EM im Schnell- und Blitzschach in Kattowitz (UPDATE)

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Das waren jeweils Massenturniere “für alle” – zweimal über 1000 Teilnehmer, in der Masse natürlich vor allem Polen, wobei selbstverständlich auch Spieler jeglichen Niveaus aus anderen europäischen Ländern mitspielen durften. Für die allermeisten galt sicher “dabei sein ist alles”, wobei es auch diverse Ratingpreise gab. Grossmeister hofften wohl auf mehr Preisgeld und eventuell den Titel Europameister, im Schnellturnier gingen dann was Platz eins betrifft alle GMs leer aus – Sieger wurde ein an Nummer 68 gesetzter IM!

Im Blitzturnier war der Europameister immerhin Nummer 24 der Setzliste, schien allerdings früh um Turnier “chancenlos”. Die Berichte wieder vor allem “atmosphärisch” mit jeder Menge Fotos – für die Turnierseite (und für mich) haben Walusza Fotografia (die haben ein Wasserzeichen auf den Fotos) sowie Karol Bartnik fotografiert. Das Titelbild bekommt ein gewisser Maksim Vavulin – warum, da muss sich der Leser noch etwas gedulden, erst der Endstand im Blitzturnier:

Sergei Zhigalko 18/22, McShane 17.5, Michalik 17.5, Duda, Navara, Kovalenko, Fressinet, Aleksandrov, Tomczak, Ponkratov, Gajewski, Jakubowski 17. Da kann ich auf Schachtitel verzichten – alle Grossmeister (darunter immerhin vier Polen). Einziger mit 16.5 dagegen IM Valsecchi aus Italien. Dahinter 20 Spieler mit 16/22 – neben dem Elofavoriten Zaven Andriasian, der auch die beste Wertung hatte, nenne ich nur einige (beim deutschen Publikum) bekannte Namen: Ilja Schneider, Artur Jussupow, Radek Wojtaszek, Daniel Fridman, Lawrence Trent. Die Gruppe mit 15.5/22 wird vom Vierten der Setzliste Ponomariov angeführt, 15/22 erzielten u.a. Rainer Buhmann, Jerzy Kyc (wer ist das denn? dazu komme ich noch), Karsten Schulz, Markus Ragger, Robert Kreisl, Patrick Zelbel und Christian Maier – ausser dem Polen Kyc nenne ich nur Deutsche und Österreicher. Für Leser in der Schweiz: ihr habt die EM – warum auch immer – boykottiert.

Und nun zum Schnellschach: IM Vavulin 10/11, GMs Duda, Ponkratov, Sergei Zhigalko, Moranda und Fedorchuk 9.5, GM Wojtaszek, Gazik, GM Fressinet, IM Demidov, GMs Alekseev, Tomczak, Brunello, Andriasian, IM Klekowski, GMs Georgiev und Krasenkow 9, usw. . Wer ist Viktor Gazik? Ein 16-jähriger titelloser Slowake mit zuvor Blitzelo 2241 – wenn es das beim Blitz gäbe hätte er eine GM-Norm erzielt (TPR 2618). In der Gruppe mit 8.5/11 bekannte Namen wie Kovalenko, Fridman, Ponomariov, Navara, Inarkiev usw., mit relativ schlechter Wertung auch Buhmann. Bei Fridman verzichtete ich nun auf den Vornamen – es ist GM Daniel, nicht sein Bruder IM Rafael.

Zum Blitzturnier das erste Foto aus Runde 2:

Als Belohnung für zuvor 2-0 gegen einen gewissen Szymon Wiszniewski (ELO 1375) durfte die Russin WIM Alina Balaian dann zweimal an Brett 7 gegen Ivan Saric spielen – dass sie nach dieser Doppelrunde 2/4 hatte war wohl einkalkuliert. Die Fotografen hatten generell offenbar eine Vorliebe für die relativ wenigen Damen im Turnier. Wiszniewski spielte im weiteren Turnier übrigens eine Art polnische Blitzmeisterschaft für Elo unter 1800, weitestgehend unter 1300, und traf noch auf eine Reihe Damen oder vor allem Mädels: 0.5-1.5 gegen Anna Andrzejewska (*1988) sowie 2-0 gegen Patrycja Golinska (*2006) und Alicja Wojs (*2009). Ob er (*2007) eine der beiden zuletzt genannten dann zum (Eis-)Essen eingeladen hat ist bei der Redaktion nicht bekannt. [Wer diese Anspielung nicht versteht – hier steht, was 2004 in Norderstedt geschah und Folgen hatte]

