Falsche “Liebesgrüße aus Moskau”

Geniale Partie von Spasski wird in James-Bond-Film verpatzt / Zweiter Teil zum 75. Geburtstag von Weltmeister "0010"  von FM Hartmut Metz  "Mein Name ist Spasski, Boris Spasski." Obwohl der Russe schon etwas zu einer der berühmtesten Kino-Serien beitrug, war er nicht als 007 im Einsatz ihrer Majestät. Der Jubilar, der am Montag 75 wurde (wir berichteten), ist die 0010 – in der Reihe der Schach-Weltmeister. Der Großmeister, der im legendären "Kampf des Jahrhunderts" und der politischen Systeme dem Amerikaner Bobby Fischer 1972 in Reykjavik unterlag, lieferte die Vorlage für eine Szene im James-Bond-Streifen "Liebesgrüße aus Moskau".   Bei der 27.

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Der unglückliche Weltmeister wird 75

Boris Spasski verlor "Kampf der Systeme" gegen Bobby Fischer von FM Hartmut Metz (Foto)  Die unglücklichsten Jahre meines Lebens waren die als Weltmeister", soll Boris Spasski in mehreren Interviews verbreitet haben. Insofern muss er froh gewesen sein, "nur" drei Jahre auf dem höchsten Schach-Thron gesessen zu haben. Als Begründung für die überraschende Antwort nannte der Russe die mit dem Titel "verbundene Verantwortung". Die habe ihn zu sehr belastet – und dass das keine bloße Koketterie eines genialen Großmeisters ist, belegt die Zeit nach 1972: Kaum hatte Spasski beim "Match des Jahrhunderts" und der Systeme gegen Bobby Fischer mit 8,5:12,5 den

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Mini-Simultans zu Ehren Capablancas

Separatisten erfinden ein faires "Baskisches System" von FM Hartmut Metz, 22. Januar 2012 Die Baskenmütze kennt man ja. Weniger bekannt ist, dass der legendäre José Raúl Capablanca 1911 im Baskenland seinen Siegeszug begann. Die "Schachmaschine", wie der Kubaner wegen seiner kolossalen Künste ehrfurchtsvoll genannt wurde, gewann vor 100 Jahren im Casino von San Sebastian 1911/12 sein erstes internationales Turnier. Weltmeister Capablanca spielte so perfekt für die damalige Zeit, dass er wegen seiner schieren Unbezwingbarkeit vom "Remistod" des Schachspiels ausging. Ganz so schlimm kam es bis heute nicht – die weißen Steine versprechen ihrem Führer noch immer Gewinnaussichten. Das gilt selbst

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“Zähen Brocken” stoppt kein Schmerz

Michail Gorbatschow ehrt 17-jährige Weltmeisterin Hou Yifan  von FM Hartmut Metz (Foto) Hou Yifan ist erst 17 Jahre alt – und trotzdem gewann die Chinesin aus Xinghua bereits zum zweiten Mal die Weltmeisterschaft der Frauen. Das Wunderkind verteidigte seinen Titel, den sie im Dezember 2010 eroberte, gegen Humpy Koneru. In Tirana schlug die mit 16 Jahren jüngste Weltmeisterin der Schach-Geschichte die Weltranglistenzweite aus Indien vorzeitig mit 5,5:2,5.    In dem auf zehn Partien angesetzten Finale, das Koneru dank ihres Erfolgs im Grand-Prix-Zyklus erreicht hatte, konnte selbst ein Krankenhausaufenthalt Hou nicht stoppen. Die Weltranglistendritte litt schon vor der dritten Partie unter schweren

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Blindspieler weist Sehenden ihren Patzer nach

Spektakulärer Weltrekord an 46 Brettern: Marc Lang gewinnt 34,5:11,5 Eine Nachbetrachtung von FM Hartmut Metz Selbst der Computer macht nach 22 Stunden schlapp: Just als Marc Lang seinen letzten Zug auf dem Bildschirm mit den leeren Schachbrettern eingibt, stürzt das überforderte Elektronenhirn ab. Langs Hirn bleibt dagegen nach dem Weltrekord fit, zumindest den Umständen entsprechend. Der Schwabe hatte auf seiner "intellektuellen Zirkusveranstaltung" 46 Partien gleichzeitig absolviert – blind! 1040 Züge lang musste sich der Denkakrobat exakt merken, wo die anfangs 1472 Figuren auf den 2944 Feldern postiert waren. Trotz der gigantischen Gedächtnisleistung verlor der 41-Jährige gegen seine Gegner, die volle

