Das Erbe von Tarrasch

Zu Beginn der 80er Jahre griff der junge Garry Kasparov mit Schwarz auf eine Eröffnungsidee zurück, die einst von Dr. Siegbert Tarrasch in die Turnierpraxis eingeführt wurde. Anfangs erzielt er mit ihr grosse Erfolge, bis er dann im ersten Weltmeisterschaftskampf 1984 gegen Anatoli Karpov die eine oder andere bittere Niederlage hinnehmen musste. Die Auswirkung ist bekannt, Kasparov wandte sich danach lange Zeit der Grünfeld-Indischen Idee zu. Dabei wird gerne übersehen, dass die Eröffnung von Grunde her nicht widerlegt und nach wie vor spielbar ist, denn sie bietet genügend Möglichkeiten auf ein dynamisches verwickeltes Spiel. Ein Verfechter dieser Eröffnung vor Kasparov,

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Laskers Meilenstein

Als Emanuel Lasker 1894 im Weltmeisterschaftskampf gegen Wilhelm Steinitz siegte, war dies für viele nur das logische Resultat, des vermeintlich ungleichen Kampfes zwischen Jung und Alt. Viele Schachgrößen jener Zeit, darunter Dr. Siegbert  Tarrasch oder  der Amerikaner Harry Nelson Pillsbury, wollten die Rangordnung im Weltschach schnellst möglich korrigieren. Das bedeutende Turnier von Hastings 1895 verzeichnete die stärksten Spieler der damaligen Zeit am Start, welches der Amerikaner Harry Nelson Pillsbury vor Tschigorin und Lasker gewann, dabei aber gegen diese beiden Schachgrößen verlor. Beim folgenden 4-er Einladungsturnier in Sankt Petersburg 1895/1896, wo Tschigorin, Lasker, Pillsbury und Steinitz eingeladen waren und jeweils 6

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Smyslov – sein feiner Stil

Wenn man die Schach-Experten und Schach-Enthusiaten fragt, wer von den Weltmeistern der Allerbeste war, dann wird “Er” bestimmt nicht genannt. Sein Stil war bei weitem nicht so spektakulär, wie der von Kasparov oder Fischer, den meist genannten Helden. Sein Stil war einfach und es verblüfft immer wieder, wie wenig Widerstand Spieler der absoluten Weltklasse ihm entgegen zusetzen hatten. Auch wenn die Partien nicht so erfrischend sind, wie die von Michael Tal, lohnt es sich, diesen Stil zu studieren. Die Rede ist von Vassily Smyslov. Vielfach urteilt man, dass sein Spielstil, den Verteidigungstechniken der damaligen Zeit weit überlegen war. Doch wie

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Ein Plädoyer für die Dilworth-Variante

In den 70 er und 80 er Jahren war der offene Spanier  dank der Bemühungen einiger Weltklasse-Spieler z. B. Dr. Robert Hübner, Viktor Kortchnoi, Tan Timman eine viel gespielte Eröffnung. Nicht unerheblich in diesem Zusammenhang waren mit Sicherheit auch die beiderseitigen Bemühungen von Anatoli Karpov mit Weiss und Viktor Kortchnoi mit Schwarz bei den WM-Kämpfen 1978 in Baguio City und 1981 in Meran. Bedauerlicherweise ist diese schöne Eröffnung heute etwas aus der Mode gekommen, obwohl diese Eröffnung nach wie vor sehr solide ist, wie auch einige Partien der sogenannten 2700 er hin und wieder belegen. Eine gewisse Faszination löst dabei stets

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Baden-Baden: Meine Familie und ich

Von Olaf Steffens – Die OSG Baden-Baden platziert ihren kleinen Bruder Deizisau in der ersten Liga Und schon geht es wieder los – nur wenige Monate nach dem Ende der Vorsaison werden die Figuren wieder aufgestellt, und auf geht‘s an die Bundesliga-Bretter! Deutscher Meister und Titelverteidiger ist Solingen? (nein) Hockenheim? (nein) Norderstedt? (auch nein) – es ist wie schon oft und gerne gesehen die Leasingmacht aus dem Südwesten, die von der Grenke AG (früher: Grenke Leasing AG) gesponsorte OSG Baden Baden. Der von Mannschaftskäpt‘n Sven Noppes gemanagte Liga-Dominator                       Größte Erfolge: Deutscher Mannschaftsmeister 2006-2015, 2017 (10 Titel) (Bundesliga-Webseite) konnte bei

