Großes Echo auf Computer-WM im
Chess960
Mehr als 20 Programmierer pilgern zur Premiere nach Mainz
Von Mark Vogelgesang
„Als wir die Ankündigung der ersten Computer-WM im Chess960 Ende
Dezember 2004 veröffentlicht haben, war uns nicht klar, wie die
Schachprogrammierer die Veranstaltung aufnehmen werden“, erinnert sich
Eric van Reem. Aber schon im Januar lagen den Organisatoren zehn feste
Anmeldungen vor. Inzwischen gibt es mehr als 20 feste Anmeldungen. Die
Premiere im Chess960 wird somit definitiv bei den Chess Classic Mainz
(9.-14. August) stattfinden.
„Der Event ist ein wichtiger Bestandteil unseres Konzepts, denn
Chess960 braucht leistungsfähige Engines als Werkzeuge zur Analyse“,
befindet Hans-Walter Schmitt, Chef der Chess Tigers e.V., dem
Veranstalter der Computer Weltmeisterschaft. „Wir freuen uns über die
große Resonanz, die der Wettbewerb bei den Schach-Programmierern
offensichtlich findet und werden alles tun, um ein Turnier zu
organisieren, das den hohen Standards entspricht, die wir uns auch
beim FiNet und Ordix Open gesetzt haben.“
Als eines der Highlights gibt Eric van Reem bekannt, dass Mark Uniacke
(Foto), der Autor von Hiarcs, seine Teilnahme bestätigt hat.
„Mark war von Anfang an begeistert von der Idee, Hiarcs auf Chess960
zu erweitern. Hiarcs ist eine hervorragende positionelle Engine und
gehört meiner Meinung nach in jedem Fall zu den Favoriten. Hiarcs hat
in Chess960-Testturnieren immer sehr gut abgeschnitten.“ Der Holländer
kennt Hiarcs und Mark Uniacke gut, denn 2003 organisierte er zusammen
mit der Stiftung Chess Events Maastricht ein Match über vier Partien
zwischen dem Weltklassespieler Jewgeni Barejew und Hiarcs. In diesem
Match, das 2:2 endete, konnte Hiarcs einmal mehr durch sein
Positionsverständnis glänzen und musste sich auch gegen einen so
starken Positionsspieler wie Barejew in keiner Partie geschlagen
geben.
Zwei weitere Entwickler von Schach-Engines mit kommerziellen
Anwendungen werden mit von der Partie sein: Der Belgier Gian-Carlo
Pascutto mit Sjeng und das Team um Anaconda, Frank Scheider und Kai
Skibbe. Bedeutet das, dass die Amateure zwangsläufig leer ausgehen
werden? „Wir haben den Preisfonds ganz bewusst so aufgeteilt, dass
nicht nur die professionellen Programmierer eine Chance haben, Geld
mit nach Hause zu nehmen. Wir verteilen den Preisfonds so, dass auch
Amateurprogrammierer eine Chance haben, bei der Verteilung mit dabei
zu sein“, erklärt van Reem.
Zugesagt hat auch das Team von Spike, Ralf Schäfer und Volker Böhm,
die beim Computerschach-Turnier in Paderborn überraschten. Dort
belegte das Programm den vierten Platz und war damit das
erfolgreichste Amateurprogramm. Am schnellsten gehandelt hat aber ein
anderer: Anastasios Milikas aus Griechenland. Der Grieche teilte den
Organisatoren schon im März mit, dass für seine Engine AICE eine
Chess960-Version verfügbar ist und im Internet zum Download bereit
steht. Selbstverständlich wieder in Mainz dabei ist Richard Pijl.
Dessen Programm The Baron hatte im Vorjahr einen Freundschaftskampf im
Chess960 gegen den armenischen Weltklassespieler Levon Aronjan 1:1
gehalten.
Mit dabei sind außerdem Tord Romstad mit Glaurung, Volker Annuss mit
Herrmann, Reinhard Scharnagl mit Smirf, Tony van Roon-Werten mit Xinix,
Ralf Dörr mit Nexus, Daniel Mehrmann mit Homer, Tom Vijlbrief und Hans
Secelle mit Ant, Roland Pfister mit Patzer, Fritz Reul mit List,
Jochen Peussner mit Neurologic, Jaime Benito mit Ayito, Eric Tricki
mit E.T. Chess, Dimitry Morozov mit Quazar, Thomas Meyer mit Quark
sowie Stefan Knappe mit Matador. Alle Programmierer werden persönlich
ihre Engines bedienen.
Mit mehr als 20 Teilnehmern wäre die Chess960 Computer WM der
erfolgreichste Computerschach-Event seit Jahren. Zum Vergleich: An der
Computer-WM im traditionellen Schach, die im August 2004 in Tel Aviv
ausgetragen wurde, nahmen lediglich 14 Programmierer teil. Dieses Jahr
fällt die Computerschach-WM ganz aus. Das größte Turnier in
Deutschland, das IPCCC in Paderborn, das Ende Februar ausgetragen
wurde, konnte 16 Teilnehmer vorweisen.
„Ich war in den letzten Jahren bei allen wichtigen
Computerschachturnieren anwesend und habe gemerkt, dass es immer
schwieriger wird, ein interessantes Teilnehmerfeld zu bekommen. Diese
WM ist genau richtig, um das Interesse an Computerschach wieder neu zu
entflammen“, meint van Reem, Chefredakteur der niederländischen
Zeitschrift „Computerschaak“. Vielleicht liegt der neue Schwung auch
daran, dass im Chess960 wirklich Programm gegen Programm spielt, und
nicht Eröffnungsbuch gegen Eröffnungsbuch antritt. Die Resonanz der
Entwickler aus aller Herren Länder zeigt, dass Chess960 eine neue und
interessante Herausforderung darstellt. Stefan Knappe, Entwickler von
Matador, hatte in Paderborn nach einer verlorenen Partie geklagt:
„Mein Programm ist nicht schlecht, aber ich verliere regelmäßig, weil
mein Buch nicht gut genug ist.“ Deshalb sei „die Chess960-WM für mich
eine ausgezeichnete Gelegenheit, um zu zeigen, dass mein Programm
richtig gut spielen kann“.
Offen ist momentan die Frage des Hardware-Sponsors. „Wir sind im
Dialog mit zwei Unternehmen, die sehr gut zu der Chess960-WM passen
würden. Noch haben wir keine feste Zusage, aber wir werden weiter
versuchen, den Teilnehmern vor Ort Hardware zur Verfügung zu stellen“,
kündigt van Reem an.
Fototexte:
Mark Uniacke zählt mit Hiarcs zu den Topfavoriten der ersten
Chess960-WM.
Richard Pijl spielte im Vorjahr mit The Baron gegen Großmeister Levon
Aronjan 1:1.
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