Ein unglaubliches Jubiläum!


„Kleine Schachpost“ der Schachgemeinschaft JVA Straubing feiert ihren 50. Geburtstag

 

Dass es in deutschen Justizvollzugsanstalten Sportangebote gibt, die vor allem den Körper ansprechen, ist eher normal. Aber das Schach seit mehr als sechs Jahrzehnten einen Schwerpunkt bildet, wohl kaum. Auf diese bemerkenswerte Ausnahme kann die JVA Straubing verweisen, und das Team der Schachgemeinschaft ist sogar im ganz normalen Spielbetrieb in Bayern integriert. In der Bezirksliga West wird – die Mannschaft hat selbstverständlich ausschließlich Heimspiele, was von den Kontrahenten aber akzeptiert wird – wird nach fünf von sieben Runden Platz hinter dem SK Landau-Dingolfing 2 eingenommen. Beide haben jeweils 7:3-Mannschaftspunkte, und lediglich bei den Brettpunkten liegen die Straubinger mit 24,0:26,5 leicht zurück. Und ebenfalls auf 7:3 kommen die Drittplazierten vom FC Ergolding [22,0 Brettpunkte], Gegen die muss die JVA-Mannschaft am 9. Februar zum vielleicht alles entscheidenden Punktspiel um den Staffelsieg antreten.

[Link: https://schach-landau.de/component/clm/?view=rangliste&saison=6&liga=16]

Zuvor gibt es aber ein Jubiläum zu feiern, und das zurecht. Im Januar vor 50 Jahren erschein nämlich die 1. Folge der „KLEINEN SCHACHPOST“ mit einem Unfang von vier Seiten, die von dem Justizbeamten Max Holzmann Senior zehn Jahre lang bis 1974 herausgegeben wurde, ehe diese Aufgabe sein Sohn Max Holzmann Junior übernahm.

 

Im ersten Jahrgang gab es zwölf Ausgaben, und nach diesen zwölf Monaten konnte „die Schriftleitung“ feststellen, dass rechtzeitig zum 1. Geburtstag der 500. Abonnent begrüßt werden konnte.

 

Als ich mit Robert Rabiega im November 2012 zum 60-jährigen Jubiläum der Schachgemeinschaft der JVA Straubing eingeladen war – der Berliner Großmeister gab dort eine begeistert aufgenommene Simultanveranstaltung an 47 Brettern– erhielten wir als Geschenk eine Faksimile-Ausgabe des ersten Jahrgang dieser einzigartigen Schachzeitung, die es sich damals zur Aufgabe gemacht hat, ein wichtiger Faktor im Schachleben der JVA zu werden.

 

Diesen Anspruch – das kann ich nur bestätigen – ist die „Kleine Schachpost“ in jedem Fall vollauf gerecht geworden. Der Jubiläumsausgabe zum 50. [Heft Dezember2013/Januar 2014] ist eine CD beigelegt, die sich nach Themen in fünf Gruppen unterteilt. So sind unter der Rubrik „Kleine Schachpost“ die Erstausgabe von 1964 und die Ausgaben der Jahre 2008-2013 erfasst. Wie zu lesen ist, hat sich die Redaktion vorgenommen, „mit der Zeit alle Ausgaben (50 Jahre!) auf die Scheibe zu bringen. Dies wird zwar etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber ich denke, die Arbeit wird sich am Ende lohnen“, können wir in einem Brief an Alvin B. lesen.

 

Weitere Rubriken sind das Schachlexikon mit gegenwärtig 300 Begriffen von A wie Aha bis Z wie Zugzwang, die Chronik der SG JVA, eine in Filmformat angefertigte Präsentation wobei hier u.a. zu erfahren ist, welche Großmeister in Straubing ihre Visitenkarte abgegeben haben, sowie über 100 Mattaufgaben.

 

Wer sich für die CD interessiert, kann diese bei der Schachredaktion kostenfrei bestellen. Und ich denke, dass es auch für die Besucher des Schach-Tickers möglich sein wird, wenn man sich entschließt, ein Abonnement für 3,40 € jährlich zzgl. Versandkosten zu erwerben. Wenden Sie sich in diesem Fall einfach schriftlich an folgende Anschrift:

 

Justizvollzugsanstalt

Redaktion „Kleine Schachpost“,

Äußere Passauer Straße

9435 Straubing

 

Ich persönlich fühle mich übrigens seit Juni 2011 der Schachgemeinschaft der JVA verbunden. So betreue ich das Fernschach-Projekt mit Robert Rabiega, wobei die erste Partie remis ausgegangen ist, während die zweite, die seit mehr als zwei Jahren läuft, nun in die entscheidende Phase gekommen ist.

 

Stellung nach 45…Lxf3

 

 

Roberts Einschlag auf f3 beantwortete das JVA-Team nun mit 46.Txe3, wobei danach 46…Txe3 47.Df4 Ld1+ folgen dürfte…

Außerdem habe ich ein interessantes Angebot von der „Kleinen Schachpost“ vorliegen. Die Redaktion würde sich freuen, wenn ich regelmäßig eine Schachkolumne schreiben würde, wobei man mir inhaltlich völlig feie Hand lässt. So oft ich einen Artikel sende, wird dieser veröffentlicht werden. Und man freut sich schon auf meine Beiträge…

Jetzt aber erst einmal auch vom Schach-Ticker herzlichen Glückwünsche an alle Beteiligten, die dieses einmalige Projekt über fünf Jahrzehnte betreut haben und – das ist genauso wichtig – auch weiter machen!

 

Raymund Stolze

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