Das nächste Foto aus Doppelrunde vier:

Ein anderer junger Pole (Oskar Oglaza, *2005, Elo 2040) an Brett 101 gegen den späteren Europameister Sergei Zhigalko, warum das denn? Schuld war Oglazas älterer und besserer Landsmann Jerzy Kyc (*1997, Elo 2312), der in der vorangegangenen Doppelrunde Zhigalko 2-0 besiegt hatte. In der Weisspartie fast ein Klassenunterschied zugunsten des Aussenseiters, mit Schwarz war es hart umkämpft und Polen besiegte Weissrussland im Endspiel. Das waren dann allerdings Zhigalkos einzige Niederlagen im Turnier, zwei weitere Punkte verlor er durch Remisen gegen Gazik, Jussupow, Duda und Fressinet.

Oskar Oglaza spielte im Turnier insgesamt gegen sieben Titelträger (IM, WGM, GM und vier FMs) und landete am Ende gut 200 Plätze oberhalb seines Platzes in der Setzliste – das schaffte wohl kein Grossmeister. Jerzy Kyc blieb natürlich nicht ungeschlagen – im weiteren Turnierverlauf immerhin 1-1 gegen GM Gajewski und IM Moskalenko, 2-0 gegen GM Miton und 1-1 gegen GM Hracek.

Zum Blitzturnier nun nur noch Bilder, zunächst noch ein paar Partien:

Weitestgehend unter Grossmeistern, für zwei mache ich eine Ausnahme: IM Trent weil er die Klappe eines GMs hat, und FM Felix Meissner weil er Deutscher ist.

Ein paar atmosphärische Fotos, zunächst eines im Hochformat:

Ein Grund für die Teilnahme am Turnier war vielleicht auch: Autogramme sammeln – die junge Dame hatte bereits einige erhalten. Und nun galeriefreundliches Querformat:

Spieler habe ich auch:

Leichter Schwerpunkt bei den Turnierfotografen Polen, leichter Schwerpunkt bei mir deutsche Teilnehmer – Fridman wurde offenbar erst spät fotografiert. Wenn es ein Geheimnis war hat die Turnierseite übrigens verraten, dass Mastrovasilis und Zawadzka anscheinend ein Paar sind: sie teilten ein Hotel-Doppelzimmer. Irgendwann auch Verstärkung für die griechische Damen-Nationalmannschaft?!

Und noch Siegerfotos, wobei ich nicht alle namentlich erkenne:

Andere, u.a. Jussupow, bekommen ein grösseres Foto.

Der Turniersaal wurde, aus verschiedenen Perspektiven, mit und auch ohne Spieler, oft fotografiert. Das stammt aus beiden Turnieren – auf den Fotos ja nicht sichtbar, welche Bedenkzeit eingestellt wurde:

Und nun zum Schnellturnier, ich beginne mal mit Runde eins – natürlich Favoritensiege, dabei für die Nicht-Grossmeister mit Elo 1737-1747 wohl durchaus ein Erlebnis:

An Tisch zwei die 13-jährige Polin Lidia Czarnecka gegen David Navara

Kommentar von Iwona Czarnecka (gleicher Nachname wohl kein Zufall) auf Facebook: “Pani Czarnecka trzymam kciuki:)” [Viel Glück, Miss Czarnecka]. Lidia zwang David immerhin zum Glanzzug 38.-Sd3+!, und David hat sich wohl (so ist er drauf) hinterher bei ihr entschuldigt.

An Tisch sechs der Zypriote Nicolas Skettos mit Weiss gegen Luke McShane

Und an Tisch acht spielte der Pole Marcin Kozlowski gegen Landsmann Radek Wojtaszek

Da er recht lange durchgehalten hat, vor vielen Kibitzen. Czarnecka, Skettos und Kozlowski im weiteren Turnierverlauf alle im Rahmen der Eloerwartungen.

Dieses Foto aus Runde zwei, u.a. Tisch 18 rechts Sabino Brunello und Tisch 20 rechts Markus Ragger (Gegner mit Elo etwa 2080, die Dame zwischen ihnen wird später nochmals fotografiert).

Bis Runde vier kaum Überraschungen, danach hatten noch 46 Spieler 4/4. Dann allerdings diverse Remisen an den vordersten Brettern.

