Die Frauen wollen es auch wissen …


Am Wochenende startet die Bundesliga mit einer Doppelrunde – Die andere Vorschau auf die Saison 2015/16 von RAYMUND STOLZE

 

Baden-Badener Doppelspitze: Antoaneta Stefanowa und Alexandra Kostenjuk

Antoaneta Stefanowa und Alexandra Kostenjuk

Eine Woche nach dem Saisonauftakt in den überregionalen Ligen der Männer wollen es am heutigen Sonnabend und Sonntag [26./27. September] auch die Frauen wissen. Und wie immer beginnt die neue Saison mit einer liveDoppelrunde.

 

Was Prognosen angeht, so lautet die wichtigste Frage: Wird es Titelverteidiger OSG Baden-Baden gelingen, die zehnte deutsche Vereinsmeisterschaft seit 2003 zu erringen? Immerhin dürfte die schöpferische Pause von Eva Moser durch die Verpflichtung der beiden Exweltmeisterinnen Antoaneta Stefanowa und Alexandra Kostenjuk mehr als kompensiert werden.

 

Im Vorfeld habe ich auch eine Umfrage unter den Mannschaftsführern der zwölf Bundesliga-Teams angeschoben, aber leider bisher nur zwei Rückmeldungen erhalten. Hier sind die Fragen und dazu die Antworten von Andreas Albers [Hamburger SK] und Dr. Thomas Marschner, Pressechef des SK Schwäbisch Hall.

 

1. Welche Erwartungen haben Sie mit Ihrem Team an die Saison 2015/16?

 

2. Wer wird Meister, wer steigt ab?

 

3. Wie sehen Sie eine Begrenzung der Ausländerinnen in Punktspielen auf jeweils drei spielberechtigte Aktive – also pro Match dürfen maximal drei aus dem Kader eingesetzt werden?

 

4. Was würden Sie in der Frauen-Bundesliga ändern?

 
Andreas Albers, Hamburger SK – in der vergangenen Saison Platz 5

  1. Unser Ziel ist ein besseres Ergebnis als letztes Jahr und endlich mal eins der „großen Teams“ zu ärgern.
  2. Meister wird dieses Jahr … Königshofen im Stichkampf gegen Schwäbisch Hall  [wäre mal was Neues J]. Die Aufsteiger spielen die Absteiger zusammen mit Lehrte aus.
  3. Ich begrüße ausdrücklich all die starken Spielerinnen aus der ganzen Welt! Quoten ändern das Problem nicht, und mit Osmanodja, Heinemann und anderen sind doch mittlerweile fast alle starken deutschen Spielerinnen in der Liga, die sollen sich messen mit den besten Spielerinnen der Welt.
  4. Toll wäre mehr Programm der Heimvereine, so dass die Matches nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, sondern ein Mehrgewinn für den jeweiligen Verein sind!!!

 

Dr. Thomas Marschner, SK Schwäbisch Hall, 2015 als Neuling Vizemeister

  1. Saisonziel des SK Schwäbisch Hall ist ein Platz im oberen Tabellendrittel. Natürlich hängt die Platzierung auch von den Finanzen und den Turnierverpflichtungen unserer Spitzenspielerinnen ab, aber wenn möglich, wollen wir versuchen, die Spitzenmannschaften aus Baden-Baden und Bad Königshofen besonders in den direkten Duellen etwas zu ärgern. Besonders freuen wir uns auf unsere Heimdoppelrunde am Nikolauswochenende gegen Baden-Baden und Karlsruhe.
  2. Hoher Meisterfavorit sind die gegenüber der Vorsaison verstärkten Badenerinnen, vermutlich wird auch Bad Königshofen da nicht mithalten können. Erste Abstiegskandidaten sind die Aufsteiger Niederwiesa und Kiel sowie Lehrte, Aufsteiger Karlsruhe sollte sich in der Liga halten können. Aber Überraschungen sind da durchaus möglich.
  3. Davon halten wir natürlich auch aufgrund der Struktur unserer Mannschaft nichts. Bei einer solchen Einschränkung würde die Attraktivität der Liga stark abnehmen. Die Liga bezieht ja auch ihren Reiz daraus, dass die deutschen Spitzenspielerinnen gegen die absolute Weltklasse antreten können, und Deutschland hat halt aktuell nicht so viele Top-Spielerinnen. Wichtiger als die Nationalität der Spielerinnen sind die Kontinuität und der Zusammenhalt in einer Mannschaft auch über mehrere Jahre hinweg.
  4. Für eine bessere Darstellung in der Öffentlichkeit, die natürlich auch bei der Sponsorensuche hilft,  wäre ein einheitlicher Auftritt mit einer eigenen Webseite schön. Die Männer-Bundesliga geht in dieser Hinsicht mir ihrer seit dieser Woche runderneuerten Webseite mit gutem Beispiel voran. Auch sollten – wenn möglich – alle Partien live ins Internet übertragen werden. Jedoch sollte man nach wie vor auf zu strikte Regulierungen zu Spielsaalgröße, Absperrungen usw. verzichten, wie sie in der Männer-Bundesliga herrschen, um den relativ familiären Charakter der Begegnungen zu behalten.

 

Nun hoffe ich, dass mich auch substanzielle Aussagen von den übrigen zehn Mannschaften erreichen werden, denn immerhin ist der überregionale Spielbetrieb bei den Frauen mit dem Aushängeschild Bundesliga ein thematischer Schwerpunkt unserer Webseite.

