Patrick Zelbel gewinnt RHIO 2016


Bericht zum 31. Ruhrhalbinsel-Open im Essener Süden – Von BRUNO MÜLLER-CLOSTERMANN

 

Essen-Luftbild_Ruhrhalbinsel_2014

Blick auf das “Herz des Ruhrgebiets”, Foto: Hans Blossey

Als Blickfang würdigen wir eingangs die Region durch eine Luftaufnahme vom Herzen des Ruhrgebiets im Süden von Essen. Das Spiellokal „Bürgertreff“ des SF Essen-Überruhr und Ort des Geschehens liegt wenig entfernt mitten auf der Nachbarhalbinsel. Zu dem inzwischen traditionellen 7-rundigem Open vom 4.5.-8.5.2016 waren 107 Teilnehmer am Start.

 

Der Zieleinlauf mit IM Patrick Zelbel, Grzegorz Osipiak, IM Bosko Tomic, GM Daniel Hausrath und Dennis Luft – das war das Quintett, das es in die Hauptpreise schaffte – war keine große Überraschung. Patrick Zelbel, der für Hansa Dortmund in der Bundesliga eine überragende Saison gespielt hat, blieb ohne Niederlage, erlaubte sich ein kollegiales Remis gegen Daniel Hausrath (SV Mülheim Nord) und in der Schlussrunde ein den Gesamtsieg sicherndes Freundschaftsremis gegen Dennis Luft von den SF Dortmund-Brackel. Nachtrag: Wie der Homepage von Hansa Dortmund zu entnehmen ist, war der Entscheidungstag gleichzeitig der 23. Geburtstag von Patrick! Also nachträglich auch dazu herzlichen Glückwunsch vom Schachticker!

 

Vielleicht doch eine Überraschung war der laut Startrangliste Elo- und staatenlose Grzegorz Osipiak, wobei ich die fehlenden Angaben mit „2300“ und „POL“ schätzen würde. Bekannt war dagegen seine DWZ mit 2238 aus nur sieben Wertungen und der Name seines Duisburger Vereins „Brett vor´m Kopp“.

 

Bruno Müller-Clostermann in Runde 5 gegen GM Daniel Hausrat, Foto: Bernd Rosenh

Bruno Müller-Clostermann

Jedenfalls war Grzegorz – gerne wiederhole ich den Vornamen zum Eingewöhnen – mangels Elo-Zahl auf Platz 88 (?!) der Startliste geführt und rückte nach 3 Runden mit kämpferischem und unkonventionellem Schach von der Plastikklasse in die Holzklasse hoch. Ihr Berichterstatter (im Bild rechts) hatte das Vergnügen in der Schlussrunde gegen ihn um einen Platz „auf dem Treppchen“ zu spielen, wir hatten beide 5/6, er nur eine Niederlage gegen Zelbel und ich eine gegen Hausrath auf dem Minuskonto. Seinen obskuren Nilpferdaufbau – so spielt er halt – konnte ich zwar erfolgreich bekämpfen, die Partie und den zweiten Platz hat allerdings doch er gewonnen.

 

Grzegorz war nach der Partie natürlich so freundlich mir zu erklären, wie ich hätte gewinnen können: You should have played c5xd6 and then knight to b5 winning a tempo …   Ich selbst rutschte durch diese meine zweite Niederlage auf den preislosen Platz 6 und erhielt als Trostpflaster den Seniorenpreis, dank „Gnade meiner frühen Geburt“.

 

Der Vorjahressieger IM Bosko Tomic wurde diesmal Dritter, gewann gegen GM Daniel Hausrath, verlor aber in Runde 5 gegen unseren Naturschachspieler Grzegorz Osiapak, der nach 1. c4 e5 2. Sc3 Sf6 mit 3. f4?! die Partie in sein Fahrwasser lenkte. Nach diesem weißen Zug Nr. 3 saßen die beiden lange und gut gelaunt vor dieser Stellung und wackelten mit den Köpfen, der Weiße mehr vertikal der Schwarze eher horizontal. Dies schien mir der Beginn einer polnisch-bosnischen Freundschaft zu sein! Grzegorz stand in der Folge wieder mal verdächtig, gewann aber trotzdem, wie kürzlich schon beim Oberhausen OsterOpen. Bosko Tomic platzierte sich schließlich mit 6/7 punktgleich hinter ihm auf Platz 3 aber noch vor Daniel Hausrath und Dennis Luft, beide 5,5 Punkte.

 

Zelbel_Osipiak_Tomic_Platz_1bis3

Die drei Erstplatzierten: IM Patrick Zelbel, Grzegorz Osipiak, IM Bosko Tomic

 

Florian_Biermann

Florian Biermann

Bester Jugendlicher war Florian Biermann (Jahrgang 2003) von der SG Bochum mit starken 5  Punkten, der aber “ersatzweise”  den höherpreisigen Ratingpreis <TWZ 2000 erhielt; die Jugendpreise wurde deswegen an den Zweitplatzierten Lando Korten (SV Unna) bzw. den Drittplatzierten Lukas Schimnatkowski (SF Katernberg) vergeben. Der Damenpreis ging an Kathrin Sewald (SG Porz), die sich vor Anna Berenice Döpper (SF Katernberg) platzieren konnte. Beide konnten die Schlussrunde nicht spielen; der Grund ist im nachfolgenden Absatz genannt.

 

Weiter berichtenswert ist die hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, die an diesem Turnier teilgenommen haben. Allein von meinem Verein SF Katernberg zählte ich 11 Jugendliche, von denen allerdings einige zur Schlussrunde aussteigen mussten, weil am Sonntag in Porz ein U20-Kampf um den Aufstieg in die Jugendbundesliga anstand, der auch erfolgreich bestanden wurde.

 

Wenn ich schon beim Abschweifen bin: Auch in den NRW-Ligen war am Sonntag Großkampftag und SF Katernberg 2 musste als (laut LigaOrakel!) 85-prozentiger Absteiger gegen Tabellenführer BSW Wuppertal gewinnen, um die NRW-Klasse zu halten. Beim Stand von 3,5:3,5 gelang FM Dr. Thomas Wessendorf – frischer deutscher Ärzteschachmeister – gegen Urgestein IM Dr. rus Boris Khanukov – übrigens seit 1969 verdienter Meister des Sports der UdSSR – tatsächlich der Siegpunkt für Katernberg, … nach 7 Stunden und 134 Zügen!

 

Ganz zum Schluss noch was zum Rätseln: Erfreulicherweise hat mir einer der fünf Erstplatzierten des RHIO 2016 persönlich erklärt, in der kommenden Saison mit mir im gleichen Verein und in der 2. Bundesliga-West zu spielen! [Nein, die Sportfreunde Katernberg ziehen sich nicht aus der Bundesliga zurück!].

 

Alle Ergebnisse stehen auf der Turnierseite der SF Essen-Überruhr, denen als relativ kleiner Verein großer Dank und Beifall für diese inzwischen 31. Auflage des Ruhrhalbinsel-Open gebührt:

https://www.sfue.de/ruhrhalbinsel-open

 

 

Bildnachweise

 

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