Ein alter und ein neuer Präsident


Kirsan Iljumschinow (Foto) steht für weitere vier Jahre an der Spitze der FIDE und Herausforderer Surab Asmaiparaschwili gewinnt deutlich  die ECU-Wahl'
 
 
 
Unmittelbar vor der Wahl des FIDE-Präsidenten, die am gestrigen Montag [11. August] bei der Generalversammlung des Weltschachverbagjgjndes im norwegischen  Tromsö stattfand, wollte mir in einem vertraulichen Gespräch ein nicht unbedeutender DSB-Ve rantwortlicher klar machen, dass die  Entscheidung zwischen Kirsan Iljuschinow und  Garri Kasparow ungefähr so wäre, als ging es dabei um Pest oder Cholera.
 
Nun, ich habe zwar energisch gegen diesen Vergleich protestiert, aber wenn es denn schon sein muss, dann  deutlich für die „Pest“, sprich den alten und neuen FIDE-Präsidenten Kirsan Iljumschinow, votiert. Und das aus gutem Grund: Dem ehemaligen Oberhaupt  der russischen Teilrepublik Kalmükien, der seit 1995 an der Spitzen steht, ist es persönlich zu danken, dass die Schachwelt wieder geeint ist, nachdem es jahrelang zwei konkurrierende Verbände gab – den einen hatte übrigens seinerzeit sein Herausforderer Garri Kasparow gegründet. Nachdem dessen Schachzug vor vier Jahren in Chanty Mansijsk fehlschlug, Iljumschinow durch Exweltmeister Anatoli Karpow abzulösen, hatte der 51-Jährige selbst seinen Hut in den Ring geworfen und musste nun erleben, dass er bei der von Beobachtern als „feindselig“ und „angespannt“ bezeichneten Abstimmung, so auf der ChessBase-Seite nachzulesen [ https://de.chessbase.com/post/kirsan-ilyumzhinov-bleibt-fide-praesident ] durchgefallen ist.
 

 
Die Delegierten entschieden sich bei dem durchaus brisanten Wahlgang mit 110 zu 61 – jede nationale Föderation hat eine Stimme –  jedenfalls eindeutig für Iljumschinow, der sich in seiner Rede nach der Wiederwahl sowohl bei all seinen Anhängern als  auch Garri Kasparow bedankte, dass Image des Schachs in der Welt zu fördern. Außerdem lud Kirsan in der Stunde seines persönlichen Triumphes das Team des 13. Weltmeisters ein,  seine neu aufgestellte Mannschaft  zu unterstützen und bei der Entwicklung des Schach zu helfen [siehe Webseite der FIDE: https://www.fide.com/component/content/article/1-fide-news/8202-kirsan-ilyumzhinov-re-elected-as-fide-president.html ].
 
Fragt sich, ob Garri dieses Angebot annehmen wird, denn laut seinen Versprechungen hätte er die FIDE immerhin um 10 Millionen Dollar reicher gemacht.
Aber Iljumschinow, der eigentlich keine weitere Amtszeit geplant hatte, sondern nur wieder angetreten war, um zu verhindern, dass Kasparow die Fide zerstört, hatte in seiner Bewerbungsrede angekündigt, an den Weltschachbund 20 Millionen Dollar zu überweisen.
 
 

Tromsö brachte aber nicht nur dem Schachgenie Kasparow eine Niederlage, der vor allem von Europäern und dem US-Verband unterstützt wurde, sondern es war auch ein schwarzer Montag für den bisherigen Amtsinhaber der Europäischen Schachunion [ECU]. Silvio Danailov [Bulgarien] sprachen nur 18 Föderationen das Vertrauen aus, während sein  Herausforderer Surab Asmaiparaschwili [ https://de.wikipedia.org/wiki/Surab_Asmaiparaschwili  ] 33 Stimmen erhielt und damit neuer ECU-Präsident ist. Man darf durchaus gespannt sein, mit welchen neuen Ideen es dem  54-jährige Georgier gelingen wird, der 1987 zum Sekundanten-Team von Garri Kasparow bei WM Match gegen Anatoli Karpow in Sevilla gehörte und 2003 Europameister wurde, das Schachleben  in Europa zu neuer Blüte zu bringen, um es einmal prosaisch auszudrücken. Gut vernetzt ist „Asmai“ für eine solche Herausforderung in jedem Fall…

 

Mehr Infos zur CU-Wahl auf https://www.ecuonline.net/com/news/single/699.html !

 

Lesen Sie zum Thema auch Stefan Löfflers Beitrag 20 Millionen Dollar schlagen 10 Millionen Dollar in der Wochenzeitung DIE ZEIT [Link https://www.zeit.de/sport/2014-08/kasparow-iljumschinow-schach-praesident ]!

 

 

Raymund Stolze

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Veröffentlicht unter Fide |