Heiter im Aalener Weihnachts-Schnee

  • 7
    Shares

250 Spieler, darunter 15 Spielerinnen, fanden sich im schwäbischen Aalen eine Woche vor Heiligabend im viersternigen H-Hotel zusammen, um die nächste Qualifikationsrunde der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft DSAM auszutragen. Es wurde zu einem weiteren glorreichen Sieg vom FM Hartmut Metz

FM Hartmut Metz

, einer der bekanntesten Schachjournalisten Deutschlands. Der schachliche Schwabenpfeil saß in Runde 1-5 konstant an Brett 1, ließ sich dem Hörensagen nach auch die Mahlzeiten und das Bett dorthin bringen – geschmeidiger Service macht eben vieles möglich! – und war mit sehr guten 4,0 Punkten aus 5 Runden der Dominator der A-Gruppe dieser “Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft DSAM” in Aalen 2017.

Aber es gab “zwei Männer im Schnee” (der dritte, bei Erich Kästner 1934 noch vorhanden, wird weiterhin im Tal gesucht …), denn in der A-Gruppe war Marcus Friedel ein ganz hartnäckiger Stürmer und Dränger. Ihm gelang das Kunststück, ebenso wie der Erste 4,5 Punkte zu erzielen, so dass einmal mehr die Firma Sonneborn & Berger Entscheidendes liefern musste. War auch so – und damit waren die ersten beiden Plätze  zwischen Spätzle und Kehrwoche auf der schwäbischen Höhe schon vergeben.
Geleitet wurde das Spektakel wie immer vom erfahrenen DSAM-Team rund um Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan. Der Dresdner war noch vor wenigen Jahren zusammen mit seinem Team für “völlig verrückt” erklärt worden, als der Plan des DSB Gewissheit wurde, dass ein Turnier dieser Serie stets knapp vor Heiligabend, ein anderes ebenso knapp nach Sylvester und ein drittes gar – mitten im Rheinland! – am Wochenende direkt vor Rosenmontag stattfinden werde! “Da werdet Ihr wohl allein im Hotel sitzen…” war noch eines der freundlicheren Geleitworte. Dass diese “verrückten” Termine schließlich zu Volltreffern wurden, weil der gemeine Schachspieler gerade an solchen Zwangsfeiertagen einfach nur spielen möchte, sieht man in jeder DSAM und nicht zuletzt auch in den vielen Turnieren, die von mutigen Vereinen in ganz Deutschland an solchen “krummen” Tagen veranstaltet werden.

Bis dahin war es ein mehr oder (sehr viel) weniger “ganz normales Turnier”. Eine eigene Note bekam es natürlich durch die sportlichen Leistungen der Spieler (Frank Stolzenwald, Hamburg, in der G-Gruppe mit 100%!), aber auch durch das nette Geschehen neben dem Schach. So verbeugte sich das DSAM-Team vor Jan Ullrich von der TSG Taucha, Gruppe C, der zum fünfzigsten Mal mit dabei war und als Geste des Dankes neben der Anstecknadel mit dem Goldenen Springer einen Präsentkorb erhielt. Noch tiefer verneigte es sich zum Dank vor Uwe Scheunemann vom TV Witzhelden in Gruppe E. Er wurde für seine 75. Teilnahme an einem DSAM-Qualifikations-Turnier geehrt! Schachfreund (selten war das Wort so angebracht wie hier) wurde vom Team eine gerahmte silberfarbene Erinnerungsplakette überreicht. Man überschlage einmal, wie viele Stunden am Brett (und auf der Straße!) in diesem Enthusiasmus stecken – unfassbar. Das sind die deutschen Schach-Amateure …

Heike Vogel

Bestfrau, also beste Dame des Turniers, war die Kerpener WFM Heike Vogel (Elo 2162), die in der B-Klasse mit straffem Spiel und schönem Erfolg ein Ausrufezeichen! setzte und mit 3,5 aus fünf den vierten Rang eroberte. Natürlich war sie damit für das Finale in Leipzig qualifiziert, so wie alle, die mindestens Siebter geworden waren.

