Zäsur 1918


Wiens Kaffeehäuser in den Händen der Schachspieler, Zeichnung von Stanislaw Rejchan (Abb: Archiv Michael Ehn)

Stefan Löffler – Mit der neunten Austragung des Gedenkturniers für den Industriellen und Schachmäzen Leopold Trebitsch ging in den ersten Januartagen des Jahres 1918 auch eine Ära zu Ende. Die Ära, in der Schach eine Domäne der Bürgerlichkeit darstellte, in der Berufsspieler Kosmopoliten waren und Mäzene ihnen ein gutes Auskommen sicherten. Und auch die Zeit, in der Wien ein Zentrum, wenn nicht die Hauptstadt des internationalen Schachlebens war, weil Talente aus allen Teilen der K.u.K.-Monarchie zuströmten.

Das von Vidmar vor einem gewissen Althof gewonnene Meisterturnier war das letzte, das der Wiener Schach-Klub in den feudalen Räumen des Palais Herberstein austragen konnte. Der einst reiche, zeitweise mehr als 600 Mitglieder zählende Klub hatte seine Rücklagen in nunmehr wertlose Kriegsanleihen investiert und konnte nie wieder an seine Glanzzeiten anknüpfen. In den patriotischen Papieren verschwanden auch die Ersparnisse von Carl Schlechter, der wenige Jahre zuvor um ein Haar den einzigen deutschen Weltmeister Emmanuel Lasker entthront hatte. Verarmt und ausgezehrt verstarb der beste Spieler, den Österreich je vorbrachte, im letzten Kriegsjahr. Schlechter war nur 44 Jahre alt geworden. Die legendäre Wiener Schachzeitung war bereits 1916 zugrunde gegangen… weiterlesen auf der Onlineausgabe der FAZ

Print Friendly, PDF & Email