Endspiel in der Frauenbundesliga

  • 5
    Shares

Aktuell blickt die Schachwelt auf Deutschland: in Berlin wird gerade im Kandidatenturnier der nächste Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen gesucht, und in 2 Wochen gibt Carlsen sich selbst die Ehre bei den Grenke Chess Classics in Karlsruhe und Baden-Baden, wo beim gleichzeitig stattfindendem Open weit über 1500 Teilnehmer erwartet werden.

Im Schatten dieser Events findet am kommenden Wochenende das Finale der Frauenbundesliga statt. Spannender kann die Entscheidung nicht sein: in der allerletzten Runde kommt es zur alles entscheidenden Begegnung zwischen dem Überraschungsmeister der Vorsaison SK Schwäbisch Hall und dem Rekordmeister und Titelfavorit OSG Baden-Baden. Dabei reicht den Haller Spielerinnen bereits ein 3-3 Unentschieden zur Titelverteidigung. Während Schwäbisch Hall alle bisherigen Begegnungen gewinnen konnte, gab Baden-Baden gegen Bad Königshofen ersatzgeschwächt einen Punkt ab.

Bei Baden-Baden und Schwäbisch Hall sind insgesamt 6 Top-10-Spielerinnen im Kader, damit weilt am kommenden Wochenende die absolute Weltspitze sowohl der Damen als auch der Herren in Deutschland. Am Sonntag hat das Kandidatenturnier Ruhetag, daher können sich die Schachfreunde in Deutschland komplett aufs Finale der Frauenbundesliga konzentrieren.

Hier die Informationen zu den einzelnen Spielorten, wobei natürlich alles im Schatten des Duells der beiden stärksten Mannschaften der Saison um den Titel steht.

Spielort Schwäbisch Hall

Da die Bemühungen wie im Vorjahr eine zentrale Endrunde auszurichten scheiterten, kommen die Haller Schachdamen zu einer weiteren Heimrunde. Gespielt wird wieder in den Stadtwerken, da im Optima-Sportpark, wo die letzte Doppelrunde stattfand, die Winterpause zu Ende ist und wieder Fußball gespielt wird.

Bevor es am Sonntag zum Showdown um die deutsche Meisterschaft kommt, müssen beide Favoriten am Samstag noch ihre „Pflichtaufgaben“ erfüllen. Für Schwäbisch Hall geht es gegen Karlsruhe, für Baden-Baden gegen Deizisau. Für beide Mannschaften geht es um nichts mehr – sie befinden sich im Tabellenmittelfeld und haben weder mit dem Abstieg noch mit den vorderen Plätzen zu tun. Gegen Karlsruhe kommt es zum Wiedersehen mit Annmarie Mütsch. Annmarie wechselte zum Ende der letzten Saison von Schwäbisch Hall nach Karlsruhe, da sie dort regelmäßig an einem vorderen Brett zum Einsatz kommt, was bei der Spielstärke der Haller Mannschaft noch nicht möglich war.

Hou Yifan neben Wolfgang Grenke

Zum absoluten Saisonhöhepunkt wird in den Stadtwerken die absolute Weltspitze im Frauenschach erwartet. Baden-Baden hat in seinem Team gleich 5 Top-10-Spielerinnen, darunter seit dieser Saison auch die mit Abstand stärkste Spielerin der Welt, die Chinesin Hou Yifan. Die Mannschaftsleitung der Haller Damen erwartet, dass Hou Yifan am kommenden Wochenende auch wirklich zum Einsatz kommt und ihr Debut für Baden-Baden gibt, da sie eine Woche später bei den Grenke Chess Classics in Karlsruhe ebenfalls spielen wird. Dazu kommen die Muzychuk-Schwestern aus der Ukraine und Alexandra Kosteniuk aus Russland, alles ebenfalls Ex-Weltmeisterinnen. Letztere drei Spielerinnen kamen schon letzte Saison in Schwäbisch Hall zum Einsatz, als es ein hartumkämpftes 3-3 gab. Unwahrscheinlicher ist der Einsatz von Viktorija Cmilyte, die aktuell eher in der Politik unterwegs ist: sie ist Abgeordnete im litauischen Parlament.

Deimante Cornette glich im Vorjahr für Schwäbisch Hall gegen Ketino Kachiani-Gersinska zum 3-3 aus.

Schwäbisch Hall hält dagegen mit mannschaftlicher Geschlossenheit, einige der Haller Spielerinnen waren gerade in den letzten Monaten sehr erfolgreich. Nino Batsiashvili, seit dem Open in Gibraltar im Januar designierte Trägerin des Männer-GM-Titels – diesen führen weltweit weniger als 30 Frauen – taucht erstmals als Weltranglisten-Neunte in den Top-10 auf. Deimante Cornette, letztes Jahr mit 9 Punkten aus 9 Partien eine der Meisterschaftsgarantinnen, gewann beim stark besetzten Open in Reykjavik den Damenpreis und holte sich auch für sie selbst überraschend ihre erste Norm für den Männer-GM-Titel.

Marija Muzychuck brachte in der Vorsaison Baden Baden gegen Alina Kashlinskaya in Führung

Die Partien aus den Stadtwerken werden wie schon beim letzten Heimspiel wieder live ins Internet übertragen (zu erreichen über die Webseite des Autors www.thomas-marschner.de und über www.chess24.com ). Natürlich hoffen die Verantwortlichen für das Damenteam auch auf viele Zuschauer insbesondere am Sonntag zum entscheidenden Spiel gegen Baden-Baden. Gleich im Anschluss an die Partie erfolgt die Übergabe des Meisterpokals, außerdem sind die Haller Spielerinnen und Verantwortlichen unabhängig vom Ausgang des Meisterschaftsrennens am Sonntagabend zum Empfang ins Rathaus eingeladen.

