Der Mann, der Dr. Schiwago war


Pflegers Schach med.

Dr. Pfleger

Des öfteren berichtete ich schon, dass das Büchlein „Der Arzt im Schachspiel“, welches auf den mittelalterlichen Mönch Jakob von Cessolis zurückgeht, bei den Ärzteturnieren am Buchstand von Manfred und Monika Mädler ein notorischer Ladenhüter ist. Da hilft ihm auch nichts, dass das „Buch der Sitten der Menschen und der Pflichten der Vornehmen und Niederen, vom Schachspiel abgeleitet“ (Liber de moribus hominum et officilis nobilium ac popularium super ludo scaccorum) das am weitesten verbreitete Buch des Spätmittelalters nach der Bibel war.

Dies konnte den promovierten Chemiker Dr. Michael Negele, der für uns freilich vor allem ein hervorragender Schachhistoriker ist, beim letzten Ärzteschachturnier in Bad Homburg (das diesjährige findet ebenfalls dort vom 13. bis 15. April statt, wobei Michael Negele – wiederum mit meiner Assistenz am Demo-Brett – über den deutschen Schachweltmeister Dr. Emanuel Lasker [1868–1941] sprechen wird, dessen Geburtsjahr sich heuer zum 150. Mal jährt) indes nicht davon abhalten, über berühmte „Ärzte im Schachspiel“ zu sprechen. Sei es der Plural im Titel, der Biographisches statt allgemeiner Betrachtungen versprach, sei es seine launige Art, der Vortrag kam jedenfalls weit besser an als die im Übrigen sehr schöne mittelalterliche Monographie.

Ein „Fake“-Arzt: Dr. med. Johannes Hermann Zukertort

Im Januar nahm ich mir dabei aus dem Reigen der schachspielenden Ärzte den genialen, aber höchst fragwürdigen „Kollegen Dr. med.“ Johannes Hermann Zukertort (1842–1888) vor, der nichtsdestoweniger sicher einer der größten Schachmeister seiner Zeit war, allerdings im ersten WM-Kampf der Schachgeschichte 1886 gegen Steinitz verlor. Wohl studierte er nachweislich in Breslau Medizin, beendete das Studium aber nicht, von einer Promotion ganz zu schweigen.

Ein „richtiger“ Arzt: Dr. med. Fedor Bogatyrtschuk

Diesmal sei zur Abwechslung an einen „richtigen“ Arzt erinnert, Dr. med. Fedor Bogatyrtschuk (1892–1984). Mit einem vielleicht nicht weniger abenteuerlichen Leben als jenes Zukertorts, wie Michael Negele darlegte.

Das Schachspiel erlernte Fedor, der früh seinen Vater verloren hatte, erst im Alter von 15 Jahren. Für einen künftigen großen Schachmeister außergewöhnlich spät, schließlich besagt des ehemaligen Weltmeisters Karpow Diktum, dass man es spätestens bis zum zehnten Lebensjahr erlernt haben muss, will man später mit der Elite mithalten… Weiterlesen auf der Online-Plattform ärzteblatt.de

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