USA obenauf bei der Olympiade (UPDATE zwei)


Nach Schlüsselduellen in Runde 6-8

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Sowohl im “offenen Turnier” als auch bei den Damen müssen die USA die Führung mit anderen teilen – einmal haben sie dabei die beste Wertung, einmal nicht. Wer sonst derzeit zufrieden sein kann und wer nicht, zeigen die aktuellen Zwischenstände – mitunter bedingt aussagekräftig, da Teams genauso viele Mannschaftspunkte gegen teilweise recht unterschiedliche Gegner erzielten.

 

Offenes Turnier: USA, Indien, Ukraine 14, Russland, Aserbaidschan1, Norwegen 13, England, Lettland, Niederlande, Ungarn, Iran, Tschechische Republik, Georgien, Griechenland, Slowenien, Chile, Italien 12. Wer sich in den verbleibenden Runden da oben halten kann, wird sich zeigen – Norwegen und Iran hatten bisher noch gar keine sehr starken Gegner. Um Deutschland zu finden, muss man in der Tabelle weiter nach unten scrollen – aktuell Platz 49 mit 8 Mannschaftspunkten, zu den Gründen siehe unten.

 

Damen: China und USA 14, Polen und Israel 13, Ukraine, Russland, Indien, Ungarn, Bulgarien, Aserbaidschan1, Niederlande 12, Georgien, Deutschland usw. (noch 7 Teams) 11. Vor dem Ruhetag führten Russland und Ukraine gemeinsam, nun nicht mehr – auch dazu später mehr. Die deutschen Damen weiterhin da, wo sie nach Setzliste etwa hingehören – Tabellennachbar Georgien muss sich wohl definitiv von Medaillenhoffnungen verabschieden.

 

Für das Titelfoto wollte ich diesmal einen Spieler. Nepomniachtchi hatte sich nachdrücklich beworben, hat aber dann beim “Vorstellungsgespräch” (Auftritt in Runde 8) nicht überzeugt. Im Gegensatz zu Baadur Jobava, der mit “seinem Schach” ausgesprochen erfolgreich ist – derzeit 6/7 und mit 2976 die zweitbeste Turnierleistung von allen. Vor ihm nur IM Capo Vidal aus Mexiko, der seine 6/6 allerdings gegen deutlich schwächere Gegner erzielte. Ganz knapp hinter Jobava der Ukrainer Andrei Volokitin (6,5/7, TPR 2974), dann wieder ein 100%iger aus tieferen Tabellenregionen (IM Khader aus Jordanien), usw. – Brettpreise werde ich erst nach dem Turnier besprechen, der eine oder andere Spieler (jung und alt, bekannt oder relativ unbekannt) wird später noch fotografiert. Alle Fotos wieder von der Turnierseite, wieder von diversen Fotograf(inn)en: Eteri Kublashvili (u.a. das Titelfoto), Maria Emelianova, Lana Afandiyeva, David Llada, Paul Truong, Rasim Huseynov und (neu) Boris Dolmatovsky.

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Bevor ich Runde 6-8 bespreche, kurz zu Entwicklungen am Ruhetag – nicht zur Bermuda-Party in der Nacht davor, da kenne ich mich nicht aus. Team Djibouti erschien doch noch, pünktlich zur sechsten Runde – allerdings nur zu dritt, in Runde 9 gegen Kongo (ebenfalls zu dritt) sind sie nicht von Anfang an benachteiligt. Die Damen aus Litauen sind mittlerweile zu fünft: Viktorija Cmilyte ist mittlerweile (wie Dana Reiznice-Ozola aus Lettland) vor allem Politikerin – bei der Olympiade wollte sie trotzdem mitmachen aber (zumal in Litauen Wahlkampf ist) hat nur eine Woche Zeit dafür. Dafür sind die bulgarischen Herren nur noch zu viert: Topalov ist wegen der “unmittelbar bevorstehenden” Geburt seiner zweiten Tochter abgereist.

 

Runde 6 (und dann auch Runde 7) stand unter dem Motto “alle an den vorderen Tischen machen dasselbe, Deutschland macht als erster nicht mit”. An den vorderen Tischen durchgehend knappe Ergebnisse (2,5-1,5 oder 2-2), die erste Ausnahme an Tisch sechs, aber der Reihe nach: Indien-Niederlande 2,5-1,5 – Giri spielte remis gegen Harikrishna, wobei er mit Schwarz in einem Najdorf-Sizilianer mit 6.h3 besser stand aber wohl nie gut genug. Vidit – van Wely (nach 15 Zügen) und Bok-Sethuraman (eher ausgekämpft, aber auch nicht spektakulär) ebenfalls remis.

 

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L’Ami-Adhiban 0-1 [Maria Emelianova]

musste aus NL-Sicht nicht sein. Erwin l’Ami opferte eine Qualität, für die er sicher mindestens ausreichende Kompensation hatte (Läuferpaar, zwei Bauern, einer stand auf g7). Aber dann 36.Td1?? – vielleicht mit der Idee 36.-Lxc4 (kam in der Partie) 37.Lxf7+ nebst 38.Txd6 mit Rückgewinn der Qualle und immer noch zwei Mehrbauern. Das scheiterte jedoch an 37.-Txf7 38.Txd6 Tf1 matt, wie l’Ami zu spät bemerkte. Im Endspiel leistete er noch zähen, aber auf die Dauer vergeblichen Widerstand.