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Mit Selbstironie zum Weltpokal-Sieg

Peter Swidler trumpft nach russischer Meisterschaft erneut auf  von FM Hartmut Metz, 24. September 2011 Peter Swidler wirkt angesichts seiner auf fast zwei Meter verteilten pummeligen Figur ein bisschen träge. Wie ein drahtiger 100-Meter-Läufer schlendert der Russe nicht durch die Bretterreihen, um zu taxieren, was die Konkurrenz macht. Messerscharf analysiert der St. Petersburger aber die Stellungen und weiß seine Analysen auch stets in pointierte Worte zu kleiden. So bedächtig der 35-Jährige körperlich agiert, so schnell sprudelt es dann aus dem eloquenten Swidler heraus. Selbstironie gehört dabei zum Repertoire des langjährigen Stammspielers beim deutschen Meister OSG Baden-Baden … mehr   

Botwinnik lehrt “analytische Arbeit”

 Weltmeister Anand triumphiert bei Gedenkturnier in Moskau  von FM Hartmut Metz, 10. September 2011   Michail Botwinnik hat 1963 zum dritten Mal seinen WM-Titel verloren. Nach der 9,5:12,5-Niederlage gegen Tigran Petrosjan bekam der Russe, dessen 100. Geburtstag am 17. August anstand, aber diesmal keine Gelegenheit zu einer baldigen Rückkehr auf den Thron (dritter und letzter Teil zum Jubiläum). Der Schach-Weltverband hatte das Revanche-Recht des Weltmeisters abgeschafft. Der oft sehr halsstarrige Botwinnik verzichtete deshalb auf seinen Platz im Kandidatenturnier. Stattdessen konzentrierte er sich unter anderem darauf, einen "elektronischen Schachspieler" zu schaffen. In diesem Bereich brachte es der Elektrotechniker aber nicht weit:

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“Googleberg”-Affäre auf den 64 Feldern

"Kleiner Fisch" schießt Eigentor: Rajlich bekommt alle WM-Titel von "Rybka" aberkannt  von FM Hartmut Metz (Foto), 16. Juli 2011    Das ist wie der positive Dopingtest des kanadischen Sprinters Ben Johnson 1988", ordnet die populäre Webseite Chessvibes. com den Skandal auf den 64 Feldern ein. Deutsche Schachspieler dürfte die Affäre eher an die "Googleberg"-Plagiate erinnern – nur, dass im vorliegenden Fall nicht wie bei Verteidigungsminister Karl Theodor von und zu Guttenberg und anderen Politikern für Doktor-Arbeiten munter ohne Quellenangabe abgeschrieben wurde. Diesmal ging es um noch mehr: den lukrativen Weltmeister-Titel bei Schach-Programmen. Vasik Rajlich bekam die seit 2007 durch "Rybka"

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“Letzter Versuch” mit den Topspielern

Überraschungs-Präsident Herbert Bastian sieht einige Baustellen beim DSB  von FM Hartmut Metz (Foto)  Herbert Bastian ist neuer Präsident des Deutschen Schachbundes (DSB). Mit 127:78 Stimmen (bei zehn Enthaltungen) setzte sich der Vorsitzende des Saarländischen Schachverbandes überraschend deutlich gegen den DSB-Vizepräsidenten Hans-Jürgen Weyer durch.   Der 58-jährige Bastian zählt zweifellos zu den umtriebigsten Mitgliedern: Der Studienrat ist nicht nur als Träger des Internationalen-Meister-Titels, 20-facher saarländischer Meister und ehemaliger deutscher Pokalsieger ein starker Spieler. Letzteres bewies er unter anderem auch beim Großmeister-Turnier 1981 in Baden-Baden, als er Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi bezwang. Seit 1967 arbeitet der in zweiter Ehe verheiratete Vater von fünf

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Beliebter Gelfand endlich im WM-Finale

Alter Haudegen düpiert im Kandidatenturnier die Favoriten  von FM Hartmut Metz, 5. Juni 2011      An Boris Gelfand hatte keiner geglaubt – und so wird es auch im April oder Mai 2012 gegen Viswanathan Anand sein. Der in Minsk geborene Israeli qualifizierte sich beim Kandidatenturnier für das Duell mit dem Weltmeister. Angesichts seines im Juni anstehenden 43. Geburtstags ist der Herausforderer ausnahmsweise älter als der Titelverteidiger. Gelfand gehört aber wie der eineinhalb Jahre jüngere Anand zur Generation der Endsechziger… weiter  

“Opa beißt noch!”

