Ausgelesen! [11]


Elmar Hennlein gibt eine erstaunliche Chronik über die Schach-Olympiaden der Frauen von 1957-2012 heraus – Eine ernst gemeinte Empfehlung von RAYMUND STOLZE

 

„Weil auch Frauen exzellent Schach spielen können“ ist für den Berliner Autoren Christoph Brumme in seiner „Hommage an das königlichste aller Spiele“ der 43. der insgesamt „111 Gründe, Schach zu lieben“ [sein gleichnamiges lesenswertes Buch ist im vergangenen Herbst bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen]. Nur schade, dass „Frauenschach“ selbst in den einschlägigen Schachzeitungen bislang bestenfalls eine stiefmütterliche Rolle spielt.

 

Ich will den Sachbuchautoren Elmar Hennlein nicht als „Don Quichotte“ bezeichnen, aber es gehört schon gehöriger Mut dazu, sich diesem Thema anzunehmen. Und das hat der Mann bereits 2010 mit dem Band „Die Schach-Weltmeisterschaften der Frauen“ getan, der allen Titelkämpfe von 1927 bis 2008 chronologisch ein Kapitel widmet. Um dieses Buch zu veröffentlichen, wurde von seiner sympathischen Ehefrau Gudrun Sender-Hennlein extra der Damen-Verlag   gegründet und die hintersinnige Cover-Signalfarbe Lila ausgewählt , dessen postalische Anschrift Sternstraße 4, 42275 Wuppertal, lautet. So etwas nenne ich Eigeninitiative, die es an dieser Stelle zurecht zu loben gilt!

 

Der Vorteil des inhaltlichen Konzeptes liegt auf der Hand: In Bälde wird es nämlich eine extra Broschur die sicherlich erwartete Ergänzung geben.

 

Dass dieses wichtige WM-Buch nicht die einzige Publikation zur Geschichte des Frauenschachs bleiben sollte, war Elmar Hennlein schon seinerzeit klar. Allerdings schien die vor ihm stehende Herausforderung vom Schwierigkeitsgrad her noch wesentlich höher zu sein. Doch den Mann uns seine ihm zur Seite stehende Partnerin haben sich nicht abschrecken lassen und sich auf den Weg gemacht. Im Ergebnis wird nun im Frühsommer ein vierbändiges Werk mit dem Titel „Die Schach-Olympiaden der Frauen …“ vorliegen, von denen Teil I [1957-1974] und Teil II [1976-1990] auf die neugierigen Leser[-innen] bereits warten.

Dass es vergleichbar bisher keinen solchen Überblick zu einem wichtigen Kapitel der Welt-Schachgeschichte gegeben hat, den ausschließlich die Frauen geschrieben haben, ist allemal lobenswert. Doch das Gesamtwerk, das endlich einmal in ausreichendem Maße und in angemessener Weise die Schach-Olympiaden der Frauen widerspiegelt hat weitere hervorhebenswerte Vorzüge:

 