 

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USA-Ukraine 2,5-1,5 hat Eteri Kublashvili “von vorne” fotografiert, und da fiel auch die Entscheidung – Caruana-Eljanov 1-0 im Schwerfigurenendspiel mit Damen und Türmen, der weisse a-Freibauer war zu stark. An Brett 2 Ponomariov-Nakamura ebenfalls ein Schwerfigurenendspiel mit weissem a-Freibauern, das war allerdings (bis 26.Dxa7 und noch etwas weiter) ein bekanntes Benoni-Abspiel. Wie reell weisse Gewinnchancen waren, ist unklar – nachdem er im 31. Zug seinen Mehr- und Freibauern einstellte hatte er jedenfalls keine mehr und es wurde remis, wie auch die beiden anderen Partien.

 

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Tschechische Republik – Georgien 2-2: Jobava gewann gegen Navara ausnahmsweise mal nicht, seine Teamkollegen remisierten ebenfalls. Ein Foto (von Eteri Kublashvili) bekommt es für den optischen Kontrast an Brett 1. Griechenland-Aserbaidschan1 2-2: Naiditsch verlor nach anfangs 4/4 zum zweiten Mal in Serie, da er gegen Athanasios Mastrovasilis (nicht verwechseln mit seinem Bruder Dimitrios – ungefährdetes Weissremis an Brett 1 gegen Mamedyarov) zuviel riskierte. Danach bekam Arkadij Naiditsch übrigens einen doppelten Ruhetag. Zu “Aufstellungspolitik” anderer komme ich noch – bei Aserbaidschan spielen Mamedyarov und Radjabov bisher durch, die drei anderen pausierten jeweils mehrere Tage hintereinander: Safarli dreimal, Mamedov zweimal (mit allgemeinem Ruhetag auch drei Tage), nun Naiditsch bisher zweimal. Gut für Aserbaidschan, dass Safarli dabei war: er gewann an Brett 4 gegen Stelios Halkias. Auch das übrigens ein Schwerfigurenendspiel, wobei hier Königssicherheit entscheidend war, und/oder ein schwarzer Patzer im 41. Zug, also nach der Zeitkontrolle. Die Zeitnotphase hatte Halkias jedenfalls einigermassen heil überstanden, nun überlegte er 25 Minuten und griff daneben … . Kanada-Weissrussland 2,5-1,5: Entscheidend waren sizilianische Komplikationen in Hansen – Andrei Zigalko 1-0 – Weiss gewann aus Verluststellung heraus. “Wohin mit dem König?” war öfters im Turnier die Gretchenfrage – hier stand der schwarze auf d7 durchaus gut, 27.-Kc7?? und die Partie kippte. Schon sind wir bei Tisch 6:

 

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Deutschland-Russland, später 1-3 (Kublashvili)

 

Wie schon im vorigen Bericht erwähnt, Standortbestimmung für beide. Kramnik fehlt auf diesem Foto aber hat auch mitgespielt. Die gute Nachricht aus deutscher Sicht waren recht ungefährdete Weissremisen für Nisipeanu gegen Karjakin und Bluebaum gegen Tomashevsky. Auch die Schwarzpartien sahen anfangs aus deutscher Sicht gut oder jedenfalls “nicht schlecht” aus. Kramnik spielte mal wieder 1.e4 (keine absolute Überraschung mehr von ihm, aber immer noch selten), konnte davon ausgehen dass Meier Französisch spielen würde und wirbelte taktisch. Meier konnte lange dagegen halten, gab dann die von Kramnik geopferte Figur zurück (musste wohl nicht unbedingt sein) und landete in einem schlechten Endspiel, der Rest war für Big Vlad “Technik” – 1-0. Nepomniachtchi tat gegen Fridman das, was er bis zur siebten Runde immer tat – gewinnen. Auch im Nachhinein schwer zu sagen, ab wann und warum die lange jedenfalls akzeptable schwarze Stellung immer schlechter wurde. Mit beiderseits noch Damen, Türmen und Läufern war es wohl noch ein Mittelspiel, auch hier entschied Königs(un)sicherheit zugunsten von Weiss.

 

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Nisipeanu und Karjakin [Boris Dolmatovsky]

Wann Nisipeanu und Karjakin sich angeregt unterhielten – vor oder nach der Partie – “sagt” das Foto nicht. Weiter geht’s: China-Argentinien 2,5-1,5 – ungefährdet aber knapper als man erwarten würde. Wei Yi hat in seinen Superturnieren remis spielen gelernt und macht es bei der Olympiade konsequent auch gegen Spieler mit Elo (weit) unter 2700 – auf der vollen Habenseite bisher nur ein (spektakulärer) Sieg in Runde eins gegen IM Sadiku(Elo 2189) aus dem Kosovo. Das war Brett vier, an Brett 1 verlor Wang Yue mit Weiss gegen Sandro Mareco. Mareco stand zunächst verdächtig bis verloren und konterte dann gnadenlos, drei Züge vor dem Matt gab Wang Yue auf. Zuvor hatte Mareco aus Gewinnstellung heraus gegen Nakamura remisiert, und insgesamt hat er mit 6/8 auch ein gutes Turnier erwischt. Ein paar Ergebnisse lasse ich weg; Tisch 12 bekam zu Rundenbeginn hochkarätigen Besuch:

 

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Magnus Carlsen und Leyla Aliyeva [David Llada]

Carlsen musste wohl oder übel mit 1.e4 beginnen, das hatte die Tochter des aserbaidschanischen Präsidenten so beschlossen – selbst spielte er zuvor 1.e3 (oder 1.d4). Vielleicht machte sie noch zwei Züge für ihn – 1.e4 e6 2.Sf3 d5 3.exd5 – aber einen Bauern verdaddelt hat Carlsen dann selbst. Am Ende remis, sein Gegner war damit nicht unbedingt zufrieden. Gegen wen spielte er eigentlich?

