Eindrücke von der NL-Meisterschaft

  • 2
    Shares

Am Samstag wurde “überall” Schach gespielt, unter anderem in Amsterdam, Apolda und Leuven. Ich entschied mich für einen Besuch vor Ort in Amsterdam, aus drei Gründen: 1) Das steht vorne im Alphabet. 2) Das war für mich als Tagesausflug erreichbar. 3) Ein Besuch bei der NL-Meisterschaft hat für mich “Tradition” – es war das dritte Mal nach 2015 und 2016. Dieser Beitrag wird ein Reisebericht mit Impressionen zur sechsten Runde – nicht nur von den Grossmeistern. Apolda und Leuven wird ein bisschen einfliessen.

Das Titelbild gebe ich einem IM, der auch vor Ort war und in diesem Bericht eine Rolle spielen wird. Dieses Foto von Manuel Bosboom stammt von Harry Gielen (Quelle ab Turnierseite über Flickr) – einige weitere von Gielen werde ich auch ergänzend verwenden, aber vor allem habe ich per Handy selbst fotografiert. Ein “klassischer” Turnierbericht zu allen sieben Runden kommt später separat.

Die Anreise bis Amsterdam Hauptbahnhof wie üblich – mal abgesehen davon, dass es wegen Bauarbeiten an diesem Tag keine direkte Verbindung gab: Ich musste zweimal umsteigen und verspätete mich etwa eine halbe Stunde – für Reporter kein Problem. Und dann?

TurnierseiteNiederländischer SchachbundNiederländischer Schachbund Seite 2

Da ist das Turnier – wie sich später herausstellte wählten die Schachspieler (bescheiden wie sie sind) ein eher unauffälliges Gebäude. Das Wetter nicht allzu fotofreundlich, sei’s drum. Wie kommt man ab Hauptbahnhof Nordseite dahin?

So! Für mich als Texel-Einwohner ist Fähre nicht ungewöhnlich, das allerdings anders als ich es gewöhnt bin. Diese Fähre (nur für Fussgänger und Fahrräder) ist gratis, braucht drei Minuten und verkehrt 24 Stunden am Tag alle fünf Minuten.

Wohin wollten die ganzen Leute? Natürlich zum Deloitte NK Schaken – viele haben das dann allerdings (obwohl deutlich angegeben) nicht gefunden. Benjamin Bok (Zweiter von links) hat sich zum Rundenbeginn auch verspätet, oder hat er – jedenfalls von hinten – einen Doppelgänger? Auch innerhalb des Gebäudes war die Route zum Turnier deutlich angegeben, und da sind wir dann:

Die NL-Meisterschaft wird mit vielen Teilnehmern im Schweizer System ausgerichtet. Quatsch, wir sind doch nicht in Deutschland! Was das für ein Turnier war, sollte ich später erfahren. Diese Partien wurden nicht live übertragen, eine rekonstruiere ich fotografisch so gut es geht. Ich erwähne noch (warum wird später klar, etwas fehlt noch), dass dieses Foto um 12:36 und 20 Sekunden aufgenommen wurde.

Nun sind wir fast beim Turniersaal der acht Grossmeister, die ein Rundenturnier spielten. Ein ähnliches Foto hatte ich schon einmal – Tata Steel on Tour in der Philharmonie Haarlem. Nur war da die Tür zum Raucherraum nicht so auffällig-unauffällig dass man sie leicht findet. Im Turniersaal sind Handys streng verboten, daher nur ein Foto von draussen:

Tea Lanchava (links) erkennt man auch von hinten, daneben Erik van den Doel und Sipke Ernst, rechts Ivan Sokolov. Ein Spielerfoto bekam ich doch noch:

Sokolov sucht nicht etwa – 45 Minuten nach Rundenbeginn für die anderen, 30 Minuten nach Rundenbeginn für ihn – bereits den Notausgang. Nein, er muss sich stärken. Für Frühstück hatte er vielleicht keine Zeit, schliesslich beginnen die Partien am Wochenende mitten in der Nacht um 12:00 (aber natürlich nicht um Mitternacht).

