Anand gewinnt Tal Memorial Schnellschach

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Drei ereignisreiche Tage in Moskau, dreimal fünfzehn Schnellpartien weitgehend zwischen Spielern mit Schnellschach-Elo über 2700. Das gilt allerdings momentan nicht für Dubov – der dann aber vielleicht die Partien des Turniers spielte – oder Gelfand. Der Veteran hatte im August 2017 noch Schnellschach-Elo 2745, spielte dann jedoch zweimal in Russland. Anfang August verlor er in Nazran (liegt in Inguschetien, und das liegt im Nordkaukasus) ein bzw. zwei Matches gegen Inarkiev, über Weihnachten waren dann in Moskau russische Jungstars zu harte Nüsse, zweimal 52 Elopunkte waren futsch. Beide sind nun immerhin weiterhin oder wieder in der Schnellschach top100 vertreten.

Die drei Tage waren durchaus unterschiedlich: Am ersten Tag gab es 9 Entscheidungen in 15 Partien – lag auch aber nicht nur daran, dass mitunter gepatzt oder einfach schlecht gespielt wurde. Am zweiten und dritten Tag dagegen drei und vier Partien mit Sieger und Verlierer – das lag nun nicht nur an inhaltslosen Partien und vielleicht mangelndem Kampfgeist, sondern auch an diversen verpassten Chancen. Am dritten Tag fiel praktisch in der achten und vorletzten Runde die Entscheidung um den Turniersieg – in zwei Schlüsselpartien, die nicht unbedingt das zum Verlauf zuvor “passende” Ergebnis hatten. Die Entscheidung, wer alles Platz zwei teilte und wer nicht, fiel dann in der letzten Runde.

Das kam dabei heraus: Anand 6/9, Mamedyarov, Karjakin, Nakamura 5/9, Gelfand und Grischuk 4.5, Kramnik und Dubov 4, Svidler und Nepomniachtchi 4. Anand ist in der gezeigten Form klarer Favorit für das Kandidatenturnier. Nakamura hat dagegen das Glück, das man da neben Können und Nerven gebrauchen kann, bereits aufgebraucht. Was, beide konnten sich nicht für das Kandidatenturnier qualifizieren? Dann eben nicht – ohnehin wissen wir erst während bis nach den nächsten Wochen in Berlin, was neuere Ergebnisse für die Form der dortigen Teilnehmer bedeuten. Man kann das Feld aufteilen in vier Kandidaten und sechs Nicht-Kandidaten, man kann es auch (andere Namen) aufteilen in vier Nicht-Russen und sechs Russen. Die Russen schnitten generell schlechter ab – das lag auch daran, dass mehrere lieb waren zu Nakamura. Bester Russe wurde der konstanteste Spieler im Turnier, da er in der letzten Runde plötzlich eine Partie gewann.

Fotos stammen vom russischen Schachverband, fotografiert hat überwiegend Eteri Kublashvili – Titelfoto natürlich für Vishy Anand. Neben Fotos habe ich auch Screenshots aus der Liveübertragung – ich verzichte auf eigene Diagramme. Eine Konstante an den drei Tagen erwähne ich eingangs:

Der offizielle Livekommentar war sachlich-schachlich und kompetent, ohne künstliche Unterhaltungseffekte und ohne offensichtliche Vorlieben für bestimmte Spieler. Am ersten und dritten Tag wurde Miro(shnichenko), rechts auf dem Foto, dabei von Moro(zevich) unterstützt, am zweiten Tag – Foto später – von Bolo(gan). Morozevich vermisst vielleicht generell schachliche Einnahmen und kann sich daher einen Besuch beim Friseur nicht mehr leisten. So geht es – was Kommentar betrifft – also auch, wobei die Chess Tour ihre Art als das Mass aller Dinge bezeichnet. Mir war der Moskauer Stil lieber – vielleicht eher geeignet für fortgeschrittene Schachspieler, dann gehöre ich mit Elo ca. 1950 dazu?

Nun erst Tag null, die Eröffnungsfeier – diese Fotos von Vladimir Barsky:

Anand mischte sich unter die Russen, Nakamura zeigte dagegen auch später, dass er mit der sowjetischen Schachszene wenig am Hut hat. Musik gehört bei russischen Schachturnieren dazu, allerdings – im Gegensatz zu Malerei – nicht während den Partien.

Nun Runde für Runde, jedenfalls einige Höhepunkte:

Tag 1, Runde 1:

Mamedyarov-Kramnik 1/2 – Mamedyarovs erster Tag unter dem Motto: eventuell Eröffnungsvorbereitung für das Kandidatenturnier verbergen (oder will er da auch Trompovsky spielen?), früh h2-h4 und dann lang rochieren. Kramnik hielt dagegen, es wurde remis. An den weiteren Tagen hat sich Mamedyarov vielleicht zuviel auf den in Runde 1-3 erworbenen Lorbeeren ausgeruht.