 

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Julio Sadorra [Paul Truong]

Der Filipino GM Sadorra hat immerhin Elo 2560. An den drei anderen Brettern hatte Norwegen etwas weniger Elovorteil und spielte ebenfalls remis.

 

Neben Deutschland-Russland hatten durchaus noch einige andere Matches klare Sieger und Verlierer, z.B. Chile-England 1-3, Bulgarien-Slowenien 0,5-3,5, Uruguay-Ungarn 0-4 und Frankreich – Puerto Rico 4-0. Für Frankreich war auch Vachier-Lagrave mit dabei. Da ich den gesamten deutschsprachigen Raum bediene: Schweiz-Monaco 3,5-0,5, Mexiko-Österreich 1,5-2,5 (Superstar IM Capo Vidal gewann auch gegen GM Shengelia), Liechtenstein – US-Jungferninseln 2,5-1,5 – erster Sieg im Turnier, Beginn einer Aufholjagd?

 

Runde 7 hatte vorne weitgehend klare Ergebnisse, nicht immer der Papierform entsprechend. Das erste Mannschaftsremis gab es an Tisch 14, da spielte Deutschland – aber ich beginne oben: Indien-USA 0,5-3,5 war deutlich – insgesamt verdient für die USA aber eher nicht in dieser Höhe. Zwar waren Nakamura-Adhiban 1-0 und Vidit-So 0-1 recht glatte Favoritensiege, aber die beiden anderen Bretter: Caruana opferte gegen Harikrishna eine Figur – da er für 26.-Sc4!? 20 Minuten investierte, war es wohl ein Opfer und kein Einsteller, und gewisse Kompensation hatte er (luftiger weisser König). Aber wenn “Hari” auf andere Art die Damen getauscht hätte (statt 35.De4 entweder 34.Dh3 oder erst 35.Ta8+ Kg7 36.Ta7 Kh8 und nun 37.De4) konnte er seinen Gegner zumindest noch einige Zeit quälen. Und Shankland-Sethuraman 1-0 war kunterbunt: Weiss hatte zwar einen Mehrbauern, aber sein König stand auf d3 wahrlich zugig. Sethuraman verpasste es in Zeitnot, den Sack zuzumachen (trivial war es nicht), erlaubte Figurentausch, verlor einen zweiten Bauern und landete in einem schlechten, nicht unbedingt verlorenen Endspiel. Später entschied dann im Damenendspiel der weisse Königsmarsch von g2 (da stand er nach 61 Zügen) bis nach e8 – Schwarz hatte die Wahl zwischen Matt für seinen König, Damentausch mit verlorenem Bauernendspiel oder sofort aufgeben und machte Letzteres.

 

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[Maria Emelianova]

Lettland-Niederlande 3-1! Man konnte denken, dass Team NL für Brett eins Vachier-Lagrave ausgeliehen hatte, der dann seine Remispartie gegen Ganguly (Spanische Mannschaftsmeisterschaft 2013) wiederholte. Aber gegenüber von Shirov sitzt doch Anish Giri, der diese Partie wohl auch kannte und seine Züge herunterblitzte – Najdorf-Sizilianisch (mit 6.Le3 Sg4), spektakulär aber eben bereits bekannt. Auch Robin Van Kampen remisierte mit Schwarz gegen Arturs Neiksans – soweit in Ordnung aus niederländischer Sicht, nur sollte man dann nicht zweimal mit Weiss verlieren. Van Welys Qualitätsopfer gegen Kovalenko war vermutlich “spielbar”, aber dann vernachlässigte er seinen etwas nackten König und wurde überrollt. Benjamin Bok landete gegen IM Nikita Meskovs in einem sehr schlechten Doppelturmendspiel und verlor ebenfalls. Tags zuvor war die Niederlage gegen Indien aus NL-Sicht unnötig oder vermeidbar, diesmal war Lettland deutlich besser.

 

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[Paul Truong]

Russland – Tschechische Republik 3,5-0,5: Navara stand gegen Karjakin aus der Eröffnung heraus schlecht und wollte dann nicht langsam verlieren, also verlor er schnell (24 Züge) – so gab es ein Interview mit Karjakin:

 

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[Eteri Kublashvili]

Darin verriet Karjakin unter anderem, wie Team Russland den Ruhetag verbracht hat – eine neue Sportart und eine sehr intensiv betrieben: “We played vo-vo-vo-volleyball and went for a swim swim swim swim swim swim swim in the sea.” Er stottert eben, jedenfalls auf Englisch … . Nepomniachtchi gewann gegen Hracek langsam aber sicher und hatte nach dieser Runde sieben Punkte aus sieben Partien – das nächste Foto war anfangs als Titelfoto geplant:

 

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Ian Nepomniachtchi [Kublashvili]

Tomashevsky stand mit Schwarz gegen Laznicka anfangs etwas schlechter, aber dann kippte diese Partie – er bekam einen starken a-Freibauern und konnte mit seinen Figuren in die weisse Stellung eindringen. Nur der etwas formschwache Grischuk machte nicht mit und remisierte mit Schwarz gegen Babula. Kramnik bekam seinen dritten Ruhetag – Karjakin spielt zwar Brett eins, aber Kramnik wird öfters mal geschont. Bei der Olympiade 2014 in Tromso hatte Russland gegen die Tschechen in derselben siebten Runde noch 1-3 verloren – CZE damals in derselben Aufstellung, RUS mit Grischuk, Svidler, Karjakin und Nepomniachtchi und Niederlagen an den ersten beiden Brettern. Bei dieser Olympiade erreichte die USA gegen die Tschechen nur ein 2-2.

