DSAM Bergedorf 2018 beendet – Hamburger Doppelsieg

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Euch hab ichs gezeigt Grossvaeterchen _ Matteo Metzdorf klein aber OMO_Niedernhauseen 2017

Text: Ralf Mulde – Während der Sturm über Deutschland hinweg pfiff und im genau gegenüber liegenden Gebäude die anrückende Feuerwehr leider einen erheblichen Wassereintritt nicht verhindern konnte, saßen die 514 DSAM-Strategen wohl behütet und bei vollem Komfort im warmen “H4-Hotel”. Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft Bergedorf 2018 sah zwei Hamburger an der Spitze der A-Gruppe (2101 – 2300). “Es war nicht nur in dieser Leistungsklasse ein wirklich spannendes Turnier”, blickte Turnierdirektor Dr. Dirk Jordan auf das Geschehen zurück. Björn Bente und Julian Grötzbach, beide Hamburger SK, erzielten vier aus fünf, der Bremer Olaf Steffens führte die nachfolgenden Spieler mit 3,5 Punkten an.

A-Sieger Björn Bente hatte einen ähnlichen Coup wie nun in Bergedorf auch schon in einem vorigen Turnier gelandet. Deshalb war nun ein finalqualifizierender Platz frei geworden, der achte Rang. Also wird auch der tapfer kämpfende Frederik Swane in Leipzig mit dabei sein. “Alles war prima, Essen, Service, Organisation, reichlich Platz, nette Spieler”, strahlte ein Teilnehmer. “Das war wohl alles von langer Hand vorbereitet?” Ja. Ist so. Bei der Frage nach der von ihm seltsamerweise noch nicht erwähnten Punktausbeute fiel ihm gaaanz plötzlich ein, dass er nun dringend seinen Zug erreichen müsse.

Geburtstag Ali_Berk Dursun mit HSR  Juergen Kohlstaedt

Die Gruppe B war im Verlauf ähnlich wie das Wetter: Ein wenig befremdlich. Sieben Spieler wurden für den Saisonabschluss gesucht – und sieben erzielten 4,0 Punkte. Die Feinwertung suchte sich Uwe Töllner, Sf Barsinghausen und den jungen Jakob Weihrauch, Hamburger SK für die ersten beiden Plätze aus. Widerlegt sind damit einmal mehr jene, die vermuten, dass man “bei nur 5 Runden doch mindestens 100% machen” müsse, um ganz vorne einzuparken.

Leider tauchte erst in der Gruppe C die erste Dame auf, vom Turnierpersonal abgesehen. Lisa-Marie Möller aus Paderborn (aktuell: Elo 1824, DWZ 1822) war an 37 gesetzt und startete wie die Feuerwehr mit einem vollen Punkt (draußen war als Vorbild ja auch genug von diesem Berufsverband unterwegs) und remisierte nun dreimal gegen gute 1900er. Das steigert zugleich die Laune und das Rating! Dann blieb sie, inzwischen schon an Brett 10, in der Schlussrunde aber doch noch hängen: Eine Weiß-Null gegen wiederum einen guten 1900er, nämlich Stephan Buß aus Kühlungsborn. Der Mann von der Ostsee wurde so Neunzehnter und Lisa-Marie Möller von der Irminsuhl … nicht. Dennoch war die 17jährige die beste Frau des gesamten Turniers!

Hamburg mit seiner Schwedischen Kirche hat einen starken Traditionsbezug zur alten Blau-Gelb-Großmacht an der Ostsee, deshalb ist der Vorname des C-Gruppensiegers nicht weiter verwunderlich: Äke Fuhrmann, Hamburger SK, schaffte fast den Durchmarsch und gewann die Gruppe mit tollen 4,5 Punkten.

