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Wolfgang Schwarzer, Mannschaftsführer der Rodewischer Schachmiezen: Der SK Schwäbisch Hall ist nicht der beste Neuling in der Frauen-Bundesliga! – Von RAYMUND STOLZE

 

Nur gut, dass wir so aufmerksame Besucher haben – und die kommen bei uns selbstverständlich zu Wort. frauenschach1-200x300

 

In seinem Beitrag vom 20. Juni hatte der ehemalige SHA-Kapitän Mario Meinel behauptet, dass das Frauen-Bundesliga-Team vom SK Schwäbisch Hall, welches in der zurück liegenden Saison deutscher Vizemeister wurde, der beste Aufsteiger aller Zeiten ist [ https://www.chess-international.de/Archive/40439#more-40439   ].

Ich hatte keinen Grund, dieser Behauptung nicht zu trauen und habe deshalb die Aussage nicht kontrolliert. Und siehe da – ich hätte es tun müssen! Heute [13. Juli] erreichte mich  nämlich von Wolfgang Schwarzer, Mannschaftsführer der Rodewischer Schachmiezen, folgende E-Mail:

 

Hallo Herr Stolze,

der SK Schwäbisch Hall erwähnt in seinen Artikeln, „bester Neuling aller Zeiten zu sein“. Sie übernahmen den „besten Neuling“ unrecherchiert und liegen damit falsch.

 

 

1992/93 wurde die Elberfelder SG 1851 als Aufsteiger Deutscher Meister, gleiches gelang 2002/03 dem SC Baden-Oos. Als Neuling wurden vor Schwäbisch Hall bereits der SK Turm Emsdetten (1999/00) und der SK Großlehna (2007/08) Vizemeister.

 

Wenn man die Mannschaftspunkte berücksichtigt, kann sich Schwäbisch Hall bestenfalls als drittbester Neuling bezeichnen. Das wäre korrekt und auch nicht schlecht …

Mit freundlichen Grüßen aus Rodewisch
Wolfgang Schwarzer

(Mannschaftsführer der Rodewischer Schachmiezen)

 

Nun habe ich mich natürlich noch einmal bei Wikipedias schlau gemacht, wo alle Spielzeiten der Beletage im deutschen Frauen-Vereinsschach abrufbereit sind.

 

Also: In der Premierensaison 1991/92, wo es einem Doppelsieg für die Klubs aus der deutschen Hauptstadt gab [Lasker Steglitz vor Rotation Berlin – das direkte Duell endete 3:3], war die Elberfelder SG 1851 noch nicht dabei.

 

In der zweiten Spielzeit 1992/93 waren die Elberfelder Schachgesellschaft 1851, der USV Potsdam und Metall Gera aufgestiegen. Und Elberfeld wurde tatsächlich auf Anhieb deutscher Meister! Hier die Aufstellung des Siegerteams: Barbara Hund, Gisela Fischdick, Jordanka Mičić, Jana Hájková-Mašková, Elfi Janus, Andrea Voss, Gerda Straesser, Sandra Seidel, Helga Luft. Und die SG schaffte dann sogar mir den Siegen 1993/94 und 1994/95 das erste Triple, was nochmals 1996/97, 1997/98 und 1998/99 gelang!

 

Was die Saison 2002/03 angeht, so waren der SC Baden-Oos, der SC Leipzig-Gohlis und Weiß-Blau Allianz Leipzig aufgestiegen. Und der Titel ging auch hier an den Neuling SC Baden-Oos, der nur einen einzigen Punkt abgab [3:3 gegen Vizemeister Dresdner SC] während die beiden Klubs aus der Messestadt – Duplizität der zurück liegenden Spielzeit – wieder absteigen mussten. Auch hier veröffentlichen wir gern das Aufgebot der Meister-Mannschaft: Ketino Kachiani-Gersinska, Almira Scripcenco, Jekaterina Kowalewskaja, Nino Churzidse, Ekaterina Borulya, Tamara Klink, Elvira Berend-Sakhatova, Jessica Nill, Iamze Tammert.

 

Damit hätten wir erst einmal die beiden Teams erwähnt, die als Neuling sofort Meister wurden. Mit 21:1 Mannschaftspunkten ist der SC Baden-Oos damit der beste Neuling aller Zeiten vor der Elberfelder SG, die auf 18:4 kam.

 

Nun geht es also um Platz 3 in dieser Rangliste. Die Saison 1999/2000 beendete der Neuling SK Turm Emsdetten punktgleich mit dem Dresdner SC [jeweils 18:4], und da Brettpunkte laut Modus keine Rolle spielen – das ist heute noch so – gab es einen Stichkampf, den die Mädchen aus der Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen 3,5:2,5 für sich entschieden.

 

Kommen wir zum „letzten Fall“. Auch der SK Großlehna wurde als Neuling Vizemeister. In der Spielzeit 2007/08 gelang das mit 17:5-Mannschaftszählern hinter dem OSC Baden-Baden, der im direkten Vergleich mit 2,5:3,5 die einzige Niederlage quittieren musste.

 

Und wo bleibt nun der SK Schwäbisch Hall? Wenn man die Mannschaftspunkte als Maßstab nimmt, wie Wolfgang Schwarzer anmerkt, dann ist der Neuling aus dem fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs mit 19:3 Zählern in der Saison 2014/15 tatsächlich die Nummer 3, was zu beweisen war …

 

Nochmals Dank also nach Rodewisch! Und ich hoffe einmal stark, mit diesem Beitrag „Licht ins Dunkel“ der Frauen-Bundesliga gebracht zu haben.

 

Rekordmeister – und das ist von mir amtlich geprüft – ist bei den Frauen der OSC Baden-Baden mit insgesamt neun Titeln. Es würde niemanden wundern, wenn in der neuen Saison 2015/16 Nummer 10 dazu kommt …

 

[Redaktion: Raymund Stolze]

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