Nakamura-Gelfand 1-0: Die Eröffnung (Anti-Moskau Gambit) war eher kein Affront gegen die Organisatoren, so spielten schliesslich auch Russen, u.a. Kramnik, Grischuk und Morozevich. In letzter Zeit ist es auf höchstem Niveau etwas aus der Mode gekommen, aber z.B. das WM-Turnier 2007 in Mexico war teilweise ein Thematurnier zu dieser Variante. Sechs der damaligen Teilnehmer spielten auch beim Tal Memorial 2018 eine Rolle – Anand, Kramnik, Gelfand, Svidler und Grischuk als Spieler, Morozevich als Livekommentator (beim Blitzturnier spielt er dann selbst mit) – nur Aronian und Leko fehlten.

Auch in dieser Variante gibt es allerdings noch Neuland: da beide nicht immer den Datenbank-häufigsten Zug spielten, bereits ab dem 14. schwarzen Zug. Letzter hochkarätiger Vorgänger war Grischuk-Karjakin vom Grand Prix Turnier in Khanty Mansiysk 2015. Karjakin spielte (wie fünf andere, darunter vier Fernpartien) 14.-g4, Gelfand nun 14.-h5 – um den weissen Lg3 dann mit -h4 zu befragen, worauf dieser keine Antwort hat. Weiss bekommt allerdings diverse Bauern für die Figur – es ist beiderseits spielbar, und da Engines auch das in der engeren Wahl haben war Nakamura vorbereitet (zu seiner Eröffnungsvorbereitung später mehr). Auf 25.- 0-0-0 (in offene Linien hinein rochieren) kommt man wohl nur, wenn man sich in dieser Variante auskennt.

Später gab Gelfand die Figur zurück und landete in einem Endspiel Läufer plus Bauer gegen Springer und zwei Bauern. Das war dann für ihn verloren. Wenn es bei derart reduziertem Material einen Gewinnweg gibt, findet das ein Grossmeister – das gilt auch für einen eventuellen Remisweg. Das weit im Voraus richtig einschätzen ist allerdings ein anderes Thema.

Anand-Dubov 1-0. Dubov machte, was er später noch mehr und extremer machen würde – Bauern opfern, und diesmal erwies es sich als inkorrekt, Anand konnte es problemlos neutralisieren. Ich hätte dabei 19.-dxe5 nicht erwogen (bin dabei kein Grossmeister…) – nach 19.-Lxe5 hatte er vielleicht Angst vor dem weissen Qualitätsopfer 20.Txe5!?, aber sowohl das als der dann mögliche weisse Bauerngewinn 20.Sxc5 ist für Schwarz offenbar erträglich, im Gegensatz zur Partiefortsetzung. Das Ganze entstand aus einem Rossolimo-Sizilianer (1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6 4.Lxc6 bxc6 usw.). Bekannt war es bis 10.d3, Dubovs Neuerung 10.-a5 (wohl hier bereits mit der Idee -Ta7 und dann Richtung Königsflügel) war wohl OK für ihn.

In Runde 2 gab es gleich vier Entscheidungen, zuerst dokumentiere ich mit Screenshots, was danach geschah: Nach seiner Niederlage gegen Dubov schaute Nakamura ihn beim Händedruck an und wechselte dann am Brett ein paar Worte zur Partie:

Nun ja, nicht wirklich – das ist sowjetische Schachschule, und damit hat Nakamura nix am Hut. Auf dem “Analysebrett” hier übrigens eine Variante, die nicht aufs Brett kam: statt 36.-Td4-d2+ 37.Kf1 mit aufgabereifer Stellung für Schwarz spielte er 36.-Tf8 – ebenfalls aufgabereif nach 37.De5+, aber Nakamura hatte dabei die Bedenkzeit überschritten. Dubov zeigte auf die Uhr, Nakamura sprang auf und gratulierte seinem Gegner “anders als üblich”. Zum schachlichen Geschehen in dieser und anderen Partien komme ich noch, wie machten es andere?

Gut, Gelfand-Karjakin war ein korrektes, im Livekommentator kaum gewürdigtes Remis – Miro und Moro besprechen gerade eine andere Partie.

Svidler ging gegen Mamedyarov in 22 Zügen chancenlos unter – auf dem “Analysebrett” derweil Dubov-Nakamura kurz vor Schluss.

Kramnik hat in der Diagrammstellung gegen Grischuk mit 45.c6?? einfach so eine Figur eingestellt – 45.-Lxd3, das geht da der weisse c-Bauer nicht ungehindert zur Dame wird. Auf dem Brett wurden noch zehn weitere Züge gespielt, und auch Kramnik gab dann zivilisiert auf.

Nun zum schachlichen Geschehen: Dubov-Nakamura 1-0 – in einem scharfen, auf hohem Niveau reichlich geübten englischen Abspiel (1.c4 Sf6 2.Sc3 e6 3.e4 d5 4.e5 d4 5.exf6 dxc3 6.bxc3 Dxf6) hatte Dubov drei Bauern geopfert, danach gar vorübergehend einen Turm.

