JANA SCHNEIDER: „Mein Schachjahr 2016“


So vieles ist letztes Jahr schachlich passiert. Das macht es mir echt schwer, einen zusammenfassenden Rückblick zu schreiben, aber ich werde versuchen, es auf das Wichtigste zu reduzieren.

Anfang des Jahres habe ich mir wie jedes Jahr Ziele überlegt, die ich in den kommenden zwölf Monaten erreichen wollte. ELO-Steigerung und Erfolge bei bestimmten Turnieren. Deutsche Jugendeinzelmeisterin. Gute Platzierung bei Jugendwelt- oder Europameisterschaft.

Schon zu Beginn des Jahres gelangen mir beim 7.Pfalz Open in Neustadt an der Weinstraße die ersten einzigartigen Partien und Erfolge, die ich nicht vergessen werde. Meine erste Turnierpartie gegen einen Großmeister (Remis) und den ersten Sieg gegen einen internationalen Meister [Die Partien zum Nachspielen gegen den späteren Turniersieger GM Ivan Ivanisevic (Elo 2664) und gegen IM Michail Saitzew finden Sie unter dem Link https://www.chess-international.de/Archive/51326#more-51326].

Dazu gehört natürlich meine Simultanpartie am 20. Februar gegen Weltmeister Magnus Carlsen beim ZEIT-Jubiläum, die ich dem Schach-Ticker zu verdanken habe und einen Erlebnisbericht darüber geschrieben habe [https://www.chess-international.de/Archive/52273#more-52273].

Kaum zu glauben, dass das schon mehr als ein Dreivierteljahr her sein soll!

Es folgten weitere Turniere, beispielsweise die Unterfränkische Meisterschaft Meisterklasse 1 oder der „Chess Talents“-Ländervergleichskampf in der Schweiz, über den ich ebenso berichtet habe.

Das nächste Highlight des Jahres war natürlich die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft in Willingen. Als Setzlistenerste in der Altersklasse U14 bei den Mädchen habe ich es geschafft, mit 8/9 Punkten den Titel zu gewinnen. Nur in der Partie gegen Lara Schulze musste ich mich geschlagen geben, weil ich mehr wollte, als die Stellung hergegeben hat. Nun konnte ich mich nach 2012 und 2013 zum dritten Mal Deutsche Einzelmeisterin nennen.

Im Sommer durfte ich für das deutsche Mädchen-Nationalteam bei der U16-Olympiade am ersten Brett antreten und habe dort zahlreiche Erfahrungen gesammelt.

Dann war da natürlich noch die Jugend-Europameisterschaft in Prag, bei der ich etwas unglücklich agierte und meinen 9. Setzlistenplatz nicht bestätigen konnte. Am Ende hieß es Platz 15 für mich. Doch danach ging die Kurve rasant nach oben.
Beim Zabo-Open in Nürnberg brachte ich das Kunstwerk fertig, mit Gesamtplatz 5 beste Dame, beste Jugendliche und Beste in meiner Ratinggruppe zu sein.
Doch das nächste Turnier, die Deutsche Ländermeisterschaft lief noch besser. Mit 6,5/7 Punkten schloss ich diese traditionelle Veranstaltung ab und erkämpfte mit Bayern meinen zweiten Deutschen Meistertitel in diesem Jahr. Außerdem gewann ich satte 130 ELO-Punkte.

Mit dem „New Chess Brains“-FM-Turnier in Hamburg spielte ich mein erstes Rundenturnier mit 10 Teilnehmern. Ende des Jahres dann noch das traditionelle Bad Wiessee-Open.

Vorher war es eher ein Scherz, dass ich da doch 100 ELO gewinnen und über 2300 ELO kommen sollte. Nach dem Turnier hatte ich eine ELO von 2302. Damit hatte ich Rang 1 der weiblichen Schachspielerinnen der Welt meines Jahrgangs inne. Außerdem bedeutete diese Performance Rang 11 bei den deutschen Frauen. Ich bin ehrlich: Für mich persönlich war diese Steigerung unfassbar, aber vor allem auch etwas, worauf ich stolz sein kann.

Die letzte sportliche Herausforderung des Jahres war für mich Mitte Dezember das dritte Qualifikationsturnier zur Deutschen Schach-Amateuermeisterschaft in Aalen.
Da ich am Stichtag im Oktober noch unter 2100 Elo und DWZ hatte, spielte ich nur in der B-Gruppe. Mit letztendlich 3/5 war ich selbstverständlich nicht zufrieden, aber nach den Turnieren vorher hatte ich mir wohl einfach ein bisschen zu viel Druck gemacht.

Schlussendlich wurde mir noch der FIDE-Meister-Titel verliehen, und so kann ich wohl zurecht sagen, dass 2016 bisher mein bestes Schachjahr war.

2017 warten dann neue Herausforderungen – den Auftakt macht das Schachfestival in Basel vom 2.-8. Januar – , die es zu meistern gilt und ich freue mich darauf!
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ZUR PERSON:

JANA SCHNEIDER [11. April 2002] hat Schach von ihren Vater mit vier Jahren gelernt, der sie dann auch im Kindergarten und bis 2010 in der Grundschule in einer Schulschach AG betreute. Seit 2008 spielt sie bei der SpVgg Stetten 1946 und trainiert seit 2010 regelmäßig bei GM Michael Prusikin. In der aktuellen FIDE-Junioren-Weltrangliste U20 belegt Jana mit Elo 2274 Platz 31 [Stand 1. Januar 2017]. Von der Kommission Leistungssport des DSB wurde die 14-jährige Gymnasiastin für dieses Jahr erstmals in den C-Kader weiblich aufgenommen.

Einige Partien von mir:

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