Signal für das Spitzenschach

Entscheidung über neuen Grand-Prix-Modus: Chance für das K.-o.-System Das mit Abstand aufregendste, fesselndste, spannendste Turnier im Schachzirkus zu benennen, ist einfach: der alle zwei Jahre im K.-o.-Modus ausgetragene World Cup. Und das zweitaufregendste? Hmm. Da fällt uns auf Anhieb keines ein – und das ist ein Indiz für die Systemkrise, in der sich das organisierte Turnierschach befindet. Nächste Woche hat das FIDE-Präsidium die Chance, für alle Turnierveranstalter ein Zeichen zu setzen. Die Funktionäre befinden darüber, ob künftig auch der Grand Prix als K.-o.-Turnier ausgerichtet werden soll. Wo sonst bekommt die nigerianische Nummer drei die Chance, ein Match gegen den Weltmeister zu spielen (und sich mehr

Weiterlesen…

Zurück in die Zukunft: Iljumschinows Hintertür

Nach 23 Jahren geht die Ära des FIDE-Präsidenten Kirsan Iljumschinow zu Ende. Am Freitag zog der Kalmücke wie erwartet seine Kandidatur für eine erneute Präsidentschaft zurück. Aber weg ist Iljumschinow noch lange nicht. Als Verbündeter des Kreml-Kandidaten Arkadi Dworkowitsch könnte er weiter im Weltschach mitmischen. Dworkowitsch hofft sogar darauf. Vor 23 Jahren hat Iljumschinow tatsächlich den bankrotten und in Auflösung befindlichen Schach-Weltverband mit Finanzspritzen am Leben erhalten. Danach etablierte er ein System von Gefälligkeiten und Abhängigkeiten, das ihm erlaubte, über die Organisation und deren zentrale Figuren beliebig zu verfügen. Kein Wunder, dass die beiden anderen Präsidentschaftskandidaten Nigel Short und Georgios Makroupolos„Iljumschinow muss weg“ zur zentralen Botschaft ihrer Kandidatur gemacht

Weiterlesen…

Neues vom Hexer

Das Turnierbuch des Turniers in Nürnberg 1896 wurde vom Organisator Siegbert Tarrasch persönlich geführt. Bemerkenswert war allerdings, dass es neben der üblichen Tabelle mit den Resultaten der einzelnen Runden auch eine Tabelle des Glücksfaktors enthielt. Mit dieser Tabelle wurde festgehalten wer von den ersten 10 Preisträgern gegen wen mit Hilfe des “Glücksfaktors” gewann, obwohl die Stellung remis oder verloren war. Den ersten Platz dieser Tabelle belegte Emanuel Lasker. Nach den Aufzeichnungen Tarraschs war Lasker  in den Partien gegen Albin, Schalopp, Schiffers, Showalter und Tschigorin stets das Glück hold. Bevor Sie denken Lasker war nur ein Glückspilz schauen wir uns heute seine Partie

Weiterlesen…

Kater im Klub

Stefan Löffler – Leuven, Paris, vorher Berlin und Stavanger, demnächst St Louis. Die Schauplätze wechseln, die Protagonisten bleiben die gleichen: Sie heißen Anand, Aronjan, Caruana, Karjakin, Mamedscharow, Nakamura, So und Vachier-Lagrave. Binnen der letzten vier Wochen haben sie 72 Turnierpartien mit klassischer, schneller und Blitzbedenkzeit gespielt – ganz überwiegend gegeneinander. Zu diesem elitären Klub gehört eigentlich auch Grischtschuk, der einmal nicht dabei war und daher 18 Partien weniger auf dem Buckel hat. Im August erwarten diese neun Profis nochmal 36 Turnierpartien. Wieder fast nur gegeneinander. Sechs der Genannten trafen auch schon beim Kandidatenturnier im März je zweimal aufeinander. Am Sonntag

Weiterlesen…

Fabiano Caruana, der Favorit der Herzen: „Die Schachwelt braucht einen Wechsel“

Das WM-Match zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana ist wegen der misslichen Umstände im Weltschach gefährdet. Dennoch beschäftigt sich noch niemand ernsthaft damit, dass es tatsächlich ausfallen könnte. Viel zu groß ist die Freude auf den ersten WM-Kampf seit langem, in dem der Herausforderer mit Macht auf einen frühen Knockout drängen muss. Auch Caruana selbst fiebert dem Match entgegen: „Bis dahin ist alles andere zweitrangig.“ Die Teilnehmer der Grand Chess Tour, darunter viele Teilnehmer des Kandidatenturniers, die selbst Magnus herausfordern wollten, fiebern dem Match ebenso entgegen wie der gemeine Schachfan. Beim Grand-Chess-Tour-Stopp in Paris haben die versammelten Weltklassespieler jetzt die Chancen des Herausforderers geschätzt und sich

Weiterlesen…

Alles schon dagewesen!