Das ist ein Moment in der Partie, zuletzt geschah 14.c5 Dxc5 15.Lxe7 Sxe7 16.Te5, und nun musste Schwarz nach 16.-Dd6 17.Lb5+ Kf8 auf die Rochade verzichten. Das war noch Teil der weissen Vorbereitung, bis zum 20. Zug verbrauchte er kaum Bedenkzeit! Engines bewerten das in höherer Suchtiefe mit 0.00 – aber nur wenn man ihre Varianten spielt.

Hier Dubov in Grossaufnahme und ein späterer Moment in der Partie. Für das im Screenshot zu Svidler-Mamedyarov bereits gespielte 29.Dxd6+ Kf5 brauchte Dubov nun 9 1/2 Minuten, er hatte ja ein reichliches Bedenkzeitpolster, und der Rest war Treibjagd auf den weissen König. Den Remisweg hatte Nakamura kurz zuvor verpasst: statt 25.-Tad8? zu spielen (nach nur 13 Sekunden!) musste er sofort auf seinen c-Freibauern setzen, der dann Weiss ausreichend beschäftigt – entweder direkt 25.-c2 oder 25.-Thc8 26.gxf5 Lxd7 27.Lxd7 c2 28.Lxc8 Txc8. Typisch für forcierende Neuerungen in scharfen Eröffnungen: objektiv ist es dann meistens nur remis. Bei Nakamura fehlte vielleicht Pragmatismus: der Gegner hat das vorbereitet, also ist es wohl nicht schlecht für ihn. Aber wenn es wirklich “crushing” wäre hätte es schon jemand anders gefunden und gespielt. Also ist es wohl Remis, aber wie?

Es gab dabei noch ein anderes Problem, dazu äusserte sich dieser Herr im Interview mit Chessbase India:

Das ist Nakamuras Sekundant Kris Littlejohn, hier im Museum aber ohne Blick auf Gemälde. Mit seinen Elo 2156 ist er Engine-Sklave und kann deren Varianten nicht überprüfen bzw. Alternativen nicht untersuchen. 14.c5!? war nicht engere Engine-Wahl, also war Nakamura darauf nicht vorbereitet.

Dubov selbst sagte, ebenfalls im Interview mit Chessbase India vor dem Turnier: “Andere betrachten die ersten drei Engine-Vorschläge, ich habe meine eigenen Ideen. Acht von zehn funktionieren nicht, aber zwei sind eventuell gefährliche Waffen” – hier wohl nur für eine Partie und eher im Schnellschach, der schwarze Remisweg ist mit ausreichend Bedenkzeit nicht “unmenschlich”. Ausserdem unter anderem: “Ich habe gegen alle Weltklasse-Spieler bereits bei der Blitz-WM 2016 gespielt, der Unterschied ist dass man da zwischendurch auch etwas ‘leichtere’ Gegner bekommt”. Und als Ziel für das Turnier: “neun interessante Partien spielen, das Ergebnis ist bei Schnellschach schwer vorhersehbar”.

Zu den anderen entschiedenen Partien etwas kürzer und knapper: Kramnik-Grischuk 0-1 wurde letztendlich durch einen Figureneinsteller bzw. eine Halluzination entschieden. Zuvor stand Kramnik in der Partie endlich mal besser, davor allerdings mehrfach schlechter.

Nepomniachtchi-Anand 0-1: Nepo misslang bereits die Eröffnung, dann fischte er im Trüben – beinahe erfolgreich. Mit 17.Le2 Lxg2 gab er einen Bauern, rochierte dann, vielleicht zuvor nicht geplant, lang und gabe mit 22.f4 Dxh2 noch einen Bauern. Anand tauschte die Damen – bei ebenfalls bzw. mehr als sein eigener unsicher stehendem weissem König hätte er die Damen auch auf dem Brett behalten können. Im Endspiel (oder war es mit beiderseits zwei Türmen und zwei Leichtfiguren noch ein Mittelspiel?) verwirrte Nepo den Gegner wohl mit einem Königsmarsch nach b5, und später war das Turmendspiel “eigentlich” remis. Nepo schlug dann den falschen Bauern – 48.Kxb6? und Schwarz gewann, 48.Kxd6 war Ausgleich. Insgesamt keine Partie, auf die Anand allzu stolz sein kann, aber ein insgesamt vielleicht doch verdienter voller Punkt.

Mamedyarov-Svidler 1-0 begann scheinbar harmlos (1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Lg5 Lg7 4.Sbd2), dann aber 11.h4, 12.h5, 13.hxg6 und 17.0-0-0. Direkt danach der entscheidende schwarze Fehler: 17.-f5? hätte ich zwar auch erwogen, aber es funktionierte gar nicht. Svidlers ursprüngliche Idee war wohl (siehe “Analysebrett” im Screenshot zu Gelfand-Karjakin) auf 18.Sxe4 dxe4 nebst 19.-Dd5, das scheitert allerdings an 19.Dc4!. 18.-fxe4 war dann auch hoffnungslos – zu viele Schwächen am Königsflügel, 1-0 nach vier weiteren Zügen.