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Petrosians grosse Kunst

Tigran Petrosian (1929-1984) lernte Schach im Alter von 12 Jahren. Eines seiner ersten Bücher, welches auch seinen Spielstil entscheidend prägte, war „Mein System“ von Aaron Nimzowitsch. Mit 17 war er Jugendmeister der UDSSR. 1952 wurde er Zweiter bei der 19. UDSSR-Meisterschaft. Bereits ein Jahr später wurde er zum internationalen Meister und auch zum Großmeister ernannt. Danach war er auf der internationalen Bühne ein Stammgast. Nach dem Sieg beim Kandidatenturnier 1962 in Curacao, forderte er Weltmeister Michael Botwinnik heraus  und gewann. Nach dem Sieg urteilte der unterlegene Kontrahent: „Der neue Weltmeister unterscheidet sich in seinem Stil ganz wesentlich von anderen Großmeistern.

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In memoriam “del Rio”

1951 verstarb der Ungar Geza Maroczy. Ihm zu Ehren lud die ungarische Schachvereinigung ein Jahr später zu einem Gedenkturnier in Budapest ein.  Das Turnier begann am 3. März 1952, an dem Tag an dem Maroczy seinen 82. Geburtstag gefeiert hätte. Acht Großmeister, acht internationale Meister und zwei nationale Meister nahmen am Turnier teil. Darunter befanden sich  Fünf der besten Großmeister der Sowjetunion, Efim Geller, Paul Keres, Tigran Petrosian, Wassili Smyslow und der amtierende Weltmeister Mikhail Botvinnik. Die ungarischen Farben vertraten die Grossmeister Laszlo Szabo und Gedeon Barcza, sowie die internationalen Meister Pal Benko, Erno Gereben und Jozsef Szily. Der deutsche

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Lasker vs. Capablanca

Wenn man über Lasker schreibt, dann darf diese Partie aus dem Turner zu Sankt Petersburg aus dem Jahr 1914 nicht fehlen. Die Turniersituation vier Runden vor Schluss konnte nicht besser sein. Einen Punkt hinter Capablanca liegend wählte Lasker die Abtauschvariante in der spanischen Partie, die aus Sicht von Lasker grosse Genauigkeit erfordert. Überraschend war auch, dass Lasker diese Variante tags zuvor selbst mit Schwarz gegen Aljechin spielen musste und damit gewann. Sein Zug 12.f5 mutet seltsam an, ist jedoch bis heute nicht wiederlegt. Der gleichen Idee bediente sich auch Bobby Fischer bei der Schacholympiade 1970 in Siegen, in seiner Partie

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Lasker bleibt Lasker

Tartakower urteilte einst über Retis Eröffnungszug 1.Sf3 – “Eröffnung der Zukunft”. Beim Turnier in New York 1924 erhielt Reti mit Ihr gewöhnlich die besseren Stellungen. In den Händen Retis war diese Form der Eröffnung eine gefährliche, noch nie da gewesene Waffe, die er geschickt gegen starke Gegner einzusetzen vermochte. Er verzeichnete Siege gegen Capablanca, Aljechin, Bogoljubow, Yates und Eduard Lasker. Aus diesem Grunde kann man sich sehr gut vorstellen, welche Bedeutung Emanuel Lasker der Partie gegen Richard Reti beimaß. Lasker, der die Eröffnung Retis sehr gut verstand, fand auch Schwachstellen in diesem System und zeigte zugleich die Vorzüge eines starken

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Lasker vs Marshall – eine russische Partie

1914 beschloss man die Durchführung eines hochkarätig besetzten internationalen Turniers zu Ehren des zehnten Jubiläums der Petersburger Schachversammlung. Zugleich wurde mit der Auslobung des Turniers bekannt gegeben, das der Sieger des Turniers, sofern es nicht Emanuel Lasker ist, zum “Kandidaten des Weltmeistertitels” erklärt wird. Zu diesem Turnier wurden Meisterspieler eingeladen, die in den 20 Jahren zuvor,  stark besetzte internationale Turniere gewonnen hatten. Von den eingeladenen Spielern sagten 7 Teilnehmer ab, so dass man beschloss das Turnier mit nur 11 Spielern auszutragen. Der Modus sah vor, dass zunächst alle Spieler eine Partie gegeneinander spielen. Danach spielten die fünf Besten noch einmal

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Paul Keres – 19 Jahre alt !

