Ein Springer auf Reisen

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Lothar Schmid (1928 – 2013) trat im Alter von 13 Jahren in seiner Geburtsstadt Radebeul dem Schachklub bei. Bereits 1943 wurde er Meister von Dresden und ein Jahr später Meister von Sachsen, 1947 gewann er die Meisterschaft der sowjetischen Besatzungszone.

Schmid zog noch im Jahr 1947 nach Bamberg um, nahm 1948 erstmals an der deutschen Meisterschaft der Herren teil und wurde auf Anhieb Vierter. 1950 gewann er den deutschen Einzelpokal, 1951 wurde ihm der Titel eines Internationalen Meisters verliehen. 1954 siegte er in Zürich unter anderem vor Ex-Weltmeister Alexander Euwe aus den Niederlanden. 1955 und 1959 wurde er jeweils Zweiter bei der westdeutschen Einzelmeisterschaft. 1959 verlieh ihm die FIDE aufgrund seiner Erfolge den Grossmeistertitel.

Er vertrat die Bundesrepublik Deutschland zwischen 1950 und 1974 auf elf Schacholympiaden, Hierbei gewann er mit dem Team 1950 und 1964 zweimal die Bronzemedaille. In der Einzelwertung erzielte er 1950, 1952, 1968 und 1970 jeweils das zweitbeste Ergebnis am zweiten Brett. Insgesamt kam Lothar Schmid auf 278 Einsätze in der westdeutschen Nationalmanschaft, hierzu gehören auch die Teilnahmen an der Manschaftseuropameisterschaft 1957, 1961, 1965 und 1973. Mit dem SC 1968  Bamberg wurde er 1966, 1976 und 1977 westdeutscher Manschaftsmeister. 1979 siegte er beim legendären BBC-Fernsehturnier „The Master Game“ unter anderem vor Walter Browne, Viktor Kortschnoi, Vlastimil Hort und Robert Byrne. 1982 beendete er seine Karriere als Turnierschachspieler.

Als Verleger der Werke von Karl May konnte er Schach nie professionell betreiben. Er ging wie alle anderen westdeutschen Grossmeister in den 50er und 60er Jahren einem zivilen Beruf nach und leitete zusammen mit seinen zwei älteren Brüdern den Verlag seiner Vaters.

Der weltweiten Öffentlichkeit bekannt wurde er als Schiedsrichter des legendären Wettkampfes um die Schachweltmeisterschaft 1972 in Reykiavik (Island) zwischen dem Titelträger Boris Spasski (UDSSR) und dessen Herausforderer Bobby Fischer (USA), dem bekanntesten WM-Kampf des 20. Jahrhunderts. Nur durch das umsichtige diplomatische Verhalten von Lothar Schmid konnte dieser Wettkampf, der auch als Kampf der politischen Systeme bekannt wurde, zu Ende geführt werden. Als es 1992 zu einem „Revanche-Wettkampf“ zwischen Fischer und Spasski kam, war Schmid erneut als Schiedsrichter mit von der Partie.

Schmid war außerdem bei den WM-Kämpfen Karpov – Kortschnoi (Baguio 1978) und Kasparov – Karpov (London/Leningrad 1986) sowie bei vielen anderen Top-Ereignissen, z. B. Schacholympiade 1980, als Schiedsrichter dabei. Aufgrund seiner Verdienste als internationaler Schiedsrichter wurde Lothar Schmid im Jahr 2005 zum Schiedsrichter des Jahrhunderts gewählt.

Er gehörte zu den wenigen Spielern, denen sowohl der Grossmeister-Titel der FIDE als auch des Fernschachbundes ICCF verliehen wurde. Der Aufbau 1. d2–d4 c7–c5 2. d4–d5 d7–d6 3. e2–e4 Sg8–f6 4. Sb1–c3 g7–g6 wurde nach ihm benannt und ist als Schmid-Benoni bekannt.

Ich wünsche viel Spass beim Studium der Partie!

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