  • So werden in gedruckter Form von 25 Wettbewerben seit der Premiere in Emden 1957 bis zur 25. Auflage 2012 in Istanbul Endstände Turniertabellen, Mannschaftsaufstellungen, beste individuelle Resultate präsentiert.
  • Aus dem Fundus von fast 30.000 Partien, die von mehr als 2500 Frauen und Mädchen gespielt worden sind, hat der Autor nach seinen speziellen Kriterien für jedes der Kapitel ein Auswahl getroffen, die zwar subjektiv ist, aber dennoch durchaus vertretbar erscheint.
  • Einleitend zu jeder Schacholympiade gibt es immer einen Textbeitrag, der auch zahlreiche bemerkenswerte und für die jeweilige Veranstaltung wichtige Details enthält.
  • Interessant ist auch die Einführung in Band I, die historische Spezifika der Frauen-Schach-Olympiaden im Wandel der Zeit darstellt. So hat es Jahrzehnte gedauert, dass die 2er-Teams zu den aktuellen „Vierer“-Mannschaften aufgestockt worden sind. Bis 2006 hatten die Brettpunkte Priorität, was die Reihenfolge angeht, heute sind zunächst die erzielten Mannschaftspunkte ausschlaggebend, und erst bei Gleihstand kommen dann der direkte Vergleich oder Feinwertungen ins Spiel. Während bis 1978 Rundenturniere mit Qualifkations- und Finalen-Gruppen gab, werden seit 2008 elf Runden im Schweizer System ausgetragen, wobei die Olympiasieger mit dem Vera-Menschik-Cup geehrt werden.
  • Tabelle 4 auf Seite 23 in Band I ist zu entnehmen, welche Spielerinnen bei welchen Schach-Olympiaden der Herren bzw. in der Offenen Klasse, wie es wohl richtig heißt, ihr Land vertreten haben. Die erste Frauen war Chantal Claude de Silans, die 1950 für Frankreich in Dubrovnik antrat. Judit Polgar, die ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Frauen-Weltrangliste Nummer 1 stand, spielte zwischen 1994 und 2014 achtmal für Ungarn und gewann dabei 2002 in Bled und 2014 zum Abschluss ihrer glanzvollen sportlichen Karriere in Tromsö Silber mit ihrem Team.
  • Gelungen finde ich auch, dass der Autor stets in den Olympia-Kapiteln Kurz-Portraits von außergewöhnlichen Spielerinnen „einbaut“.
  • Und es sind immer wieder Fakten, die einen überraschen. So war im niederländischen Emden, wo die Premiere der Schach-Olympiaden der Frauen vom 2. bis 21. September 1957 stattfand, die Spielstätte der Klubraum der Danlon-Fabrik, die Damenstrümpfe aus Nylon herstellte. Am Brett des irischen Team saß Helen Chater, die immerhin stolze 82 Jahre alt war. Das hätte ich ehrlich nicht gewusst. Bei den Männer war es wohl meines Wissens William Edward Hook [28. Mai 1925 – 10. Mai 2010] von den Britischen Jungferninseln. Der feierte 1960 in Leipzig seinen Olympia-Einstand und brachte es bis zum Jahr 2000 auf 16 Teilnahmen …

 

Wer Willens ist, dem steht wirklich eine spannende Entdeckungsreise in die Welt des Frauen-Schachs bevor. Einige Gewinnerinnen der „Partie des Tages“ bei den kürzlich beendeten Deutschen Frauen-Einzelmeisterschaften in Bad Wiessee, die bekanntlich Zoya Schleining dank des besseren Elo-Durchschnittes ihrer Gegner nach Wertung vor Marta Michna für sich entschied, werden ihnen das sicherlich bestätigen können. Sie erhielten nämlich als Preis vom Damen-Verlag die ersten Exemplare der beiden vorliegen Bände.

 

Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich diese einmalige Chronik zu sichern – am besten mit einer Bestellung direkt beim Verlag was unter damen-verlag@t-online.de auch per E-Mail möglich ist!

 

Und vielleicht wird Elmar Hennlein seine TRILOGIE des „Frauenschachs“ nach WM und OLYMPIA mit einem Werk „Die großen Frauen-Turniere“ abschließen können und dabei auch außergewöhnliche Erfolge der Damen in hochkarätigen Veranstaltungen gegen die Herren der Schöpfung berücksichtigen. Zutrauen würde ich es ihm in jedem Fall!

 

Elmar Hennlein: Die Schach-Olympiaden der Frauen, Damen-Verlag 2014-15

 

Sofort im Buchhandel oder aber ab Verlag lieferbar::

 

Band I [1957-1974], 150 Seiten, Softcover, 17,80 € , ISBN 978-3-942008-01-3

 

Band II [1976-1990], 190 Seiten, Softcover r, 18,80 €, ISBN 978-3-941008-02-0

 

Die erwähnte Chronik „Die Schach-Weltmeisterschaft der Frauen“ können Sie ebenfalls per Bestellung direkt vom Damen-Verlag beziehen : 232 Seiten, Hardcover, 19,80 €, ISBN 978-33-942008-00-6

 

DER AUTOR

 

Elmar Hennlein [Jahrgang 1958], Mag. Art, studierte Allgemeine Literaturwissenschaft, Germanistik und ev. Theologie. Er veröffentlichte zwei literarische Werke [1985 und 1989] und ein sportgeschichtliches Buch [1999], bevor er über seine Passion, der er einen bedeutenden Teil seiner Freizeit widmet – er ist aktives Mitglied im Verein „Schachfreunde Unterbarmen“ und betätigt sich dort vorrangig als Trainer und Mannschaftsführer. Als Autor befasst er sich mit dem in der Schachliteratur nach wie vor vernachlässigten Thema „Frauenschach“.

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