In Memoriam [6]


Der deutsche Großmeister für Schachkomposition – zum Tode von Herbert Ahues [2. März 1922 bis 11. Juli 2015]

 

Copyright: Michael Woltmann

Copyright: Michael Woltmann

Die folgende kurze Nachricht aus Bremen vom ehemaligen DSB-Vizepräsidenten Michael Woltmann erreichte mich am heutigen Sonnabend [18. Juli]:

 

„ Herbert Ahues (Foto) ist am 11.07. verstorben“.

Ich gebe zu, dass ich erst einmal überlegen musste, ob es mir möglich ist, einen Nachruf zu schreiben. Immerhin sollte ja zu demjenigen, den man würdigt, eine persönliche Beziehung bestehen.

 

Michael Woltmann, der in der Hansestadt Bremen lebt, hatte im Frühjahr 2013 das Glück, den Großmeister der Schachkomposition – der Titel wurde Herbert Ahues 1989 verliehen – bei einem Gespräch kennen und schätzen zu lernen. Über diese Begegnung hat er einen sehr schönen Artikel auf seiner Webseite veröffentlicht [ https://michaelwoltmann.de/schach/nebensache/herbert-ahues/ ], aus dem ich die folgende Passage gern veröffentliche:

 

„Herbert Ahues hat ein Buch geschrieben. Es erschien sogar in in zwei überarbeiteten Versionen. Offiziell ist es vergriffen. Er nennt mir eine Quelle, wo ich dieses Buch noch bekommen könne. Ich bitte darum, wiederkommen zu dürfen, um es signieren zu lassen. Er lacht und sagt: ‚eilen Sie sich, junger Mann. Man weiß ja nie!’

 

Ich kenne etliche Schachspieler. Und nicht jeder Großmeister ist ein großer Meister. Herbert Ahues erscheint mir warmherzig. Er trägt seinen Titel mit Würde ohne auch nur einen Hauch von Arroganz. Es war mir Vergnügen und Ehre zugleich, ihn an jenem Nachmittag kennen zu lernen.“

 

Auch ich hatte das Vergnügen, in jenem Frühjahr mit dem damals 91-Jährigen zu sprechen – allerdings nur per Telefon. Und es ging nicht um ihn, sondern seinen Vater Carl Ahues [26. Dezember 1883 – 31. Dezember 1968]. Der gehörte 1930 zum legendären Olympia-Team mit Kurt Richter, , das in Hamburg bei der Schacholympiade Bronze geholt hatte. Das war gleichzeitig das erste Edelmetall überhaupt für die deutschen Schachspieler bei diesem Treffen der Nationen.

 

Der Grund für diesen Kontakt war – seiner Bremer Telefonnummer fand ich im Internet –, dass mich nach der Rettung der Grabstätte von Kurt Richter interessierte, wo denn Spuren der Erinnerung von den anderen vier Mitglieder zu finden sind. Nun, das Ergebnis war doch deprimierend. Lediglich das Grab des Bremers Carl Carls [16. September 1880 bis 11. September 1958] ist erhalten, denn darum kümmert sich auch die Bremer SG.   Die Grabstätten von Friedrich Sämisch [20. September 1896 bis 16. August 1975], Heinrich Wagner [9. August 1988 bis 24. Juni 1959] waren aufgelöst. Und das trifft auch, wie mir sein Sohn mitteilte, auf die seines Vaters zu, wie mir Herbert Ahues mitgeteilt hat, der übrigens in Berlin geboren ist.

 

In seiner Aufgabensammlung „Meine besten Schachprobleme….“ – die zweite Auflage ist 2006 erschienen – merkte der bedeutendste deutsche Zweizügler-Komponist launisch an:

 

„Das Schachspiel hat schon vor meiner Geburt großen Einfluss auf mein Leben gehabt. Meine Eltern, beide schachbegeistert, lernten sich nämlich in der Berliner Schachgesellschaft kennen. Das Ergebnis war, dass ich am 2. März 1922 in Berlin das Licht der Welt erblickte …“

 

Ganz sicherlich hätte Herbert Ahues das Grab in Hamburg-Ohlsdorf, wo auch Heinrich Wagner begraben worden ist, erhalten können. Aber er wollte das nicht aus familiären Gründen, wie er mir unmissverständlich zu verstehen gab. Zwischen Vater und Sohn gab es einen wohl nicht mehr zu überwindenden Bruch …

 

Die beiden wohnten auch nicht in der gleichen Stadt. Während Carl in Hamburg Zuhause war und dort mit 81 Jahren die Blitzmeisterschaft der Stadt gewann, hatte der Sohn, der nach dem Zweiten Weltkrieg Lehrer wurde, seinen Lebensmittelpunkt in Bremen.

 

Was die Lebensleistung von Herbert Ahues als Problemkomponist angeht, so hat er rund 4000 erschaffen und um die 1000 Preise und Auszeichnungen bekommen. Wenn Sie sich mit dem Schaffen des Großmeisters für Schachkomposition vertraut machen wollen, dann einfach im Internet den Link https://pdb.dieschwalbe.de/search.jsp?expression=A=%27Ahues%27%20and%20FIRSTNAME=%27%25Herbert%27 wählen!

 

Und was das Erinnern an die erwähnten deutschen Schachlegenden angeht, so wäre es durchaus denkbar, wenn der DSB in Kooperation mit den Landesverbänden an den letzten Wohnstätten von Herbert Ahues, Friedrich Sämisch und Heinrich Wagner vielleicht eine kleine Hinweistafel anbringt. In Engelhardts Schach-Taschen-Jahrbüchern wird man dazu in jedem Fall fündig …

 

[Redaktion Raymund Stolze]

 

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