Dann erschien im Vorraum ein mir (mit oder ohne Bart) bekanntes Gesicht und begrüsste mich – ich hatte mich vorab per email angekündigt: Turnierdirektor Paul Rump. Erst auf der Heimreise fiel mir auf, dass ich ihn gar nicht fotografierte – dann eben ein Screenshot aus dem offiziellen Video zur sechsten Runde:

Wo, wann und warum genau das entstand tut nix zur Sache. Das ist der Youtube-Kanal des Turniers – natürlich alles auf Niederländisch, schliesslich bedienen sie ein NL-Publikum. Ich konnte auch ein Foto von Paul Rump aus dem Artikel “Staredown” zur Auslosung verwenden, dieser kurz zusammengefasst: Bei der Auslosung ermittelte ein Spieler bzw. eine Spielerin den/die Gegner(in), der/die andere ermittelte dann die Farbverteilung. Dann sollten die beiden sich für Fotomomente grimmig-feindlich anstarren. Die Männer haben das recht gut hinbekommen, die Frauen lächelten oder lachten auf diesen Fotos – die Zukunft der NL-Meisterschaft der Damen ist gefährdet. Aber im Rahmen des Reiseberichts bleibe ich bei Runde sechs.

Noch ein Foto zum vor kurzem produzierten Dokumentarfilm über die Familie Polgar van Foreest. Der war bereits vor dem Turnier fertig und wurde u.a. nebendran im Filmmuseum gezeigt. Jorden konnte diesmal kein neues Kapitel hinzufügen, das Foto zeigt ohnehin seine Schwester Machteld.

Dann fand ich den Presseraum:

Bekannte Gesichter: links IM Stefan Kuipers, zuständig für Liveblog und Rundenberichte (bin mir nicht sicher ob ich ihm bereits mal begegnet bin), rechts Turnierfotograf Harry Gielen. Wie üblich passiert dann zunächst einige Zeit wenig, wobei:

Früh zeichnete sich ab, dass Burg-Bok eine Kurzpartie werden könnte – noch sechs Züge wurden gespielt bis 20.-Dxh2 matt, aber ich greife den Ereignissen voraus. Ich ging zunächst wieder in den anderen Turniersaal:

13:23 und 14 Sekunden, Prost! Das war der NK für Viererteams von Schachcafés – einige Spieler tranken übrigens auch Kaffee, aber Bier war häufiger.

Manuel Bosboom (rechts) spielte gegen einen Amateur – erster Kontakt der Schwerfiguren schon bevor die Uhren angestellt wurden.

Einige Zeit verfolgte ich diese Partie und wartete darauf, dass Bosboom – wie oft – g2-g4 spielen würde. Er verzichtete darauf und rochierte dann gar kurz – wie bürgerlich, ich verlor das Interesse an dieser Partie. Bosboom spielte zügig, sein Gegner bedächtig – also hatte Weiss schnell klaren Zeitvorteil?

Nein, denn das Turnier kennt Spezialregeln um Elounterschiede etwas zu kompensieren – Ausschnitt aus einem viel später entstandenen Foto:

Der nominell schwächere Spieler bekommt immer 15 Minuten, der stärkere Spieler bekommt bei Elounterschied >100 schrittweise weniger Bedenkzeit. Hier tippe ich auf Elodifferenz 400-500, Bosbooms Gegner wäre dann ein “ordentlicher” Vereinsspieler mit Elo etwa 1900-2000.

