Halles Frauen gestürzt!


Aufsteiger SK Schwäbisch Hall gewinnt das Spitzenduell der Bundesliga in der Saalestadt und liegt nun hinter Vizemeister OSG Baden-Baden auf Platz 2

 

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Gestern Nacht hatte ich einen Traum: Ich war Lotto-Millionär! 

 

Sicherlich werden Sie fragen, was ich denn mit dem Geld machen will. Auf meiner S-Bahnfahrt zur Brandenburger Nachwuchs-Regionalmeisterschaft Ost hatte in kurzfristig die Vision, ein Frauen-Team mit den besten deutschen Talenten zu fördern, um sofort die Bundesliga aufzumischen. Mit Hanna Marie Klek und Filiz Osmanodja hatte ich für diese Plan auch gleich die ersten beiden namhaften Verpflichtungen auf meiner Wunschliste.

Und selbstverständlich hätte das Team in einer Stadt seinen Sitz haben müssen, die beste Studienbedingungen bietet oder aber eine Sportelite-Schule.

 

Und eine leistungssportliche Bedingung wäre unbedingt, dass wir gleich für die höchsten deutschen Spielklasse zugelassen werden – so wie das im Volleyball sowohl bei den Frauen als auch Männern mit dem VC Olympia in Berlin möglich ist.

 

 

Aber im Schach geht das leider nicht – selbst wenn es ein sinnvoller Versuch wäre. Als Manager des SV Glück Auf Rüdersdorf hatten ich seinerzeit vorgeschlagen, dass die Jugend-Olympiamannschaft möglichst komplett für den Zweitliga-Verein spielt. Es scheiterte damals nicht am Geld, sondern obwohl Visionäre bekanntlich wahren Realisten sind, an den „äußeren Umständen“…

 

Na ja, ich habe ja auch nicht die Lotto-Millionen, und so bleibt halt alles beim Alten in der Frauen-Bundesliga.

 

Lichtblick am Wochenende war, dass bis auf Filiz, die aber in keinem Erstliga-Verein angeheuert hat, die übrigen neun Teilnehmerinnen des 1. GERMAN MASTERS der Frauen für ihre Mannschaften auf Punktejagd gingen – und das mit folgenden Einzelergebnissen: Tatjana Melamed [USV Volksbank Halle] 0,5/2, Marta Michna 1,5/2, Judith Fuchs 1,5/2, Sarah Hoolt [alle Hamburger SK] 0,5/2, Ketino Kachiani-Gersinska [OSG Baden-Baden] 2/2, Zoya Schleining, Hanna Marie Klek [beide SF Deizisau] je 2/2, Melanie Ohme [SF Friedberg] 1/2 und Elisabeth Pähtz [SC Bad Königshofen] 1,5/2.

 

Zweite Beobachtung: Bei dem Stammaufstellungen fehlten einige Spielerinnen wegen anderwärtiger Verpflichtungen. Das Quintett Alina Kaschlinskaja [SK Schwäbisch Halle], Jekaterina Kowalewskaja [Bande-Baden], Anastasia Bodnaruk [Rodewischer Schachmiezen], Walentina Gunina und Olga Girya [beide Bad Könogshofen] ist bei der Russischen Supermeisterschaft im Einsatz. Den lukrativen Konditionen bei den Katar Open konnten Delmante Daulyte, Sopiko Guramishvili [beide Schwäbisch Hall] Sabina-Francesca Foisor [SF Deizisau] und Alina L’Ami [Bad Königshofen] wohl nicht widerstehen.