 

Kroatien-Aserbaidschan 0,5-3,5 und Georgien-Rumänien 3-1 erwähne ich mal, ohne es näher zu besprechen – Jobava-Lupulescu 1-0 war mal wieder “á la Jobava”. England-China 3-1! Ich hatte die Engländer nach der drastischen Niederlage gegen die Niederlande quasi abgeschrieben, und nun besiegen sie mal eben den Titelverteidiger!?

 

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Adams – Wang Yue [Emelianova]

Wang Yue verlor schon wieder, diesmal wurde er aus harmlos-remislicher Stellung heraus überspielt und patzte dann. Howell neutralisierte Ding Liren mit Schwarz problemlos, ab dem 13. Zug wiederholten beide. McShane – Yu Yangyi war wieder Najdorf-Sizilianisch mit 6.Le3 Sg4 – am Ende auch remis durch Dauerschach wobei diesmal theoretisches Neuland betreten wurde (McShane wich von seiner eigenen Bundesliga-Partie gegen Volokitin, gespielt 2013, ab). Li Chao – Short 0-1 war turbulent mit dem besseren Ende für den Engländer. Der Chinese verpasste 34.f6 (das gewinnt) und 36.f6 (das wird remis), und dann entschied der schwarze f-Bauer die Partie.

 

Ukraine-Kanada 2,5-1,5 war knapp, da Eljanov am Spitzenbrett gegen Bareev verlor – für eine geopferte Figur hatte er anfangs vier Bauern (das reicht), aber dann verlor er immer mal wieder einen Bauern und es reichte nicht mehr. Türkei-Norwegen 1,5-2,5: Bei der Olympiade 2014 gewann Carlsen gegen Solak mit Weiss aus total verlorener Stellung heraus, diesmal gewann er ohne Umwege mit Schwarz. Ein paar Tische lasse ich weg, Tisch 14 Weissrussland-Deutschland 2-2: Sturmsieg von Georg Meier gegen Kovalev, aber Rainer Buhmann geriet gegen Aleksandrov böse unter die Räder. Andere deutschsprachige Teams und zwei Mannschaften aus dem erweiterten Favoritenkreis zusammen: Schweiz-Ungarn 1-3 – immerhin aus Schweizer Sicht Rapport-Pelletier 0-1 in einer komplizierten Partie (da darf sich der Leser selbst einen Reim drauf machen). Österreich-Frankreich 2-2! Bei Frankreich pausierte, warum auch immer, Vachier-Lagrave. Damit war die Vorbereitung von Markus Ragger gegen Grünfeld hinfällig, aber gegen Mazes Königsinder hatte er auch etwas zu bieten und siegte nach wildem Schlagabtausch. Damit ist er nun auch Mitglied im Club 2700+. An den weiteren Brettern konnte für Frankreich nur Fressinet (gegen IM Kreisl) voll punkten. Liechtenstein-Haiti 3,5-0,5, dabei waren sie allenfalls leichter Favorit.

 

Da es schon wieder sehr spät ist, breche ich hier bis auf weiteres ab und nenne vorläufig nur einige Ergebnisse der achten Runde: Russland-USA 2-2, Georgien-Ukraine 1-3, England-Indien 1,5-2,5, Aserbaidschan1-Lettland 2,5-1,5, Norwegen-Peru 3-1, Niederlande-Kuba 2,5-1,5, China-Ungarn 1,5-2,5, Frankreich-Deutschland 3-1, Wales-Österreich 0,5-3,5, Schweiz-Sri Lanka 4-0, Syrien-Liechtenstein 4-0.

 

In Runde 8 das Duell Russland-USA – bei den Herren und auch bei den Damen, deren Turnier ich ja separat bespreche. Gab es das schon einmal in doppelter Form? Ja, ist gerade mal acht Jahre her – bei der Olympiade 2008 in Dresden. Zwei der heute beteiligten Spieler waren schon damals dabei – Nakamura verlor gegen Grischuk, Team USA (ausserdem Kamsky, Onischuk und Akobian) verlor 1,5-2,5 gegen Team Russland (ausserdem Svidler, Morozevich und Jakovenko – Karjakin war ebenfalls in Dresden, spielte allerdings für die Ukraine. Kramnik war auch dabei, pausierte jedoch). Im weiteren Turnierverlauf gewannen die USA ihre drei letzten Matches, zum Schluss 3,5-0,5 gegen Ukraine, und damit die Bronzemedaille. Das war die bisher letzte Medaille für die USA – Gold gewannen sie zuvor bei der vom Ostblock boykottierten Olympiade 1976 in Haifa, sowie viermal 1931-1937 mit u.a. Marshall, Fine und beim letzten Mal Reshevsky (bei der inoffiziellen und “arischen” Olympiade 1936 in München fehlte die USA). Alle 40 Jahre wieder? Eine Vorentscheidung konnte heute fallen. Bei Russland kam 2008 in den letzten Runden Sand ins Getriebe – 1,5-2,5 Niederlage gegen die Ukraine, in der letzten Runde 2-2 gegen Spanien, Platz 5.

