Frauen ermitteln in Chanty Mansijsk ihre Schachkönigin


Während bei den Männern längst noch nicht geklärt ist, ob das Kandidatenturnier in London (20. März bis 30. April 2013) wie geplant stattfinden wird – Wesselin Topalows Manager Sivio Danailow, seines Zeichens auch Präsident der Europäischen Schachunion (ECU, hat die FIDE wegen der Vergabe der Weltmeisterschaftszyklen an die Firma AGON verklagt – , sitzen die Frauen wohl schon auf gepackten Koffern. Vom 9. November (Anreistag) bis 2. Dezember (Abschlussfeier) werden 64 Damen um die Schachkrone spielen, die Chinas Schachkönigin Hou Yifan zu verteidigen hat.

Die FIDE hat sich dabei einen besonderen WM-Modus einfallen lassen. Abwechselnd wird nämlich künftig im K.o.-System und im Zweikampf jährlich die Frauen-Weltmeisterin ermittelt. Ein Ausruhen auf gerade errungenen Lorbeeren gibt es also für das weibliche Geschlecht nicht mehr. Ob das nun unbedingt gut für die Entwicklung im Frauenschach ist, wird sich zeigen. In jedem Fall aber könnte es so mehr öffentliche Aufmerksamkeit als bisher geben. Und das wäre ja schon etwas, oder?!

Was Hou Yifan (Foto) angeht, die gerade mit Hikaru Nakamura, Anish Giri und Sergej Tiwjakow beim Kronenturnier im niederländischen Hoogeveen die Klingen gekreuzt hat, weiß man noch nicht, ob es ihre Generalprobe für die Aktion Titelverteidigung gewesen ist, oder ob sie Chanty Mansijsk sausen lässt. Für das WM-Match 2013 hat sie sich als Siegerin des Frauen-Grand-Prix 2011/12 in jedem Fall qualifiziert. So könnte sie sich, will man den Gerüchten glauben schenken, auf die Adrian Michaltschischin in seinem Bericht über das letzte Turnier der abgeschlossenen Grand-Prix-Serie in SCHACH 11/2012 hinweist, getrost ihrem gerade aufgenommen Studium an der Universität in Peking widmen.

Sollte also die 18-jährige Chinesin verzichten, dann könnte die ihr im WM-Match im November 2011 in Tirana unterlegene Humpy Koneru erstmals den Frauen-Titel nach Indien holen. Das setzt freilich voraus, dass sich die dreifache Jugendweltmeisterin nervlich endlich einmal in bester Verfassung präsentiert. Und das gegen stärkste Konkurrenz. Immerhin sind mit Zhu Chen (2001-2004/ehemals China), die inzwischen für Katar spielt, der Bulgarin Antoaneta Stefanowa (2004-2006) und Alexandra Kostenjuk drei Exweltmeisterinnen am Start. Dazu kommen mit Valentina Gunina (2012), Tatjana Kosinzewa (2009/beide Russland), Pia Cramling (2003 und 2008/Schweden), Kataryna Lahno (2004 und 2008), Natalia Schukowa (2001/beide Ukraine), Almira Skripchenko (2001/Frankreich) und Viktoria Smilyté (2011/Litauen) weitere Spielerinnen der Extraklasse, die bereits mindesten einmal Europameisterin gewesen sind.

Dass größte Kontingent wird erwartungsgemäß Olympiasieger Russland mit zwölf Teilnehmern Russland vor China (6) stellen.

Ein Blick auf die von der FIDE veröffentlichten Starterliste zeigt auch, dass sich keine deutsche Spielerin für die K.o.-WM in Chanty Mansijk qualifiziert hat. Die Chancen dazu bestanden bei den kontinentalen Titelkämpfen 2010 und 2011, wo immerhin 28 WM-Plätze im Angebot waren. Aber leider konnte selbst Deutschlands unumstrittene Nummer 1 Elisabeth Pähtz keine WM-Fahrkarte lösen…

Alle Infos zum Reglement – es werden bis zum Halbfinale zunächst jeweils Minimatches mit zwei Partien gespielt, bei einem Unentschieden folgt dann das üblich Tiebreakprocedere, nur im Finale sind dann zunächst vier Begegnungen im Normalschach angesetzt – den Spieltag und vor allem die Teilnehmerübersicht sind auf https://chess2012.ugrasport.com/ zu finden.

Raymund Stolze

Print Friendly, PDF & Email