Musste es wirklich Saudi-Arabien sein?

  • 10
    Shares

Von Stefan Löffler – Ausgerechnet in der saudischen Hauptstadt Riad werden seit Dienstag die Weltmeisterschaften im Schnell- und im Blitzschach ausgetragen. In einem Land, das bisher nur mit Schach in Zusammenhang gebracht wurde, weil ein saudischer Mufti öffentlich gegen das Spiel wetterte. So dass die Vereinigung der Schachprofis auf die Vergabe durch den Weltschachbund FIDE mit einem Protest reagierte. Da müssen ein paar Fragen erlaubt sein.

Konnte die FIDE keinen geeigneteren Ausrichter finden?

Die Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach für Männer und Frauen, also vier Turniere insgesamt, sind alles andere als leicht unterzubringen. Die Suche nach einem Ausrichter war nicht zum ersten Mal eine Zitterpartie. Für das vorgeschriebene Mindestpreisgeld und die Organisationskosten kommen leicht eine Million Euro zusammen, die aufzubringen sind. Voriges Jahr sprang kurzfristig Doha, die Hauptstadt von Katar, ein. Vor zwei Jahren wurde in Berlin gespielt, obwohl es gar keine lokalen Geldgeber gab.

Wie kam Saudi-Arabien ins Spiel?

Der neue starke Mann, Kronprinz Mohammed bin Salman, will das Land liberalisieren und das auch international bekanntmachen. Darum wurden mehrere Sportweltverbände kontaktiert. Man wird also wohl bald weitere internationale Sportereignisse in Riad sehen. Die FIDE war wohl einfach am flexibelsten, zumal sie dringend einen Ausrichter für eine ihrer teuersten Veranstaltungen brauchte. Der englische Veranstalter Malcolm Pein hat ein Treffen in London organisiert und dafür gesorgt, dass die Funktionäre den Wettbewerb nicht zu billig verscheuern.

Wie viel lässt der saudische Kronprinz für die Schachsause springen?

Zwei Millionen amerikanische Dollar beträgt der offizielle Preisfond für die vier Turniere, wovon 400 000 an die FIDE gehen, die solche Einnahmen derzeit ziemlich nötig hat. Dazu kommen Organisationskosten. In Riad logieren die meisten Spieler auf Kosten der Gastgeber. Außerdem sollen die Schnell- und Blitzschachweltmeisterschaften auch 2018 und 2019 in Riad stattfinden. Zusammen und umgerechnet wird das Saudi-Arabien also mehr als sieben Millionen Euro kosten.

Moment mal. Ist Schach in Saudi-Arabien nicht verboten worden?

Ein saudischer Großmufti meinte, dass Schach ein Glückspiel sei, Hass unter die Menschen bringe und darum haram sei, also im Widerspruch zu den Regeln des Islams. Als arabische Zeitungen im Januar 2016 die damals schon über ein Jahr alten Zitate ausgruben, jazzten westliche Medien die Meinungsäußerung zu einer bevorstehenden Ächtung des Spiels hoch. Tatsächlich machte sich der Saudische Schachverband erst aufgrund der medialen Berichterstattung Sorgen. Bis heute ist kein Fall bekannt, in dem die saudische Religionspolizei Schachpartien unterbunden hat… Weiterlesen auf der Online-Ausgabe der FAZ

Weitere Artikel in der Presse

Print Friendly, PDF & Email

  • 10
    Shares
Veröffentlicht unter Presse |