 

Vergleichbares gab es 2012 in Istanbul – ebenfalls in Runde 8 zweimal Russland-Ukraine. Bei den Herren gewann Russland (mit Kramnik, Grischuk, Karjakin und Tomashevsky) 2,5-1,5, verlor in Runde 9 1,5-2,5 gegen die USA (Nakamura-Kramnik 1-0, Grischuk-Kamsky 0-1, Onischuk-Karjakin 1/2, Jakovenko-Robson 1-0), gewann die letzten beiden Matches und gewann Silber (oder verlor Gold aufgrund des gegenüber Armenien schlechteren Tiebreaks). Medaillengeschichte von Russland insgesamt: 1992-2002 Gold (davor dominierte die Sowjetunion), 2004, 2010 und 2012 Silber. Chessbase erwähnte auch die Olympiade 1986 in Dubai, mit in Runde 8 (von damals 14) USA-Sowjetunion 2,5-1,5 (dank Seirawan-Kasparov 1-0). Damals waren Brettpunkte ausschlaggebend, und tat die Sowjetunion in den verbleibenden Runden genug für ihr Konto – Gold mit 40 Brettpunkten vor England (39,5), USA (38,5) und der Rest abgeschlagen. Das ist nun genug Olympia-Geschichte (übersichtliche Quelle wie immer Olimpbase), zurück in die Gegenwart:

 

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[Eteri Kublashvili]

Das war vor dem Match – ähnlich intensiv fotografiert wurde in Wijk aan Zee nur zweimal, bei Carlsen-Giri und zuvor Topalov-Kramnik. Neben Karjakin sollte ich wohl auch die anderen Spieler zeigen:

 

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Russland-USA [Emelianova]

Zum Match nicht Brett für Brett, sondern in Reihenfolge der Entscheidungen: Nepomniachtchi-So 0-1 – damit hatten nun beide insgesamt 6/7. Chess.com (immer Autorenteam Mike Klein und Peter Doggers, das stammt wohl vom Amerikaner Mike Klein) schrieb dazu “It was one of those games where you wonder afterward where White went wrong; that usually means the winner played a really good game!” [etwas frei übersetzt: “Eine Partie der Sorte ‘was hat Weiss eigentlich falsch gemacht?’ – das bedeutet meistens dass der Sieger grossartig spielte!”]. Amerikaner loben sie gerne und wann immer es einigermassen geht, mein eigener Eindruck und dazu passt auch die Partieanalyse von chess.com: Nepomniachtchi fand ausgangs der Eröffnung nicht den richtigen Plan, bzw. hatte nichts erreicht und wollte dann zu viel – so sah es auch Wesley So selbst im Gespräch mit Daniel King (Video hier eingebettet): “Zum Glück wollte Nepomniachtchi 8/8 erreichen!”. Um noch eine Quelle zu nennen: für de.chessbase.com beschränkte Georgios Souleidis sich auf die Schlussphase der Partie, die Entscheidung war bereits zuvor gefallen.

 

Kramnik-Nakamura 1/2 war immer remislich, aber bei Karjakin-Caruana 1/2 hat der (ethnische) Russe vielleicht den Sieg verpasst. Dann war da noch Robson-Grischuk 0-1: der junge Amerikaner (immer noch recht jung, wobei er bereits 2012 bei der Olympiade dabei war) “bettelte” (5.Te1 gegen die Berliner Mauer) um ein Weissremis. Lange schien er das zu bekommen, dann verlor er total den Faden und erlaubte am Ende ein glatt verlorenes Bauernendspiel. Wie soll man das Match insgesamt bewerten? Für beide Teams ist das Glas halb voll und halb leer: Vorher waren die USA (Turniersituation) vielleicht mit 2-2 zufrieden, aber Robsons Niederlage war aus amerikanischer Sicht unnötig. Russland rettete jedenfalls einen Mannschaftspunkt und weiss, was sie nun tun müssen: die drei letzten Matches gewinnen, das sollte dann für eine Medaille reichen aber nicht unbedingt für Gold. Die USA können auf ihre sehr gute Wertung (wichtig dabei das 3,5-0,5 gegen Indien) pochen und bekommen in den verbleibenden Runden vielleicht relativ bzw. nominell leichte Gegner, Gold ist am Horizont sichtbar aber noch nicht in trockenen Tüchern.

 

Das war Tisch 1, aber natürlich nicht das einzige interessante und relevante Match, nebendran das:

 

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Georgien-Ukraine, später 1-3 [Emelianova]

Jobava “jobavaisierte” den 2700er Ponomariov am Spitzenbrett und gewann spektakulär in 21 Zügen. Allerdings hat Georgien nur einen Jobava – er ist einmalig (stimmt vielleicht nicht ganz, in Runde 9 spielt er gegen Rapport), seine Kollegen verloren kollektiv: Kryvoruchko machte mit Mchedlishvili ebenfalls kurzen Prozess, Pantsulaia verlor ein Damenendspiel gegen Korobov und zum aus georgischer Sicht schlechten Ende verlor Gelashvili ein lange ausgeglichenes Turmendspiel gegen Volokitin. Dass Volokitin fleissig punktet (6,5/7) hatte ich ja bereits erwähnt.