 80-jähriger Kortschnoi schlägt 18-jährigen Weltklassespieler Caruana  von FM Hartmut Metz, 3. April 2011   Typisch Kortschnoi! Die Legende wird für sein Resultat beim Open in Gibraltar mit stehenden Ovationen gefeiert – doch der Jubilar (dritter und letzter Schachspalten-Teil zu seinem 80. Geburtstag) war mit seinem 39. Platz unter 150 Teilnehmern überhaupt nicht zufrieden. "Die Leute dort meinten, ich hätte sehr gut gespielt und eine große Leistung gezeigt. Dabei versemmelte ich mehrere Partien. Normalerweise müsste ich acht statt sechs Punkte holen und Zweiter oder Dritter werden!", gibt sich Viktor Kortschnoi ambitioniert wie eh und je… mehr   

Mit 80 der aelteste Leistungssportler

Schach-Legende Viktor Kortschnoi brennt noch immer vor Ehrgeiz  von FM Hartmut Metz (Foto), 19. März 2011    Komplimente "akzeptiert" Viktor Kortschnoi "gerne". Aber das, er sei mit 80 Jahren der "älteste Leistungssportler, der noch der Weltelite Paroli bietet", schätzt die Schach-Legende weniger, denn: "Früher wurde mir wegen meiner Leistungen applaudiert – heute wegen meines Alters und wegen meiner Verdienste", bemerkt der dreifache Vizeweltmeister, der am Mittwoch seinen 80. Geburtstag feiert. Obwohl sich Kortschnoi inzwischen an einen Gehstock gewöhnen musste, fühlt sich der Wahl-Schweizer zumindest "am Brett gut – nur gibt es zuvor ein riesiges Problem: Bis vor fünf Jahren erhielt

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Verhindern wir selbst den Fortschritt?

Unternehmen werden in der heutigen Zeit auch nach ihrem Internetauftritt beurteilt. Er ist die visuelle Visitenkarte eines jeden fortschrittlichen Unternehmens. Erstaunlicherweise wird das fantastische Medium Internet von vielen Schachvereinen nicht optimal genutzt. Oft mangelt es an einem Webmaster, der Vereinsnachrichten möglichst zeitnah auf die Vereinsseite setzt. Auch die Einstellung gegenüber dem Internet und das mangelnde Fachwissen, ist oft der Grund für eine schlechte Außendarstellung eines Vereins. Selbst Vereine, die in höheren Klassen spielen und auch Spieler für ihre Einsätze bezahlen, haben für einen vernünftigen Internetauftritt keine finanziellen Mittel im Etat. 

“Googleberg”-Affaere auch im Schach

Basiert Serien-Weltmeister "Rybka" auf abgekupfertem Programmcode? / Rajlich kein kleines "Fischchen"  von FM Hartmut Metz (Foto), 12. März 2011   Rybka bedeutet auf Polnisch "Fischchen". Das schlägt jetzt einige Wellen – auch wenn es sich im Vergleich zur Affäre des kopierfreudigen Ex-Doktors Karl-Theodor zu Guttenberg nur um einen kleinen Fisch handelt. Rybka-Programmierer Vasik Rajlich muss sich jedoch derzeit ähnliche Vorwürfe gefallen lassen wie "zu Googleberg". Das seit Jahren bei den Computer-Weltmeisterschaften dominierende "Rybka" soll auf einem Programmcode von "Fruit 2.1" basieren.    Rajlich hatte die Plagiatsvorwürfe selbst ins Rollen gebracht. Nachdem Rivale "Houdini" in jüngster Zeit seine Topposition übernahm, unterstellte der

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Angst sorgt fuer “hohen Luxus Zeitnot”

