Und Anand an Brett vier


Hans-Walter Schmitt und Vishy Anand in Berlin (by Frank Hoppe)

Text: Jan Sprenger – Der Mailander Abend ist wolkenlos; scharf zeichnet sich das Profil der schneebedeckten Dreitausender gegen die tiefblaue, von der Mondsichel geschmückte Himmelskuppel ab. Mit einem leichten inneren Seufzen stehe ich, es ist halb neun, auf dem Flughafen Malpensa, im Schatten der Alpen. Es ist der letzte Aprilfreitag. Eine intensive Arbeitswoche liegt hinter mir, und ich freue mich auf das Bett, das mich in Berlin erwartet. Danach folgt aber ein langes Schachbundesliga-Wochenende, in dem ich mich starker Gegnerschaft stellen muss. Es ist die zentrale Endrunde der Bundesliga, das “Finale”, inklusive des großen Showdowns in der Vorschlussrunde, wenn der mit Weltstars gespickte Tabellenführer aus Baden-Baden auf den Überraschungsmeister der Vorsaison aus Solingen trifft. Auch wenn alles auf den elften Titelgewinn der OSG Baden-Baden hinauszulaufen scheint – zu viele Punkte haben die Verfolger bereits liegenlassen – so ist dieser Kampf doch ein Highlight, zu dem man sich selbst vom Krankenlager aus aufmachen würde. Darauf hoffen auch die Organisatoren: mein Klub, die Schachfreunde Berlin, die dieses Finale mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Helfer und der Unterstützung der Stadt Berlin möglich gemacht haben.

Irgendwie zweifle ich, dass ich für meine Einsätze die notwendige Energie aufbringen kann, zumal ich im Frühjahr viel gereist bin und drei Monate lang kein Schachbrett (analog oder digital) vor mir hatte. Eine Stunde später als geplant treffe ich in Berlin ein. Auf dem eher kleinen Terminal Malpensa 2 war lange Zeit kein Tankwagen aufzutreiben, und ohne Sprit kein Takeoff. Italien am Freitagabend, meint die Besatzung meines Fliegers. Ich eile zum Flughafenbahnhof Schönefeld, der genauso trostlos ist wie das Terminal, und wundere mich über die Weltläufigkeit der Deutschen Bahn. Ungefähr zehn der wunderbaren fahrplanauskunftgebenden Ticketautomaten stehen in der Unterführung unter den Gleisen. Jeder von ihnen erlaubt den Kauf eines Schöner-Wochenende-Tickets Schleswig-Holsteins für eine Gruppe von bis zu fünf Personen und einer Nachtzug-Verbindung nach Amsterdam mit Einpreisung der niederländischen voordeelurenkaart. Kaum einer von ihnen akzeptiert allerdings eine gebräuchliche Kreditkarte. Keiner hat eine Schnellfunktion der Marke … weiterlesen auf dem Schachblog der FAZ

Print Friendly, PDF & Email

5 thoughts on “Und Anand an Brett vier

  1. Dieser schöne lange, ausführliche Bericht zeigt eines ganz deutlich, was auch live von der Bühne gesagt wurde: Die Frauenbundesliga war als Anhang mit dabei. Für die Spielerinnen war dieses wirklich schöne Event sicherlich ein Event mit Wohlfühlfaktor. Jetzt kommt das große ABER: Der Frauenbundesliga als Frauenbundesliga hat das nichts gebracht. Keine Präsentation, kein sich Hervorheben oder gar als Repräsentieren einer Marke oder eines Labels.

    Einfach nur als hübsche Beiwerk dabei, wie in dem einen Satz des Artikels oder von der Bühne. Das hilft dem Frauenschach und der Frauenbundesliga nicht weiter.

    Die Frauenbundesliga selbst hat genügend Potential um eine zentrale Veranstaltung zu generieren, die Profit abwirft für alle 12 teilnehmenden Mannschaften. Warum sollte man sich als Anhang einer defizitären Veranstaltung hergeben? Dieser Sinn erschließt sich mir nicht.