Hanna Emilie Mai Hoa Tran

In der D-Gruppe waren es gleich drei Spieler, die sozusagen Arm in Arm auf jeweils 4,5 Punkte kamen: Der aus dem recht weit entfernten Trier angereiste Matteo Metzdorf (aktuell Elo 1711, DWZ 1719) ragte wegen seiner erst 11 Jahre aus dem Trio heraus, ihm folgten feingewertet Pascal Besancon (aktuell Elo 1753, DWZ schon 1823, 16 Jahre) und Lennart Christian Grabbel (aktuell Elo 1674, DWZ 1766, 15 Jahre jung). Die Jugend setzte sich durch! Zusammen mit anderen tollen Leistungen ähnlich juveniler Spieler wird man sagen können: Der Nachwuchs im Deutschen Schachbund macht seit Jahren erfreuliche Fortschritte und die DSAM ist für sie ein angenehmer und sehr gut geeigneter Rahmen, sich auszuprobieren.

Gruppe E: Ohje … Wieder erschreckend jugendlich. Als Texter fühlt man sich plötzlich so alt. Der mit schönen 4,5 Punkten siegende Taron Khachatryan, TuRa Harksheide, ist ein spielstarkes Beispiel dafür, dass der mit einem großartigen “Mädchenprojekt” weltweit bekannt gewordene Norderstedter Club eben viel mehr ist als Damen-Bundesliga plus Ponyhof. Stark von Auslosungs-Zufällen der ersten ein, zwei Runden abhängig ist die Feinstaubwertung im Schweizer System. Jeder weiß das, aber bei nicht teilbaren Preisen braucht man eben doch irgendeine Reihung. Und so befinden sich eben Björn Silwedel, Kühlungsborn und Johann Schwank, Diogenes Hamburg, trotz unfassbar guter 4,5 Punkte auf dem zweiten und dritten Rang.

Gruppe F: Das Muster der Gruppe E, sozusagen der E-Type, wiederholt sich hier. Im Turniersaal ritten die drei Kämpfer zu dritt neben dem Sturm, hart und unverzagt, und dieses Trio verlangten sich alles ab, damit nebeneinander im morgengrauenden Nebel des Sonntags mit je 4,5 Punkten der Gipfel des Siegerpodestes entschlossen erobert werden konnte. Es waren Werner Lipka aus Sasel, Philipp Schläger aus Uelzen und Gerald Arnold aus Neuenhagen, die nur noch durch die Buchhölzer tabellarisch zu unterscheiden waren.

Presse Bergedorfe _Zeitung war natuerlich auch da

Ein bisschen schwer zu glauben – aber doch wahr – ist nun, dass in der Gruppe G ganz Ähnliches geschah: Drei vorne, alle 4,5 Zähler, nämlich Frank Stolzenwald, Siyuan Lu und Christian Schläger. Die noch sehr jungen Rendsburger Geschwister Katerina Bräutigam (erst 9 Jahre!) und Alexander Bräutigam (10 Jahre) erzielten tolle 4,0 Punkte und gewinnen nun das Finale. Vielleicht. Aber bis dann sind sie ja auch schon viel älter geworden.

Und nun hoffen wir, dass alle Spielerinnen und Spieler ebenso wie jeder vom Turnierpersonal dem Wetter trotzend ohne Beeinträchtigung zurück kamen und ihr Zuhause trocken und unversehrt vorfanden. Sollte es seltsam durcheinander gewirbelt aussehen: Aufräumen musst Du seit Donnerstag schon noch selbst. Mit der DSAM geht’s am 9-Feb-2018 weiter: Mit dem “Riesen…” äh … dem “Rosenmontagsturnier” in Brühl bei Köln.

Vergewissern wir uns in der Ausschreibung noch mal kurz der Grundlagen: “Die Plätze 1-7 jeder Wertungsgruppe qualifizieren sich für das Finale der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft 7³ in Leipzig. … Die bestplatzierte Frau der jeweiligen Gruppe (A-G) des Finales wird ausgezeichnet mit dem Titel: „Deutsche Frauen Schach-Amateurmeisterin” 2017/2018 der A- (B, C, D, E, F, G) Gruppe. … Befindet sich keine Dame unter den qualifizierten Spielern einer Wertungsgruppe, erhält die beste Dame einen zusätzlichen Qualifikationsplatz für das Finale der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft.

