Baden-Baden siegt im Spitzenspiel


OSG Baden-Baden besiegte in der 6. Runde den SV Mülheim Nord und schreitet unbeirrt zum neunten Titel in Folge. Einer der härtesten Verfolger, SC Eppingen, musste nach der Niederlage gegen Bremen auch am Sonntag eine bittere Pille schlucken. Eine Zusammenfassung der Ereignisse in Hockenheim, Bremen, Griesheim und Berlin-Tegel.

Von Georgios Souleidis

Die OSG Baden-Baden hatte gegen den SV Mülheim Nord keine Mühe und siegte 5,5:2,5. Zwar musste Arkadij Naiditsch – erstaunlich genug – seine zweite Niederlage hintereinander quittieren, doch der Rest des Teams machte diese Schlappe mehr als wett. Am Spitzenbrett nutzte Etienne Bacrot eine Ungenauigkeit von David Navara rigoros und sehenswert aus:
Bacrot,Etienne (2730) – Navara,David (2703)
SBL 2013/14 SV Mülheim Nord – OSG Baden-Baden, 15.12.2013

Stellung nach 14…Sxd4:

Ergebnisse Runde 5 und 6
Rückblick 2012/13
Partien
3. und 4. Runde
Runden 1 bis 3

 

 

Schwarz schlug gerade mit dem Springer auf d4 mit der Idee, dass 15.Lxb7?? an 15…Sc2+ scheitert. Weiß hat aber eine starke Riposte. 15.0-0-0! Das sieht natürlich seltsam aus, den König in dieser Stellung lang zu rochieren, aber konkret nutzt Weiß die Fesselung des Springers auf d4 aus. 15…Lxe4 16.Dxe4 c5 17.e3 Se2+? Das verliert den Springer ersatzlos. 17…f6 18.exd4 (18.Sc4 sollte auch gewinnen) 18…fxe5 19.dxe5± sollte allerdings technisch für einen Spieler wie Bacrot kein großes Problem darstellen. 18.Kb2 De7 19.f4

 

 

19…De6 19…f6 20.Td7 De6 21.Db7+- 20.Dd3 f6 21.Sf3 und Weiß gewinnt letztendlich den Springer. 1-0

 

Etienne Bacrot siegt für Baden-Baden

 

Der SV Wattenscheid und der SV Hockenheim trennten sich 4:4. Nach dem starken Auftritt gegen Mülheim konnten die Gastgeber ihre leichte nominelle Überlegenheit nicht zu einem Sieg ummünzen. Zwar glänzten Rainer Buhmann (mit Sieg am Spitzenbrett), David Baramidze und Dennis Wagner (mit Angriffssieg gegen Alexander Rustemov) – die beiden letztgenannten mit 2 aus 2 an diesem Wochenende, doch die drei letzten Bretter gingen komplett an die Bochumer. Mit dem Unentschieden können indes beide Teams gut leben.

Hamburg mit zwei Gesichtern
Der Hamburger SK ist bekannt für seine Unberechenbarkeit. Nach der sang- und klanglosen Niederlage gegen Bayern München rehabilitierte sich das Team ausgerechnet – ja, dieses Wort passt ausnahmsweise – mit einem 4:4 gegen Eppingen. Damit waren die Kraichgauer, die mit einem riesigen Elo-Vorteil in den Kampf gingen, noch sehr gut bedient. Rasmus Svane (Hamburg) vergab einen möglichen Sieg gegen Ferenc Berkes (Eppingen) – trotzdem Hut ab, dass der Junge mit Schwarz gegen einen Weltklassespieler so stand hielt, und Dirk Sebastian schoß den Vogel ab, indem er ein Endspiel mit zwei Mehrbauern auf der vergeblichen – aber berechtigten – Suche nach einem Sieg sogar verlor. Es schlug allerdings die Stunde eines "neuen" Nachwuchsspielers in Reihen des HSK.
Jonas Lampert (Jhr. 1997) kam zum zweiten Mal in der Schachbundesliga zum Einsatz und sicherte seinem Team den mehr als verdienten Mannschaftspunkt. Im Duell der Generationen besiegte er den 45 Jahre älteren Lothar Vogt auf sehenswerte Weise. Jonas zeigte sich vorbildlich präpariert für diese Partie und profitierte vielleicht auch davon, dass Vogt nicht mit ihm rechnete, denn am Vortag saß noch Merijn van Delft am achten Brett.

