In Dortmund fallen Könige – Schach löst den Fußball ab

„Nach dem Fußball ist Schach“ lautet jetzt das Motto in Dortmund. Die Geisterstunde von Marseille ist vorbei. Was den deutschen Kickern dort fehlte, war ein Schuss Unberechenbarkeit und vor allem Schüsse ins Tor. Beim Sparkassen Chess-Meeting fallen indes keine Tore, sondern Könige.

Gruppenbild mit Dame – das Feld von Dortmund

Seit dem heutigen Samstag schauen die acht Großmeister des Sparkassen Chess-Meetings auf ihre Bretter, und die Schachwelt blickt nach Dortmund. Das Feld ist wieder mal erlesen. Mit den Exweltmeistern Wladimir Kramnik (Russland), Ruslan Ponomarjow (Ukraine) sowie Vorjahressieger Fabiano Caruana (USA) sind drei Spieler dabei, die das stärkste Turnier in Deutschland schon gewonnen haben. Vier ganz unterschiedliche Neulinge wollen ihnen gern Paroli bieten: der Franzose Maxime Vachier-Lagrave, der Kubaner Leinier Dominguez, Aeroflot-Open-Sieger Jewgeni Najer (Russland) sowie Rainer Buhmann. Komplettiert wird das Feld von Liviu-Dieter Nisipeanu, der voriges Jahr mit couragiertem Spiel und dem geteilten zweiten Platz im Gesamtklassement überraschte. DSB-Präsident Herbert Bastian drückte zum Auftakt in Dortmund seine Freude aus, dass zwei deutsche Nationalspieler wiederum Gelegenheit bekommen, sich mit der Weltspitze zu messen.

In Dortmund fallen Könige – Schach löst den Fußball ab weiterlesen

Schach trifft Kultur

(Fred Ape)

Die Eröffnung des diesjährigen Sparkassen Chess-Meetings im NRW Orchesterzentrum im Herzen des Dortmunder Brückstraßenviertels war durch Musik und Kunst geprägt. So erhielt Christiane Köhne, die die Schachtage schon lange durch imposante Fotoausstellungen begleitet, mit dem Salomon-Elkan-Preis ausgezeichnet. In diesem Jahre wählte sie das Buch “Die Schachnovelle” von Stefan Zweig als Grundlage für ihre Fotos, die während des gesamten Meetings im Foyer des Orchesterzentrums ausgestellt sind. Das Sparkassen Chess-Meeting hat nun seine eigene Hymne. Der Dortmunder Liedermacher spielte als Weltpremiere die “Ode an die Schachstadt Dortmund”. Tosender Applaus war das sichere Zeichen: die Ode kam bei den Schachfans sehr gut an. Den Text hat der Musiker gemeinsam mit Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe geschrieben.

Schach trifft Kultur weiterlesen

Randnotitzen

Arbeiten von Christiane Köhne
Arbeiten von Christiane Köhne

In wenigen Stunden beginnt das GM-Turnier in Dortmund. Das 44. Sparkassen Chess Meeting wird wieder viele Schachspieler aus nah und fern anlocken. Vladimir Kramnik nimmt schon zum 22. Mal an seinem Turnier teil und hat die Chance es abermals, und das zum 11. Mal, zu gewinnen. Eine erfreuliche Nachricht erhielt Ruslan Ponomariov, der soeben Vater geworden ist und ebenso erfreulich, dass Turnierdirektor Stefan Koth geheiratet hat. Last but not least: Christiane Köhne (Künstlerin und Fotografin), bekannt auch durch das “Foto des Monats” auf dem Schach-Ticker, erhält heute den Salomon-Elkan-Ehrenpreis.

Randnotitzen weiterlesen

Dortmund-Vorbericht

Drei Favoriten, so sehe ich es … – Ein Beitrag von Thomas Richter

Vor jedem Turnier kann man Fragen stellen, die dann während dem Turnier beantwortet werden, diesmal aufgrund “passender” Auslosung tendenziell vielleicht schon in den ersten beiden Runden. Wer sind meine drei Favoriten? Als Fragen formuliert: Wird Kramnik sich wieder auf “50%” verbessern? Macht Caruana den nächsten Schritt, um ihn irgendwann als Dortmundominator abzulösen? Was macht Vachier-Lagrave? Da MVL in Dortmund debütiert, gebe ich den beiden anderen das Titelfoto – alle Fotos aus dem Archiv der Turnierseite, dieses aus dem Jahr 2015.

Sponsordame Jenny Schnitter und der Herr mit Krawatte, der auch nicht selbst mitspielte, drücken kleidungsmässig dem Weisspieler Kramnik die Daumen, aber Caruana gewann mit Schwarz – diese Partie in Runde fünf und in der siebten und letzten Runde auch das turnierentscheidende Duell gegen, wer hätte das vorher gedacht, Nisipeanu.

Vielleicht gibt es aber auch, nicht zum ersten Mal in Dortmund, eine Überraschung. Und jedenfalls aus deutscher Sicht wird ohnehin auch interessant, wie Teilnehmer mit Elo unter 2798 abschneiden, daher nenne ich nun alle acht: Kramnik, Caruana, Vachier-Lagrave, Dominguez, Ponomariov, Najer, Nisipeanu, Buhmann. Wie kam dieses Feld zustande?

Dortmund-Vorbericht weiterlesen

Das “Dortmunder Sparkassen Chess-Meeting”

I. Die Weltkarriere eines Schachturniers

Foto oben: Eugen Schackmann, einer der Begründer der Internationalen Dortmunder Schachtage, im Gespräch mit Ex-Weltmeister Boris Spaakij

Kasparow hin, Kramnik her: Das spektakulärste Match der bisherigen Schachgeschichte ist und bleibt die sensationelle WM-Begegnung des Jahres 1972. Titelverteidiger Boris Spasski (UdSSR) und Bobby Fischer (USA) trafen aufeinander. Hochstilisiert zum „Kampf der politischen Systeme“ zwischen Ost und West. Der Weltschachverband FIDE schrieb den WM-Kampf aus, auch Dortmund bewarb sich. Am 7. Januar 1972 hieß es in einer städtischen Aktennotiz:

Das “Dortmunder Sparkassen Chess-Meeting” weiterlesen