 

So werden wir auch wie in den letzten beiden Jahren den Wettbewerb „Bundesligaspielerin der Saison“ in zwei Kategorien fortsetzen. Wichtigste Grundbedingung ist dabei, dass die Kandidatinnen mindestens acht von elf möglichen Partien spielen müssen. Für die „Nachwuchsspielerin der Saison“ gilt zusätzlich die Altersgrenze „unter 23 Jahre“ beim Start in die Spielzeit.

 

Die Wertung ist übrigens höchst einfach: Gewinner sind jene beiden Frauen, die prozentual das beste Ergebnis erzielt haben. Bei Gleichstand entscheidet der Elo-Durchschnitt der Gegnerinnen.

 

Dass den beiden Siegerinnen wieder Kunstwerke winken, sei verraten, nicht aber, von wem sie diesmal kommen werden.

 

Und hier sind die Ansetzungen der ersten beiden Doppelrunden, wobei Spielbeginn am Samstag um 14 Uhr ist und am Sonntag bereits um 9 Uhr – die Männer haben es da gut, denn da werden die Uhren eine Stunde später angestellt.

 

Gastgeber sind übrigens Aufsteiger SV Grün-Weiß Niederwiesa, der amtierende Meister OSG Baden-Baden und der SK Großlehna.

 

 

Runde 1:

  • SV Grün-Weiß Niederwiesa – SK Schwäbisch Hall
    Rodwischer Schachmiezen – SF Deizisau
  • OSG Baden-Baden – SK Doppelbauer Kiel
    Karlsruher SF – Hamburger SK
  • SK Großlehna – SC Bad Königshofen
    SK Lehrte – SF Friedberg

 

Runde 2:

  • SF Deizisau – SV Grün-Weiß Niederwiesa
    SK Schwäbisch Hall – Rodwischer Schachmiezen
  • Hamburger SK – OSG Baden-Baden
    SK Doppelbauer Kiel – Karlsruher SF
  • SF Friedberg – SK Großlehna
    SC Bad Königshofen – SK Lehrte

 

Man könnte allgemein sagen: Alles wird seinen Gang gehen, denn eigentlich versprechen nur die Begegnungen Schwäbisch Hall – Schachmiezen und Hamburg – Baden-Baden im Hinblick auf die Meisterschaftsentscheidung echte Spannung.

 

Leider ist bisher auch nicht bekannt, welche Gastgeber Live-Übertragungen anbieten werden. Ich gehe einfach einmal davon aus, dass nur der OSG diesen Service auf seiner Webseite wie in den vergangenen Jahren anbieten wird. Schade eigentlich, denn „Frauen-Schach“ bietet wirklich alles, was das Herz des wahren Schachfans begehrt – Dramatik und Emotion pur sowie nicht zuletzt erstklassige taktische Entscheidungen!

 

In jedem empfehle ich noch den wirklich hochkompetenten Frauen-Bundesliga-Ergebnisdienst des Niedersächsischen Schachverbandes unter dem Link https://nsv-online.de/ligen/fbl-1516/ . Hier findet man nicht nur sämtliche Mannschaftsaufstellung und Ansprechpartner sowohl von Liga 1 als auch Liga 2. Außerdem werden an den Spieltagen die Resultate fortlaufend ergänzt.

 

 

P.S.: Am gestrigen Montag [21. September] erreichte uns am späten Abend auch die Rückmeldung von Ulla Hielscher, die Mannschaftsführerin beim Aufsteiger SK Doppelbauer Kiel ist.

  1. Erwartungen: Wir wollen gegen starke Gegnerinnen spielen und wir wollen dies möglichst mit den Spielerinnen tun, die den souveränen Aufstieg geschafft haben. Außerdem wollen wir die “Großen” etwas ärgern.
  2. Meister wird vermutlich wie fast immer Baden-Baden, Absteiger: Niederwiesa, Lehrte und Kiel.
  3. Von einer Begrenzung der Ausländerinnen auf jeweils drei Aktive halte ich nichts.
  4. Ich würde Folgendes in den Frauenbundesligen [1. und 2. FBL] ändern: Anstatt 14 Spielerinnen kann man 18 Spielerinnen melden, die vier zusätzlichen Spielerinnen müssen aber entweder Jugendliche oder Spielerinnen mit TWZ < 2000 sein. Als Einschränkung: Diese vier zusätzlichen Spielerinnen dürfen in der Vorsaison für keinen Verein gespielt haben, der in der aktuellen Saison in der 1. oder 2.FBL spielt [außer natürlich, wenn sie in dem meldenden Verein gespielt haben]. Dadurch wird die Abwerbung von Spielerinnen verhindert. Durch diese zusätzlichen Meldemöglichkeiten könnte die Anzahl der kampflosen Partien verringert werden, es gibt die Möglichkeit mehr Frauen in den Spielbetrieb mit einzubeziehen und die Aufstellungen werden weniger ausrechenbar. Wahrscheinlich werde ich für diese Meinung belächelt werden, aber es wurde ja danach gefragt, was ich ändern würde.

 

 

Bildnachweise:

  • Foto von Antoaneta Stefanowa: https://www.vipfaq.com/Antoaneta%20Stefanova.html
  • Foto von Alexandra Kosteniuk:   https://khantymansiysk2014.fide.com/black-on-white/
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