 

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England-Indien 1,5-2,5 hat Maria Emelianova von hinten fotografiert, und Sethuraman-Short 1-0 entschied das Match. Beide hatten tags zuvor spektakuläre Partien gespielt, und heute wieder. Short gewann eine Figur (für drei Bauern), aber Sethuraman gewann dann den schwarzen König. Aserbaidschan-Lettland 2,5-1,5 – Entscheidung auch hier an Brett 4, Endspielsieg von Eltaj “Mr. Zuverlässig” (nun 4,5/5) Safarli gegen IM Meskovs. Mamedyarov experimentierte am Spitzenbrett gegen Shirov – das konnte schief gehen, aber wurde dann (wie die beiden anderen Partien) remis. Italien-Iran 2-2 – viermal Remis, das bis auf Spitzenbrett Ghaem Maghami sehr junge iranische Team weiterhin über ihren nominellen Möglichkeiten. Griechenland-Slowenien 2-2 war unfriedlich, vier Sieger und vier Verlierer. Norwegen-Peru 3-1 – noch ein relativ leichter Gegner für Team Carlsen. Der Weltmeister gewann, wobei Gegner Emilio Cordova (2638) in einem offenen Schlagabtausch lange mithalten konnte und dann patzte. Eine Serie riss, die Remisserie von Jon Ludvig Hammer – zuvor 7/7 bzw. 3,5/7. Als braver Carlsen-Sekundant hatte er auf Twitter gerne über Giri gelästert und nun angekündigt, im Falle eines perfekten Remisscores bei der Olympiade seine (Hammers) Haare blond zu färben. Das wollte er wohl doch nicht, also verlor er gegen Jorge Cori. Aber Siege für Norwegen an Brett 3 und 4. Kanada-Vietnam 2-2, wieder friedlich (viermal Remis).

 

Und nun die Tabellenzone in der einige Mannschaften wohl dachten “nach einer Niederlage in Runde 7 bekommen wir nun einen leichteren Gegner” – denkste. Manchmal gewannen sie trotzdem, manchmal nicht. Niederlande-Kuba 2,5-1,5 war ein Duell fast auf Elo-Augenhöhe mit knappem Ergebnis.

 

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[Maria Emelianova]

China-Ungarn 2,5-1,5 1,5-2,5 – Wang Yue verlor heute mal nicht da er pausierte, “Pechvogel” aus chinesischer Sicht war wieder Li Chao. Aus der Eröffnung heraus hatte er Almasi “eigentlich” überspielt, dann funktionierte das ungarische Desperado-Opfer 19.-Lxg2 wunderbar da Li Chao die Frage “wohin mit dem König?” kurz danach falsch beantwortete: 24.Ke2 war gut und vorteilhaft, das gespielte 24.Ke1 war falsch. Sonst dreimal Remis, auch IM Gledura(2585) – GM Wei Yi(2717, live-aktuell noch 2706). Auf dem Foto im Hintergrund mit Hut übrigens der norwegische Käpten Jonathan Tisdall.

 

Ein paar Matches überspringe ich und widme mich nun Tisch 20 Frankreich-Deutschland 3-1. Live hatte ich das kaum mitbekommen, da ich auch oder vor allem die Topmatches beobachtete und eher selten nach unten scrollte. Frankreich wieder mit MVL, nicht für Frankreich sondern für Deutschland wurde es deja vu – derselbe Matchverlauf wie gegen Russland: mit Weiss zweimal Remis, mit Schwarz lange mithalten und dann doch verlieren. Mit anderen individuellen Rollen – remis für Meier und Fridman, Nullen für Nisipeanu und Bluebaum. Schuld waren Turmendspiele: Nisipeanu hat seines gegen MVL vielleicht etwas früh aufgegeben, wobei er sicher wusste warum. Bluebaum hatte gegen Fressinet ein Doppelturmendspiel – aus deutscher Sicht leider, denn so drohte am Ende unparierbar Matt.

 

Der übliche Blick auf die anderen deutschsprachigen Teams: Wales-Österreich 0,5-3,5 (Ragger bekam für seinen Sieg gegen Jones nur 1,5 Elopunkte – es war nicht GM Gawain aus England, sondern IM Richard), Schweiz – Sri Lanka 4-0, Syrien-Liechtenstein 4-0. Damit hat Deutschland bei der Olympiade für deutschsprachige Teams derzeit Bronze – hinter Österreich und Schweiz, klar vor Liechtenstein. Ist allerdings eine Momentaufnahme. Beim Match Schweiz-Sri Lanka riss eine Serie:

 

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Wer ist das denn? Oben im Video-Screenshot (alle Chesscast-Videos zur Olympiade übrigens hier) steht es bereits – ein gewisser Lamawansa Yasas (Elo 2052), der zuvor gegen etwa gleichwertige bis leicht stärkere Gegner 5/5 hatte und nun gegen IM Noel Studer (2445) verlor. Er verriet unter anderem, wie Sri Lanka sich auf die Olympiade vorbereitet hatte – es gab ein “boot camp” mit dem griechischen GM Grivas, Teamkapitän ist allerdings der türkische GM Haznedaroglu. Ausländische Trainer machen vielleicht auch nebenbei oder vor- oder hinterher Urlaub im jeweiligen Land. Sri Lankas Setzlistennachbar Namibia hat als Käpten IM Erdogdu (Türkei), dahinter nach Setzliste Mauritius mit Käpten GM Skembris (Griechenland). Den Hamburger Niederländer IM Merijn van Delft zog es in eine andere Richtung (bzw. er hatte Kontakte und/oder bekam ein Angebot); er hilft Trinidad und Tobago.

