Schwäbisch Hall bleibt verlustpunktfrei


Ein Bericht vom Duell des Frauen-Bundesliga-Aufsteigers gegen Reisepartner SF Friedberg von DR. THOMAS MARSCHNER

 

Die Frauen-Bundesligamannschaft vom SK Schwäbisch hat das Duell gegen den Reisepartner aus 1Friedberg relativ sicher mit 4:2 gewonnen und bleibt vor dem Duell mit Baden-Baden im Januar verlustpunktfrei.

 

Einige Spielerinnen nutzten den Samstag zu einem Besuch auf dem Schwäbisch Hall Weihnachtsmarkt (Siehe Foto)

 

Vor Beginn des Wettkampfs präsentierten beide Mannschaften gemeinsam in Anwesenheit des Landtagsabgeordneten Nikolaos Sakellariou ein Plakat der Aktion „Sport und Politik gegen Rassismus“, deren Gesicht die für Friedberg spielende deutsche Nationalspielerin Melanie Ohme ist, die leider aufgrund ihres Einsatzes in der niederländischen Liga dieses Mal in Schwäbisch Hall nicht dabei sein konnte. In dem Rahmen übergab Mannschaftskapitän Mario Meinel an den Friedberger Kapitän Martin Herwig-Päutz ein Plakat der Aktion, das von den Schwäbisch Haller Bundesligaspielern der Frauen und Männer, darunter Größen wie Boris Gelfand, Li Chao und Boris Avrukh, sowie einer Vielzahl von Vereinsmitgliedern unterschrieben worden war. Dieses soll versteigert werden und der Erlös der Aktion zugutekommen.

 

 

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Beide Mannschaften präsentieren die Aktion “Zug um Zug gegen Rassismus”

 

Später besuchte auch der Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim den Wettkampf, der am vergangenen Wochenende beim Bundesligaheimspiel der Männer gegen Baden Baden aufgrund des 50-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläums von Schwäbisch Hall und der französischen Stadt Epinal verhindert gewesen war.

Danach wurde es Ernst an den Brettern. Das Fehlen von Melanie Ohme brachte die Haller Vorbereitung ziemlich durcheinander – jeder hatte fest mit ihr gerechnet, damit trafen die meisten Spielerinnen jetzt auf unerwartete Gegnerinnen. Allerdings war Friedberg vermutlich ebenso überrascht, dass Hall erstmals in dieser Saison mit den nominell stärksten Spielerinnen Alina Kashlinskaya und Nino Batsiashvili an Brett 1 und 2 antrat. Schwäbisch Hall war an allen Brettern nominell favorisiert mit Ausnahme von Brett 6, an dem Sandra Weber aus Neckarsulm zu ihrem ersten Bundesligaeinsatz kam und auf Alisa Frey traf, die rund 300 Elopunkte mehr auf die Waage brachte.

 

Nino Batsiashvili gegen Adriana Nikolova und die ehemalige Friedberger Spielerin Irina Bulmaga gegen Dr. Lili Toth brachten die Hallerinnen im Eilzugtempo in weniger als 25 Zügen mit 2:0 in Front und sorgten damit früh für eine Vorentscheidung.

 

Nino spielte eine eigentlich ruhige Variante im abgelehnten Wolgagambit, mit der ihre Gegnerin offensichtlich überhaupt nicht klar kam – Wolgagambitspieler mögen in aller Regel die Varianten überhaupt nicht, in denen Weiß den Bauern auf b5 nicht nimmt. Jedenfalls standen die schwarzen Figuren in Kürze völlig unkoordiniert, und die Partie war eigentlich schon nach 15 Zügen entschieden.

 

Lili Toth unterschätzte anscheinend Irinas Angriffschancen in einem Franzosen, in dem Nino für einen geopferten Bauern den f-Bauern bis nach f6 durchstoßen konnte. Am Ende war das Matt durch die Dame auf g7 nicht mehr zu verhindern.

 

Die Friedbergerin Elena Levushkina spielte gegen Alina Kashlinskayas Franzosen am Spitzenbrett eine wilde Partie, in der sie einen Läufer opferte, um den schwarzen König zu entblößen. Die Partie endete dann mit Remis durch Dauerschach.

 

Die Partie zwischen Melinda Goczo und Deimante Daulyte endete nach einer Zugwiederholung in ausgeglichener Stellung ebenfalls Remis. Auch die Partie zwischen Anna Endress und Karina Ambartsumova endete Remis, Anna tauschte in einer Philidorverteidigung früh die Damen und hielt die Partie bis zum Ende im Gleichgewicht. Mit dem Remis gegen die deutliche stärkere Gegnerin war sie sicher zufrieden. Damit war die Entscheidung schon nach etwa 3,5 Stunden gefallen.

 

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Sandra Weber gegen Alisa Frey in der letzten noch laufenden Partie

 

Bis zuletzt kämpfte dann nur noch Sandra Weber gegen Alisa Frey und erreichte ein sehr beachtliches Remis. Zunächst kam Alisa mit Schwarz in einem Spanier gut aus der Eröffnung, da Sandra offensichtlich zwei Züge verwechselte und sich den weißfeldrigen Läufer abtauschen ließ. Danach kam Sandra aber immer besser ins Spiel und erarbeitete sich selber klaren Vorteil, der schlussendlich aber nicht ausreichte. Das Bauernendspiel am Ende war für niemanden mehr zu gewinnen. Damit war der 4:2 Sieg perfekt.

 

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Die Haller Mannschaft, von links: Sandra Weber, Alina Kashlinskaya, Deimante Daulyte, Karina Ambartsumova, Nino Batsiashvili, Irina Bulmaga, dahinter Kapitän Mario Meinel

 

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Gemeinsame Analyse

 

Am Abend trafen sich Spielerinnen und Vereinsmitglieder des SK Schwäbisch Hall zur gemeinsamen Weihnachtsfeier des Schachklubs im Restaurant Finale. Dazu stieß auch Jana Zpevakova, die dieses Mal nicht wie in allen vorigen Runden bei den Damen spielte, sondern zusammen mit Vater IM Pavel Zpevak die Haller 2. Mannschaft der Männer verstärkte, die um den Aufstieg in die Verbandsliga spielt. Zum klaren 5,5:2,5 Sieg bei der Erdmannhäuser 2. Mannschaft steuerte sie ein Remis bei.

 

Ende Januar kommt es jetzt in Friedberg zum Aufeinandertreffen der beiden verlustpunktfreien Mannschaften aus Schwäbisch Hall und Baden-Baden. Die Hallerinnen rechnen sich insbesondere aufgrund des Teamgeists in der Mannschaft durchaus Chancen aus, obwohl sie als Außenseiterinnen in das Aufeinandertreffen mit dem mehrmaligen deutschen Meister gehen. Die größten Fans der Hallerinnen werden wohl aus Bad Königshofen kommen, die nach der Auftaktniederlage gegen Baden Baden bei einem Sieg von Schwäbisch Hall selber nochmal in das Meisterschaftsrennen eingreifen könnten, da sie in der letzten Runde noch auf Schwäbisch Hall treffen.

 

P.S.: Alle Partien gibt es unter dem Livelink https://www.sk-sha.schachvereine.de/live/2014-12-14/tfd.htm

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