FINALE !!!


Die Meister wurden gekürt – Ein Schlussbericht von RALF MULDE

 

DSAM Meister Thomas Hoefelsauer Muenchen

DSAM Meister Thomas Höfelsauer München

Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM kürte heuer in Halle (Saale) nach spannendem Verlauf seine sechs Deutschen Meister. DSB-Präsident Herbert Bastian nahm die Ehrung der Sieger vor. Thomas Höfelsauer, München, wurde mit 4,5 Punkten aus fünf Runden Deutscher Schach-Amateurmeister (A) 2015/16, während Manfred Berner, Kelkheim, C-Gruppe und Klaus Künitz, Mainz, D-Gruppe und Leonhard Thomas, Fellbach, E-Gruppe, ihre Deutschen Meistertitel sogar mit 100% errangen.

 

“Zusammen mit dem jeweiligen Titel für die Frauen haben wir hier im RAMADA-Hotel in Halle zwölf Titel ausgespielt, dazu noch der parallel veranstaltete Dähne-Pokal – das hat wieder Spaß gemacht!” freute sich DSAM-Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan, den auch seine üble Knie-Verletzung nicht vom Weg von Dresden nach Halle abhielt. “Wir DSAM-Organisatoren treffen hier immer wieder auf so viele Spieler, die schon sehr, sehr oft dabei waren und uns über die vielen Jahre zu netten Freunden wurden”, setzte er hinzu, bevor er sich auch schon wieder mit dem nächsten Fragenden beschäftigte.

 

Der A-Meister

DSB Präsident Herbert Bastian

DSB Präsident Herbert Bastian

Nach einer sehr kurzen Remis-Partie in der letzten Runde stand es fest: FM Thomas Höfelsauer hatte die lange Anreise von seinem Verein München Südost nicht umsonst angetreten, denn seine 4,5 aus fünf waren für die Verfolger einfach nicht zu schlagen! 2281 2293 ist nicht seine Telefonnummer, sondern die aktuelle DWZ als Vorwahl und die Elo, wie üblich der etwas höhere Wert. Der Arm des FIDE-Meisters reicht weit, wie seine Teilnahmen an Turnieren in Bargteheide, Norderstedt, Böblingen und jetzt eben Halle zeigen. Steht da schon ein “Bayern ist zu klein für mich” dahinter?

 

Einen ersten, ganz kleinen Eindruck bietet zunächst mal die Homepage seines Clubs München Südost (nix mit Deutsch Südwest!): “31.1.2016: Die Erste gewinnt in Passau gegen den Tabellenführer! In der Aufstellung 1.GM Kosic, 2.IM Jorczik, 3.GM Kostic 4.FM Höfelsauer, 5.Bergauz, 6.Müller, 7.Hittinger, 8.Leeb Simon orientiert sich die Erste in Richtung oberer Tabellenhälfte.” Die Oberliga-Saison schloss der Club später als Vierter ab. In dieser Liga erzielte, eine Nebenbemerkung, Hanna Marie Klek unglaubliche 7,5 aus 9! Amateurmeister Höfelsauer machte solide 50% – wer sieht, welche Kaliber in der bayerischen Oberliga unterwegs sind, wird sich verneigen.

 

Holger Namyslo, TG Biberach, kam mit 4,0 Pkt. als Zweiter der Gruppe A ein, hinter ihm mit je 3,5 Punkten die nur per Feinwertung getrennten Christian Schatz, Rottendorf und Denis Mager, Makkabi Frankfurt.

 

Die Hundertprozentigen

 

ChessBase Martin Fischer bei Hundertster DSAM

ChessBase Martin Fischer bei Hundertster DSAM

Hundert Prozent in einem Finale zu knipsen, das ist schon eine ganz besondere Leistung! Gleich zweimal gelang dieses Kunststück im “katholischen Turnier” in Halle – es war ja das Fronleichnam-Wochenende und im angrenzenden Leipzig tobte der Katholikentag, eher im Süden der Republik tobten die Unwetter … Von äußeren Ablenkungen unbeeindruckt, gelang es Manfred Berner (C-Gruppe), Klaus Künitz (D-Gruppe) und Leonhard Thomas (E), die geradezu mystischen “fünf aus fünf” zu erspielen. Sie sind damit natürlich Deutscher Schach-Amateurmeister (C bzw. D und E) 2015/16.