Dann machte ich einen Ausflug in die nähere Umgebung. Paul Rump sagte mir, dass Amsterdam-Noord früher vernachlässigt wurde und in letzter Zeit aufblühte. Die Fähre zum Hauptbahnhof wird offenbar auch zum Beispiel um 3:00 nachts genutzt, da Amsterdam-Noord ein Zentrum des Nachtlebens ist und da Studenten zum Teil da wohnen. Er empfahl mir auch das bereits erwähnte Filmmuseum, von draussen und von drinnen – Eintritt zahlte ich nicht aber fotografierte auch in der gratis erreichbaren Zone:

Drei Fotos oben vom Filmmuseum, unten eines von einem anderen Gebäude und zwei Richtung Hauptbahnhof. Fähren pendeln ständig, manchmal kommen auch grössere Schiffe vorbei.

Dieses Foto an einem anderen Tag von Harry Gielen. Er ist der erfahrenere Fotograf mit besserer Ausrüstung, und er war zum richtigen Zeitpunkt vor Ort – einfacher wenn man täglich vor Ort ist. Was Stavanger kann, das kann Amsterdam auch – Schachturnier mit Kreuzfahrtschiff. Noch ein eigenes Foto im Hochformat (muss bei diesem Gebäude sein):

Und nochmal der Turnierort von draussen betrachtet:

Bosbooms nächster Gegner war elomässig weniger unterlegen:

Dann ging ich zunächst in den Kommentarraum:

NL-Urgestein Hans Böhm bespricht das Duell der beiden vans – Loek van Welys Gegner Jorden van Foreest war diesmal, im Gegensatz zu letztes Jahr, kein Angsthase oder Weichei. Später mehr zu dieser Partie. Dann kam

Tom Bottema dazu mit der aktuellen Meldung Burg-Bok 0-1. Im Presseraum nun

links neben Stefan Kuipers Benjamin Bok, da blieb er dann (nicht immer genau da, aber im Presseraum). Harry Gielen fotografiert offensichtlich nicht, vielleicht war er gerade auf der Toilette – soll vorkommen.

Inzwischen war es draussen jedenfalls stabil trocken, so dass sich auch Leute auf die Terrasse wagten. Das war auch der ursprünglich geplante Austragungsort des NK Schaakcafés, dem ich mich nun wieder widme:

Dieses Foto (14:45:52) ist etwas unscharf, aber es gehört zur Bierchronologie dazu. Bosboom spielte gegen Peek, das sah ich auf einer Liste. Welcher Peek, es gibt fünf in der niederländischen nationalen Eloliste? Vom Partieverlauf her konnte es Maurice sein (NL-Elo 2384) oder Marcel (2277) – auf Nachfrage sagte Paul Rump: es ist IM Marcel Peek, übrigens auch Jury für den Preis “kreativster Zug” im Hauptturnier.

Kurz danach (14:48:56) war Brett 2 verwaist, hatten sie sich etwa bereits auf Remis geeinigt? Nein, die beiden Spieler sind keine Grossmeister: Weiss musste während der Schnellpartie auf die Toilette, etwas später stand Schwarz auf – “ich muss auch!”. Der Weisspieler vertraute seinen Kollegen offenbar nicht und versteckte sein Bier sicherheitshalber unter dem Tisch. Zufall, dass auch das auf dem Foto erkennbar ist, ebenso Zufall dass der oben vergrösserte Zettel mit abgebildet ist. Zu Bier gehören hierzulande auch Snacks (“Bitterballen”). Perfekt ist das Foto allerdings nicht – nur ansatzweise erkennbar dass Bosbooms Weissbierglas fast leer ist.

Zurück am Brett machte der Schwarzspieler Anstalten, während der Partie eine zu rauchen – geht nur auf der Terrasse oder im Raucherzimmer und war dann doch nicht so dringend.

14:55:26 – beide Biergläser sind etwa halb voll oder halb leer, die Stellung ist ebenfalls unklar. Bosbooms zweites Bier während dieser Partie, ein Helfer brachte es ihm freundlicherweise.

Noch einer hat fotografiert – Harry Gielen.