In “Runde 2.5”, der Pause zwischen den Runden, nahmen die Organisatoren Nepomniachtchi beiseite: “Bevor Nakamura völlig ungeniessbar wird, spiel’ bitte schlecht gegen ihn und verliere – das kannst Du doch!”. Ja das kann er – hatte er mehrfach bewiesen. Natürlich kann er auch gut spielen, sonst hätte er nicht die Elozahl die er hat und bekäme keine hochkarätigen Einladungen in Russland (starke Konkurrenz im eigenen Land) und anderswo. Natürlich ist das nicht ernst gemeint, aber nun zu

Runde 3:

Naka-Nepo 1-0 hatte ich bereits angekündigt. Es begann mit 17.-Sa6? – “Springer am Rand” war dabei nicht einmal das Problem (der will ja nach c5), aber es ignorierte das gegnerische 17.Tc1 mit indirektem Blick auf die schwarze Dame auf c8 komplett. So ging 18.Sb5 mit Tempogewinn, nebst Abtausch der schwarzfeldrigen Läufer nebst Bauerngewinn auf d6. Nach 18.-Dg4 19.Lxg7 Kxg7 war 20.Sxd6?! eigentlich überhastet – statt des automatischen 20.-Ted8 ging 20.-Sf4! mit gutem Gegenspiel. Aber Nepo spielte eben schlecht – dass Nakamura dann, nachdem er vom Gegner klaren Vorteil geschenkt bekam, ein paar “schöne” Züge machte, sei’s drum.

Anand-Mamedyarov 0-1 vielleicht auch unter dem Motto “Anand hat schlecht gespielt”, wobei das womöglich psychologische Gründe hatte – in seiner Turniersituation wollte er nichts riskieren und bekam dann 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 c5 5.a3 La5!? vorgesetzt, was keinen allzu guten Ruf hat. Aber er spielte zögerlich und machte später im Doppelturmendspiel so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann.

Svidler-Kramnik 0-1: In einem königsindischen Angriff folgten beide den Standardplänen – Schwarz expandiert am Damenflügel, Weiss bereitet am Königsflügel Lxh6 vor. Kramniks Verteidigungs-Aufstellung 24.-Dg8 25.Sg4 Lf8 hatte eigentlich einen Haken – Weiss konnte mit 25.Sf3 “seine Meinung ändern”, den schwarzen Bauern auf d4 angreifen und bekäme Oberwasser. Stattdessen spielte Svidler wie angegeben und entkorkte dann 26.c5?!? – was nach 26.-Lxc5 oder 26.-Txc5 wunderbar funktioniert, dann jeweils 27.Lxh6. Aber Kramnik spielte einfach 26.-Sd7 nebst 27.-Sxc5 und hatte danach nicht nur einen Mehrbauern, sondern übernahm komplett das Kommando.

Noch zwei Fotos vom ersten Tag:

Turniersaal insgesamt

Kunst und Schach nebeneinander

Tag 2, Runde 4:

Alles remis, zu Dubov-Grischuk und eigentlich auch (wobei eröffnungstheoretisch im Damengambit mit Lf4 relevant) Mamedyarov-Nakamura reicht “hiermit erwähnt”.

Mamedyarov-Nakamura doch fotografiert, da zu diesem Zeitpunkt turnierrelevant.

Bei Nepomniachtchi-Karjakin 1/2 verpasste Schwarz die Chance, seine Dame gegen mehr als ausreichend Material zu tauschen, und dann verflachte es zum Remis. Bei Svidler-Anand 1/2 erreichte Weiss ein besseres, womöglich gewonnenes Turmendspiel. Anand dachte hinterher, dass er “entwischte” – aber beide sahen nicht, wie Weiss das gewinnen und Schwarz es dann verlieren konnte. Bleibt noch eine dramatische Partie:

Kramnik-Gelfand 0-1 1/2: Anfangs sah es durchaus gut aus für Weiss – bessere Bauernstruktur und besser koordinierte Figuren. Beide übrigens mit Ohrstöpseln, da es im Museum offenbar eine “Geräuschkulisse” gab. Dann verlor Kramnik den Faden, die Livekommentatoren Miroshnichenko und heute Bologan kritisierten 24.d3-d4, da das die lange Diagonale versperrte. Bessere Bauernstruktur hatte sich später erledigt, bessere Figuren auch und dann versuchte Vlad es mit der Brechstange. 37.Lxg6??! war dabei ein Figurenopfer für … objektiv nichts – hier hatte Kramnik vielleicht bereits bemerkt, dass er schlechter steht und wollte Verwirrung stiften, das schaffte er tatsächlich! Einige Screenshots:

Hier war der Gewinn für Gelfand bereits dahin – Weiss droht inzwischen Matt, Schwarz kann das nur mit Dauerschach parieren. Oder mit Matt für den weissen König – das war wohl Sinn der Sache, aber es ging nicht.

Gelfand merkte, dass es nicht einfach war – man beachte auch seine sehr knappe Bedenkzeit. Miro und Bolo untersuchen, ob -Sf4+ hilft, das half auch nicht.

Gelfand fügt sich in sein Remis-Schicksal.

