Bronze ist für den Neuling vor dem Saisonfinale sicher


Osterhasen für alle Spielerinnen und vier Punkte für Neuling Schwäbisch Hall – Ein Bericht vom Bundesliga-Wochenende in Leipzig von DR. THOMAS MARSCHNER

 

Nachdem bei der Runde am 7.Dezember in billionphotos-991760_xsmall150Schwäbisch Hall die Spielerinnen Nikoläuse erhalten hatten, gab es am vergangenen partienWochenende [28./29. März] im Leipziger Sportforum der Jahreszeit angemessen Osterhasen für die gastgebenden Leipziger Spielerinnen und die Gäste aus Friedberg und Schwäbisch Hall, die hochfavorisiert in die Begegnungen der vorletzten Doppelrunde gingen. Für beide Leipziger Mannschaften geht es noch um den Klassenerhalt, für den möglicherweise der drittletzte Platz noch reichen kann, wenn nicht alle aufstiegsberechtigten Mannschaften von ihrem Recht Gebrauch machen. Für Schwäbisch Hall geht es noch um die Vizemeisterschaft und eine kleine Chance auf einen Stichkampf mit Baden-Baden, falls diese in einer der letzten Runde noch stolpern. Für Friedberg geht es nur noch um eine möglichst gute Platzierung in der Endabrechnung – weder nach Oben noch nach Unten ist noch etwas möglich.

 

Die Haller Damen-Mannschaft wurde ihrer Favoritenrolle im Mannschaftskampf gegen die SG Leipzig gerecht und gewann hoch mit 5,5:0,5. Dabei leisteten die Messestädterinnen langen erbitterten Widerstand, bevor sich an fast allen Brettern die im Schnitt fast 300 Elopunkte höhere Spielstärke durchsetzte. Die interessanteste Partie gewann Karina Ambartsumova an Brett 3 mit dem Keres-Angriff gegen den Sizilianer von Martina Beltz, in der sie im Verlauf der Partie eine Figur gewann, aber ständig auf der Hut vor Matt oder Dauerschachideen ihrer Gegnerin sein musste.

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Karina Ambartsumova hat gerade den weißen Bauern im Keres-Angriff nach g5 gezogen.

Am souveränsten entscheid Petra Papp an Brett 4 ihre Partie, obwohl sie mit einem grippalen Infekt angeschlagen angereist war.

Petra Papp ging grippegeschwächt in das Wochenende, konnte aber trotzdem beide Partien souverän gewinnen.

Auch die neben Sandra Weber einzige weitere echte Amateurspielerin Jana Zpevakova, die nach einer studienbedingten Pause in der letzten Doppelrunde wieder am Start war, konnte gegen Katja Amann gewinnen. Jana spielt als einzige der Haller Damen aktuell auch in der 2. Männer-Mannschaft des SK Schwäbisch Hall, die kurz vor dem Aufstieg in die Verbandsliga Württemberg steht.

Jana Zpevakova notiert ihren Zug gegen Katja Amann.

Nur an Brett 6 gelang der 17-jährigen Leipzigerin Lena Halas im Duell mit der gleichaltrigen Sandra Weber, die sozusagen direkt vom schriftlichen Abitur ans Brett kam, ein Remis, nachdem sie in einem sizilianischen Maróczy-Aufbau zunächst besser stand, dann aber in ein schlechteres Endspiel abwickelte, dieses aber am Ende remis halten konnte.

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Sandra Weber in ihrer Partie gegen die gleichaltrige Lena Halas

Als letztes konnte Irina Bulmaga ihr Damenendspiel mit zwei Mehrbauern gegen Sandra Ulms an Brett 2 nach fünf Stunden Spielzeit für sich entscheiden. Solche Endspiele sind insbesondere wegen der Dauerschachideen der unterlegenen Partei schwierig zu spielen und oft sehr langwierig.

 

Im Parallelkampf gewann Friedberg knapp mit 3,5:2,5 gegen Allianz Leipzig, den Leipzigerinnen Prof. Dr. Grit Kalies und Heike Germann gelang es an Brett 2 und 3 mit Elena Levushkina und Adriana Nikolova sensationell Gegnerinnen mit einem Eloplus von über 300 Punkten zur Aufgabe zu zwingen.

 

Am Sonntag waren die Ergebnisse eindeutiger: beide Kämpfe gingen mit 5,5:0,5 an die favorisierten Mannschaften aus Schwäbisch Hall und Friedberg. Bei Schwäbisch Hall gegen Allianz Leipzig spielte lediglich Deimante Daulyte am Spitzenbrett remis gegen Petra Schulz – ein schöner Erfolg für die Leipzigerin gegen die WM Teilnehmerin nach einer spannenden Partie, in der Deimante inklusive eines doppelten Bauernopfers alles versuchte, die Partie doch noch zu gewinnen- Doch Petra Schulz gelang es, die Partie doch zu halten. Alle anderen Partien konnten gewonnen werden. Heike Germann hatte Pech, dass sie in einem zwar schlechteren aber möglicherweise noch haltbaren Endspiel gegen Karina Ambartsumova im 40. Zug die Zeit überschritt. Karina ist jetzt ungeschlagen mit 7/9 die Topscorerin der Haller Damen.

 

Bei Friedberg gegen die SG Leipzig sorgte Anet Gempe für das Ehrenremis für die Leipzigerinnen, da es die Friedbergerin Lili Toth nicht schaffte, ihre Gegnerin mit Läufer und Springer innerhalb von 50 Zügen mattzusetzen. Damit ist sie aber in guter Gesellschaft – es gibt einige prominente Spielerinnen und Spieler, denen das auch nicht gelang. Die bekannteste ist vielleicht Exweltmeisterin Anna Ushenina.

 

Obwohl es keine Live-Übertragung der Partien aus Leipzig gab, konnte man die Begegnungen im Internet im angebotenen Liveticker verfolgen, eine gute Idee auch für künftige Begegnungen, wenn die technischen Möglichkeiten für eine Übertragung der Partien nicht gegeben sind.

 

Aufsteiger Schwäbisch Hall steht weiter auf Platz 3 mit einem halben Brettpunkt weniger als Bad Königshofen. In der letzten Runde in Friedberg in drei Wochen kommt es am 19. April zum entscheidenden Spiel um die Vizemeisterschaft zwischen beiden Mannschaften, die auch zur Teilnahme am Europacup berechtigt. Der dritte Rang ist den Hallerinnen schon jetzt nicht mehr zu nehmen. Im Falle einer Niederlage von Spitzenreiter OSG Baden-Baden in einer der letzten beiden Runden gegen Halle und Großlehna ist sogar ein Stichkampf um den deutschen Meistertitel noch möglich. Allerdings sind dafür   Siege gegen die Rodewischer Schachmiezen und den Titelverteidiger Bad Königshofen die Voraussetzung.

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