    Jürgen Müller
    1. Vorsitzender SC 1957 Bad Königshofen

  2. Wahlkampfzeiten sind Zeiten verminderter Intelligenz. Das bestätigt dieser Artikel erneut. Von den Behauptungen Jan Sprengers über mich und über den “Deutschen Schachbund”, wen er auch immer damit meint, trifft nicht eine einzige zu. Jan Sprenger war nicht zugegen, als das Präsidium des Deutschen Schachbundes einstimmig die vorgesehenen Ehrungen anlässlich der Bundesligaendrunde in Berlin, bei der der Deutsche Schachbund Mitveranstalter war, beschloss. Darüber war der Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend mündlich und schriftlich durch das Protokoll der Sitzung informiert. Mindestens ein weiteres Mal wurde er informiert, als ich mit ihm die Anfertigung der zu überreichenden Urkunden besprach, die er mir vor Ort persönlich übergab. Wahrscheinlich hat die interne Kommunikation bei ihm nicht funktioniert, als ich dann tatsächlich die Ehrung vornehmen wollte. Da wusste er, nun als Vorsitzender der Schachfreunde Berlin, nichts mehr davon. Die Gründe, mit denen er mir (als Vorsitzender der Schachfreunde Berlin) das Vornehmen der Ehrungen verbot, erspare ich mir hier. Was Jan Sprenger als “Amateure, die nichts mit der Bundesliga zu tun haben” bezeichnet, waren Mitglieder der Bundesligamannschaft von Dresden, die im letzten Jahr die Ü50-Weltmeisterschaft gegen starke Konkurrenz gewonnen hatten. Einschließlich eines wichtigen Sponsors. Und ein vielfacher Deutscher Meister in den Disziplinen Turnierschach, Schnellschach und Blitzschach, außerdem vielfacher Nationalspieler. Eine Schiedsrichterehrung war von mir an dieser Stelle nicht vorgesehen. Aber zu behaupten, dass die Schiedsrichter nichts mit der Bundesliga zu tun haben, weckt meinen Zorn. Ohne unsere Schiedsrichter wäre der jetzige Bundesligabetrieb so gar nicht möglich. Übrigens finanziert der DSB seit Jahren die Schiedsrichterausbildung und die Schiedsrichterfortbildung, ohne dies der Bundesliga in Rechnung zu stellen. Ach ja, die Vorbereitung der Bundesligaendrunde wurde zum Teil von vom DSB bezahlten Mitarbeitern während ihrer Arbeitszeit erledigt, ebenfalls ohne Rechnungsstellung. Zu behaupten, dass der Deutsche Schachbund sich (darüber hinaus) nicht finanziell engagieren wollte, ist eine Lüge. Unsere Mitglieder werden Verständnis dafür haben, dass wir beim Verhandeln der Beteiligung auf Einhaltung der formalen Vorgaben verwiesen haben, die uns von unseren Kassenprüfern und vom Finanzamt gemacht wurden. Da Jan Sprenger nicht Zeuge des unter vier Augen stattfindenden Gesprächs war, hat er die Behauptung, ich hätte dem Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend mit einer Abmahnung gedroht, vermutlich als Gerücht aufgeschnappt. Wie oben dargelegt hat der Geschäftsführer der DSJ gar nicht mit mir gesprochen, und es wird wohl kaum jemand annehmen, dass ich dem Vorsitzenden der SF Berlin mit einer Abmahnung drohe. Das ist Unsinn, oder soll ich sagen Wahlkampf-Fake-News?
    Nur in einem Punkt liegt Jan Sprenger richtig: Unter meiner Führung hat der Deutsche Schachbund in den letzten Jahren seine Präsenz bei wichtigen Veranstaltungen gesteigert. Die zentrale Bundesligaendrunde in Berlin kombiniert mit der Bundesvereinskonferenz ist ein gemeinsamer Erfolg des Deutschen Schachbundes, in dem wir alle einschließlich Jan Sprenger zusammengeschlossen sind und zu dem sehr viele ihren Beitrag geleistet haben.

  3. Wollte vorgestern etwas Ähnliches zur Verbandsspitze posten.
    An Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten.
    Sonnenkönig Bastian: l’état c’est moi.

  4. Spielen die jetzt beim DSB Abmahntheater oder braucht hier jeder seine Wahlbühne. Die DSB Führungsspitze ist ziemlich überreizt, einfach Grrrrrrrausam

  5. Der Text ist von Jan sprenger! Hatte mich schon gewundert, seit wann Stefan Löffler für die SF Berlin spielt.

Kommentare sind geschlossen.