Anschliessende Analyse am Brett

Dvorkovich gratuliert Kramnik!? Man beachte auch den Fotografen, weitere erschienen und dokumentierten den Rest:

Grischuk kommt dazu und beteiligt sich

Svidler erscheint auch

Und auch noch Vishy Anand

In Runde 5 schon wieder Screenshots von Kramnik, aber erst zu den anderen Partien (die länger dauerten). Bei Nakamura-Svidler 1/2 war die weisse Eröffnungsvorbereitung Londoner Nihilismus – funktioniert manchmal wunderbar, wenn der Gegner dann einen Fehler macht. Svidler verpasste eine dicke Chance auf Vorteil im 15. Zug und stand auch dann später besser, konnte den Sack aber nicht zumachen. Karjakin und Mamedyarov beharkten sich erstaunlich lange, dabei spielen sie eigentlich immer remis (und Karjakin war im Turnier Remiskönig). Grischuk stand gegen Nepomniachtchi klar besser, aber auch das wurde remis. Das waren drei der vier Remispartien, dann war da noch

Gelfand-Dubov 1-0: Gelfand hatte zuvor Dubov trainiert, nun bekam der junge Russe eine Lektion am Brett. Dieses Bauernopfer war vielleicht nicht als solches geplant, sondern ein Versuch, sich aus passiver Stellung zu befreien. Es funktionierte gar nicht: Gelfand bekam einen Mehrbauern “und Kompensation dafür”, am Ende auch noch direkten Königsangriff.

Und nun zu Anand-Kramnik:

Kramnik redet mit seinem Gegner, während die Partie noch läuft – “können wir nach 16 Zügen bereits Remis vereinbaren?”. Die Stellung war – siehe Analysebrett – bereits ausgelutscht.

Anand mit fragendem Blick zum Schiedsrichter

Der erscheint, Verhandlungen laufen

Dann erst einmal “weiter spielen”

Sie durften doch Remis vereinbaren – Händedruck auf dem Screenshot kaum erkennbar

Beide noch einmal individuell gezeigt, Miro und Bolo besprechen derweil bereits Nakamura-Svidler. Ab dem ersten Diagramm ging nach 15.exf6 e.p. statt dem automatischen 15.-Lxf6 15.-Lb4+! 16.Kf1 (muss sein) 16.-Dxf6 und neben -Sxg3+ nebst -Dxf2# droht auch -Dxd4.

Runde 6 mit zwei Entscheidungen, aber den meisten Aufregungen in einer Partie, die Remis endete. Aber erst zu Kramnik-Dubov 1-0, eine noch glattere Lektion für den Jungstar als zuvor gegen Gelfand. Und zu Anand-Nakamura 1-0: Nakamura spielte anfangs nach dem Motto “schnell spielen ist mindestens genauso wichtig wie Schach spielen”. Zu spät oder vielleicht gerade noch rechtzeitig fiel ihm auf, dass er dabei in einer schlechten Stellung landete. Er wickelte ab zum Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern mit Minusbauer. Anand verpasste da offenbar den Gewinn, aber Nakamura gab dann das Kompliment zurück. Die Remispartien Nepomniachtchi-Gelfand und vor allem Mamedyarov-Grischuk eher nicht der Rede wert.

Zwischendurch zeige ich Bologan und Miroshnichenko.

“Gehaltvoller” war Svidler-Karjakin 1/2. Aus der Eröffnung heraus stand Svidler jedenfalls optisch gut, Miro und Bolo gefiel die weisse Stellung – aber latent bestand die Gefahr, dass Weiss über-expandierte und so kam es “eigentlich” auch. Karjakin befreite sich und bekam einige Züge lang Oberwasser. Dann fand er weder den recht einfachen Gewinnweg (28.-Lxe4 29.Lxe4 Tc1-c4 mit insgesamt Qualitätsgewinn, ist so ein Turm-Rückzug schwer zu sehen?) noch den komplizierteren: 28.-Txf1+ 29.Dxf1 war nicht falsch, aber nun 29.-Lxe4 30.Lxe4 Da7+! usw. . Er bekam noch eine Chance, nutzte sie nicht und musste ein Endspiel mit Turm gegen Läuferpaar verteidigen. Wahrscheinlich war das durchgehend Remis, aber nun war Svidler am Drücker. Dazu nun Screenshots:

Noch grübelt Karjakin, während Miro und Bolo bereits den Remisweg gefunden haben (Karjakin hatte ihn wahrscheinlich auch bereits gefunden, aber rechnete das nochmals durch).

Es ist soweit – Remis nach 86 Zügen. Gerade war der weisse König endlich auf e8 aufgetaucht, um dann den Bauern auf f7 zu fressen, aber Karjakin fand das rettende Kg8-h7-g6 nebst -Tf2 und -Txf6.

Diskussionen hinterher, dachten beide an ihr Weltcup-Finale 2015 in Baku? Auch wenn da keine von zehn Partien remis endete.

Nach Tag zwei lagen Anand und Mamedyarov mit 4/6 vorne, dahinter zu diesem Zeitpunkt Kramnik und Grischuk mit 3.5/6. Den Endstand kennt der Leser bereits, wie kam es dazu?