Nationaltrainer Markus Weise merzt mit Schach-Strategien Schwächen auf dem Hockeyplatz aus / Misserfolgsvermeider Jan Gustafsson weniger remisfreudig  von FM Hartmut Metz (Bild) Sportler lassen sich bei der Analyse in "zwei nützliche Kategorien" einsortieren: in Misserfolgsvermeider und Erfolgssucher. Letztere betreut Markus Weise im Hockey. Erst führte der 48-Jährige die deutsche Damennationalmannschaft 2004 zu Olympia-Gold, dann 2008 die Herrenauswahl. Dem Erfolgscoach halfen dabei auch Strategien aus dem Schach, bekannte Weise in einem Interview in der aktuellen Ausgabe des "Schach-Magazins 64". Um nicht allein von drei, vier überragenden Einzelkönnern abhängig zu sein, sei es wichtig, Muster in der Strategie zu erkennen und die

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Die Zukunft der Schachbundesliga

Nachdem wir uns letzte Woche mit den Themen Frauenschach und –bundesliga kritisch auseinandersetzten, möchte ich nun den Blick auf die Schachbundesliga lenken. Hier sieht es nur wenig besser aus. Immerhin kennt man sie, doch gaben 44% der Teilnehmer unserer Kurzumfrage an, sich nicht dafür zu interessieren. 32% sehen sich das Geschehen im Internet an, und nur 22% zieht es in unsere „Stadien“. Dies deckt sich mit meinen Erfahrungen bei der Publikation des SCHACHWELT-Magazins. Auch hier fanden die Bundesligabeiträge ein nur geringes Echo… weiter geht es auf dem neuen Schachblog "Schachwelt"

Kein Interesse an Deutschlands TOP10?

Hollands Schachspieler werden zuweilen auf offener Straße von Fans erkannt, in Deutschland ist das undenkbar. Dabei unterscheidet sich die historische Entwicklung nicht wesentlich. Beide Länder konnten in der Vorkriegszeit einen Weltmeister und in den 70er/80er Jahren mit Jan Timman und Robert Hübner einen Spieler in der absoluten Weltklasse aufweisen. Die Gründe sind sicher vielschichtig. Wesentlich scheinen mir jedoch die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und die Spielmöglichkeit … weiter geht es auf dem neuen Blog der Schachwelt

Stell dir vor, es ist Deutsche und niemand geht hin!

Wie weit kann man Negativrekorde eigentlich noch unterbieten? Über eine dünne, unterklassige mangelhafte, unwürdige Besetzung der Deutschen Meisterschaften beschweren wir uns alle ja schon lange und fleißig – zumindest solange ich mich für Schach interessiere. Ob Osterburg, Saarbrücken oder Bad Liebenzell – alles Meilensteine aus dem vergangenen Jahrzehnt, auf dem Weg zu weniger Preisgeld, weniger Prestige … weiter geht es auf dem neuen Blog der Schachwelt

Carlsen begräbt WM-Hoffnungen

Rückzug des norwegischen Jungstars löst bei Rivalen Kopfschütteln aus  von FM Hartmut Metz, 13. November 2010      Die anderen Topspieler können spielen, wie sie wollen – die Schlagzeilen dominiert aber doch dauernd Magnus Carlsen. Während des Topturniers im berühmten Moskauer Kaufhaus GUM platzte die Meldung, dass der bald 20-Jährige den nächsten WM-Zyklus boykottiert. Dem Norweger dauert er mit fast fünf Jahren von 2008 bis 2012 viel zu lange, überdies beklagte er "permanente Änderungen" der Regularien. "Es strengt mich zu sehr an, mich dauernd mit den politischen Entscheidungen zu befassen." … mehr

Doppelte Schmach in Sibirien

Schach-Präsident von Weizsäcker noch schwächer als das C-Team   von FM Hartmut Metz, 30. Oktober 2010     Was soll man dazu noch sagen, wenn Pakistan vor Deutschland landet?", fragt Arkadij Naiditsch rein rhetorisch. Im Hockey wäre solch ein Resultat kein Drama – doch bei der Schach-Olympiade sieht es nicht nur die deutsche Nummer eins als Schmach, wenn ein Team mit einem Spieler ohne internationale Elo-Wertungszahl vor der Auswahl von Uwe Bönsch landet. Die belegte im sibirischen Chanty-Mansijsk mit 11:11 Punkten Platz 64 unter 148 Teilnehmern, zwei Ränge hinter Pakistan … mehr