Unter anderem schockierte Dimitrios Mastrovasilis vielleicht David Navara mit diesem T-Shirt und erreichte ein lockeres Weissremis. Ebenfalls Remis z.B. bei GM Ponomariov-IM Castellanos, GM Tomczak-GM McShane, GM Fridman-IM Zorko, IM Zwardon-GM Ragger – Elounterschiede jeweils ca. 150-200 Punkte. Sergei Zhigalko besiegte dagegen einen gewissen IM Vavulin. der dadurch vorübergehend an Brett 45 landete.

Runde 6 die letzte am ersten Tag, Zwischenstand danach: Kovalenko, Potkin, Duda, Dziuba 6/6, 21 Spieler (u.a. Fridman und Ragger) 5.5/6.

Da ich für eine deutsche Seite schreibe, steige ich bei Runde 9 wieder ein – Stand zuvor: Duda 8/8, Fridman 7.5/8 (zuletzt Schwarzsieg gegen Luke McShane), 15 Spieler u.a. Ragger 7/8. Fridman hatte gegen Duda im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern das Nachsehen, dahinter sechs Remisen, dann zwei überraschende Ergebnisse: FM Goluch – GM Ragger 1-0, GM Fressinet – IM Vavulin 0-1 – tief im Endspiel mit Türmen und ungleichfarbigen Läufern bekam Schwarz plötzlich Mattdrohungen und erreichte dadurch ein gewonnenes Turmendspiel. Auch bei Goluch-Ragger Entscheidung im Turmendspiel.

Nach Runde 10 hatte dann niemand mehr 100% – Duda spielte gegen Wojtaszek am Spitzenbrett recht geräuschlos remis. Dahinter besiegte Vavulin nach Grossmeistern (Chigaev und Fressinet) auch den Polen FM Goluch (zuvor Siege gegen u.a. GMs Buhmann, Plat und Ragger). Dahinter hatten fast alle Partien zwischen Spielern mit zuvor 7.5/9 Sieger und Verlierer – nicht immer gewann dabei der Elofavorit aber Fridman löste seine Aufgabe gegen den Polen Pawel Jaracz. Stand nun: Duda 9.5/10, Vavulin 9, elf Spieler (u.a. Fridman) 8.5.

In Runde 11 rechnete ich bei Vavulin-Duda mit einem eher geräuschlosen Remis, es kam anders! Vavulin begann mit 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Ld3!? – sicher keine Widerlegung von Französisch, auch wenn es auf Niveau ca. 2800 schon dreimal gespielt wurde (Carlsen-Grischuk 0-1, Kramnik-Caruana 0-1, Vachier-Lagrave – So 1-0). Vavulin selbst hatte es schon fünfmal gespielt und erzielte damit zuvor 4/5. Ob Duda Zeit und Lust hatte, Datenbanken zu konsultieren, da bin ich überfragt – er nahm es vielleicht ohnehin nicht ernst. Aber schnell kam ihm ein Bauer abhanden, später die Partie – Europameister nicht er sondern Maksim Vavulin! Wer ist Maksim Vavulin? Dazu habe ich mal nicht recherchiert bzw. beschränke mich auf: russischer IM, Jahrgang 1998, zuvor Schnellschach-Elo 2485 und damit Nummer 68 der Setzliste.

Erfreulicher aus polnischer und unerfreulich aus deutscher Sicht war Fridman-Moranda 0-1 – in unübersichtlicher Stellung verlor Fridman, der vielleicht kein Remis wollte, den Faden.

Ich zeige noch schnell nochmals Vavulin, Duda (immerhin Silber, die beste Wertung hatte er natürlich) und Ponkratov (Bronze):

Und nun breche ich erst einmal ab, der Vereinsabend (letzter vor Weihnachten) ruft! Weitere (viele) Bilder werde ich später noch ergänzen.

Nun (Dienstag morgen) ist es soweit – Vereinsabend dauerte länger als geplant. Wieder erst ein paar atmosphärische Fotos:

Und nun zunächst (relativ) bekannte Spieler:

Fast alle Grossmeister, zu den drei IMs: Der Spanier Rodriguez Renier Castellanos ruinierte sein Turnier etwas mit abschliessenden Niederlagen gegen Potkin und Kovalenko, zuvor allerdings 3.5/5 gegen andere GMs. Der Litauer Tomas Laurusas erzielte 0/2 gegen Duda und Brunello und fast perfekte 8.5/9 gegen Nicht-GMs. Ich zeige ihn vor allem, da eine gewisse Saule Gaillunaite kibitzt, wer ist das denn? Das könnte man Elena Levushkina fragen, es sei denn sie hat es vergessen/verdrängt. In diesem Turnier für Gaillunaite (Elo 1893) immerhin zwei Siege gegen 2248 und 2218, allerdings auch drei Remisen gegen 1534, 1537 und 1561. In der letzten Runde eine neue Erfahrung für sie – mit dem Kosovaren Nysret Avdiu der erste und damit einzige nicht-polnische Gegner. Zuvor im Blitzturnier traf sie allerdings – da knapp in der unteren Hälfte der Startliste – zu Beginn auf den Kroaten GM Bosiocic und bekam im weiteren Verlauf neben Polen auch je einen Litauer, Ukrainer und Tschechen.