Tag 3, Runde 7:

Nakamura-Kramnik 1-0 – es blieb dabei: wenn Nakamura in einer Runde verliert, bekommt er in der nächsten Runde von einem Russen ein Geschenk. Gut, Kramnik stand vielleicht (in einer praktischen Partie) bereits schlechter, aber das war kein Grund für 27.-Sf8?? 28.Dh8! und der Rest war Agonie für Schwarz.

Karjakin-Anand und Gelfand-Mamedyarov (Zugwiederholung auf vollem Brett ab dem 14. Zug) waren, sagen wir mal, korrekte Remisen. Dann waren da noch zwei “inkorrekte Remisen”:

Grischuk-Svidler 0-1 1/2 – Svidler hatte drei verbundene Freibauern am Damenflügel – die hatte Grischuk wohl eher eingestellt/verloren als geopfert, aber er entwischte später mit (aus schwarzer Sicht vermeidbarem) Dauerschach.

Dubov-Nepomniachtchi 1/2 war Dubovs zweiter Streich im Turnier. Diesmal hatte er zwischenzeitlich fünf(!) Bauern weniger. Es war wohl keine Vorbereitung – erstens konnte er kaum mit 1.d4 d5 2.Sf3 Lf5!? rechnen, zweitens verbrauchte er viel Bedenkzeit. Eher war es Improvisation am Brett, vielleicht auch Bluff. Immerhin musste Schwarz seine Dame geben für Turm und Leichtfigur, Materialverteilung nach dem 27. Zug: Weiss Dame, Läufer und zwei Bauern, Schwarz zwei Türme und sechs Bauern, darunter zweieinhalb (c-Bauern verdoppelt) Freibauern am Damenflügel.

Die waren kaum zu mobilisieren, aber Nepo schaffte es letztendlich. Im 50. Zug gab Dubov seinen Läufer für den einzugsbereiten Bauern auf c2, nun hatte Schwarz zwei Türme und zwei Bauern gegen Dame und Bauer. Technisch gewonnen, aber nicht trivial … . Nächste Materialverteilung ab dem 92. Zug Weiss Dame und Bauer, Schwarz Dame und Turm – Tablebase-Zone! Ein paar Züge lang war es noch für Schwarz gewonnen, dann nicht mehr – und im 106. Zug erzwang Weiss die nächste Materialverteilung: König und einzugsbereiter Freibauer gegen Turm und weit entfernten König – das war Remis. Das alles analysieren ist auch mit Engine-Hilfe zu viel. Knapp fünf Minuten nach dieser Marathonpartie mussten beide bereits zur nächsten Runde antreten.

In Runde 8 fiel dann die Entscheidung im Turnier, durch zwei bis drei Partien:

Mamedyarov-Dubov 0-1: Aus zwei Gründen war es ein ungewöhnlicher Benoni. Erstens spielte Weiss e2-e3-e4 in zwei Zügen statt direkt. Dieser “e3 Benoni” ist durchaus bekannt – hier begann es mit 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.e3 g6 4.Sc3 Lg7 5.d5 0-0 6.Sf3 d6 7.Le2 0-0 8.e4, diese “Feinheit” erschliesst sich mir nicht: in diversen Datenbank-Partien auch auf hohem Niveau spielt Weiss e3 und Schwarz reagiert mit -c5. Mögliche Erklärung hier: Shak wollte kein Wolga-Gambit? Dann verzichtete Dubov auf das Benoni-übliche -exd5 (hier kann Weiss dann statt thematisch cxd5 auch symmetrisch exd5 spielen), oder hatte er es vergessen/versäumt? Wie dem auch sei, es kam 10.-Te8 11.e5! dxe5 12.d6 und Weiss hatte im Prinzip Oberwasser – der Bauer auf d6 ist ein Pfahl im schwarzen Fleisch, der schwarze Springer (zuvor 8.-Sa6 und 9.-Sc7) musste wieder ziehen und stand auf a6 bis auf weiteres dumm herum.

Dann ging allerdings der weisse Bauer auf d6 verloren, Weiss hatte zunächst Kompensation und dann nicht mehr. Der schwarze Springer wurde zum Helden – via b8, erneut a6, b4 und d5 landete er auf f4! Nach 33.fxg6+ war 33.-Kg8 mit Königsangriff Engine-genauer als das gespielte 33.-Dxg6 mit Mehrbauer im Endspiel, letzteres dabei sicherer. Da Dubov nicht perfekt fortsetzte, war Mamedyarov nahe am Remis und patzte dann.

Anand-Grischuk 1-0 war ein Rossolimo-Sizilianer nach bekannten dabei etwas “altmodischen” Mustern – nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6 4.Lxc6 war 4.-dxc6 lange “Pflicht”, inzwischen ist 4.-bxc6 üblicher, so spielte u.a. (aber nicht nur) Dubov in Runde 1 des Tal Memorials gegen Anand. Es entstand eine immer noch bekannte Stellung mit heterogenen Rochaden – Vorgänger bis 10.-Dd6 unter anderem Ivanchuk-Radjabov, Karjakin-Topalov, Shirov-Ivanchuk, zweimal Shirov-Leko, Grischuk-Ponomariov, zweimal Grischuk-Leko, Grischuk-Shirov. Dabei bis auf die erste Partie (Blitz-WM 2012) alles aus dem letzten Jahrzehnt. Grischuk hatte das zuvor nur mit Weiss – mit Schwarz spielte er zuletzt 4.-bxc6, mit 4.-dxc6 hat er drei Schwarzpartien anno 2005 in denen seine Gegner (der doppelte Svidler und Rublevsky) dann kurz rochierten. Anand hatte genau diese Stellung offenbar noch nie. Genug Eröffnungstheorie – nächster Knackpunkt ist, wann Weiss auf g7 die Läufer abtauscht, Anand tat es relativ spät.

