OSG-Mädels sind Herbstmeister


Baden-Baden und Neuling SK Schwäbisch Hall im Gleichschritt nach fünf Runden an der Tabellenspitze der Frauen-Bundesliga

 

Eva Moser

Eva Moser

Zunächst gilt es erst einmal das Rätsel zu lüften, welche der Top-Spielerinnen der Frauen-Bundesliga tatsächlich bei den SportAccord World Mind Games 2014 in Peking am Start sind.

 

Dass dem SC Bad Königshofen dabei Xue Zhao, Walentina Gunina – die Russin gewann die Schnellschachkonkurrenz vor Weltmeisterin Hou Yifan, die sie im direkten Duell bezwang – und Elisabeth Pähtz nicht zur Verfügung gestanden hätten, ist allerdings ohne Bedeutung. Das Match gegen den Reisepartner Rodewischer Schachmiezen wurde bekanntlich auf den 21. Januar 2015 verschoben.

 

Beim OSG Baden-Baden hingegen fehlten gegen die SF Deizisau mit Anna und Maria Musitschuk immerhin zwei „Asse“. Dazu tauchten auch Viktorija Cmilyte , Eva Moser und Jekaterina Kowalewskaja nicht auf. Aber weil der Gegner aus welchen Gründen auch immer mit Zoya Schleining. Hanna Marie Klek und Vera Nebolsina ein Trio aus dem Stammaufgebot nicht einsetzen konnte oder wollte, sollte das ohne Bedeutung bleiben. Zumal die Schachfreundinnen an den Brettern 5 und 6 mit Hannelore Gheng [Elo 1582] und Anna Schütte [1428] zwei Spielerinnen einsetzten, die gegen Julia Bochis [2159] – die hatte immerhin 2012 mit der Hamburgerin Jade Schmidt den Mitropa-Pokal gewonnen – und die Französin Cecile Haussernrot [2129] von vornherein ohne Chance waren.

 

 

Beim Hamburger SK reiste zwar Monika Socko nicht ins Reich der Mitte, aber die Polin fehlte ebenso wie Studentenweltmeisterin Klaudia Kulon, Nationalspielerin Marta Michna und Veronika Schneider gegen den SK Lehrte.

 

Und wenn wir gerade bei den Aufstellungen sind, so standen sich in Halle letztlich nur die zweiten Mannschaften dieser Vereine gegenüber. Dem USV Volksbank fehlten die etatmäßigen Bretter 1, 4, 5 und 6, beim Gegner vom SK Großlehna waren es sogar die ersten Fünf. Wie mir scheint, ist eine solche Einzelrunde ausgerechnet am dritten Adventssonntag alles andere als eine befriedigende Lösung für das Frauen-Schach in der höchsten deutschen Spielklasse.

 

Doch nun zu den Begegnungen, denn es fanden immerhin fünf statt, und wenn wir den Fußball als Maßstab nehmen, dann wurde schließlich der Herbstmeister gekürt.

 

Warum die SF Deizisau in Baden-Baden auch noch die Bretter 1 und 2 frei gelassen haben – hier waren Cristina-Adela und Sabina-Francesca im Meldebogen eingetragen – entzieht sich meiner Kenntnis, aber es ist völlig unverständlich. So konnte Vizemeister OSG gleich mit zwei kampflosen Punkten loslegen, und am Ende kam ein klares 5:1 zustande. Damit war die Herbstmeisterschaft mit fünf Siegen und 23,5 Brettpunkten gesichert.

 

Etwas Mühe vom Ergebnis her gesehen hatte Neuling SK Schwäbisch Hall mit den Bürgfräuleins aus Friedberg, obwohl mit Almira Skripchenko, Nafisia Muminova und Melanie Ohme das Spitzentrio nicht aufgeboten wurden. Ich möchte darüber nicht mutmaßen, aber es scheint nicht nur bei den Schachfreunden ein Problem des Geldes zu sein. Im Stammaufgebot sind immerhin vier Ausländerinnen, und dass trifft dann gleichfalls auf die Bretter 7 bis 11 zu. Immerhin kamen diesmal mit Anna Endress [Jahrgang 1993] und Alisa Frey [1992] – die deutsche Vizemeisterin von 2011 ist die am meisten fotografierten Schachspielerin hierzulande– zwei junge Damen zum Einsatz, die remis spielten. Für Anna ist das gegen diese russische WGM Karina Ambartsumowa [Elo 2301] sicherlich ein Erfolg, während sich Alisa wohl mehr als ein Unentschieden gegen Sandra Weber [1798] erwartet hatte. Unterm Strich steht so für Schwäbisch Hall ein 4:2-Heimsieg, und Platz 2 mit ebenfalls fünf Siegen bei 21,0 Brettpunkten. Friedberg hingegen dürfte damit schon alle Medaillenhoffungen begraben haben, denn mit 3:7-Mannschaftszählern ist das Team auf Rang 8 eher im Unterhaus der Tabelle angekommen. Man darf gespannt sein, wie die Damen mit dieser nicht einfachen Stituation umgehen werden. Am Heimspielwochenende Ende Januar kommenden Jahres warten mit Tabellennachbar Deizisau und Baden-Baden keine einfachen Aufgaben.