Wichtig sind also für das Finale in jeder Gruppe die Plätze 1-7 plus die beste Dame, wobei die in einem Vorturnier bereits qualifizierten Spieler gleichsam unbeachtet bleiben. Und die Gruppe A ist auch ein gleich ein Beispiel dafür:

Gruppe A (2101 – 2300)

1.) Björn Bente, Hamburger SK: 4,0,0 pt.

2.) Julian Grötzbach, Hamburger SK: 4,0,0 pt.

3.) Olaf Steffens, Werder Bremen: 3,5 pt.

4.) Sebastian Buchholz, Doppelbauer Kiel: 3,5 pt.

5.) Jens Wulf von Moers, Agon Neumünster: 3,5 pt.

6.) Henrik Hesse, Mattnetz Berlin: 3,0 pt.

7.) Thomas Kahlert, Norderstedt: 3,0 pt.

8.) Frederik Svane, Lübecker SV: 3,0 pt.

Weil Björn Bente sich schon zuvor in einem anderen Turnier finalqualifizierte, wird Frederik Svane nun auch in Leipzig mit dabei sein.

Gruppe B (1901 – 2100)

1.) Uwe Töllner, Sf Barsinghausen: 4,0 pt

2.) Jakob Weihrauch, Hamburger SK: 4,0 pt

3.) Sören Koop, SC Wrist-Kellinghusen: 4,0 pt

4.) Marc Duhn, Segeberg: 4,0 pt

5.) Dustin Möller, Eckernförde: 4,0 pt

6.) Tom-Frederic Woelk, Diogenes, Hamburg: 4,0 pt

7.) Maximilian Paul Mätzkow, Eberswalde: 4,0 pt

Gruppe C (1751 – 1900)

1.) Fuhrmann, Äke, Hamburger SK: 4,5 pt

2.) Heinemann, Guido, Flensburger SK: 4,0 pt

3.) Dietz, Jonas, Würselen: 4,0 pt

4.) Dr. Töpper, Olaf, Eutin: 4,0 pt

5.) Mix, Clemens, SF Hamburg: 4,0 pt

6.) Thomzik, Dirk, Fischbek Suederelbe: 3,5 pt

7.) Recklies, Volker, SV Büsum: 3,5 pt

Diese Gruppe ist die erste, in der eine bzw. mehrere Damen mitmachten (hey, Ihr da draußen! Ihr hättet auch in den anderen gedurft…!) und die beste von allen, damit die beste Dame des Turniers ist Lisa-Marie Möller von den Blaustrüm… Blauspringern Paderborn.

Gruppe D (1601 – 1750)

1.) Matteo Metzdorf, SG Trier: 4,5 pt

2.) Pascal Besancon, Sk Weida: 4,5 pt

3.) Lennart Christian Grabbel, Hamburger SK: 4,5 pt

4.) Jens Finkhäuser, St. Pauli: 4,0 pt

4.) Max Cornels, St. Pauli: 4,0 pt

6.) Gerd Hueskens, Eschweiler: 4,0 pt

7.) Jannick Steinkönig, Sondernheim: 4,0 pt

Beste Spielerin dieser Gruppe und damit natürlich für das Finale in Leipzig qualifiziert ist Carmen Stein, Norbertus Magdeburg: 3,5 pt

Gruppe E (1401 – 1600)

1.) Taron Khachatryan, TuRa Harksheide: 4,5 pt

2.) Björn Silwedel, Empor Kühlungsborn: 4,5 pt

2.) Johann Schwank, SC Diogenes: 4,5 pt

4.) Bahne Fuhrmann, Hamburger SK: 4,0 pt

5.) Nico Müller, Hamburger SK: 4,0 pt

6.) Joerg Orion, Hamburg: 4,0 pt

7.) Enno Striebeck, TuRa Harksheide: 4,0 pt

Eindeutige “Bestfrau” dieser Gruppe wurde Sabine Schoknecht, St. Pauli, die sich mit guten 3,5 Punkten für das Finale qualifizierte.

