Hastings Premier

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts existierte in Hastings ein großes Interesse am Schachspiel. Am 15. Juni 1882 fand  man in einer lokalen Zeitung eine Anzeige, dass am 28. Juni 1882 im Albert Temperance Hotel ein Schachkongress stattfinden wird. Anfangs wurden kleine regionale Turniere ausgerichtet, später kamen Lesungen  dazu, zu denen man auch Meisterspieler einlud. Im Sommer 1895 wurde erstmalig ein Meisterturnier als Rundenturnier mit 22 Spielern ausgetragen. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem der zweite Schachweltmeister Dr. Emanuel Lasker, sein Vorgänger Wilhelm Steinitz sowie Dr. Siegbert Tarrasch. Alle Drei galten als Favoriten auf den Turniersieg. Jedoch es gewann der erst

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Sieben mal sieben

Von Stefan Löffler – Keines der fünf wichtigsten Einladungsturniere konnte Magnus Carlsen dieses Jahr gewinnen. Mit seiner Dominanz sei es vorbei, meint Jan Nepomnjaschtschi. Die Konkurrenz komme inzwischen besser mit Carlsen zurecht. Außerdem falle es dem Weltmeister schwerer, sich zu motivieren, nachdem er schon alles gewonnen habe. Wenn Carlsen tatsächlich die Motivation abgeht, sollte er sich Yoshiharu Habu zum Vorbild nehmen. Der Japaner hat kürzlich einen bemerkenswerten Rekord aufgestellt. Habu gewann das renommierte Ryuo-Turnier zum siebten Mal und hat damit die sieben bedeutendsten Shogiturniere allesamt schon mindestens siebenmal gewonnen. Wer ein solches Turnier siebenmal gewonnen hat, trägt den Titel bis zu seinem Tod. Habu hält nun

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Saudis spielen Schach ohne Israelis

Von Dr. Gudrun Harrer – Erstmals werden die Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach in Saudi-Arabien ausgetragen. Für Frauen wurden Kleidungsvorschriften gelockert, Israelis bleiben aber ausgesperrt iad/Wien – Es müssen schwarze Tage für den saudischen Großmufti Abdulaziz Al Sheikh sein: Riad ist seit Dienstag Austragungsort der Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach – und die Fatwa des gestrengen Muftis, in der er das Schachspiel für islamisch unerwünscht erklärte, ist noch keine zwei Jahre alt. Schachspielen sei Zeitverschwendung und fördere die Rivalität, erklärte der direkte Nachkomme von Mohammed Ibn Abdul Wahhab. Das war jener fundamentalistische Islamprediger aus dem 18. Jahrhundert, nach dem der

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“Studien — hohe Kunst und doch kein Kunstschach”

FIDE Meister Dirk Paulsen liefert ein Potpourri eigener Unzulänglichkeiten — und es ist ihm kein bisschen peinlich. Motto: jeder blamiert sich, so gut er kann. Der verlässlichste Weg: Schachstellungen vorstellen und analysieren, und dabei NICHT die Engine mitlaufen zu lassen. Da ist so gut wie jeder Zug ein Fehler. Nur bleibt er dann ebenfalls wie er ist und wie sich auch der FM präsentiert: menschlich. Vielleicht allein deshalb sehenswert? “In diesem Video versucht FM Dirk Paulsen seine Faszination für Studien näher zu bringen, indem er den Facettenreichtum von Komposition über Schönheit, Kunst und Umsetzung bis hin zur Lösung nach bestem Wissen und Gewissen aufzeigt. Wenn

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Ullis Randnotizen – Nachdenklich

Vor einigen Tagen sprach mich ein alter Freund an und beschwerte sich über die Langeweile, die im Schachsport herrsche. Es fehle die Spannung. Selbst eine noch so professionell organisierte Veranstaltung und perfekteste Internetpräsentation ändere nichts daran. Vor allem würden die Partien viel zu lange dauern. Außerdem wären Schachspieler in der Regel doch eher unterkühlt. Sie würden keine Emotionen zeigen. Nach Verlustpartien schiebe kaum jemand mehr wütend die Figuren zusammen, beschimpfe den Gegner oder würde den König quer durch den Turniersaal werfen. Nach Siegen mache man auch weder eine Beckerfaust noch finde eine Jubelorgie statt. Szenenapplaus im Turniersaal sei ja sowieso

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In der Ausgabe 52/1980 urteilte der Spiegel einst …