Der estnische Großmeister Paul Keres (1916-1975) gehörte 40 Jahre zu den besten Spielern der Welt, schlug neun Weltmeister, konnte diesen Titel aber nie gewinnen. Beachtlich ist auch seine Spielbilanz während dieser Zeit. Insgesamt spielte er 1328 Partien, von denen er 952 gewann. In nur 188 Partien gab es ein Remis, was auch als Resultat seines großen Kampfgeistes verstanden wird. Zudem ebenfalls in 188 Partien ging er als Verlierer vom Brett. In seiner Heimat wird er heute noch als Nationalheld verehrt und anlässlich seines 100. Geburtstages gab man ihm zu Ehren im Jahr 2016 eine 2-Euro-Gedenkmünze heraus. Ihm zu Ehren wurden

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11. h4 Ke8-d7!!?

Der Este Paul Keres (1916-1975) lernte Schach im Alter von 5 Jahren. Anfangs waren der Vater und der ältere Bruder seine Gegner, doch schon bald trat er dem Schachklub in seinem Heimatort Pärnu bei. Als 12-Jähriger besiegte er den späteren Ehren-Großmeister Mikenas in einer Simultanvorstellung. Durch die öffentliche Wirkung des Sieges wurde Keres zur Stadtmeisterschaft von Pärnu eingeladen, wo er im folgenden Jahr den 2. Platz erreichte. Sein Talent war früh erkennbar. 1933 nahm er erstmals an einer estnischen Landesmeisterschaft teil und teilte Platz 3 und 4. Nach dem Gewinn der Landesmeisterschaft, ging sein Stern auch international auf. Bei der

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Das dreifache Damenopfer

Alexander Aljechin (1892 – 1946) hatte als Weltmeister eine unglaubliche Dominanz gegenüber den führenden Spielern der Welt und prägte das Schach seiner Zeit. Wenn wir uns nun die Frage stellen, was ihn speziell auszeichnete, so bleibt nicht nur nüchtern die Feststellung, dass er nahezu jedes Turnier gewann, bei dem er mitspielte, sondern auch, dass er sich sehr gut auf seine Gegner einstellen konnte und grundsätzlich gegen jeden auf Sieg spielte, egal ob er die weißen oder schwarzen Steine führte. Er war ein herausragender Positions- und Kombinationsspieler, dessen Spiel so dynamisch war, wie bei keinem anderen Spieler seiner Zeit. So urteilte

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Der angriffslustige Berliner

Kurt Richter (1900 bis 1969) erlernte im Alter von 10 Jahren das Schachspiel von seinem Großvater. 1914 begann er eine Lehre als Versicherungskaufmann. Bedingt durch die Not im Krieg wurde er krank, die Krankheit begleitete ihn ein ganzes Leben lang. 1922 wurde er erstmals Stadtmeister von Berlin. Sein erster internationaler Achtungserfolg gelang ihm 1928 mit dem Gewinn des internationalen Turniers von Wiesbaden. 1934 wurde er in Niendorf Zweiter hinter dem Schweden Stahlberg. Als er 1929 aufgrund der Weltwirtschaftskrise seinen Arbeitsplatz verlor, widmete er sich ganz dem Schach. Er verdiente seinen Lebensunterhalt fortan mit Beiträgen in Schachzeitschriften und dem Schreiben von

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Der unglaubliche Abgabezug

Beim Schach bezeichnet der Ausdruck Hängepartie eine Schachpartie, die abgebrochen werden muß, um zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt zu werden. Bis Anfang der 1990er Jahre sahen die Schachregeln vor, dass Schachpartien nach Ablauf einer bestimmten Spieldauer, z. B bei einer Bedenkzeit von 2 Stunden für 40 Züge, zwingend unterbrochen, also vertagt werden mussten. Das Aufkommen von Schachprogrammen führte dann in den 1990er Jahren zu einer Änderung der Bedenkzeitregelung, so dass es Hängepartien heute nicht mehr gibt. Beim Abgabezug notierte der Spieler, der am Zug war, seinen nächsten Zug verbindlich auf seinem Partieformular, ohne dass der Gegner den Zug sehen konnte.