 

Gespannt darf man ebenso auf das am 24. Januar 2015 anstehende Match SK Schwäbisch Hall vs. OSG Baden-Baden in Friedberg sein. Mit einem Sieg würden die Baden-Badener bereits für eine Meisterschaftsvorentscheidung sorgen. Verlieren sie hingegen dieses Duell, so wäre Titelverteidiger SC Bad Königshofen, der den Showdown zum Auftakt mit 2,5:3,5 gegen die OSG verpatzte, wieder voll dabei. Bekanntlich entscheiden in der Frauen-Bundesliga bei gleichen Mannschaftspunkten nicht die Brettzähler, sondern es geht dann ins Stechen – mit dann drei Teams wäre das wahrlich ein tolles Finale – vorausgesetzt das Trio löst die restlichen Aufgaben fehlerfrei.

 

Dass es zwischen dem Tabellendritten USV Volksbank Halle und dem SK Großlehna ein 3:3- Unentschieden bei sechs Remisen gab, verwundert mich doch. Immerhin hatten die Gastgeber in der Händelstadt eindeutig das stärkere Aufgebot zur Stelle. Da wäre doch etwas daraus zu machen gewesen, oder?! Ich bin jedenfalls auf den Bericht von Mannschaftsführer Jürgen Müller gespannt.

 

Auf geht es an die Küste, wo die Hamburgerinnen keinen Schönheitspreis gewann, sondern einen 3,5:2,5-Arbeitssieg gegen Lehrte verbuchten. Das war allerdings das Mindeste, was von ihnen zu erwarten war. Mit dem Abstiegskampf wie im Vorjahr wird der HSK jedoch nichts mehr zu tun haben. Da lege ich mich fest.

 

Im Leipziger Kellerduell zwischen dem Neuling SG und Blau-Weiß Allianz kam der Aufsteiger zu seinem ersten Sieg, der mit 4:2 sicherlich glücklich war, denn an Brett 6 hatte der Gegner Zuhause (!) keine Dame am aufzubieten, sprich, es wurde ein Punkt abgeschenkt. An den Abstiegsplätzen änderte das jedoch nichts: 12. Allianz Leipzig [0:12], 11. SK Lehrte [1:11] und 10. SG Leipzig [2:10].

 

Wir hatten es ja schon zum Auftakt der Saison 2014/15 angekündigt, dass der Wettbewerb „Bundesliga-Spielerin der Saison“ in zwei Kategorien fortgesetzt wird. Im Vorjahr wurde Nikoletta Lakos aus Halle ausgezeichnet und als „Beste Nachwuchsspielerin“ Walentina Gunina (!) geehrt. Wir haben uns lediglich in der Nachwuchskategorie entschieden, das Alter beim Saisonstart auf unter 23 zu senken [Jahrgang 1991 und jünger]. Ansonsten bleibt beim Modus alles beim Alten. Grundbedingung ist dass von den Kandidatinnen mindestens acht von elf möglichen Partien gespielt werden müssen. Wer prozentual dann am Ende das besten Ergebnis vorweisen kann – sollte es einen gleichstand geben, dann entscheidet die Rating-Performance der Gegnerinnen – gewinnt jeweils diesen Titel. Und auch der Preis ist hiermit ausgelobt. Die Saarbrücker Künstlerin Rosemarie J. Pfortner [besuchen Sie bitte unbedingt ihre Homepage https://www.kunstundschach-rjp.com/ ] wird von den Siegerinnen ein Portrait malen!

 

WIM

WIM Karolina Olsarova

Und das sind die beiden aktuellen Spitzenreiter: Mit 4/4 ist Eva Moser [Baden-Baden] bei den „Großen“ derzeit ungefährdet. Bei den Nachwuchsspielerinnen hat die Tschechin Karolina Olsarova [29. Juni 1993] vom SK Großlehna mit 4/5 die besten Chancen auf diese Auszeichnung.

 

Übrigens wurde auch in der Zweiten Liga gespielt, wo es am 28./29. März 2015 in der abschließenden Doppelrunde die endgültige Entscheidung über Meisterschaft und Abstieg fällt. In der West-Gruppe ist Doppelbauer Kiel nach einem 5:1 gegen Schlusslicht SV Quickborn so gut wie durch, zumal der Zweitplatzierte SV Mülheim Nord bereits 4:2 bezwungen wurde. In der Staffel Ost ist noch alles offen, denn GW Niederwiesa und der SC Zeulenroda trennten sich 3:3. Somit liegen sie mit je 7:3-Mannschaftspunkten einen Zähler vor dem Trio Leipzig Lindenau, SV Medizin Erfurt und Rotation Pankow Berlin. In der Gruppe Süd dominiert mit den Karlsruher SF ein ehemaliger Bundesligist das Feld der acht Mannschaften nach Belieben. Gegen den SV Wadgassen/Differten gab es mit 4,5:1,5 den fünften Doppelpunktgewinn. Das Verfolgerduo SC Hofheim und TSV Schott Mainz – zwischen beiden gab es ein 3:3 – kann bei jeweils 7:3-Mannschaftspunkten selbst bei einem Sieg im direkten Vergleich aus eigener Kraft nicht mehr auf Rang 1 kommen. Zwei Niederlagen allerdings dürfen sich die Karlsruher nicht leisten, bei der die ehemalige Nationalspielerin Jessica Schmidt [früher Nill] bislang an Brett 1 spielt, da Jovanka Houska noch nicht „eingeflogen“ wurde. Und das könnte ja am finalen Wochenende durchaus passieren, um sicher zu gehen. Vorausgesetzt, die Mannschaft will wieder erstklassig spielen und kann sich das auch finanziell leisten.

 

Alle Team-Aufstellungen, Einzelergebnisse und Tabellen der 1. und 2. Liga finden Sie unter https://nsv-online.de/ligen/fbl-1415/ – es lohnt sich einfach einmal vorbei zu schauen!

 

Raymund Stolze

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