  “Der Amateur und kauzige Einzelkämpfer Robert Hübner ist ein Schach-Profi auf Zeit geworden, der Teamgeist entwickelt und mit neuen Methoden trainiert. Aus den Zügen künftiger Gegenspieler in Hunderten von Partien schließt er auf ihre Charaktere und ihr Verhalten in weiteren Wettkämpfen. Solche Studien brachten ihn ins Kandidaten-Finale, das am 20. Dezember in Meran beginnt…” Die FIDE wollte es so, nicht nur zur Überraschung beider Spieler sondern auch zum Verdruß von Hübners Gönner und  Förderer Wilfried HIlgert. Der Wettkampf hatte damals zu diesem Termin begonnen, dieser war auf 16 Partien angesetzt, bei 4 Partien pro Woche. Auf Feiertage und Jahreswechsel wurde laut

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Schlussspurt in Madrid

Auf Beschluss der FIDE erhielt Anatoli Karpov als Juniorenweltmeister einen Freiplatz für das Interzonenturnier in Leningrad 1973. Dadurch entfiel für ihn die Verpflichtung, das stark besetzte Zonenturnier der 40. UDSSR Meisterschaft zu spielen. In diesem belegte er dann zusammen mit Viktor Kortchnoi den geteilten ersten Platz und qualifizierte sich damit erstmalig für das Kandidatenturnier, bei dem er dann im Viertelfinale auf Lew Polugajewski treffen sollte. Zuvor gab es aber noch, am Ende des Jahres 1973, das Turnier in Madrid, bei dem der junge Hoffnungsträger des sowjetischen Schachs zunächst eine verhaltene Rolle spielte. Nach einem gutem Start von 2.5 Punkten bei

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Kann man paradox steigern? Scheint so!

Sam Loyd hat sicher eine Menge hoch spannender Probleme — und nicht nur schachlicher Natur — konstruiert , von welchen vermutlich dem gewöhnlichen Schachfreund gar nicht so viele bekannt sein dürften? Erinnerlich könnte aber vielleicht dem Einen oder Anderen sein, dass eines davon die lächerlich (erscheinende) Forderung enthielt: „Matt in einem Zug.“ Sollte man jedoch mit dieser Aufgabe konfrontiert sein, so ist es denkbar, dass gar ein Schachgroßmeister zunächst in andächtiges Schweigen verfällt — um sich nicht zu blamieren. KANN doch nicht so schwierig sein, oder? Dass es jedoch ein Problem geben soll mit dieser weiterhin lächerlichen Forderung, welches zwar

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Laskers 100% und die Folgen

Um in den Kampf um die Weltmeisterschaft eingreifen zu können, forderte Emanuel Lasker im Jahr 1892 Siegbert Tarrasch zu einem Wettkampf heraus, den dieser jedoch mit dem Hinweis ablehnte, Lasker möge bitte erst einmal ein großes Turnier gewinnen. Stattdessen zog Tarrasch es vor, mit Chigorin einen Wettkampf zu bestreiten, da dieser mit Steinitz bereits zweimal um die Weltmeisterschaft gekämpft hatte, wobei er selbst die großen Turniere in Breslau 1889, Manchester 1890 und Dresden 1892, welche er gewonnen hatte, als Referenz vorzuweisen hatte. Aufgrund fehlender schachlicher Perspektiven in Europa reiste Emanuel Lasker Ende 1892 nach Amerika, wo er gegen verschiedene amerikanische

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Dana Reizniece-Ozola – eine Schachgroßmeisterin geht ihren Weg!

Von Werner Fischer – Wer sagt denn, dass Spitzenspieler/innen im Schach einseitig begabt sind – und auch nicht alle haben einen Spleen? Ein Vorurteil, welches sich hartnäckig hält; insbesondere unter Nichtschachspielern. Unter Schachspielern ist weitgehend bekannt, dass Meisterspieler auch im richtigen Leben zu ausgezeichneten Leistungen in der Lage sind. Man denke z.B. an die Weltmeister Emanuel Lasker (Mathematiker und Philosoph, der mit Einstein disputierte), Jose Raul Capablanca (Diplomat), Alexander Alexandrowitsch Aljechin (Jurist / Dr.?), Max Euwe (Mathematiker und FIDE-Präsident 1970-1978) und Wassili Wassiljewitsch Smyslow (Opernsänger) – also alles angesehene Berufe, die alleine schon den ganzen Menschen fordern können. Wer jetzt