Warum bringe ich dieses Foto? Auch wieder unter dem Motto “Fotograf fotografiert Fotograf”, diesmal nicht so offensichtlich.

15:02:38 – man beachte den weissen Läufer auf e3 und den schwarzen Turm auf e8. Die Partie an Brett 2 ist beendet (1-0).

15:05:02 – der Le3 ist weg, der Te8 auch (bzw. der Ta8 auf dem vorigen Foto ist weg). Bosboom spielte einfach so -Txe3. Ich würde in diesem Turnier mit 15-5 Minuten gegen Bosboom spielen; zuvor verlor ich gegen ihn einmal mit fünf gegen fünf Minuten (obwohl oder weil er 1.e4 e5 2.Sf3 De7!? spielte oder war das egal?) und einmal im Simultan [wer da Simultan spielte verrate ich nicht]. Dennoch tendiere ich dazu, dass dieses Qualitätsopfer reine Improvisation und Spekulation war – Computer habe ich zu dieser Partie noch nicht befragt.

15:07:35 – kurz danach spielte Weiss Txg7+. Der schwarze Lg7 war latent gefährlich, war er konkret gefährlich? Danach der ultime Beweis, dass Schach Sport ist:

Auf früheren Fotos hatte ich es noch nicht: Bosboom mit brauner Cordhose, Peek in Jeans – aber vor allem die Schuhe sind relevant im Video. Das (ab 15:12:07) war mit beiderseits noch ein bis zwei Minuten auf der Uhr. Im Endspiel kam Weiss eine Figur abhanden (musste das sein?), Schwarz gewann die Partie.

Baadur Jobava hätte vielleicht auch seinen Spass an so einem Turnier, aber er hatte (wie Giri) Verpflichtungen in Leuven … . Dort erzielte er (jedenfalls oder vor allem bis einschliesslich Samstag) wohl weniger Punkte als bei einem eventuellen Auftritt in Amsterdam, bekam aber wohl mehr Geld (Antritts- bzw. Schmerzensgeld) als ein niederländisches Schachcafé ihm bieten könnte.

Die Entscheidung im Caféturnier fiel im Nachhinein, bzw. schon zu diesem Zeitpunkt absehbar, bereits in Runde eins im Match De Flierefluiter – Frenkie’s Basement 1 3-1 (u.a. IM van Delft – IM Bosboom 1-0). Merijn van Delft bin ich auch bereits mal begegnet, jedenfalls als er beim Batavia-Turnier den Liveblog übernahm. Aber diesmal hatte ich ihn nicht entdeckt. Team van Delft gewann am Ende vor Team Bosboom.

Dann einige Zeit “Leerlauf” bzw. GM-Partien verfolgen. Burg-Bok war schon lange vorbei, die anderen Partien bei den Herren (und auch bei den Damen) näherten sich der Zeitnotphase. Van Foreest hatte gegen van Wely erst einen Bauern geopfert oder eingestellt, dann spuckte er noch eine Qualität – hat er genug Kompensation? Objektiv in der ersten Zeitnotphase wohl nicht, Rest kommt später. Van den Doel-Ernst und Sokolov-l’Ami erschien zu diesem Zeitpunkt remislich und wurde kurz nach der Zeitkontrolle remis. Alle (zuerst van den Doel und Ernst) erschienen im Presse/Analyseraum. Eigentlich bräuchte ich einen (der niederländischen Sprache) mächtigen Kollegen, um alles mitzubekommen – ich pendelte etwas hin und her und fotografierte auch:

Wer ist alles auf diesem Foto? Hinten van den Doel und Ernst, am anderen Analysebrett Sokolov (etwas verdeckt) und l’Ami. Vorne von hinten Benjamin Bok, ziemlich verdeckt Zhaoqin Peng, ein bisschen Karohemd von Robert Ris. Und wer ist der auf dem Tisch sitzende Herr? Nicht Tom Bottema, der hat ein anderes Hemd. Paul Rump verriet mir, dass es Herr Hendriks ist – davon gibt es zweiundzwanzig in der NL-Ratingliste. Zum Glück hat er noch mehr verraten – Vorname und Grund warum er mit dabei war: es ist André Hendriks, Ehemann von Zhaoqin Peng. Dass ich Erwin l’Ami in dieser Pose ablichtete ist übrigens Zufall.