Viele Gespräche, heitere Ereignisse, sogar Reaktionen des Hotel-Personals ließen uns einmal mehr erkennen, dass die DSAM in Aalen mehr ist als “nur” ein Schachturnier. Eigentlich ist der Saal in Aalen für unsere Zwecke zu klein, das Hotel vielleicht auch, aber eine so zauberhaft leuchtende Stimmung allüberall machen eine räumliche Veränderung undenkbar. Dazu passte, dass die sympathische Familie Maar mit den Zwillingen Felicitas und Patricia und dem Bruder Samuel als Spieler anreisten – und plötzlich acht Familienmitglieder plus Hund da waren und hier in Aalen Samuels achtzehnten Geburtstag inmitten des Turniers feierten! Auch der kleine Elias schien ja gleich am Brett loslegen zu wollen. Einen Anlass für so schöne Momente zu bieten, ist eben eine weitere (soziale) Facette des Schachs und vielleicht besonders der DSAM.

Kimberly Böck (DWZ 1229) startete in der F-Gruppe nicht so ganz nach Wunsch und ließ den anderen zunächst zwei Punkte Vorsprung. Zwei Nullen gegen Patricia Maar (1376) und Bernd Voack (1343), das gibt dem Wort “Schwarzer Freitag” einmal mehr eine neue Bedeutung. Aber am Sonnabend lief’s rund für die Dreizehnjährige, die vor einigen Wochen schon mit vier aus sieben in der Württembergischen Jugendeinzel auf sich aufmerksam machte. Zwei Siege, einer gegen den Oberkochner “Einheimisch

DSAM als Familientreff hier Fam Maar

en” Charles Seviour, der mit DWZ 1499 schier übermächtig zu sein schien und am Schlusstag ein Remis rundeten ihre Leistung ab, die Hoffnung “auf mehr” macht. Erfahrener als Kim ist Kerstin Billing (Elo 1635, DWZ 1525), der wir viel zutrauten – und die das auch fast alles hinkriegte. Setzplatz 10 in Gruppe E, nach 5 Runden Endplatz 4 mit 3,5 aus 5 – ein gutes Turnier und damit die Finalteilnahme in Leipzig.

In der D-Klasse (1601 – 1750) machte die Tatsache, dass der bravouröse 4,5-Punkte-Sieger Karl-Heinz Wesnigk aus Dortmund vereinslos ist, auf einen weiteren Aspekt der DSAM aufmerksam: Natürlich sollen noch vereinslose Spieler ermuntert werden, sich einem Club anzuschließen. Kontakte können oft schon im Turniersaal geknüpft werden, mit neuer Schachliteratur kann sich der Spieler gleich im Foyer am ChessBase- oder am Bücherstand eindecken, bis der Koffer durchbiegt, Tipps für dies & das gibt’s jederzeit kostenfrei bei den Organisatoren des DSAM-Teams und das durch das Turnier wieder entfachte Schachfieber lodert nun ja sowieso bis zu Hause. Klaus Künitz vom Schott Mainz errang die selbe Punktzahl. Ist es fies, gemein und unfair, dennoch den Vereinslosen ein wenig mehr ins Licht zu rücken? Vielleicht. Ich tu’s aber totzdem. Und erwähnt werden muss unbedingt noch – keineswegs unter “ferner liefen …” – die Bestfrau dieser Gruppe, nämlich Vanessa Haas aus Babenhausen war mit schönen 3,5 Punkten. Wegen eines vorqualifizierten Spielers genügte hier der 8.Platz für das “Taxi nach Leipzig” (der erste tatort!) , aber … Vanessa Haas ist zwar mit 3,5 Zählern “nur” Neunte geworden, aber sie wird als beste Dame dieser Gruppe natürlich dennoch am Finale teilnehmen.

Bis zum Neuen Jahr mit Hamburg-Bergedorf vom 5. bis 7. Januar 2018!
Das Finale wird im H4 Hotel Leipzig vom 31.Mai bis 2.Juni 2018 ausgetragen.
Text: Ralf Mulde
Fotos: Ingrid Schulz
Turnierseite: https://www.dsam-cup.de/aalen/

Print Friendly, PDF & Email

  • 7
    Shares
Veröffentlicht unter DAM |