Die Bewirtung war vorbildlich …


Ein Text-Bildbericht von der ersten Doppelrunde der Bundesliga-Saison 2015/15 von Dr. THOMAS MARSCHNER, SCHWÄBISCH HALL

 

Sopiko Guramishvili sorgte für die frühe Führung

Sopiko Guramishvili sorgte für die frühe Führung

Zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison 2015/16 ging es für Schwäbisch Hall und seinen neuen Reisepartner aus Deizisau in das sächsische Niederwiesa bei Chemnitz. Gespielt wurde in der schön renovierten alten Spinnerei im nahegelegenen Flöha. Die Bewirtung für die Spielerinnen und Gäste war vorbildlich, die Gastgeberinnen gaben sich viel Mühe bei ihrem ersten Bundesliga-Heimspiel. Zunächst traf Schwäbisch Hall auf Aufsteiger Niederwiesa und Deizisau auf Bundesliga-Urgestein Rodewischer Schachmiezen. Gegen Aufsteiger Niederwiesa waren die Hallerinnen an allen Brettern nominell favorisiert und wurden in den meisten Partien ihrer Favoritenstellung auch gerecht.

 

Für die frühe Führung sorgte Sopiko Guramishvili, die aktuell immer mit einem Ohr in Baku ist, wo ihr Ehemann Anish Giri gerade im Halbfinale um den Weltcup kämpft. Ihre Gegnerin Ulrike Kindt übersah nach passiver Eröffnungsbehandlung eine Springergabel. Danach bauten Mutter und Tochter – Katerina und Jana Zpevakova – die Führung aus. Katerina kam gut aus der Eröffnung und öffnete mit Schwarz gegen eine Maroczy-Struktur zum richtigen Zeitpunkt das Zentrum. Ihre Gegnerin, die Jugendspielerin Anna Nobis, brachte ein Qualitätsopfer und fand einmal nicht die richtige Erwiderung, wonach ein schöner taktischer Schlag die Entscheidung brachte.

 

Jana setzte voll auf Angriff, indem sie die g-Linie öffnete und ihren König in der Mitte ließ. Am Ende schlug ihr Angriff durch. Damit war die Begegnung früh quasi entschieden.

 

Danach gewann Sophie Milliet ihre Partie am Spitzenbrett, die einem Spiel auf ein Tor glich. Ihre Gegnerin Martina Nobis zwang Sophie schon im 3. Zug zum Nachdenken, als sie in der Aljechin-Verteidigung einen ziemlich ungewöhnlichen Zug auspackte, der aber wohl nicht zur Nachahmung empfohlen werden kann. Für die Stellung wehrte sich die Niederwiesaerin noch lange und hatte in beiderseitiger Zeitnot in komplizierter Stellung durchaus noch die Chance auf einen Patzer von Sophie, der aber nicht kam.

 

Karina Ambartsumova - Alina Zahn

Karina Ambartsumova – Alina Zahn

Den Ehrenpunkt für Niederwiesa holte Jungtalent Alina Zahn gegen die Hallerin Karina Ambartsumova, die zu viel riskierte und in dann auch schon deutlich schlechterer Stellung die Bedenkzeit überschritt. Den Schlusspunkt zum klaren 5:1 setzte Petra Papp, die nach beiderseitigen Rochaden eine Qualität gewann und die Partie sicher nach Hause brachte.

 

Im Parallelspiel hatten es die Rodewischer Schachmiezen deutlich schwerer mit dem SK Deizisau. Etwas überraschend konnten die Deizisauerinnen Brett 5 und 6 gewinnen, jedoch schafften die Schachmiezen an den vorderen Bretter noch die Wende. Anastasia Bodnaruk machte in einer langen Partie gegen Cristina-Adela Foisor den Siegpunkt zum knappen 3,5:2,5-Erfolg. An Brett 2 gab es eine kuriose Situation: Joanna Majdan-Gajewska reichte ein glatter Mehrturm nicht zum Sieg gegen Yuliya Naiditsch, weil der Turm die gegnerischen Freibauern im Schach halten musste und der König gleichzeitig völlig eingebaut war. Damit kamen beide Seiten nicht weiter, und die Partie endete Remis.

