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Mit einem 3,5-2,5 im Spitzenspiel gegen Hamburg und einem 5,5-0,5 gegen Kiel ist Meister Schwäbisch Hall weiterhin verlustpunktfreier Tabellenführer in der Frauenbundesliga. Auf Platz 2 folgt Titelfavorit Baden-Baden nach zwei ungefährdeten Siegen gegen Lehrte und Erfurt vor Hamburg. In den Abstiegskampf ist mächtig Pfeffer gekommen, Sieger des Spieltags war der SV Hofheim, mit drei nicht unbedingt erwarteten Punkten gegen Leipzig und Rodewisch steht man jetzt sogar über dem Strich und hat von allen Abstiegskandidaten das leichteste Restprogramm.

Hier die Informationen zu den Geschehnissen an den einzelnen Spielorten (mit Schwerpunkt Hamburg).

Spielort Erfurt

Baden-Baden wurde seiner Favoritenrolle mit 2 glatten Siegen gegen Lehrte und Erfurt gerecht, auch wenn die Mannschaft ersatzgeschwächt antreten musste. Insgesamt wurden nur 3 Remis abgegeben. Spannender war es in den Begegnungen mit Karlsruher Beteiligung. Gegen Erfurt gab es nur ein 3-3, und gegen Lehrte setzte es eine glatte 1,5-4,5-Niederlage. Damit ist der Klassenerhalt noch nicht sicher, aber mit einem Sieg gegen Kiel am nächsten Spieltag kann dieser dann immer noch geschafft werden. Gerade hinten, wo man bisher gepunktet hatte, kam dieses Wochenende einfach zu wenig. Für Lehrte wird der Klassenerhalt immer konkreter, für Erfurt wird es nach wie vor schwer.

Fotos: Thilo Gubler

Spielort Leipzig

Insbesondere Bad Königshofen und Rodewisch gingen personell geschwächt in die Doppelrunde. Beide mussten einige Spielerinnen, die in Gibraltar (Gunina, Pähtz), Moskau (Bodnaruk) und Wijk aan Zee (Girya) im Einsatz waren, ersetzen.

Trotzdem überrascht das 3-3 von Bad Königshofen gegen Rodewisch etwas, nur die 2 Spitzenbretter konnten gewonnen werden, darunter ein Sieg von Jana Schneider gegen Joanna Majdan-Gajewski. Gegen Leipzig hielt man sich tags drauf dann schadlos und gewann 5-1. In der Liga geht es damit jetzt nur noch um Platz 3.

Eindeutiger Sieger des Spieltags war Hofheim. Erstmals mit der ersten Sechs angetreten zeigte man, dass man es durchaus ernst mit der Mission Klassenerhalt meint. Zunächst wurde Leipzig knapp geschlagen, dann gab es ein dich etwas überraschendes 3-3 gegen Rodewisch. Gepunktet wurde insbesondere hinten. Jetzt steht man nach 7 Spieltagen auf einem Nichtabstiegsplatz und hat mit Lehrte, Erfurt und Kiel noch drei schlagbare Gegner im Restprogramm.

Spielort Hamburg

Von hier die ausführlichsten Informationen, da ich vor Ort war. Zwischen Hamburg und Schwäbisch Hall wurde es im HSK-Schachzentrum bei hervorragenden Spielbedingungen inklusive Liveübertragung und –kommentierung der Partien sowie der Übertragung der Fußball-Bundesliga-Partie des HSV in Leipzig das erwartet knappe Match.

Beide Mannschaften mussten auf die ein oder andere Spielerin gerade aufgrund des zeitgleich stattfindenden Opens in Gibraltar verzichten – dort spielte in den ersten Runden insbesondere die Haller Topspielerin Nino Batsiashvili hervorragend. Für Hamburg sicher etwas überraschend spielte das erste Mal seit fast 2 Jahren wieder Sopiko Guramishvili mit, pünktlich zum 5-jährigen Jahrestag in den Reihen des SK Schwäbisch Hall. Aufgrund der Geburt ihres Sohns hatte sie eine Turnierpause eingelegt. Aus der Ferne fieberte sie mit ihrem Ehemann Anish Giri mit, der beim Topturnier im niederländischen Wijk-aan-Zee Co-Sieger punktgleich mit Weltmeister Magnus Carlsen wurde und erst im Blitzschach-Stichkampf dem Weltmeister unterlag.

