Schach ist nicht nur am Brett schwierig

  • 3
    Shares

Ein Beitrag von Karlheinz Vogel – So gelang es einem Team zwei Spieler in zwei Mannschaften als „Stammspieler“ zu nominieren. Und zumindest in der Württembergischen Turnierordnung (WTO) gibt es da Klärungsbedarf. Philipp Müller hat sich als Staffelleiter der Landesliga (in diesem Fall Unterland Baden-Württemberg) um eine sinnvolle Lösung bemüht:

Bemerkung des Staffelleiters:

Die beiden Ludwigsburger Spieler Belica und Pranjic von Ludwigsburg sind zum Zeitpunkt des Spiels auch in der 1. Mannschaft in der Verbandsliga Nord an den Brettern 1-8 gemeldet gewesen. Das Problem ist die Verständnisfrage, was als “Stammspieler” zu verstehen ist. Laut § 9 Abs. 1 WTO kann man verstehen, dass die ersten acht Spieler einer Mannschaft als Stammspieler bezeichnet werden, unabhängig davon, wie häufig sie tatsächlich in einer Saison eingesetzt werden. Dem deutschen Sprachgebrauch zufolge ist jedoch ein Stammspieler ein Spieler, der die meisten Spiele für eine Mannschaft tatsächlich bestreitet. Daher empfehle ich dem Verband, die WTO an dieser Stelle abzuändern (aus “Jede Mannschaft besteht aus acht Spielern” sollte “Jede Mannschaft besteht aus acht Stammspielern” werden), damit die Frage nach Stammspieler auch von einem objektiven Dritten zweifelsfrei herausgelesen werden kann.

Meine Entscheidung ist, dass ich das Ergebnis (3,5:4,5) unberührt lasse, da der ggf. nicht-startberechtigte Pranjic tatsächlich als Stammspieler von Ludwigsburg 2 aufgestellt worden ist. Da die Verbandsliga noch nicht begonnen hat und ohnehin der Mannschaftsmeldefehler dort begangen wurde, erfolgt eine sofortige Streichung der beiden Spieler Pranjic und Belica in eben jener 1. Mannschaft von Ludwigsburg. Es ist davon auszugehen, dass dadurch keine 100%-ige Heilung des Sachverhalts entsteht, jedoch möchte ich eine Verhältnismäßigkeit wahren. Ludwigsburg 1 hat den Schaden, dass sie Pranjic und Belica nicht mehr einsetzen, geschweige denn nachmelden dürfen.

Ferner verweise ich darauf, dass in § 9 Absatz 3 Satz 2 WTO “Stammspieler können nur in einer Mannschaft und als Ersatzspieler lediglich in einer ranghöheren Mannschaft gemeldet werden.” zwar steht, dass man nicht zwei Mal als Stammspieler gemeldet werden darf, aber mir ist keine Regelung bekannt, wie Staffelleiter mit einer fehlerhaften Mannschaftsmeldung umgehen sollen. Da Staffelleiter ehrenamtlich fungieren, kann eine frühzeitige Erkennung im Vorfeld nicht immer gewährleistet sein. Auch hier muss die WTO eine Rechtsfolge (Bußgeld, Sperre, etc.) festlegen. Ein weiteres Argument, warum ich das Ergebnis nicht abändere, ist § 12 Absatz 4 Satz 3 WTO “Wird ein Spieler am selben Spieltag in zwei verschiedenen Mannschaften nominiert, gilt er in der Mannschaft als teilnahmeberechtigt, in der er tatsächlich gespielt hat, ansonsten nur in der rangniedrigeren Mannschaft.”

Hätte die VL Nord ebenfalls am 10.09. ihre 1. Runde gehabt und Pranjic wäre kampflos eingesetzt worden, dann wäre der Kampf in der Verbandsliga mit 0:8 gegen LB gewertet worden, doch jener in der Landesliga bliebe unverändert. Meine Meinung ist also, dadurch dass Pranjic in der 2. Mannschaft eingesetzt wurde, erlischt seine Teilnahmeberechtigung in der 1. Mannschaft. Rechtsbelehrung: Gegen meine Entscheidung, dass Ergebnis bei 3,5:4,5 zu belassen, kann gem. § 17 Abs. 1b Schiedsordnung des SVW Einspruch innerhalb von zehn Tagen (bis zum 21. September) bei mir eingelegt werden. Dabei gibt es keine Formvorschriften, d.h. irgendeine Willenserklärung ist ausreichend. (Philipp Müller, 11.09.2017, 10.55 Uhr)

Da das an den Brettern zu Stande gekommene Ergebnis unbeanstandet blieb, konnte hier eine gütliche Einigung gefunden werden. Oder einfacher Fehler, komplizierte Rechtsfolgen und salomonische Lösung

Anders erging es am vergangenen Sonntag dem SC Böblingen II, der an einem Brett in der Verbandsliga Nord einen Spieler eingesetzt hat, der zuvor schon für den SC Böblingen III in der Landesliga gespielt hat. Das ist zwar prinzipiell möglich, aber da das VL-Spiel verlegt wurde und die Landesliga ebenfalls am ursprünglichen Termin gespielt hat und dieser Spieler damals eingesetzt war, durfte er laut Reglement nicht eingesetzt werden.

Hier der Eintrag unter dem kampflosen 0:8

Spiel verlegt auf den 22.10.2017 um 10:00 Uhr
Bemerkung des Staffelleiters: Böblingen hat an dem Ersatztermin der Spielverlegung einen nicht teilnahmeberechtigten Spieler eingesetzt, der am ursprünglichen Termin bereits bei Böblingen 3 eingesetzt war.

Es ist nicht trivial, um hier am 22.10. zu erkennen, dass sowohl in der VL Nord wie auch in der LL Stuttgart – trotz der Verlegung – der erste Spieltag am 24.09. war und somit ein Spieler entweder hier oder da hätte eingesetzt werden dürfen. Es sieht so aus, als hätte der Staffelleiter in diesem Fall gar keinen Ermessensspielraum.

Durch die Terminverlegung – damit der Gegner in nicht geschwächter Aufstellung spielen kann – spielten die ersten drei Mannschaften von Böblingen gleichzeitig. Und dass sich da die Aufstellungen quasi von alleine ergeben, also einfach mit den Leuten, die spielen können, ist nicht abwegig.

Besonders ärgerlich ist, wenn die Böblinger das Problem rechtzeitig bemerkt hätten und das Brett frei geblieben wäre, dass es immer noch zu einem 5:3 Sieg gereicht an den Brettern gereicht hätte.

Aber so haben sie sich laut dem (Bad Homburger) Ligaorakel

https://www.schachklub-bad-homburg.de/LigaOrakel/LigaOrakel.php?staffel=WUR_VLN

eine 45,9 % Abstiegswahrscheinlichkeit eingehandelt.

… und wie meinte ein direkt Betroffener: wegen einer Spielverlegung braucht die nächste Zeit niemand mehr bei uns anzufragen.

Print Friendly, PDF & Email

  • 3
    Shares