Nur Elisabeth kann träumen …


Deutschlands Nummer 1 hat noch Chancen auf ein Ticket für die nächste K.o.-WM, aber bei der EM in Chakvi überrascht die Rumänin Mihaela Sandu – Ein Zwischenbericht von RAYMUND STOLZE

 

Mihaela Sandu (by Sophie Nikoladze)

Mihaela Sandu (by Sophie Nikoladze)

So, am Dienstag [25. Mai] ist bei der 16. Frauen-Europameisterschaft in Chakvi/Georgien [18.-31. Mai] der einzige Ruhetag angesetzt. Dann haben die noch 98 billionphotos-1867157verbliebenen Teilnehmerinnen aus 19 Ländern sieben Runden absolviert und noch vier vor sich. Im Tagesangebot steht „Different kinds of amusements“. Fragt sich nur, wer wirklich Lust haben wird, sich auf „Freizeitzerstreuungen“ ernsthaft einzulassen. Aus unserem deutschen Trio dürften da schon mit Zoya Schleining und Filiz Osmanodja zwei Kandidatinnen ausfallen, denn es läuft für beide kaum nach Wunsch.

 

Was unsere erfahrendste Spielerin mit ihren 53 Jahren angeht – das muss schon mal gesagt werden – ist es wirklich nicht ihre EM. Schon die Kurzniederlage in Runde 2 gegen Olga Gyria war erstaunlich. Doch die steckte Zoya weg. Viel tragischer war dann der einzügige Verlust gegen Ex-Europa- und Ex-Weltmeisterin Antoaneta Stefanowa in Runde 5. Die Bulgarin hatte gerade einen „kapitalen Bock“ mit 35… Df8?? gespielt, und nun musste unsere Frau nur mit 36.g4 kommen, was Antoaneta ganz schön ins Schwitzen gebracht hätte. Stattdessen kam aber vorsichtig 36.b3, um dann nach 36…Tf1 mit 37.Dc8?? die Partie endgültig wegzuwerfen. Es folgte 37… Da3+ 38.Kb1 Dxb3+, und Weiß gab auf

[ http://www.chessbomb.com/arena/2015-ewcc/05-Schleining_Zoya-Stefanova_Antoaneta ].

 

TurnierseiteResultateZeitplanLIVE Beginn der Partien um 13 Uhr

Mit der 18-jährigen Medizinstudentin Filiz Osmanodja, die immerhin im Vorjahr U18-Viezeweltmeisterin wurde, sollte man nicht zu streng sein. Allerdings macht sie es sich selbst sehr schwer, denn die alten Zeitnotprobleme sind wieder an der Tagesordnung.

 

Bleibt aus dem Dreigestirn noch Elisabeth Pähtz. Und ehrlich gesagt, nach einem Fehlstart von 0,5/2 gegen zwei wahrlich nicht starke Armenierinnen war noch Schlimmeres zu befürchten. Aber die 30-jährige Thüringerin hat sich erfreulicherweise wieder gefangen. Es folgten 3,5/4, und nach dem Remis mit Schwarz am Pfingstmontag gegen Inna Gaponenko [Ukraine] kann sie doch noch von einem der 14 Freiplätze für die nächste K.o.-Weltmeisterschaft der Frauen träumen. Das Feld an der Spitze ist dicht beieinander, zumal   vor Turnierbeginn mit Innas Landsfrau Anna Musitschuk abgesagt hat und nach Runde 3 auch die Setzranglistenerste Nana Dsagnidse [Georgien] bei 2,5/3 wahrscheinlich krankheitsbedingt ausstieg. Damit waren es zwei Favoritinnen weniger.

 

Von den vier ehemaligen Europameisterinnen Natalja Schukowa [2000 bei der Premiere], Antoneta Stefanowa [2002], Ekaterina Atalik [2006] und Than Trang Hoáng [2013] hat aber nur die Ukrainerin mit 5,5/7 eine Chance, vielleicht zu dem Quartett mit Pia Cramling [2003 und 2010], Jekaterina Lagno [2005 und 2008], Tatjana Kosinzewa [2007 und 2009] und Walentina Gunina [2012 und 2014] zu gehören, das zweimal den EM-Titel gewinnen konnte.