Spielort Hamburg

Hier spielen schon am Samstag Hamburg und Bad Königshofen den letzten Podiumsplatz im direkten Vergleich aus. Außerdem trifft Hofheim auf Kiel und kann mit einem Sieg den Klassenerhalt endgültig sichern. Wahrscheinlich reicht auch ein Unentschieden, bei einer Niederlage muss man schauen, was die Konkurrenz in Erfurt macht. Am Sonntag sind die Rollen bei Hofheim-Hamburg und Bad Königshofen-Kiel klar verteilt.

Update vom 23.03.2018: auch aus Hamburg gibt es Livepartien, hier die vorgesehenen Links:

Hier der Link zur 10.Runde :
https://hsk1830.de/pages/uebertragung/fbl/2017_2018/Runde10/tfd.htm

Hier der Link zur 11.Runde :
https://hsk1830.de/pages/uebertragung/fbl/2017_2018/Runde11/tfd.htm

Sollten die Links nicht funktionieren, am besten direkt auf die Seite des HSK surfen.

Spielort Erfurt

Lehrte kann entspannt an den Start gehen, wurde der Klassenerhalt schon längst souverän gesichert. Wer weiß, vielleicht ist ja bei zwei Siegen sogar mehr als Platz 7 möglich. Für Erfurt und Leipzig helfen nur zwei Siege, ansonsten ist der Abstieg besiegelt. Während das für Leipzig gegen Erfurt und Lehrte durchaus drin ist, wird es für Erfurt schwer, gerade Rodewisch sollte zu stark sein, in der letzten Doppelrunde hätte die Schachmiezen ja beinahe Meister Schwäbisch Hall ein Bein gestellt.

Dann geht es ja auch noch um den Schach-Ticker Preis für die beste Spielerin und die beste Nachwuchsspielerin der Liga, hier nochmal die Zusammenfassung von Raymund Stolze zum Zwischenstand aus dem Artikel zur letzten Doppelrunde:

Schach-Ticker-Preis für die Spielerinnen des Jahres

Spannung ist vor der letzten Doppelrunde  am 24./25. März  bei der Wahl für die Bundesliga-Spielerin des Jahres angesagt. Diese Auszeichnung vergibt der Schach-Ticker bereits zum fünften Mal und wir freuen uns, dass die Dortmunder Fotografin Christiane Köhne   dafür zwei sehr  schöne Schachbilder gespendet hat.

Deimante Cornette wurde letzte Saison Spielerin des Jahres

Für den Titel „Nachwuchsspielerin der Saison“ – hier dürfen die Kandidatinnen beim Start in die Spielzeit 2017/18  [1. Oktober 2017] noch nicht 23 Jahre alt gewesen sein – dürfen sich Cecile Haussernot (OSG Baden-Baden) 5/6 und Filiz Osmanodja (Hamburger SK) 6/8 beste Hoffnungen machen.

Hanna Marie Klek gewann den Preis als beste Nachwuchsspielerin der Vorsaison

In der Königsklasse „Bundesliga-Spielerin des Jahres“ ist der aktuelle Stand wie folgt:  Lela Javakhishvili (SK Schwäbisch Hall)  und  Ketevan Arakhamia-Grant (OSG Baden-Baden) je 6/7. Tatjana Melamed (SC Bad Königshofen) 5/6, Mara Jelica  (SF Deizisau) 6/8.

Die Wertung ist  ist in beiden Kategorien übrigens höchst einfach: Gewinner sind jene beiden Frauen, die prozentual das beste Ergebnis erzielt haben. Bei Gleichstand gibt der Elo-Durchschnitt der Gegnerinnen den Ausschlag. Allerdings müssen jeweils mindestens acht Partien gespielt werden.

Frage ist natürlich, welche der Kandidatinnen auf die geforderten 8 Spiele kommt.

Alle Spiele, alle Tore

Die Tabelle und Ergebnisse der Frauenbundesliga gibt es hier, unten die Begegnungen der letzten beiden Runden im Überblick:

10. Spieltag 24.03.2018 14:00

Runden 10 und 11

Spielort Erfurt
SV Medizin Erfurt – Rodewischer SM
SK Lehrte – SV Allianz Leipzig

Spielort Hamburg
Zum Liveticker
Hamburger SK – SC Bad Königshofen
Doppelbauer Kiel – SV Hofheim

Spielort Schwäbisch Hall (Stadtwerke)
SK Schwäbisch Hall – Karlsruher SF
SF Deizisau – OSG Baden-Baden

11. Spieltag 25.03.2018 9:00

Spielort Erfurt
SV Allianz Leipzig – SV Medizin Erfurt
Rodewischer SM – SK Lehrte

Spielort Hamburg
Zum Liveticker
SV Hofheim – Hamburger SK
SC Bad Königshofen – Doppelbauer Kiel

Spielort Schwäbisch Hall (Stadtwerke)
OSG Baden-Baden – SK Schwäbisch Hall
Karlsruher SF – SF Deizisau

Print Friendly, PDF & Email

  • 5
    Shares