 

Dem Bundesliga-Neuling aus Baden-Württemberg fehlten also drei spielstarke Damen, dazu war auch die Georgierin Nino Batsiashvili [Brett 2] nicht angereist. Und trotzdem gewann Schwäbisch Hall beide Vergleiche. Am Sonnabend wurde der bisherige Spitzenreiter USV Volksbank Halle mit 4:2 geschlagen, tags darauf gab es ein knappes 3,5:2,5 gegen den SK Großlehna. Bei den Sächsinnen fehlten dabei auch die ersten Fünf, während der Aufsteiger mit Ekaterina Atalik [3], Sophie Milliet [5], Karina Ambartsumova [10], Petra Papp [11], Arlette van Weersek [12], die den einzigen vollen Punkte holte, sowie Jana Zpevakova [13] antrat. Nun liegt man mit vier Siege auf Platz 2 hinter Baden-Baden, das ebenfalls noch eine weiße Weste hat.

 

Aus dem Rennen um die Meisterschaftsmedaillen haben sich bereits die Burgfräuleins aus Friedberg nach dem 3:3 gegen Großlehna und der folgenden 2:4-Niederlage gegen Halle verabschiedet. Dass mit Amira Skripchenko, Nafisa Muminova, Liza Soloviova und Lyubka Genova gleich vier Leistungsträger fehlten, dürfte aber ganz sicherlich eher mit der finanziellen Situation des Vereins zu tun haben. Immerhin stand im Sommer sogar infrage, ob es überhaupt in Liga 1 weiter gehen würde…

 

Mit ebenfalls zwei Erfolgen [jeweils 4:2 gegen den SK Lehrte und den Hamburger SK] hält Titelverteidiger SK Bad Königshofen Anschluss an das Spitzenduo. Aus eigener Kraft kann zwar Baden-Baden nicht erreicht werden, aber es ist nicht unmöglich dass Schwäbisch Hall gegen den achtfachen deutschen Mannschaftsmeister gewinnt, und da das Müller-Team ebenfalls noch gegen den SK anzutreten hat, sind Zahlenspiele noch gestattet. Es könnte ja sein, dass jeder jeden schlägt…

 

Was den Abstieg angeht, so sind die beiden Leipziger Klubs Allianz und die Schachgemeinschaft mit derzeit je vier Niederlagen aller erste Kandidaten. Und auch der SK Lehrte ist ein heißer Anwärter, obwohl es in Runde 4 in Hamburg mit dem 3:3 gegen die Rodewischer Schachmiezen den ersten Mannschaftspunkt zu feiern gab.

 

Die zweite Doppelrunde wurde ebenfalls in Liga 2 gespielt. Dabei hat sich in der Gruppe West Doppelbauer Kiel mit vier Siegen und bereits vier Punkten Vorsprung deutlich abgesetzt.

 

In der Ost-Staffel haben mit Grün-Weiß Niederwiesa und der SC Zeulenroda zwei der acht Mannschaften ein Punktekonto von jeweils 6:2 vorzuweisen, dahinter folgen vier mit 4:4 Zählern. Da insgesamt nur sieben Matches ausgetragen werden, könnte beim direkten Aufeinandertreffen der beiden Führenden am 14. Dezember bereits eine Vorentscheidung um den Staffelsieg fallen, der immerhin die Chance bietet, direkt in die Bundesliga aufzusteigen. Ob diese freilich wahrgenommen wird, ist eine andere Frage.

 

Der Karlsruher SF marschiert schließlich in der Gruppe Süd. Dieses Mal gab es ein 5:1 gegen das Schlusslicht SK Gernsheim und ein 4,5:1,5 gegen den Vorletzten Wadgassen/Differten , macht unterm Strich 8:0-Mannschaftspunkte bei 19,5-Brettzählern.

 

Es sieht so aus, als ob wir WGM Jessica Schmidt und ihre Mitstreiterinnen in der Saison 2015/16 wieder im Schach-Damen-Oberhaus begrüßen können…

 

Der dritte Spieltag mit den Begegnungen der Reisepartner ist in beiden Spielklasse übrigens für 14. Dezember angesetzt.

 

Alle Team-Aufstellungen, Einzelergebnisse und Tabellen finden Sie unter https://nsv-online.de/ligen/fbl-1415/ – es lohnt sich einfach einmal vorbei zu schauen!

 

Raymund Stolze

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