Etwa gleichzeitig entstandenes Foto von Harry Gielen aus der anderen Perspektive. Da auch auf diesem Foto ein bisschen André Hendriks (NL-Elo 1806) mit drauf ist bin ich (stehend im blauen Jackett, NL-Elo 1970) nicht völlig fehl am Platz. Wenn der andere stehende Herr, wie ich vermute, Arnth van Tuinen (NL-Elo 1996) von der Turnierorganisation ist, sind wir im Club “titellos und unter 2000” gar zu dritt.

Sokolov und l’Ami jeweils in Grossaufnahme:

Partie bzw. Analyse nur so zusammengefasst: es war unklar-kompliziert, für Schwarz (l’Ami) war eventuell mehr drin als Remis.

Zu van den Doel-Ernst: Weiss stand zwischenzeitlich besser, irgendwann fragte ich “steht Weiss hier viel besser? Ihr seid die Grossmeister …. .” Es ging um etwa diese Stellung aus der Partie bzw. was in der Analyse daraus entstand:

Ernst zumindest sinngemäss: “Ich dachte dass es erträglich ist (mee valt), während der Partie war ich mir nicht so sicher …”. Computer sagen hier etwa +1.5, später wurde es remis.

Die vans spielten zu diesem Zeitpunkt noch, Tendenz im Presseraum: “Für Computer ist es nun ausgeglichen, aber remis ist unwahrscheinlich – einer wird gewinnen”. Inwischen waren sie in der zweiten Zeitnotphase vor dem 60. Zug, in der die schwarze Stellung dann recht schnell zusammenbrach. Damit lagen Sipke Ernst und Loek van Wely vor der Schlussrunde punktgleich vorne und spielten tags darauf gegeneinander.

Interview mit Sokolov vor bekanntem Hintergrund, bei allen Interviews dirigierte der Kameramann den Befragten – “bitte fünf Zentimeter nach links, nun wieder zwei Zentimeter nach rechts, …”. Sokolov wurde zunächst auf seine sechs Remisen im Turnier angesprochen: “Ich glaube, sechsmal nacheinander Remis hatte ich noch nie. Dabei waren alle Partien umkämpft und zweischneidig – ich dachte ‘ich gewinne oder verliere’, irgendwie wurde alles remis.” Dann auf die Tatsache, dass er sich zu Rundenbeginn immer verspätete: “Zunächst kam ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln – Ankunft am Hauptbahnhof Amsterdam 14:20, das war zu knapp [für Rundenbeginn 14:30]. Heute hat sich mein Chauffeur verspätet.”

Auch ich befragte Sokolov: TR “Beim Limburg-Open waren Sie auch immer zu spät!?” “Ja das waren Doppelrunden.” Aha. TR “Zweite Frage: Die Zeit als Trainer in Dubai ist offenbar vorbei – war das von Anfang an befristet?” “Ja das war befristet, nun mache ich andere Dinge.” Andere hätten vielleicht etwas erzählt über Dubai oder ‘andere Dinge’, er war nicht allzu gesprächig. Vielleicht störten ihn seine sechs Remisen, dabei war er doch solidarisch mit seinem deutschen GM-Kollegen Rainer Buhmann, der in Apolda neunmal remisierte. Pech für Buhmann bzw. seine Elozahl: die deutsche Meisterschaft wird im Schweizer System ausgetragen, mit neben GMs auch Spielern mit kleineren oder keinen Schachtiteln.