Bei manchen Vornamen schlägt man lieber nach (Mann? Frau? Richtig geschrieben?) und findet unter “Khachatryan” bei Herrn chess-db.com weltweit überraschende 87 Spieler dieses Namens! Der Vorname ist perfekt und die Leistung des 14jährigen Harksheiders war es mit 4,0 Zählern eigentlich auch.

Der Zweite dieser Gruppe fiel dem DSAM-Texter sogar schon etwas früher als der Taron auf:

Björn Silwedel (aktuell Elo 1581, DWZ auch 1591, *1976) führte in der Schlussrunde der Gruppe E gemeinsam mit Johann Schwank vom Hamburger SC Diogenes die Gruppe an – mit 100%! Beide Spieler drosselten nun ein wenig das hohe Tempo und schlossen das Turnier mit exzellenten 4,5 Pkt. ab.

Erschütternde Berichte über Begegnungen mit dem Könner von der Ostsee am Brett beginnen aber auch schon mal so: “In Runde 3 hatte ich gegen Björn Silwedel (SV Empor Kühlungsborn, 28 Mitglieder, DWZ-Schnitt 1413) eine mehr als aussichtsreiche Stellung im Alt-Benoni …” Als erfahrener Leser solcher Einleitungen vermutest Du richtig: Meister Silwedel siegte am Ende. (April 2017, “NWM Open Dorf Mecklenburg”) https://lsv1873.de/index.php/aktuelles/nachrichten/933-open-dorf-mecklenburg

Ostsee Zeitung, 25.04.2017: “Emporianer sichern Platz drei. Remis spielten Benjamin Proß und Björn Silwedel. Damit belegt das Emporteam in der Abschlusstabelle der Landesliga West den dritten Platz.”

Gruppe F (1201 – 1400)

1.) Werner Lipka, SF Sasel: 4,5 pt

2.) Philipp Schläger, Post SV Uelzen: 4,5 pt

3.) Gerald Arnold, SV Rot-Weiß Neuenhagen: 4,5 pt

4.) Julian Zupke, Sk Uetersen: 4,0 pt

5.), Philipp Ziming Guo, TuRa Harksheide: 4,0 pt

6.) Alexander Brandstrup, Hamburger SK: 3,5 pt

7.) Arthur Krüger, Caissa Rahlstedt, Hamburg: 3,5 pt

Gruppe G (≤ 1200)

1.) Frank Stolzenwald, Hamburger SK: 4,5 pt

2.) Siyuan Lu, Schwarz-Weiß Harburg: 4,5 pt

3.) Christian Schläger, Post SV Uelzen: 4,5 pt

4.) Bastian Reyher, Sc Oranienburg: 4,0 pt

5.) Alexander Bräutigam, VHS Rendsburg: 4,0 pt

6.) Katerina Bräutigam, VHS Rendsburg: 4,0 pt

7.) Albert Schwank, Diogenes: 4,0 pt

8.) Luca Alexander Brandstrup, Hamburger SK: 4,0 pt

Unser Superoberrekordvielteilnehmerspieler Frank Stolzenwald hatte sich bereits in einem seiner erfreulich vielen Turniere der Saison finalqualifiziert, so dass jetzt auch für den Achten dieser Gruppe der Weg nach Leipzig freigeschippt war!

Rendsburg ist – auch – die Stadt der Mehrpersonen-Ruderboote (dafür gibt es bestimmt einen Fachausdruck?), am bekanntesten ist der “Deutschland-Achter”. Kein Wunder also ist es, dass die Geschwister Katerina Bräutigam (erst 9 Jahre jung!) und Alexander Bräutigam (schon sehr alt: 10 Jahre …!) sozusagen Hand in Hand über die Ziellinie schossen – und das mit stolzen 4,0 Punkten!

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Veröffentlicht unter DAM |