Das Ziel des Spiels hat sich in den vergangenen 500 Jahren nicht geändert: Mattsetzen.  Aber dem Schachspieler haben sich unzählige neue Wege eröffnet, dieses Ziel zu erreichen. Manchmal machen die Meister von heute Züge, die für die Meister von gestern wie Anfängerschach aussehen. Hier zum Beispiel. Erst deckt der Schwarze seinen e5-Bauern mit …Ld6, obwohl das den d-Bauern und damit die Entwicklung des anderen Läufers behindert. Dann entwickelt Weiß einen Springer an den Rand, und Schwarz zieht sogleich mit einer schon entwickelten Figur ein zweites Mal, auch ein Springer, und den zieht er natürlich ebenfalls an den Rand. Der gestrenge

Weiterlesen…

Der Hexer

Im 19. Jahrhundert war es Tradition aus Anlass von Weltindustrie-Ausstellungen auch stark besetzte internationale Schachturniere zu veranstalten. Ich verweise auf die Veranstaltungen in London 1851 und 1862 sowie 1867 in Paris. Gleiches galt auch für die bayerisch/fränkische Ausstellung im Jahre 1896 in Nürnberg, die für deutsche Verhältnisse bis dahin neu und einzigartig war. Initiator dieser Veranstaltung war übrigens der Vorsitzende des örtlichen Schachklubs Siegbert Tarrasch, Laskers grosser Gegenspieler. Das Turnier rief in der Schachwelt grosses sportliches Interesse hervor, da Tarrasch zuvor in Petersburg nicht mitgespielt hatte und somit seinem Erzrivalen die Gesetzmäßigkeit seines Erfolges in Frage stellen konnte. Doch weder Tarrasch, noch Janowski, Steinitz oder

Weiterlesen…

Vom Kreml an die Schachspitze?

Stefan Löffler – Russland will in der FIDE das Sagen behalten. Darum schickt der Kreml ein politisches Schwergewicht vor. Arkadi Dworkowitsch hat seine Kandidatur für die Wahl während der Schacholympiade im georgischen Batumi am 3. Oktober bekanntgegeben. Zehn Jahre war er die rechte Hand des früheren Präsidenten und heutigen Ministerpräsidenten Russlands Dimitri Medwedew. Bis Mai war Dworkowitsch selbst einer von dessen Stellvertretern. Derzeit steht der 45 Jahre alte Wirtschaftsexperte dem Organisationskomitee der Fußball-WM und Russlands IT-Schmiede Skolkowo-Stiftung vor. Aber es geht Russland sicher um mehr, als einem verdienten Staatsmann ein weiteres Amt zu verschaffen. Dworkowitsch soll wohl auch beitragen, das

Weiterlesen…

Ein weiteres Ausrufezeichen!

Schaut man sich die FIDE-Weltrangliste vom 01.01.1969 an, so kommt man nicht umhin, einige interessante Feststellungen zu treffen. Unter den Top 100 findet man alleine 48 Spieler aus der Sowjetunion, ein klarer Ausdruck der russischen Überlegenheit zur damaligen Zeit. An der Spitze, dies überrascht vielleicht oder auch nicht, der US-Amerikaner Robert James Fischer (ELO 2720) vor Boris Spasskij (ELO 2690), der noch im gleichen Jahr Weltmeister werden sollte. Den damals noch amtierenden Weltmeister Tigran Petrosian finden wir lediglich auf Rang 5, hinter Viktor Kortchnoj (3.) und Ex-Weltmeister Michael Botwinnik (4.). Bereits auf Platz 28 der beste deutsche Spieler, Wolfgang Unzicker aus München, welcher sich diesen mit sechs weiteren Spielern teilte.

Weiterlesen…

Gegenkandidat mit dem Segen des Kremls

Er hat die Fußball-WM 2018 organisiert und war bis vor vier Wochen stellvertretender Ministerpräsident Russlands. Jetzt hat er Zeit für Schach. Arkadi Dworkowitsch steigt bei der kommenden Präsidentenwahl des Weltschachbunds FIDE als vierter Kandidat in den Ring – mit dem Segen des Kremls und des russischen Schachverbands Amtsinhaber Kirsan Iljumschinow hat damit jegliche Unterstützung aus der russischen Föderation verloren. Beobachter erwarten, dass der seit 1995 amtierende Präsident nun seine erneute Kandidatur zurückzieht, aber das ist bislang nicht passiert. Bis vor kurzem war er noch trotz allen Gegenwinds durch Asien und Afrika gereist, um bei den dortigen nationalen Schachverbänden für seine erneute Präsidentschaft zu werben. Dieser Tage soll