Beide machten am gegnerischen Königsflügel Fortschritte, und dann brachte Anand ein objektiv semi-korrektes Bauernopfer – das wunderbar klappte. Nach 26.Tf5 drohte “eventuell” 27.Sg5+, Grischuk “fand” den vielleicht einzigen Zug wonach es perfekt funktionierte – 26.-Tg8? blockierte dieses Feld für den schwarzen König. Nun ging 27.Sg5+! hxg5 (muss sein, da sonst die schwarze Dame auf e6 hängt) 28.Txf7+! (die ablenkende Pointe) 28.-Dxf7 (muss wieder sein, wieder hing die schwarze Tante auf e6) 29.hxg5+ Kg7 30.Dh6#. Grischuk liess sich das zeigen, am Ende warf der schwarze König seiner Dame und seinem Turm einen vorwurfsvollen Blick zu – “was steht ihr auch im Weg herum”.

Diese beiden “Details” entschieden, zusammen mit der nächsten Partie, das Schnellturnier: Mamedyarov verlor eine bessere Stellung, Anand gewann plötzlich eine unklare bis für ihn etwas schlechtere Stellung. Bis dahin waren beide erste Kandidaten für den Turniersieg, zu potentiellen Verfolgern komme ich noch. Anand gab am zweiten und dritten Tag nur gegen Nakamura und Grischuk alles – aus diesen Partien 2/2. Mamedyarov gab nur gegen Dubov noch alles … und verlor. So wurde aus einem halben Punkt Vorsprung auf Vishy nach Tag eins am Ende ein voller Punkt Rückstand, und auch den zweiten Platz musste er teilen.

Nakamura-Karjakin 0-1 1/2 war eine kuriose Partie. Nakamura erreichte aus der Eröffnung nichts, die subtile Zugfolge 14.Tad1 b5 15.Ta1 f6 16.Tfd1 (doch dieser Turm) 16.-Tb8 17.Lc3 b4 18.Lb2 dann durchaus mit Idee – wenn Schwarz nun nicht aufpasst und 19.Sc4 erlaubt, steht Weiss gut, aber es kam 18.-Sb6. Im 20., 22. und 24. Zug dann dreimal dieselbe Stellung – Karjakin reklamierte nicht und rechnete wohl damit, dass Nakamura seine Hand ausstrecken würde. Aber plötzlich erinnerte sich Weiss daran, dass seine Fans ihn “always a fighter” nennen, und wich ab. Als Belohnung dafür stand er kurz danach schlechter.

Karjakin fand nicht durchgehend die allerbesten Züge – für Nakamura war das in schlechterer Stellung ohnehin nicht unbedingt empfehlenswert, wichtiger noch Verwirrung stiften. Dann der 45. Zug: Karjakin hatte noch etwa anderthalb Minuten, verwendete diese fast komplett und “fand” den Remisweg – Nakamura entwischte mit Dauerschach. Damit war Karjakin weiterhin Remiskönig, und Nakamura wurde am letzten Tag (siehe auch unten) definitiv zum Glückspilz.

Runde 9: Anand hatte einen vollen Punkt Vorsprung und brauchte noch ein Remis – das bekam er problemlos mit Schwarz gegen Gelfand: 15 Züge und Gelfand zog in etwas schlechterer Stellung die Notbremse Remisangebot, Anand war natürlich einverstanden.

Hier Vishy anschliessend, oder irgendwann am dritten Tag, mit jungem Fan. Bei Dubov-Svidler 1/2 suggerierte Schwarz mit seiner Eröffnung (Pirc), dass er es nochmal wissen wollte – Ergebnis Remis in 17 Zügen. Mamedyarov entkorkte mit Schwarz gegen Nepomniachtchi Russisch, auch nach Nepos relativ seltenem 3.d4 war das eben remis.

Zwei weitere Partien entschieden, wer Platz zwei mit Mamedyarov teilen oder (dazu kam es nicht) alleine erhalten sollte. Grischuk-Nakamura 1-0 1/2 war wieder die englische Mikenas-Variante, aber nun mit nach 1.c4 Sf6 2.Sc3 e6 3.e4 d5 zunächst 4.cxd5 exd5 und nun 5.e5. Das wurde eine positionelle Partie, Grischuk “drohte” besser zu stehen aber Nakamura fand genug Gegenspiel. Dann hat Schwarz allerdings das spätere Doppelturmendspiel furchtbar misshandelt und stand auf Verlust. Grischuk versäumte es, den Sack zu zu machen und spielte später eine totremise Stellung noch endlos weiter. Der geteilte zweite Platz nicht für Grischuk, sondern für Nakamura – mehr war für den Spieler mit der weitesten Anreise nie drin.