 

Beginnen wir mit dem hohen C. Manfred “der Triumphator” Berner hat eine aktuelle DWZ 1951 (Elo 1878). Der 1948 Geborene spielte in der DSAM eine DWZ-Leistung von 2512 – in der C-Gruppe! im Quali-Turnier in Brühl war es ganz genauso: 100%, fünf aus fünf, Leistung 2466 … da sage noch einer, mit knapp siebzig könne man im Schach nicht mehr mithalten! Da müsse man “Seniorenschach” spielen, gegen diese Jüngeren … geht nicht, schon klar.

 

Er kann sich am Brett auch schon mal ein bisschen mehr zurückhalten, der Berner, fünf aus acht bei den Mampfschaftskrämpfen, drei aus sieben in einem Sparkassen-Open … aber das waren eben Trainingsturniere. Spielte Botwinnik auch immer. Wenn’s mal nicht so lief. In der DSAM jedenfalls fünf aus fünf. Zweimal. Joachim Keller, Bebenhausen und Benjamin Proß, Kühlungsborn, spielten mit 4,0 Punkten und dem resultierenden Silber- und Bronze-Rang in der keineswegs einfachen C-Gruppe jeweils ein großes Turnier, aber was soll man machen, wenn da einer im äthiopischen Langlaufsprint durch das Turnier zieht?

 

Daehne Pokal Silberner Turm - Objekt der Begierde

Daehne Pokal Silberner Turm – Objekt der Begierde

Aus ähnlichem Holz geschnitzt ist Klaus Künitz. Schott Mainz, DWZ 1734, Elo 1785, also D-Gruppe, geboren 1944, soso, aha … in Bad Soden mit vier aus fünf finalqualifiziert … jetzt in Halle eine Rating-Leistung von 2352! Das Faszinierende an diesem Weltschachreisenden sind seine vor dem Turnier in Halle gespielten Wettkämpfe, der war nämlich außer in Amerika schon überall: Gibraltar, St.Velten, Puerto de Alcudia / Mallorca, Rhodos, Benidorm, … wir finden so etwas toll. Und seine fünf Punkte natürlich auch.

 

Drei Spieler kamen noch bis zuletzt als Gruppensieger in Frage; Fabian Jäger (Babenhausen), Fabian Meißner (Ludwigsburg) und Thomas Ruider (Sasel) und die spielten auch alle drei einen herausragenden Wettkampf, der ihnen jeweils 4,0 Punkte und den zweiten, dritten, vierten Platz einbrachte, nur gegen unseren Weltschachreisenden war eben einfach kein Springer gewachsen.

 

In der E-Gruppe zog’s Leonhard Thomas (Fellbach, Gruppe E, neueste DWZ 1640) gnadenlos durch. 100%. Unglaublich. Auch hier klebten ihm bis zuletzt drei Spieler an den Hacken, auch hier aber kamen Hanfried Hoppe (Wahrburg), Borna Mohammadi Nia (DJK Aufwärts St.Josef Aachen) und Torsten Ellinger als Zweiter, Dritter, Vierter mit ihren jeweils sehr, sehr guten 4,0 Punkten einfach nicht an dem Überflieger aus dem Zentrum Württembergs vorbei. Fünf aus fünf sind einfach schwer zu überbieten.

 

In der “S-Ost B-Klasse” spielte der E-Meister Thomas für Fellbach II (ob da bald in der Ersten etwas für den 100%er frei werden wird?) gegen Teams, die so heißen wie Waiblingen 4, Rommelshausen 3 oder Murrhardt 3, das ist eben normales, pures Amateurschach aus Spaß an der Freud im Wintereis am Sonntag knapp nach nachts – pars pro toto von wohl 99% des urdeutschen Spielbetriebs.