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Das erste Duell

Als Wolfgang Uhlmann 1971 im Viertelfinale des Kandidatenturniers dem Dänen Bent Larsen unterlag, war dies aus der Sicht vieler ein erwartetes Ergebnis, da Larsen ohnehin als einer der besten Spieler der Welt angesehen wurde. Dabei wird gerne übersehen, dass dies nicht die erste Auseinandersetzung der beiden Weltklasse-Spieler war. In vielen Partien zuvor hatte der Däne einen mehr als schweren Stand gegen die ostdeutsche Nr. 1, so auch bei der ersten Partie im Jahr 1957, die wir heute betrachten werden. Ein paar Worte zum Gegner. Jorgen Bent Larsen (1935-2010) wurde 1955  Internationaler Meister, den Titel Grossmeister erhielt er aufgrund seines hervorragenden Abschneidens bei

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Vom Düsseldorfer „Seeklima“ und anderen Handicaps

Von Dr. Helmut Pfleger – Vor über hundert Jahren meinte der englische Schachmeister Joseph Henry Blackburne einmal, er habe noch nie gegen einen gesunden Gegner gewonnen. Schon immer verlor der Mensch nicht gern, und offenbar waren Ausflüchte seit jeher wohlfeil: Selbst der größte unter den schachspielenden Ärzten, Dr. med. Siegbert Tarrasch, war davor nicht gefeit, als er seine Niederlage im WM-Kampf 1908 gegen Emanuel Lasker auf das „Seeklima“ in Düsseldorf zurückführte. Blackburne selbst behalf sich bei seiner lebenslangen Kränklichkeit mit dem eifrigen Konsum von Whiskey. Offensichtlich mit Erfolg – er wurde noch mit 72 Jahren Briti­scher Meister und bekam in

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Ein genialer Altmeister

Wolfgang Uhlmann (*1935) war lange Zeit die Nummer 1 in der DDR. Bereits früh wurde sein Talent sichtbar, als er 1951 im Alter von 16 Jahren die gesamtdeutsche Jugendmeisterschaft gewann. Mit Hilfe der staatlichen Förderung konnte er sich ausschliesslich dem Schach widmen. Insgesamt gewann er in den Jahren 1954 bis 1986 elf mal die nationale Meisterschaft.1956 wurde ihm der Titel des Internationalen Meisters verliehen, 1959 erhielt er den Grossmeistertitel. In den 60er Jahren hatte Uhlmann seine sportlich erfolgreichste Phase und überholte damit die westdeutschen Grossmeister Wolfgang Unzicker und Lothar Schmid. 1964 gewann er zusammen mit Lew Polugajewski in Sarajevo und

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Das Wandern ist des Königs Lust

Von den vielen Beschreibungen, die man über [[Hans-Joachim Hecht]] (*1939) findet, gefällt mir “Der Mann aus dem Osten, der für den Westen spielte” am besten. 1961 brach er mit der DDR, gab seinen Pass zurück und siedelte endgültig nach West-Berlin über, dort hatte er  bereits einen Wohnsitz. Als Schachspieler hatte er sich im Westen schon einen Namen gemacht und spielte bereits ein Jahr später für die westdeutsche Nationalmanschaft bei der Schacholympiade in Varna. Hecht wurde 1969 Profi, was er bis 1974 auch blieb. 1973 erspielte er sich den Grossmeister-Titel. Zu seinen Turniererfolgen gehören unter anderem der Gewinn des Dähne-Pokals 1964

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Zauberschach – Wie man mit einer Niederlage berühmt wird

Die heutige Partie selbst zu kommentieren ist gar nicht möglich, denn diese wurde zu häufig, in Form von Artikeln und Schachvideos, gewürdigt. Im wesentlichen begnüge ich mich mit den Anmerkungen aus Hans-Joachim Hechts Buch “Rochaden – Schacherinnerungen”. Das hier gleich gezeigte Kombinationsmotiv war damals nicht neu. Der 19. Zug von Michael Tal erinnert an die berühmte Partie Lilienthal – Capablanca, aus dem Turnier zu Hastings 1934/1935. Um die Bedeutung der Partie für den Sieger zu ermessen, muss man wissen, dass der Schachzauberer aus Riga Lette war und die Letten sich von den damaligen Machthabern “besetzt und unterdrückt” fühlten. In einem