 

Der Ausblick auf die nächste Runde, die (so lange dauerte der Artikel Teil 2) gerade beginnt: unter anderem Ukraine-Indien, USA-Norwegen, Iran-England, Aserbaidschan1-Russland, … Österreich-Spanien, Faroe-China, Rumänien-Schweiz, Deutschland-Finnland, … Namibia-Liechtenstein. Norwegen (u.a. Caruana-Carlsen) und Iran bekommen nun starke Gegner, Wei Yi bekommt an Brett 4 Sjurdur Thorsteinsson (Elo 2187) und gewinnt vielleicht seine zweite Partie im Turnier, die Olympiade für deutschsprachige Teams bleibt spannend (nur Liechtenstein hat Platz 4 konsolidiert). Das veröffentliche ich jetzt, wobei der Artikel immer noch nicht komplett ist.

 

Zum Damenturnier eher knapp, wobei jedenfalls zwei Matches mit russischer Beteiligung Stoff genug böten für eigene Artikel. Es begann in Runde 6:

 

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Ukraine-Russland [Paul Truong]

Zuvor führten beide gemeinsam – aber ich hatte im letzten Bericht bereits angedeutet/vermutet, dass das Damenturnier nach dieser Runde noch nicht entschieden ist. So kam es dann auch, und nicht nur weil das Match unentschieden endete. Das war aus russischer Sicht ziemlich glücklich, aus ukrainischer Sicht lag es daran, dass die Muzychuk-Schwestern erstmals im Turnier unterschiedliche Ergebnisse erzielten: Anna (im Foto vorne rechts) gewann glatt gegen Kosteniuk, Mariya erreichte gegen Gunina zwar eine glatte Gewinnstellung, aber fiel auf Guninas letzten Trick herein – remis. Am Ende hatte Schwarz Dame, zwei Türme und vier Bauern; Weiss hatte Dame, Läufer, zwei Bauern und Dauerschach. Zhukova hatte gegen Goryachkina einen Mehrbauern, auch sie übersah einen Trick und der Mehrbauer war futsch. Am letzten Brett konnte Girya gegen Ushenina für Russland ausgleichen – ihr klarer Vorteil war zwar plötzlich dahin, aber dann gewann sie die Partie nochmals.

 

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Rumänien-China [Kublashvili]

Dieses Match war auf dem vorigen Foto bereits im Hintergrund zu sehen, nun nochmals aus der Nähe mit vorne Ju Wenjun und Corina Peptan. Hou Yifan pausierte also, China war dennoch an drei Brettern klar favorisiert und punktete nur am elomässig fast ausgeglichenen vierten Brett (Guo Xi – Bulmaga 1-0). Also 2,5-1,5 für China? Nein, denn Peptan gewann tief im Endspiel gegen Ju Wenjun! Der nächste Dämpfer für die Chinesinnen, aber die nächsten beiden Runden liefen während die Konkurrenz Federn liess. Remis an den nächsten beiden Tischen (Kasakhstan-Ungarn und Georgien-Aserbaidschan), Polen schaffte was China und Indien zuvor nicht gelang – 3-1 gegen Vietnam.

 

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Kroatien-Deutschland [Paul Truong]

Deutschland war gegen Kroatien Favorit und bestätigte das: an allen Brettern 100-200 Punkte Elovorteil, eine wird da schon gewinnen? Melanie Lubbe schaffte es (mit Dank an die im 39. Zug patzende Gegnerin), 2,5-1,5 für Deutschland.

 

Runde 7: Russland-Polen 2-2, wieder Remis für die Titelverteidigerinnen. Gunina gewann gegen Zawadzka, nachdem diese ihren schwachen Bauern auf f2 vernachlässigte – bei kurzer Rochade bedeutete es viel mehr als Bauernverlust. Aber Frau CTRL-V Karina Sczepkowska-Horowska gelang gegen Goryachkina mit Schwarz eine “Modellpartie”: Weiss hatte zwar einen Mehrbauern, aber die schwarze Überkompensation bestand in Entwicklungsvorsprung und Läuferpaar – auch bei reduziertem Material entscheidend.

 

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China-Ukraine [Emelianova]

China sorgte auch selbst dafür, dass die Konkurrenz Federn liess – 2,5-1,5 gegen Ukraine dank Tan Zhongyi-Zhukova 1-0. Ebenfalls knappe Ergebnisse an den nächsten Tischen: USA-Rumänien 2,5-1,5 (Favoritensieg), Aserbaidschan1-Indien 2,5-1,5 (nächstes Erfolgserlebnis für die Heimmannschaft), Niederlande-Georgien 2,5-1,5. Matchwinnerin Tea Lanchava hatte dabei gemischte Gefühle, schliesslich hat sie Wurzeln in Georgien (Umzug nach NL vor etwa 20 Jahren) – trotzdem besiegte sie die gut 200 Elopunkte “bessere” Bela Khotenashvili. Das niederländische Brett 4 Anna-Maja Kazarian ist hierzulande geboren, aber ihre Eltern stammen aus Georgien. Brett 1 Zhaoqin Peng war mal Chinesin. Aber Brett 2 Anne Haast (Name und “Optik” typisch niederländisch) half auch mit und überlebte eine Verluststellung gegen Javakishvili.