 

Die B- und F-Gruppe – und die Damen!

Auf zwei Gruppen sind wir noch nicht eingegangen und … die immer stärker werdenden Damen gehören natürlich erst recht in den Fokus. Legen wir los!

 

Bruno Kreyssig

Bruno Kreyssig

Bruno Kreyssig (B-Gruppe) von der SG Leipzig hatte fast ein Heimspiel, denn Halle und “Leiptschg” sind auf dem Wege, zur Doppelstadt zusammen zu wachsen. Neben seiner Spielkunst mag ihn das beflügelt haben, mit 4,5 Punkten Erster der B-Gruppe zu werden. Normalerweise wird ein solches Ergebnis von 90% mit riesigen Lettern herausgestellt, auf einem Hochhaus mit Scheinwerfern angestrahlt usw. – dafür, dass in gleich drei Gruppen 100%-Resultate erzielt wurden, kann der im Jahre 2000 Geborene ja nichts. Also: Applaus, Applaus! Sein Club spielt in der 2.Buli, für die unser Matador auch als Nr.19 gemeldet wurde, aber er spielte lieber bei der Sandra Ulms in der Sachsenliga, in dieser Saison nicht ganz so erfolgreich wie jetzt in Halle. 2011 war er noch bei der Deutschen Einzelmeisterschaft erfolgreich – bei der U12. Erstaunlich, wie schnell so was voran geht.

 

Die F-Gruppe ist stetes Ziel der Journalisten, denn hier sind oft sehr junge Spieler am Werk, aber auch das andere Ende der Alterspyramide ist hier zahlreich vertreten, wir haben also reichlich Partien mit “Jung gegen Alt”. Und handelt es sich dann auch noch um einen “soooo süüüüß …!” kleines Mädchen gegen einen eleganten älteren Herrn (nein, nicht der Herbert Bastian), sind die Massen elektrisiert! Allerdings darf man bei diesem Blödsinn auch nie die schachliche Qualität außer Acht lassen und die war bei allen unseren Finalisten hoch. Sonst hätten sie nicht dort gesessen. Aus dem skizzierten Grund flogen ihr viele Sympathien zu, aber am Ende ging der erst zehnjährigen Dresdnerin Phuong Thao Vivien Nguyen ein wenig die Kraft aus, die wie so viele Kinder sozusagen ein “Direktexport” der Jugendeinzel in Willingen war. 3,5 Punkte, gerade noch der sechste Platz, aber die Ahnung von vielen ihrer Fans, dass wir hier ein großes Talent (hoffentlich nicht zum letzten Mal) gesehen haben, das war ihr Turnier.

 

Hannes Helbig (Sasel), laut Hamburger Schachjugendbund 2001 geboren, hatte einfach mehr Stehvermögen und wurde mit 4,5 Punkten Erster. Sein Club Sasel 1947 spielt in der Tagesstätte “Roter Hahn” (Kunaustr.4), das ist vom Bild nicht weit weg von “Roter Turm” in Halle, der dort auf dem Marktplatz steht. Heimat ist eben irgendwie überall. Ebenso gut wie Hannes machte es der Lübecker Jalel Silini, der einfach Pech hatte: ein halber Buchholzpunkt, das ist doch eigentlich gar nichts, ließ in dann doch “nur” als Deutscher Vizemeister dastehen. Ich bin aber ganz sicher, dass wir von allen drei hier genannten Spielern zukünftig noch sehr viel Positives hören können. Eure Preise stehen sozusagen schon bereit …

Die Ladies sehen einfach besser aus als die Kerle. Das ist am Schachbrett nicht anders als bei Motsi Mabuses Tanzshow. Deshalb war die B-Gruppe immer eng umlagert, “wie hat die … gespielt, habt Ihr schon …?” Haben wir. Ergebnisse. Das war ja wie im Krimi! Lara Schulze aus Lehrte, also “die Schulze” – so wie “die Dietrich” -, kam auf 4,0 Punkte. Aber das gelang ebenso auch Annmarie Mütsch aus Eppingen und auch Daniel Müller, Biberach, der dem Damenschach nun aber nicht so verhaftet ist.

