Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft DSAM München 2018 ist beendet

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Alexander_Lukes_- ihn hält es nicht im Sessel_DSAM Muenchen 2018

Überzeugend siegte der für das Finale in Leipzig schon vorqualifizierte Richard Scheftlein vom ESV Lok Meiningen mit schönen 4,0 Punkten aus den fünf Partien der A-Gruppe. “Vorqualifiziert” heißt, dass Schachfreund Scheftlein schon mindestens einmal in irgendeinem der vorangegangenen Turniere der laufenden Serie unter die ersten sieben Zwerge gelangt war und damit eben eine Qualifikation erlangte. Wer nach einer solchen Heldentat trotzdem noch mitspielt, tut das aus Liebe zum Schach oder um sein Rating weiter zu verbessern oder weil ihm das Turnier bzw. die Spieler so gut gefallen. Es wurden auch schon Mischformen beobachtet.

Der 1998 geborene Richard Scheftlein hat 2185 DWZ / 2219 Elo, ist in Thüringen daheim und war in der thüring. Einzel U14 mit 3,5 aus fünf erfolgreich. Das war 2011 … und dabei blieb es eben nicht! 2015 zog es ihn erstmals über die Grenze … nicht (nur) nach Bayern, sondern nach Cita di Arco, da plätschert Dir der Gardasee in die Sandalen. Dann kam noch 2017 als Kirsche auf der Rating-Torte eine 5,5 aus 7 im Mühlhäuser Open und die 2219 Elo waren beisammen – und werden nun, nach München 2018, wohl noch mehr. Sa-gen-haft!

Benedikt_Huber_DSAM Muenchen 2018

Wem das schon imponiert, der sei auf zwei Spieler hingewiesen, die ihre jeweilige Gruppe mit tollen 100% gewannen! In der F-Gruppe saßen sich in der Schlussrunde mit je 4,0 Pkt. am Spitzenbrett Peter Lika und Seosamh Odubhlaing gegenüber. Beide also mit Chance auf die magischen 100% – und Peter Lika nutzte sie! Der Augsburger wurde 1984 geboren, hat noch keine Elo und steigerte nun seine bisherige DWZ 1303 in noch unbekannte Welten. Der Zweite, dem dieses Kunststück gelang, war Oliver Röhr. von der SG Aufbau Elbe Magdeburg. 2005 geboren, Elo 1855, DWZ ist auch da, 1817 – und fünf Punkte, die Maximal-Ausbeute, waren bei Oliver am Ende auch da! Für diesen spektakulären Triumph musste er die recht weite Fahrt wohl nicht allein meistern, sondern die Mutter Susanne Röhr fungierte vermutlich als Fahrt-Managerin – jene Mutter, die so ganz nebenbei mit 4,5 Punkten ihre E-Gruppe gewann!

In der noch nicht erwähnten B-Gruppe dominierte Tobias Ammon mit 4,5 Zählern und einem halben Punkt Vorsprung, in der C-Gruppe (das ist TWZ 1751 – 1900, also der stark gehobene Schnitt deutscher Vereinsspieler) flankten die Münchner aus der Tiefe des Raumes in die Spitze und zwar 1.) Ante Bilandzic, FC Bayern München, 4,5 pt, 2.) Reinhard Klein, Münchener SC, 4,0 pt, 3.) Wolfgang Bruening, Berlin, 4,0 pt und 4.) Petro Lohvinov, München Südost, 3,5 pt.

Felicitas_Maar

Wie ging es denn denen, die sonst nicht so im Mittelpunkt stehen? Da wäre zum Beispiel der 9jährige Benedikt Huber aus Abensberg. Das liegt einen Tagesmarsch von Regensburg entfernt. Benedikt spielte in der G-Gruppe, erst gegen einen der Brüder van Melle, den Samuel, dann gegen den zweiten, den Nathan – und besiegte beide! Gegen den an Eins gesetzten Frank Stolzenwald hatte Benedikt keine Chance, nutzte sie dennoch – und gewann sensationell! Hey, gegen den Seriensieger Frank Stolzenwald!! Drei aus drei. Leider konnten wir seinetwegen das Turnier noch nicht an dieser Stelle abbrechen und so verlor er eben die vierte Partie und remisierte – gegen die erfahrene Marina Bertram! – die letzte, so dass am Ende 3,5 aus fünf und damit der noch immer großartige sechste Platz zu Buche standen.

Und in der gleichen Gruppe G fiel uns noch eine bisher unbekannte Dame aus Slowenien auf: Karolina Kosak. Sie ist elf Jahre jung, verfügte noch über keinerlei Rating – weder DWZ noch Elo – und war nun leider nicht so ganz Teil der Geschichte “aus dem Nichts aufgetaucht und gesiegt”, aber ihre 1,5 aus 5 ergaben den 28. von 34 Plätzen – ist das etwa nichts? Es ist ein Anfang. Auch dafür ist die DSAM sehr gerne da.

Wie aber erging es dem ältesten Spieler des Turniers? Gerhard Paris war auf Berlin / Oberschöneweide ganz bis an die Isar-Auen gereist, um mit uns Schach zu spielen. Die Auftaktniederlage gegen den späteren Super-Sieger Peter Lika konnte den 83jährigen nicht beirren, eine Elo 1460 kommt ja nicht durchs Aufgeben zustande. Also streute er zwei Siege ein, am späten Freitag und am für seinen Spielpartner zu frühen Sonnabend, aber dann geriet er an Paul Konstantin Roth, eines dieser Jungtalente, und dass der knapp von der Nordseeküste, nämlich aus Harksheide / Norderstedt angereist war, hieß nichts Gutes für unseren Berliner. Die mit dem ganz weiten Weg kommen meistens nicht nur für ein bisschen Spaß. Nach dieser Niederlage folgte am Sonntag gleich noch eine für den Berliner – und da war das Turnier auch schon wieder vorbei.

Ab 31.Mai folgt in Leipzig noch das doppelte Finale (zusammen mit dem Dähne-Pokal), mit der Gala des deutschen Schachs und dann … kommt sehr viel später die neue Saison.

Text von Ralf Mulde, alle Bilder von Ingrid Schulz,

Turnierseite https://www.dsam-cup.de/muenchen/

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