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„Zum Siegen verdammt“

Münchner Schach-Bundesligisten konzentrieren sich auf Duell mit Kellerkind Speyer-Schwegenheim / Meister Baden-Baden brütet wohl ohne Topstars Von Hartmut Metz Der derzeit erfolgreichste Schachspieler auf dem Globus, der Ex-Weltmeister und der Weltranglistendritte könnten am Samstag (14 Uhr) und Sonntag (10 Uhr) im Biergarten Waldheim ihre genialen Züge aufs Brett werfen – doch Markus Lammers bezweifelt, dass der deutsche Meister OSG Baden-Baden den armenischen Weltcupsieger Lewon Aronjan, den Inder Viswanathan Anand oder den Franzosen Maxime Vachier-Lagrave in der Bundesliga brüten lassen. „Gegen die Münchner Vereine brauchen die das nicht. Da reicht es, wenn die Kurstädter ihre zweite Garde ab Ranglistenplatz neun bis

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Das Erbe von Tarrasch

Zu Beginn der 80er Jahre griff der junge Garry Kasparov mit Schwarz auf eine Eröffnungsidee zurück, die einst von Dr. Siegbert Tarrasch in die Turnierpraxis eingeführt wurde. Anfangs erzielt er mit ihr grosse Erfolge, bis er dann im ersten Weltmeisterschaftskampf 1984 gegen Anatoli Karpov die eine oder andere bittere Niederlage hinnehmen musste. Die Auswirkung ist bekannt, Kasparov wandte sich danach lange Zeit der Grünfeld-Indischen Idee zu. Dabei wird gerne übersehen, dass die Eröffnung von Grunde her nicht widerlegt und nach wie vor spielbar ist, denn sie bietet genügend Möglichkeiten auf ein dynamisches verwickeltes Spiel. Ein Verfechter dieser Eröffnung vor Kasparov,

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Laskers Meilenstein

Als Emanuel Lasker 1894 im Weltmeisterschaftskampf gegen Wilhelm Steinitz siegte, war dies für viele nur das logische Resultat, des vermeintlich ungleichen Kampfes zwischen Jung und Alt. Viele Schachgrößen jener Zeit, darunter Dr. Siegbert  Tarrasch oder  der Amerikaner Harry Nelson Pillsbury, wollten die Rangordnung im Weltschach schnellst möglich korrigieren. Das bedeutende Turnier von Hastings 1895 verzeichnete die stärksten Spieler der damaligen Zeit am Start, welches der Amerikaner Harry Nelson Pillsbury vor Tschigorin und Lasker gewann, dabei aber gegen diese beiden Schachgrößen verlor. Beim folgenden 4-er Einladungsturnier in Sankt Petersburg 1895/1896, wo Tschigorin, Lasker, Pillsbury und Steinitz eingeladen waren und jeweils 6

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Smyslov – sein feiner Stil

Wenn man die Schach-Experten und Schach-Enthusiaten fragt, wer von den Weltmeistern der Allerbeste war, dann wird “Er” bestimmt nicht genannt. Sein Stil war bei weitem nicht so spektakulär, wie der von Kasparov oder Fischer, den meist genannten Helden. Sein Stil war einfach und es verblüfft immer wieder, wie wenig Widerstand Spieler der absoluten Weltklasse ihm entgegen zusetzen hatten. Auch wenn die Partien nicht so erfrischend sind, wie die von Michael Tal, lohnt es sich, diesen Stil zu studieren. Die Rede ist von Vassily Smyslov. Vielfach urteilt man, dass sein Spielstil, den Verteidigungstechniken der damaligen Zeit weit überlegen war. Doch wie

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Ein Plädoyer für die Dilworth-Variante

In den 70 er und 80 er Jahren war der offene Spanier  dank der Bemühungen einiger Weltklasse-Spieler z. B. Dr. Robert Hübner, Viktor Kortchnoi, Tan Timman eine viel gespielte Eröffnung. Nicht unerheblich in diesem Zusammenhang waren mit Sicherheit auch die beiderseitigen Bemühungen von Anatoli Karpov mit Weiss und Viktor Kortchnoi mit Schwarz bei den WM-Kämpfen 1978 in Baguio City und 1981 in Meran. Bedauerlicherweise ist diese schöne Eröffnung heute etwas aus der Mode gekommen, obwohl diese Eröffnung nach wie vor sehr solide ist, wie auch einige Partien der sogenannten 2700 er hin und wieder belegen. Eine gewisse Faszination löst dabei stets

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