Das nächste Interview war ergiebiger, ich schnappte mir noch Sipke Ernst. Ihm war ich zuvor bereits manchmal begegnet, aber nur bei für ihn schlechten Turnieren – dann belästigt man Grossmeister normalerweise nicht. Zunächst noch ein Foto von Harry Gielen:

TR “Das war/ist sicher eine Deiner besseren NL-Meisterschaften, wenn nicht ….”

Er unterbrach mich: “Vielleicht die beste aller Zeiten, wobei ich schon einige Male vor der letzten Runde im Rennen um den Turniersieg war.” [Ich habe hinterher noch recherchiert: da hatte er dann wohl vor der letzten Runde +1, nun war es +2. Hängen blieben bei mir eher die schlechten Ergebnisse, z.B. 2/7 letztes Jahr, 2/7 anno 2012 oder viel krasser 0,5/7 2013. So ist es, zurecht oder nicht: man merkt sich die sehr schlechten und/oder die sehr guten Ergebnisse.]

TR “Kannst Du Dir das erklären?”

Ernst “Ich war gut vorbereitet – ohnehin eine gute Idee und es gibt auch Selbstvertrauen. Und ich habe diesmal zäh verteidigt und liess nichts liegen, wie sonst manchmal bei mir der Fall.”

TR “Aber Du hast doch auch Angriffsschach gespielt!?”

Ernst “Ja, zwei schöne Angriffspartien und viermal verteidigt.”

TR “Ich kann Dir für morgen nicht ‘viel Erfolg’ wünschen – dann ist Loek sauer und ich bin neutral.”

Ernst “Wünsch mir (uns?) viel Spass!”

Auch bei den Damen gab es Interessenskonflikte. Eine Teilnehmerin (ich glaube Maaike Keetman) sagte zu Mariska de Mie “und morgen gewinnen!”. Sie darauf “Ich sprach gerade mit Stefan [Kuipers, Freund von Anne Haast], er sieht das anders!” Anne Haast gewann in Runde 6 gegen Arlette van Weersel – “smooth” war es, milde ausgedrückt, nicht – und spielte tags darauf gegen de Mie.

Eines habe ich übrigens nicht untersucht: Warum lieben niederländische Schachspielerinnen Männer mit wenig Haar – auch der Freund oder Ehemann von Mariska de Mie, im Presseraum anwesend, ist kahl? Dazu kann man ja nicht diplomatisch fragen … . Letztes Jahr fragte ich Jan Smeets, warum eigentlich mehrere NL-Grossmeister mit Rumäninnen liiert sind – “eher Zufall, Erwin hat angefangen …”. Neben Erwin l’Ami und Jan Smeets auch Jan Werle.

Das war das zweite Interview mit Loek van Wely – mit einem Brabanter Zeitungsjournalisten, das erste solo vor bekanntem Hintergrund mit Tom Bottema. Wo hat er dann seinen Sohn so schnell gefunden? Zuvor sah ich weder Sohn noch Mutter/Ehefrau.

Auch wenn der eigentliche Turnierbericht noch kommt, kurz zum jeweiligen Endstand: Bei den Herren verteidigte Sipke Ernst sich erfolgreich gegen Loek van Wely und verlor dann den Stichkampf. Sokolov spielte gegen van Foreest nochmals remis. NL-Meisterin wurde Anne Haast – weder das Turnier mit klassischer Bedenkzeit noch der Stichkampf gegen Tea Lanchava war “smooth”, letzteres obwohl sie 2-0 gewann.

Ich verschwand relativ spontan-plötzlich: wenn ich nun gehe bin ich um 21:00 zu Hause, wenn ich noch fünf oder zehn Minuten bleibe wird es 22:00. Loek van Wely hatte ich ja schon mehrfach gesprochen, das muss diesmal nicht unbedingt sein. Wie kommt man zurück zum Hauptbahnhof?

So – nachdem der Verkehr aus der Gegenrichtung Platz macht auf der Fähre.

Print Friendly, PDF & Email

  • 2
    Shares