Weiterlesen…

Der Beginn einer Aufholjagd

Beim Turnier zu Sankt Petersburg 1914 hingen nach der 8. Runde der Vorrunde Laskers Chancen auf eine Finalteilnahme am berühmten seidenen Faden. Nach einem inkorrekten Bauernopfer hatte er überraschend gegen Bernstein verloren. Aus den letzten drei Runden konnte er dann aber noch 2,5 Punkte erzielen und somit in die Finalrunde der besten 5 Teilnehmer einziehen. Am 10. Mai 1914 nahm er dann die schier unmöglich erscheinende Aufholjagd auf und besiegte in  der ersten Partie der Finalrunde, in einem von beiden Seiten sehr scharf geführten Duell, den damals noch jungen Alexander Aljechin. Was ihn zu dieser Aufholjagd angetrieben hat, wissen wir nicht, jedoch ist

Weiterlesen…

„Opfere deine beiden Türme und rette mich!“

GM Dr. Helmut Pfleger – Auch heuer war es für die teilnehmenden Ärzte beim immerhin schon 26. Deutschen Ärzteschachturnier in Bad Homburg eine Freude, von Oberbürgermeister Alexander Hetjes mit launigen Worten und durchaus einem Schuss Selbstironie in der „schönsten Stadt Deutschlands“ mit ihrem natürlich auch „schönsten Kurpark“ begrüßt zu werden. Nicht dass die Ärzte keine Vergleichsmöglichkeiten hätten – sechs von ihnen waren von Anfang an stets dabei, wie wir dank der nicht genügend zu lobenden Erhebung von Dr. Branko Spasojevic wissen. Seit 1993 fand das Turnier immer in einem Kurbad statt – und natürlich war auch immer ein Spielcasino in

Weiterlesen…

Die chinesische Mauer hielt, die Hüfte nicht

Das NorwayChess-Turnier wird als Wettstreit der Versehrten und Unwilligen in die Schachgeschichte eingehen, selbst wenn alle Teilnehmer die verbleibenden Runden verletzungsfrei überstehen. Erst wollte Fabiano Caruana gar nicht antreten, dann drohte Shakh Mamedyarov wegen Zahnschmerzen auszufallen, dann stürzte Ding Liren vom Fahrrad und brach sich sie Hüfte. Statt am Brett zu sitzen, liegt er nun im Krankenhaus. Von der längsten Serie ohne Niederlage ist Ding Liren gleichwohl noch ein gutes Stück entfernt. Und diese Serie gehört nicht, wie man meinen könnte, dem als „Schachmaschine“ bezeichneten Exweltmeister José Raúl Capablanca (1888-1942), der als kaum besiegbar galt. Zwar bliebt Capablanca von 1916 bis 1924 ungeschlagen, spielte in dieser Periode aber nur 63

Weiterlesen…

Der verschmähte Qualitätsgewinn

Der deutsche Großmeister Hans-Joachim Hecht wertet rückblickend in seiner Biographie das Jahr 1973 als sein bestes Jahr als Schach-Profi. Lediglich beim “Centenarium Budapest”, einem Turnier der Kategorie 11, belegte er einen aus seiner Sicht “erwarteten” 12. Platz mit 6 Punkten aus 15 Partien, da sich seine “Verlustrate in Grenzen hielt”. An diesem Turnier nahm fast die komplette ungarische Spitze teil, lediglich Lajos Portisch fehlte. Die jungen ungarischen Spieler  Adorjan und Ribli, sollten sich vor allem mit den sowjetischen Spielern, Geller, Waganjan, Antoschin und dem neuen sowjetischen Hoffnungsträger Anatoli Karpov messen. Punktgleich mit Hecht (+2 =8 -5) landete der Jugoslawe Velimirovic (+3 = 6

Weiterlesen…

Caruanas gescheiterter Rückzug, Carlsens neue Sekundantin

Fabiano Caruana kam nicht raus aus seinem Vertrag. Zwei Wochen lang hat der WM-Herausforderer mit den Veranstaltern des Altibox-Turniers in Norwegen verhandelt, um aus dem Kräftemessen der zehn Weltklassespieler aussteigen zu dürfen. Vergeblich. Der norwegische Schachjournalist Tarjei J. Svensen verbreitete die Kunde von Caruanas gescheitertem Ausstiegsversuch während der erste Runde des seit Montag laufenden Turniers, bei der Caruana wie unlängst beim GrenkeChess in Karlsruhe auf Magnus Carlsen traf – und sich in einer vom Weltmeister ambitioniert geführten Partie eine Niederlage einhandelte. Carlsen: „Er hat nicht besonders gut gespielt“ Nach einem Bauernopfer Carlsens war Caruana unter Druck geraten, und den hielt Carlsen aufrecht, bis Caruanas Stellung in ihre Einzelteile

