst, wenn man in die angespannten Gesichter von Schachspieler*innen blickt, während sie überlegen, welchen Zug sie als Nächstes machen sollen. David Llada wurde vor 38 Jahren in einem kleinen und, wie er selbst sagt, langweiligen Dorf im Nordwesten Spaniens geboren. Im Alltag geschah nur wenig Aufregendes, es gab keine großen Veranstaltungen und nur wenig Abwechslung. Den Großteil seiner Jugend verbrachte David deswegen damit, Bücher zu lesen und Schach zu spielen. Als er neun Jahre alt war, erklärte ihm einer seiner Lehrer*innen die Regeln des Spiels und

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Spielen, Tagen, Feiern

Text: Stefan Löffler – Um die zuletzt sportlich unbedeutende Deutsche Meisterschaft aufzuwerten, gibt es künftig anstelle einer an Meisterspielern eher armen Meisterschaft ein echtes Meisterturnier und ein Hauptturnier sowie weitere, parallel ausgetragene Wettbewerbe. Die Funktionäre des Schachbunds tagen nicht länger fernab vom Schachleben sondern Seite an Seite mit ihren besten Spielern. Damit macht der Schachkongress ein Comeback in Deutschland, wo er zwar nicht erfunden wurde aber bis 1914 aufblühte und Pate für die ältesten Turnierserien in Hastings und Wijk aan Zee stand. Der allererste Schachkongress wurde im Sommer 1857 von der British Chess Association in Manchester durchgeführt. Noch im gleichen

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2018 wird besser

Von Stefan Löffler – Ein ereignisreiches Schachjahr 2018 hat begonnen. Im März wird in Berlin der nächste WM-Herausforderer ermittelt. Im November wird sich dieser in London mit Magnus Carlsen matchen. Im September steht im georgischen Batumi bei der Schacholympiade nicht nur ein spannender Nationenvergleich an sondern nach fast 23 Jahren wohl das Ende von Kirsan Iljumschinows Präsidentschaft im Weltschachbund. Dagegen war der internationale Schachkalender 2017 vergleichsweise entspannt. Trotzdem ist Denkwürdiges passiert. Ein Rückblick. Durch Nichtspielen in die Schlagzeilen So viel in den Medien wie 2017 war das Frauenschach vielleicht noch nie. Nicht weil die Frauen im Vergleich mit den Männern

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Sieben mal sieben

Von Stefan Löffler – Keines der fünf wichtigsten Einladungsturniere konnte Magnus Carlsen dieses Jahr gewinnen. Mit seiner Dominanz sei es vorbei, meint Jan Nepomnjaschtschi. Die Konkurrenz komme inzwischen besser mit Carlsen zurecht. Außerdem falle es dem Weltmeister schwerer, sich zu motivieren, nachdem er schon alles gewonnen habe. Wenn Carlsen tatsächlich die Motivation abgeht, sollte er sich Yoshiharu Habu zum Vorbild nehmen. Der Japaner hat kürzlich einen bemerkenswerten Rekord aufgestellt. Habu gewann das renommierte Ryuo-Turnier zum siebten Mal und hat damit die sieben bedeutendsten Shogiturniere allesamt schon mindestens siebenmal gewonnen. Wer ein solches Turnier siebenmal gewonnen hat, trägt den Titel bis zu seinem Tod. Habu hält nun

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Saudis spielen Schach ohne Israelis

Von Dr. Gudrun Harrer – Erstmals werden die Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach in Saudi-Arabien ausgetragen. Für Frauen wurden Kleidungsvorschriften gelockert, Israelis bleiben aber ausgesperrt iad/Wien – Es müssen schwarze Tage für den saudischen Großmufti Abdulaziz Al Sheikh sein: Riad ist seit Dienstag Austragungsort der Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach – und die Fatwa des gestrengen Muftis, in der er das Schachspiel für islamisch unerwünscht erklärte, ist noch keine zwei Jahre alt. Schachspielen sei Zeitverschwendung und fördere die Rivalität, erklärte der direkte Nachkomme von Mohammed Ibn Abdul Wahhab. Das war jener fundamentalistische Islamprediger aus dem 18. Jahrhundert, nach dem der

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Rückblick, schlechte Nachrichten und Vorschau