 

Für die größte Überraschung sorgt allerdings bisher Mihaela Sandu. Wer ist diese Rumänien, die mit Elo 2300 von Setzranglistenplatz 45 durch einem fulminanten Start mit 5/5 sich an die Spitzen katapultierte? Dass die 38-Jährige ehemalige Nationalspielerin dann gegen Nino Batsjashwili aus dem Weltmeister-Team der Gastgeber ihre sechste Partie verlor, hat sie nicht umgeworfen. Im Gegenteil! Mit Weiß gab es am heutigen Pfingstmontag einen Sieg gegen Antoaneta Stefanowa, was bei 6/7 eine aktuelle Eloperformance von 2698 bedeutet.

 

Meine Nachfrage bei Mihaelas Landsfrau Carmen Voicu-Jogodzinsky, ob sie mir über die „Überfliegerin“ nicht ein Statement geben könnte, musste leider erfolglos bleiben, denn unsere Mitarbeiterin – ich erinnere nur an ihre fundierten Berichte über die Ko.-WM in Sotschi – ist, wie mir Carmens Mann Andreas mitteilte aktuell für Nordrhein-Westfalen als Trainerin bei der Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaft in Willingen im Einsatz. „ Zu Sandu kann sie auch nichts sagen. Die waren in der Jugend nicht zusammen. In der Nationalmannschaft haben sie auch nur zweimal gemeinsam gespielt.“

 

Also muss ich selbst recherchieren, und da gibt selbst das Internet wenig her- immerhin ist aber auf WIKIPEDIA Verlass [ http://de.wikipedia.org/wiki/Mihaela_Sandu ]   Immerhin war Mihaela [19. Februar 2977 in Ploiesti] bei der Jugend-WM 1991 in der Altersklasse U14 Vize-Europameisterin im heimischen Mamaia hinter Maja Lomineischwili [Georgien] Und ich kann daraus auch entnehmen, dass die Rumänin in Plowdiw 2008 erstmals an kontinentalen Titelkämpfen der Frauen teilgenommen hat, allerdings ist ihr Abschneiden eher nicht bemerkenswert. Danach gab es mit 2015 noch fünf weitere EM-Teilnahmen. 2009 spielte sie zudem für Rumänien bei der Mannschafts-EM in Novi Sad und war 2012 und 2014 bei der Schacholympiade dabei.

 

Bei www.chessgames.com finde ich unter dem Link http://www.chessgames.com/player/mihaela_sandu.htmlChess dann sogar 87 ausgewählte Partien

 

Zugegebener Maßen ist das für die unter der Nummer 1204327   bei der FIDE registrierte Frauen-Großmeisterin immer noch ganz schön dünn [Link: http://ratings.fide.com/card.phtml?event=1204327 ]. Aber ihr wird es wohl egal sein, was wir über sie schreiben. Vor dem Ruhetag liegt sie hinter Nino Batsjashwili [6,5/7] , die zuletzt Than Trang Hoáng bezwingen konnte auf Platz 2, und dann folgt die Russin Olga Girya und Natalja Schukowa mit je 5,5/7. Unsere Elisabeth Pähtz liegt mit 4,5/7 in Lauerstellung, und sicherlich wird jetzt viel davon abhängen, wie ihre erste Chance nach dem Ruhetag ausgeht. Drücken wir ihr auf alle Fälle die Daumen!

 

Alle wichtigen Infos, dazu finden Sie auf der Webseite des Veranstalters unter dem Link http://www.e2e4.ge/. Wer die Ergebnisse einsehen will oder sich für die individuelle Leistung interessiert, kann das bei http://chess-results.com/tnr164130.aspx?lan=1&wi=821&turdet=YES , Und selbstverständlich können Sie auch die Partien der bisherigen sieben Runden dieser 16. Frauen-Europameisterschaft bei unserem Partner Chessbomb nachspielen. Dazu den Link   http://www.chessbomb.com/arena/2015-ewcc wählen und die jeweilige Runde anklicken!

 

In jedem Fall wird es in Chakvi bis zum Schluss spannend bleiben , und vielleicht schafft ja tatsächlich die „Spätstarterin“ aus Rumänien die Sensation. Dazu muss sie nicht unbedingt Europameisterin werden, denn auch eine Medaille wäre für Mihaela Sandu, die vor diesen Titelkämpfen nicht einmal Insider gekannt haben dürften, fraglos fantastisch!

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