Weiterlesen…

Blinder Norweger lebenslang gesperrt -Betrug am Brett, kein Einzelfall

Als der Brite William Hartston 1977 das wunderbare Büchlein „Wie man beim Schach bescheißt“ veröffentlichte, waren weder der Inhalt noch der Titel ernst gemeint. Die Schachgemeinde erfreute sich an Hartstons Sammlung fiktiver Anekdoten rund um das königliche Spiel, dessen Akteure ja in Wirklichkeit über jeden Zweifel erhaben waren. Selbst wenn jemand beim ehrenvollen Wettstreit der Geistesakrobaten würde bescheißen wollen: Wie sollte das funktionieren? O  tempora, o mores! 40 Jahre später würde niemand eine Betrugsanleitung für Schach lustig finden, und sei sie noch so augenzwinkernd abgefasst. Betrug ist ein ernsthaftes, notorisches Problem, und das auf allen Leistungsebenen, am Brett gleichermaßen wie online. Wer mit Computerhilfe

Weiterlesen…

Schach in der vierten Dimension mit Käpt’n Blaubär

Der folgende Text stammt aus den Anfangszeiten des Internets. Beschrieben sind die ersten Gehversuche auf einem Internetschachserver, und zwar dem Internet Chess Club, kurz ICC. Heutzutage ist Internetschach nichts Besonderes mehr, und es gibt viele Angebote am Markt. Damals jedoch war das ganz neu, und total faszinierend! Wer hätte sich in meiner Jugend vor 40 Jahren jemals vorstellen können, dass man über das Internet weltweit mit starken Gegnern blitzen kann? Ich jedenfalls nicht, und so saß ich vor knapp 20 Jahren staunend vor dem Rechner! Den Text schrieb ich seinerzeit wie im Rausch, er wurde jedoch nie veröffentlicht. Beinahe wäre

Weiterlesen…

Der Spielverderber

Klaus Darga (*1934) ist ein geborener Berliner. Das Schachspiel erlernte er im Alter von 6 Jahren, mit 14 Jahren trat er einem Schachklub bei. Seine erste Teilnahme bei der Berliner Jugendmeisterschaft, im Jahre 1949, beendete er mit einem geteilten ersten Platz, den Stichkampf um den Titel verlor er allerdings. 1951 wurde er westdeutscher Jugendmeister und beendete 2 jahre später die Jugendweltmeisterschaft zusammen mit Oscar Panno ebenfalls auf dem geteilten ersten Platz. Der Weltmeistertitel ging aber aufgrund der besseren Feinwertung an seinen Kontrahenten. 1955 und 1961 gewann er die westdeutsche Meisterschaft. In den 60er Jahren gehörte er zu den besten deutschen Spielern und wurde 1970 beim

Weiterlesen…

Vincent Keymer – ein Traum wird Schach-Wirklichkeit …

Wir vom Schach-Ticker sind eigentlich nicht “nachtragend”, aber dieser Artikel ist so gut, dass wir ihn gerne verlinken !! Der 13-jährige Junge aus Saulheim/Rheinhessen auf einer Bühne mit der Weltklasse … Wenn etwas passiert, was keiner sich so richtig vorstellen kann, geschweige denn zu träumen wagt? Weder Vincent selbst, noch seine Familie, weder Trainer noch Betreuer, weder Sponsor noch die ganze Schachgemeinde. Sensation, Glück, Wunder oder doch nur der ganz normale Wahnsinn? Also doch alles strategisch, akribisch, systemisch und von klugen Köpfen durchdacht und von langer Hand geplant. Wir können die Frage nicht wirklich detailliert und exakt beantworten, aber was

Weiterlesen…

Dr. phil Paul Trögers ungewöhnliche Partie

Dr. phil Paul Tröger (1913 – 1992) trat 1928 in seiner Heimatstadt Augsburg dem Schachklub SK Augsburg 1873 bei. Von Beruf Sportjournalist gehörte er zu den Initiatoren der 1951 wieder gegründeten Fussball-Fachzeitschrift Kicker, die er bis 1955 als Chefredakteur führte. Später arbeitete Tröger freiberuflich unter anderem als Chefredakteur für die Fußball-Woche und als Redakteur für die Deutschen Schachblätter. Zu seinen großen Einzelerfolgen gehören neben den Gewinn der deutschen Meisterschaft im Jahre 1957 in Bad Neuenahr, auch die internationalen Erfolge 1947 beim Turnier in Kirchheim am Teck als auch 1955 in Kapfenberg. Weitere zahlreiche 2. und 3. Plätze vor allem in den 50er Jahren belegen seine

Weiterlesen…