Die Entscheidung fiel an den hinteren Brettern. Iva Videnova gewann relativ problemlos gegen Teodora Rogozenco, Karina Ambartsumova gegen Lyubka Genova. Beide spielten die letzten 15 Züge vor der Zeitkontrolle in komplizierter Stellung nur noch auf ihrem Inkrement, den besseren Überblick hatte Karina und gewann. Voll ausgekämpft auch die Partien an den Brettern 1,3, und 4, die remis ausgingen, Monika Socko ließ im Endspiel gegen Lela Javakhishvili eine gewinnversprechende Fortsetzung aus. Den Sieg stellte Sophie Milliet gegen Filiz Osmanodja sicher, die die ganze Partie über besser stand, dann aber in ein etwas schlechteres Endspiel mit einer Figur gegen 3 Bauern abwickeln musste, dies war aber für die Hamburger Topscorerin nicht zu gewinnen. Irina Bulmaga hätte früh für klare Verhältnisse sorgen können. Gegen Judith Fuchs opferte sie einen Läufer auf h3 und hätte den Angriff wenig später krönen können, entschied sich aber für den falschen Turmzug, der dem gegnerischen König ein Entkommen auf den Damenflügel ermöglichte. Es folgte ein Opfer des zweiten schwarzen Läufers auf a3, nachdem der weiße König nach 40 Zügen von h1 nach b1 gelangt war. Das war dann aber nicht mehr korrekt, und am Ende konnte Judith Fuchs nach langem Kampf ihren Materialvorteil nach Haus bringen. Allerdings war das nur noch Ergebniskorrektur. Im Parallelspiel gewann Deizisau glatt gegen Kiel.

Am Sonntag ging es für Schwäbisch Hall gegen Kiel und für Hamburg gegen Deizisau. Jana Zpevakova ersetzte Iva Videnova, ansonsten gingen die gleichen Spielerinnen wie am Vortag an die Bretter. Um kurz vor 9:00 vermeldete Schiedsrichter Jens Wolter „Boarding Completed“ und gab die Partien frei. Schwäbisch Hall gewann glatt und ungefährdet 5,5-0,5, nur Marta Michna schaffte ein Remis gegen Lela Javakhishvili. Sopiko Guramishvili spielte mit Schwarz gegen den Grand-Prix-Angriff im Sizilianer, zu dem sie gerade ein noch nicht veröffentlichtes Chess24-Video fertiggestellt hat. Die Tipps in dem Video hätten ihrer Gegnerin sicher geholfen.

Spannender war es bei Hamburg-Deizisau. Monika Socko gewann eine Glanzpartie gegen Yuliya Naiditsch, Inna Gaponenko glich gegen Judith Fuchs aus. Den Siegtreffer für Hamburg schaffte Filiz Osmanodja gegen Hanna Marie Klek. Filiz ist damit eine der ersten Anwärterinnen auf den Schachticker-Nachwuchspreis oder sogar auf den Preis für die beste Spielerin der Saison.

Weiter geht es in 3 Wochen. Das Spitzenspiel steigt in Baden-Baden, dort tritt der Tabellendritte Hamburg an. Schwäbisch Hall spielt mit Rodewisch gegen die Mannschaft, die dem Meister vor inzwischen 2,5 Jahren die letzte Niederlage beibrachte. Gegen die Schachmiezen hat man sich bisher immer schwer getan. In Hofheim steht der Abstiegskampf im Mittelpunkt, die Hofheimerinnen wollen gegen Lehrte und Erfurt weitere Punkte für den Klassenerhalt sichern.

Hier die Einzelergebnisse von Runde 6 und Runde 7 und hier die Partien aus Hamburg (Partien mit Schwäbisch Haller Beteiligung mit taktischer Analyse (CB14), dazu weitere Partien der Schwäbisch Hall Damen)

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