 

Lara Schulze

Lara Schulze

Barbara Hund

Barbara Hund

Also: Lara Schulze ist erst zarte 14 Jahre jung, kam gerade eben von der Deutschen Jugendeinzel und hatte am Ende einfach die etwas bessere Buchholzzahl gegenüber der sogar zwei Jahre jüngeren Annmarie Mütsch, die ebenfalls sehr gut in Willingen die Jugendeinzel- gespielt hatte und ebenfalls müde gewesen dürfte – ein tolle Leistung von beiden jungen Damen! – Walter Schaffert, Ludwigsburg, hatte fast immer ganz vorne gespielt, wurde aber nach seiner Niederlage in der letzten Runde (gegen Bruno Kreyssig) von der Meute wieder eingeholt, so dass es mit 3,5 Punkten doch “nur” der fünfte Rang wurde.

 

Bei den Damen ist noch die Spielerdecke zu kurz. Findet auch die stets nette WGM Barbara Hund, die seit gestern Deutsche Frauen Schach-Amateurmeisterin (A) 2015/16 ist – und die geradezu darunter leidet, ohne Konkurrenz spielen zu müssen. Sie würde nämlich auch siegen können, wenn sich einmal eine Lady, Mädchen, Frau, Dame, Spielerin, … zum Kampf stellte. Das ist natürlich nur unsere Vermutung.

 

Bis dahin müssen wir mit den kalten Füßen leben, von wegen zu kurzer Decke. Tatsächlich aber hätten ja schon jetzt die dafür vorrunden-qualifzierten Annelen Carow und Teodora Rogozenco am Finale teilnehmen können, es hätten sich alle 98 deutschen Spielerinnen im Ratingbereich Zwoeins bis Zwodrei an der Quali beteiligen können … allein, die Damen waren diesmal nicht da. Andere Verpflichtungen. Völlig normal, so ist das Leben. Eben. Hoffnung aber ist da, denn zum Beispiel Lara Schulze, Annmarie Mütsch, Felizitas Beltz, Emily Rosmait, Sarah Hund und manche andere werden ihr Rating gewiss noch weiter gewaltig steigern und bald in die A-Gruppe aufrücken. Macht Ihr doch, oder???

 

B & B Bönsch und Bastian

B & B Bönsch und Bastian

“4,5 abgegeben – bei 7 remis aus 26 Partien” lautete das stattliche Ergebnis zweier älterer Herren, die im deutschen Brettsport nicht völlig unbekannt sind. Gemeint sind IM Herbert Bastian, Präsident des Deutschen Schachbundes und Vorstand der FIDE und GM Uwe Bönsch, Turnierdirektor des DSB und in Halle geborener Held ungezählter Wettkämpfe.

 

Die beiden waren so freundlich, etwas früher als es die Ehrung der Sieger erforderte, in der Saale-Stadt anzureisen und ein kurioses Simultan anzubieten: Sie zogen nämlich ABWECHSELND. Sollte nun der eine in vielleicht Partie 17 den eigenen Königsläufer für stark halten, der andere aber gerade diese Figur abtauschen wollen, kann das Ganze schwierig werden. Wurde es aber nicht. “Der Herbert war nur einfach zu langsam”, erzählte hinterher Uwe Bönsch bei der “Gala des Deutschen Schachs”, bei der die Sieger der DSAM und des Pokals in stilvoller Feier geehrt wurden. – Nein. Unser Chef ist nicht langsam, Uwe. Der ist nur Saarländer. Dort genießt man eben. Und es hätte für Euch schlimmer kommen können, wie wir bei den Schachfreunden Sasel lesen: “… auch bei hohen Temperaturen … Konditionsblitz. Das erfolgreiche Spielen mehrerer Blitzpartien an voneinander entfernten Tischen erforderte nicht nur gute Züge, sondern auch einen guten Antritt.”

 

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Veröffentlicht unter DAM |