 

Am Sonntag spielte dann Schwäbisch Hall in einem Duell auf Augenhöhe gegen Rodewisch und Niederwiesa wieder als Außenseiter gegen Deizisau. Trotz der nominellen Ausgeglichenheit gab es für Rodewisch einen hohen 5:1 Sieg gegen Schwäbisch Hall. So klar, wie das Ergebnis aussieht, war der Mannschaftskampf aber nicht annährend.

 

Die Haller Damen {von links} mit ihrem Teamchef: Sophie Milliet, Petra Papp, Kapitän Gregor Krenedics, Karina Ambartsumova, Jana Zpevakova, Katerina Zpevakova, Sopiko Guramishvili

Die Haller Damen mit Teamchef

Blick in den Turniersaal

Blick in den Turniersaal

Als erstes endete die Partie zwischen Petra Papp und Julia Kochetkova nach recht ereignislosem Verlauf remis. Es folgt eine Niederlage für Jana Zpevakova gegen ihre Landsfrau Martina Korenova. Jana war mit Schwarz gut aus der Eröffnung herausgekommen, verlor dann aber in einer Isolanistellung etwas den Faden und wenig später die Partie. Danach nahm das Drama seinen Lauf: Sopiko Guramishvili hatte gegen Joanna Majdan-Gajewski einen Turm und zwei Bauern für zwei Leichtfiguren gegeben. Es entstand eine zweischneidige Stellung, die aber jederzeit im Gleichgewicht war. Mit beginnender Zeitnot übersah sie in immer noch ausgeglichener Stellung ein spektakuläres Damenopfer, das die Partie sofort entschieden hätte.

 

 

Sechs Stunden wehrte sich Sophie Milliet gegen Anastasia Bodnaruk – am Ende vergebens

Sechs Stunden wehrte sich Sophie Milliet gegen Anastasia Bodnaruk – am Ende vergebens

Karina Ambartsumova hatte ein doppeltes Bauernopfer ihrer Gegnerin Suzana Stockova angenommen, die dafür starken Königsangriff erhielt. Bei genauem Spiel wäre der Angriff zu parieren gewesen, doch Karina fehlte am Ende die Zeit, und der Angriff schlug durch, dies war schon die Entscheidung zugunsten der Schachmiezen. Wenigstens konnte Katerina Zpevakova gegen Claudia Steinbacher noch ein Remis erreichen. Zu guter Letzt ließ Sophie Milliet mit Schwarz in einem scharf angelegten Najdorf-Sizilianer mit klassischem Qualitätsopfer auf c3 im 40. Zug mit noch zwei Sekunden auf der Uhr nach eigener Aussage den Gewinn aus und landete in einem Damenendspiel mit einem Bauern weniger. Dieses verteidigte sie noch fast bis in die siebte Stunde, musste sich dann aber doch Anastasia Bodnaruk am Ende geschlagen geben, die an diesem Wochenende von allen Spielerinnen mit Abstand am längsten am Brett saß.

 

Damit hatten die Schachmiezen 5:1 gewonnen, im Fußball sagt man, mindestens 2 Tore zu hoch, bei glücklicherem Verlauf wäre ein Unentschieden oder sogar ein Sieg durchaus möglich gewesen.

 

Im Parallelspiel war Niederwiesa chancenlos gegen Deizisau und verlor mit 0:6. Bei den Amateurspielerinnen des Bundesliga-Neulings liegt der Schwerpunkt sicherlich im Sammeln von Erfahrung und darin, den einen oder anderen Punkt zu ergattern, insbesondere gegen Mannschaften wie Kiel oder Lehrte, die eher auf Augenhöhe sind.

 

 

[Redaktion Raymund Stolze]

 

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