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Sir Erich

Nur wenige Menschen wissen, dem Datenschutz sei Dank, wie alt ich  bin. Als ich meinen ersten Schachklub  zum ersten Mal betrat und von innen sah, da war er, von dem heute die Rede ist, fast genau so alt wie ich heute. Nun sind wir 35 Jahre weiter und es freut mich  immer noch, wenn ich über ihn etwas lesen kann. Die Rede ist von Erich Krüger, dem langjährigen Vereinsmitglied des zweimaligen deutschen Mannschaftsmeisters, Essener Schachgesellschaft 04, ein ruhmreicher Verein, der 1993 in der Schachabteilung der Sportfreunde Katernberg aufgegangen ist, die nun seit kurzem Schachfreunde Essen-Katernberg 04/32 heißen. Soweit ich mich

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Er trainiert nur

Michail Botwinnik (1911-1995) war der sechste Schachweltmeister. Als einzigem Weltmeister gelang es ihm, seinen Titel zweimal in Revanchekämpfen zurückzuholen. Er gilt außerdem als eine der wichtigsten und einflussreichsten Personen, die die sowjetische Schachschule ermöglicht haben. Nach dem Tod Aljechins im Jahr 1946 bewarben sich die Niederlande und die Sowjetunion, um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft. Am Ende fand dieses Tunier in Den Haag und Moskau statt. Neben Botwinnk traten Paul Keres, Samuel Reshevsky, Max Euwe und Wassili Smyslow an. Der ebenfalls eingeladene Reuben Fine verzichtete aus beruflichen Gründen. Botwinnik siegte überlegen mit drei Punkten Vorsprung (14 aus 20) und wurde der

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Bella Figura

Stefan Löffler – Wo Schachgroßmeister mit russischen Oligarchen, Diplomaten, Bankern, Edeluhrmachern und schönen Frauen anstoßen wie bei der Party zum Auftakt des Genfer Grandprixturniers, wirkt die internationale Schachwelt noch in Ordnung. Doch hinter dem schönen Schein brodelt es. Dem Weltschachbund ist die Veranstaltungs- und Vermarktungsfirma Agon des Russen Ilja Merenzon inzwischen mehrere Hunderttausend Euro an Lizenzabgaben schuldig. Die Preisgelder des vorigen Grandprixturniers in Moskau wurden den Profis, wie Chess.com erfuhr, mit sechs Wochen Verspätung bezahlt – gerade noch rechtzeitig, um die Stimmung nicht zu verderben. Die Grandprixserie leidet unter zahlreichen Konstruktionsfehlern, die vorwiegend dem Weltschachbund anzulasten sind: Zu viele deutlich

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Michail Tal – ganz einfach

Michail Tals Spielweise unterschied sich grundlegend von der Spielweise der anderen Top-Spieler. In den Anfangsjahren erinnerte diese stets an die romantische Zeit des 19. Jahrhunderts. Die klassische Lehre verurteilte diese Art zu spielen, aber er gewann damit. Es ging ihm nicht um Wahrheit, sondern um Schönheit, prinzipiell ein altes, aber dank ihm, ein grundlegend neues Konzept. Nach dem Verlust seines Weltmeistertitels im Jahr 1961 tat er sich schwer, vereinzelt spektakuläre Partien, spielerisch entwickelte er sich nicht weiter. 1978/79 gab es noch einmal einen Aufstieg, bis hin auf den dritten Platz der Weltrangliste, dies führten Experten auf eine intensive Zusammenarbeit mit

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Darth Vader und die jungen Wilden

Ein Beitrag von Axel Eger – Favorit Liviu-Dieter Nisipeanu gewinnt die deutschen Schach-Meisterschaften in Apolda vor einem Quartett starker Talente. Wer ist euer Vater?, rief Liviu-Dieter Nisipeanu zur Siegerehrung in den Raum, dann gab der bekennende Star-Wars-Fan die Antwort augenzwinkernd gleich selbst: Ich bin es! Einen halben Punkt Vorsprung hatte der nominell beste deutsche Spieler vor einem Quartett starker Nachwuchsspieler, die alle seine Söhne sein könnten, ins Ziel gerettet und sich zum ersten Mal den Meistertitel geholt. Fraglos verdient, denn der 40 Jahre alte Deutsch-Rumäne, der seit 2014 für den Deutschen Schachbund spielt, agierte solide und geriet praktisch in keiner

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