Karjakin-Kramnik 1-0! – an sich keine Überraschung, Kramnik tut sich schwer gegen seinen jüngeren Landsmann, aber Karjakin spielt doch “immer” Remis, oder? Es begann mit 1.b3!?, nach acht Zügen entstand durch Zugumstellung eine Position, an die Karjakin gute Erinnerungen hat: Karjakin-Anand 1-0, Kandidatenturnier 2016 in seiner Heimatstadt Moskau. Unter anderem dadurch verbrachte Karjakin Ende 2016 ein paar Wochen in New York – nun führt die eventuelle Reise nach London über Berlin. Damals kam auf 8.-Sc6 das vorbereitete 9.h4!? – später von Carlsen (dessen Blitzpartie gegen Ganguly mit 1.e3!? begann), Cheparinov und Salem Saleh kopiert. Schlechtester dieser vier ist eindeutig der Norweger, Weiss erzielte insgesamt 3.5/4, Carlsens Beitrag war das Remis.

Nach sofort 8.-b6 kam 9.Sxd5 exd5 (muss sein, 9.-Dxd5? 10.Ld3 mit Doppeldrohung Lxh7+ und Le4, hinter der schwarzen Dame steht auf dieser Diagonale der Ta8) 10.d4 und später 13.dxc5 bxc5 – hängende schwarze Zentralbauern wie bei Karjakin-Anand. Dann normale und etwas kryptische Manöver, von Karjakin 21.La1 und 22.Db2 – mit Batterie, aber an sich ungefährlich. Kramnik verlor dann den Faden, erst einen Bauern und dann wurde es immer schlimmer. Das “Gegenspiel” 36.-Da1+ entlockte Karjakin nur ein müdes Lächeln: 37.Kh2 dank zuvor 19.h3. Am Ende konnte Karjakin gar matt setzen bzw. Kramnik gab einen Zug zuvor auf.

Damit auch Karjakin geteilter Zweiter, während Kramnik nach misslungenem drittem Tag (0.5/3) insgesamt 4/9 erzielte. Für Karjakin war durchaus mehr drin – nie wirklich in Verlustgefahr, verpasste Siege gegen Svidler und Nakamura, gegen Nepomniachtchi konnte er auch zumindest sehr gut stehen. Zu spät hat er beschlossen, doch eine Partie tatsächlich zu gewinnen. Auch die beiden anderen auf dem geteilten zweiten Platz mit B-Note bestenfalls gut: Mamedyarov nur am ersten Tag unternehmungslustig, danach wollte er vielleicht doch Energie für das Kandidatenturnier konservieren? Nakamura “effizient” und dabei am dritten Tag zweimal Glückspilz. Gegen Nepomniachtchi und Kramnik profitierte er von recht groben gegnerischen Fehlern, nur die erste Partie gegen Gelfand war beiderseits weitgehend auf hohem Niveau. Zwei Fotos vor weiterer “Einzelkritik”:

Im Museum, normaler Publikumsverkehr während dem Turnier

Nochmal der Turniersaal

Gelfand insgesamt solide, nicht weniger und nicht mehr – er kann auf hohem Niveau weiterhin mithalten, natürlich verpasste Chance gegen Kramnik. Grischuk konnte mehr Punkte erzielen, allerdings auch weniger. Kramnik: gehaltvolle Partien hatte er – ausser gegen Anand, aber da hatte er Schwarz, kein Vorwurf an ihn, und gegen Nepomniachtchi war auch eher wenig los. Dabei insgesamt zu anfällig. Dubov – wenn er bereits etablierte Weltklasse wäre würde man sagen “mit Licht und Schatten”. So ist 4/9 für ihn ein gutes Ergebnis, dabei war er eine absolute Bereicherung für das Turnier. Svidler – diverse verpasste Chancen und drastische Niederlagen gegen Mamedyarov und Kramnik. Nepomniachtchi – kein gutes Turnier. Svidler und Nepo begannen beide mit 0.5/3 und konnten immerhin weitere Niederlagen vermeiden, Siege dabei Fehlanzeige.

Nun noch alle Spieler in einer Galerie – aus galerietechnischen Gründen (insgesamt zwölf Fotos) einige doppelt und mit anderen, die nicht selbst mitspielten, diese Fotos daher auch nicht aus dem Turniersaal:

So, das war ein auch für meine Verhältnisse langer Bericht – tägliche Berichterstattung war durchaus denkbar. Wie geht es weiter? Das Blitzturnier (mit diesen zehn plus Artemiev, Andreikin, Fedoseev und Morozevich) läuft bereits. Danach ja für vier der zehn Kandidatenturnier. Die sechs anderen haben nach dem Blitzturnier erst einmal Pause, es sei denn sie spielen am kommenden Wochenende Bundesliga (möglich für Anand, Dubov und/oder Svidler). Reykjavik Open ist ja nicht so stark besetzt wie Gibraltar, Isle of Man oder früher Katar.

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