Der Italiener Alessio Valsecchi hatte in Blitz- und Schnellschach jeweils ein Elo-normales Ergebnis, jeweils Erfolgserlebnisse gegen GMs (im Blitz vor allem zum Schluss 2-0 gegen Ivan Saric, im Schnellschach Siege gegen Buhmann und Piorun). Bleibt noch WGM Jolanta Zawadzka, die einerseits ein perfektes Schnellturnier spielte (kein einziges Remis), andererseits ausser gegen GMs Ragger und Miezis auch gegen Polen mit Elo 2127 und 2075 verlor.

Monika Socko in der Vorbereitung auf die WM in Saudi-Arabien? Dabei herrscht dort gar kein Kopftuchzwang … . Ich erwähne hiermit nochmals, dass das Turnier stattfindet (Schnellschach 15 Runden vom 26.-28.12., Blitzschach 21 Runden am 29. und 30.12.) – Zeit für einen Vorbericht habe ich wegen Weihnachtsurlaub wohl nicht, derzeit gibt es offenbar auch weder Turnierseite noch komplette Teilnehmerliste (einige Weltklassespieler sind dabei, andere fehlen).

Der Österreicher Robert Kreisl mit eher schlechtem Turnier, wie auch seine Landsleute Markus Ragger und Valentin Dragnev – Markus Goessler (Elo 2171, TPR 1788) und Johannes Hatzl (Elo 2123, TPR 1785) zeigten sich da solidarisch. Die Schweiz boykottierte auch das Blitzturnier. Alle deutsche Teilnehmer kann ich nicht besprechen: Fridman wie gesagt vorne dabei, nach der letzten Runde dann allerdings Platz 19. Die meisten anderen im Elosoll, vielleicht sind diverse der vielen Polen im Turnier Elo-unterbewertet.

Schwerpunkt nun Polen und Polinnen in wohl unterschiedlichen Rollen, dabei hatten nicht alle in den nächsten Galerien Heimspiel:

Das Alter verrate ich – im Gegensatz zu chess-results.com – bei Damen nicht. Margarita Parhomenko fiel auch dadurch auf, dass sie in der ersten Runde an Brett 1 gegen Ernesto Inarkiev spielte – so wollte es die Auslosung bzw. Startrangliste, bei der sie alphabetisch (beide Elo 1748) hinter dem Polen Krzysztof Jarczewski einsortiert wurde. Im weiteren Verlauf dann bis auf Landsmädel Anna Kazmerika (*2004) nur noch Polen und Polinnen.

Ob der anonyme junge(?) hübsche(?) Mann(!) auch Pole ist, da bin ich überfragt – 790 von 1181 Teilnehmern hatten Heimspiel.

Filip Boe Olsen (Däne) war mir vom Namen her ein Begriff, da er vor kurzem bei einem Turnier in Haarlem mitspielte. Familie Dwilewicz war zu dritt – neben Agata und Katarzyna (Kasia) auch Andrzej, bei dem ich das Alter verrate: Baujahr 1958. Bei Piotr Pazdierz verrate ich auch, dass er 2006 das Licht der Welt erblickte.

Und noch mehr Bilder von der Abschlussfeier, erst eines mit doch noch u.a. Daniel Fridman:

Ausserdem erkenne ich da den Patrioten Potkin, neben Fridman Ponomariov und zwischen den beiden David Navara. Sie und andere teilten mit 8.5/11 den 18.-38. Platz, dafür gab es wohl noch etwa 50 Euro Preisgeld (und was auch immer noch in den Tüten ist).

Und noch eine allerletzte Galerie:

Ob man die blonden Damen auf einigen Fotos im Lotto gewinnen kann, dazu habe ich nicht recherchiert (LOTTO ist ja Sponsor des polnischen Schachverbands und auch offizieller Partner dieses Turniers). Auf dem dritten Foto haben sie (rechts im Hintergrund) offenbar gerade Pause.

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