Von wegen „only the sky is the limit“: bei einem der größten Jugend-Schnellschachturniere in Deutschland war es nicht der Himmel, sondern die Hallengröße, die die Teilnehmerzahl auf 270 limitierte. Ein ausführlicher Rückblick findet sich auf den Seiten des ausrichtenden Heilbronner Schachvereins: http://schachverein-heilbronn.de/2017/11/19-nikolaus-jugendopen-neue-halle-klare-verhaeltnisse/#more-5874 Eigentlich hätte dieser Bericht eine Vorschau werden sollen, was es zwischen Weihnachten und Heilige drei Könige so alles an Turnieren gibt. Aber die meisten Schachspieler sind halt Amateure und quetschen möglichst viel Schach in möglichst wenig Urlaubszeit. Beliebte Turniere sind z.B. das 34. Böblinger Open des SC Böblingen, wie auch das von Lok Sömmerda veranstaltete 27. Erfurter Schachfestival

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3 Jahre altes philippinisches Schach-Wunderkind

Alvin Roma und Jollibee Sedaya träumen von einem Endspiel, bei dem ihr Sohn Magnus in sehr jungem Alter Großmeister wird. Zu einer Zeit, da andere Jungen in seinem Alter sich mit Spielzeug beschäftigen, hat Magnus Roma im Schach Gegner geschlagen, die vier Mal älter sind als er. Bereits im Alter von 3 Jahren begann Magnus mit dem Turnierschach und siegte mehrfach in der angetretenen Altersgruppe. Für seine Eltern, die ihm das Spiel gelehrt hatten, als er gerade ein Jahr alt war, war das keine Überraschung. Magnus begann mit dem Schachspiel noch bevor er lesen und schreiben lernte. Er machte seine

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Vorbild Fußball: Schachbundesliga führt Videobeweis ein

Berlin (dpo) – Bald gehören Fehlentscheidungen auch im Schachsport der Vergangenheit an: Der Deutsche Schachbund (DSB) hat heute den Videobeweis für die höchste Spielklasse im Schach eingeführt. Bei Bundesligapartien soll künftig ein Videoassistent zur Klärung strittiger Szenen bereitstehen. In der Vergangenheit hatten Fehlentscheidungen in wichtigen Begegnungen immer wieder für Diskussionen und Unmut bei den Fans gesorgt. 2015 kam es während einer Partie zwischen dem MSA Zugzwang 82 und den Schachfreunden Deizisau nach einer strittigen Rochade sogar zu einem Brettsturm durch aufgebrachte MSA-Anhänger. Oft sei auch unklar, ob ein Spieler gegen die “Berührt – geführt”-Regel verstoßen hat. “Mit bloßem Auge ist

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Neues aus dem wilden Süden

Nicht nur die erste Bundesliga startet am kommenden Wochenende. Auch die zweite Liga Süd startet mit ihrer ersten Doppelrunde und zwar zu den gleichen Zeiten, also am Samstag um 14 und am Sonntag um 10 Uhr: So spielen in Baden Baden auch die zweite Mannschaft mit Reisepartner SC Emmendingen gegen den SV Griesheim und deren Reisepartner SC Heusenstamm. Aufsteiger SC Böblingen tritt erst am Sonntag gegen Reisepartner TSV Schönaich – mit 5 GM und 3 IM an den ersten acht Brettern ein Kandidat für den Aufstieg – an, während am Samstag beim SC Eppingen der Kracher gegen den SC Viernheim

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Karpow hier, Karpow da

Stefan Löffler – Am Montag wird im Bundestag Schach gespielt. Die Linke-Fraktion lädt ein, und Hobbyspieler wie Eberhard Gienger (CDU) oder Öczan Mutlu (Grüne) haben sich angekündigt. Es ist nämlich eine Delegation der russischen Duma in Berlin zu Gast. Angeführt wird sie von Anatoli Karpow, der seit 2011 für Putins Partei „Einiges Russland“ im russischen Parlament sitzt und seine Bekanntheit nun als eine Art Schachdiplomat in Diensten des Kremls einsetzt. Der frühere Weltmeister hat schon eine Reihe solcher Schachvergleiche initiiert. Als die Schachspieler aus der Duma vor drei Jahren das Berner Bundeshaus besuchten, regte sich Kritik. Wie konnten sich Schweizer

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