Vogt,Lothar (2402) – Lampert,Jonas (2376)
SBL 2013/14 SC Eppingen – Hamburger SK, 15.12.2013

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sge7 5.0-0 g6 6.c3 Lg7 7.d4 exd4 8.cxd4 b5 9.Lb3 0-0 10.Sc3 Sa5 11.Lc2 d6 12.h3 c5 13.dxc5 dxc5 14.Dxd8 Txd8 15.Le3

 

 

Der Bauern auf c5 ist angegriffen. 15…Le6! Das scheint ein neues Konzept zu sein in dieser Variante. Schwarz gibt den Bauern und setzt voll auf seine aktiven Figuren. 16.Lxc5 Sec6 17.Tab1?! Das ist wahrscheinlich ungenau. Es gibt zwei Vorgängerpartien, in denen dieser Turm nach d1 oder c1 ging, aber das sind Nuancen, mit denen wir uns jetzt hier nicht weiter befassen. 17…Sc4 18.Sd1 Tac8 19.Lb3 S6e5 20.Sxe5 Lxe5 21.Le3 Sd2 22.Lxd2 Txd2 23.Lxe6 fxe6 24.g3 Ld4

 

 

Neun Züge später ist diese Stellung entstanden. Die unterschiedliche Aktivität der Figuren ist frappierend. Weiß fand keinen Weg, sich aus der Umklammerung zu befreien, und es entstand letztendlich ein Turmendspiel, das Schwarz gewann.

 

Jonas Lampert (Hamburger SK)

 

Bayern München bot gegen Werder Bremen, wie am Vortag gegen Hamburg, eine beherzte Leistung, doch der Favorit setzte sich knapp mit 4,5:3,5 durch. Den Unterschied machten in diesem Kampf mal wieder Bremens Spitzenleute Fressinet und Areshchenko aus.

Katernberg knapp, Emsdetten klar
In einem der spannenden Matches der 6. Runde setzten sich die Sportfreunde Katernberg mit 4,5:3,5 gegen Griesheim durch. Wieder war der sehr starke Yuriy Kryvoruchko mitverantwortlich für ein gutes Resultat seines Teams. Das Ende gegen Marcin Tazbir war kurz und schmerzlos:
Kryvoruchko,Yuriy (2696) – Tazbir,Marcin (2544)
SBL 2013/14 SF Katernberg – SV Griesheim, 15.12.2013

stellung nach 26…Ke7:

 

 

27.Lg6! Sperrt den Turm auf h6 von der Verteidigung des Springers f6 aus. Es ist aus. 27…fxg6 28.Dxf6+ Kd7 29.Dg7+ und Schwarz gab auf, da auf z.B. 29…Kd8 30.Tf8 mit weiterem Materialgewinn folgt. 1-0

 

Yuriy Kryvoruchko – eine Bank für Katernberg

 

Der SK Turm Emsdetten hatte gegen den SC Viernheim keine Mühe. Nach dem 6,5:1,5 liegen die Münsterländer mit acht Punkten auf einem guten siebten Platz.

Berlin glücklos
Die Schachfreunde Berlin werden dieses Wochenende bestimmt schnell vergessen wollen. Nach der knappen Niederlage gegen Trier reichte es gegen Solingen wieder nur zu 3,5 Punkte. Ein Mannschaftspunkt wäre verdient gewesen, denn Ilja Schneider verpatzte ein besseres Endspiel und an Brett acht fand eigentlich keine Partie statt:

Wegerle,Joerg (2438) – Agopov,Mikael (2434)
SBL 2013/14 SG Solingen – SF Berlin, 15.12.2013

1.e4 c5 2.Sc3 Sc6 3.Lb5 Sd4 4.Lc4 e6 5.Sge2 Se7 6.0-0

 

 

6…d5?! Das ist ein bekannter Fehler. 7.exd5 exd5 8.Sxd5! Sf3+?! 8…Sxd5 9.Sxd4 cxd4 10.Dh5 Hierzu gibt es einige Partien in der Datenbank. Nach z.B. 10…Se7 (10…Le6 11.Te1 Sc7 12.Lxe6 Sxe6 13.Txe6+ Le7 14.d3±) 11.Dxf7+ Kd7 12.Te1 muss der schwarze König in freier Wildbahn überleben. Ein praktisch nicht nachahmenswertes Unterfangen. 9.gxf3 Sxd5 10.d4±

 

 

Weiß hat nicht nur einen Bauern mehr, sondern auch die bessere Entwicklung. Die Partie ging zwar noch über die volle Distanz, doch letztendlich gewann Wegerle im Endspiel nach 69 Zügen.
Die SG Trier wurde gegen den SK König Tegel ihrer Favoritenrolle gerecht und siegte mit 5,5:2,5. Damit verließ das Team mit zwei Siegen an diesem Wochenende die Abstiegszone.

Die Schachbundesliga geht nun traditionell in die "Winterpause". Die 7. und 8. Runde finden am 8./9. Februar 2014 statt.
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