 

Damit hatten nach dieser Runde mit Russland, China, Aserbaidschan1, USA und Niederlande gleich fünf Teams 12-2 Mannschaftspunkte – die Ukraine hatte deren 11, Georgien magere 9.

 

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Deutschland-Usbekistan [Emelianova]

Deutschland hatte sich an Tisch 6 vorgearbeitet und mit Usbekistan einen nominell “leichten” Gegner. Aber dann war das 2-2 aus deutscher Sicht glücklich – Elena Levushkina profitierte von einem groben gegnerischen Patzer.

 

Runde 8 bot, das hatten wir bereits erwähnt, Russland-USA:

 

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Russland-USA [Emelianova]

Es wurde aus russischer Sicht ein Drama ohne happy end. Brett 4 Nemcova-Girya 1-0 war “scheinbar” ein souveräner Weissieg – es sei denn, man betrachtet auch die Eröffnung: 14.-Kf7? belohnte das riskante weisse Konzept, 14.-Sdf8 Idee schnell -Dh7 und Schwarz steht prima. Aus amerikanischer Sicht: “wer wagt gewinnt”. Pogonina-Zatonskih war wohl immer remislich und wurde remis, Gunina gewann mit Schwarz recht glatt gegen Paikidze. Die Entscheidung fiel also am Spitzenbrett Kosteniuk-Krush – auf dem Foto wirken beide (wie auch die anderen sichtbar abgebildeten) konzentriert. Krush behandelte die Eröffnung riskant (vgl. Nemcova) und opferte, nach eigener Aussage hinterher “versehentlich”, einen Bauern. Kompensation hatte sie nur im Sinne von “Weiss kann den Mehrbauern allenfalls mühsam verwerten”, aber es war ‘im Prinzip’ ein Spiel auf zwei Ergebnisse, 1-0 oder 1/2. Krush reklamierte nach dem 40. Zug zu Unrecht dreifache Zugwiederholung, weiter ging’s. Kosteniuk wollte unbedingt gewinnen, opferte eine Qualität und landete dann in einem schlechten, womöglich gerade so remisen Endspiel. Und dann patzte sie.

 

kosteniuk-krush-resignation

 

Auf dem Screenshot aus der Liveübertragung ist wohl deutlich, wer am Ende gewann – es wurde doch das dritte Ergebnis! Also Russland-USA 1,5-2,5. Krushs Utensilien stehen im Weg, die Stellung auf dem Brett ist nicht erkennbar aber dafür gibt es das Diagramm rechts daneben – zuletzt geschah 67.Lg2?? h5 0-1 (68.Kxh5 Sf4+ nebst 69.-Sxg2, sonst 68.-hxg4).

 

Auch bei den Damen war das natürlich nur ein Match von vielen, darunter auch einige zwischen anderen Medaillenkandidatinnen. Polen-Niederlande 2,5-1,5 (knapper Sieg der Favoritinnen, trotz oder wegen Socko-Haast 0-1). Ungarn-Ukraine 2-2, nächster Dämpfer für die Ukraine. Zum zweiten Mal im Turnier unterschiedliche Ergebnisse für Muzychuk und Muzychuk: Remis mit Schwarz für Anna die ihre Grünfeld-Theorie kannte (ab dem 14. Zug wurde wiederholt, Schwarzremis ist auch gegen eine nominell etwas schlechtere Gegnerin OK?), Niederlage für Mariya die eine bekannte Königsindisch-Variante offenbar nicht kannte oder am Brett falsch improvisierte. 15 Minuten für 11.exf5?! (wurde zwar bereits gespielt, aber nur in drei von weit über tausend Partien), die wohl verdutzte Szidonia Lazarne Vajda investierte über eine halbe Stunde, spielte dann die Widerlegung 11.-e4 und hatte ab hier Oberwasser. Inna Gaponenkos Sieg gegen Ticia Gara in einem lehrreichen Läuferendspiel sicherte noch einen Mannschaftspunkt für die Ukraine. China-Aserbaidschan1 3,5-0,5 – die Chinesinnen waren dann doch eine Nummer zu stark für die bis dahin wirbelnde Heimmannschaft (im Nachhinein ist die deutsche Niederlage gegen Aserbaidschan1 “OK”).

 

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Rumänien-Vietnam [Emelianova]

3-1 für die nominell leicht unterlegenen Vietnamesinnen.

 

Deutschland bekam mit der Mongolei einen exotischen Gegner mit exotischen Namen und durchaus respektablen Elozahlen (Nummer 15 der Setzliste). Elisabeth Paehtz bekam nach Niederlage tags zuvor eine Pause, also Marta Michna am deutschen Spitzenbrett – remis gegen Davaademberel Nomin-Erdene. Elena Levushkina nutzte ein taktisches Übersehen von Uurtsaikh Uurintuya, aber Melanie Lubbe bat Altan-Ulzhii Enkhtuul regelrecht, ihren (Lubbes) König zu erledigen, die Mongolin akzeptierte die Einladung. Wieder war 2-2 aus deutscher Sicht glücklich, da Judith Fuchs gegen Uuganbayar Lkhamsuren aus totaler Verluststellung mit Remis entwischte.

 

Derzeit läuft unter anderem USA-China, Vietnam-Russland, Ukraine-Aserbaidschan1, Georgien-Turkmenistan (Aufbaugegner für die Georgierinnen?) und Serbien-Deutschland. Die Bildergalerie veröffentliche ich noch als separaten Artikel.

 

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