Acht Sieger beim Limburg Open 2018

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Seit 2014 verfolge ich das Limburg Open und schreibe darüber – seither (und wohl schon zuvor ab 2007) gilt einerseits “alle Jahre wieder an Pfingsten”, andererseits ist es jedes Jahr ein bisschen anders. Unverändert kommen die meisten Teilnehmer – auch in der B-Gruppe und den beiden C-Gruppen – aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland (da vor allem aus Nordrhein-Westfalen). Darunter sind viele Stammgäste – schon vor den am Ende glorreichen Acht wurden im Turnier treue Sieben gewürdigt (beide Fotos kommen später). Auch van Foreest hat wieder mitgespielt, landete allerdings diesmal nicht weit vorne – damit hatte sie, erstmals in der A-Gruppe spielberechtigt, wohl gerechnet (oops, ich habe die Pointe bereits verraten).

Neu, wenn auch nicht ganz neu war diesmal das Spiellokal. Etwas anders war das Teilnehmerfeld was Großmeister betrifft: natürlich wieder diverse Niederländer, aber diesmal keine GMs mit recht weiter Anreise aus Südamerika (Fier oder Bachmann), Schweden (Dauergast Emanuel Berg), Polen (Socko) oder Russland (Dobrov). Nur unter den IMs ein Pole und ein Rumäne, wobei einer der neun GMs auch mal Rumäne war. Dafür war das GM-Feld diesmal “deutscher” mit neben sechs Niederländern und einem Franzosen Nisipeanu (hatte ich bereits), Donchenko und Svane. Drei deutsche Spieler landeten unter den glorreichen Acht, allerdings nicht genau diese drei – stattdessen auch einer, den die Organisatoren kurzerhand zum Limburger machten (stimmt auch etwas, Details später).

Neu war auch, dass am Ende nicht weniger als acht Spieler Platz eins teilten – bisheriger Rekord war fünf anno 2013 und 2015. Das lag an der Dynamik der Schlussrunde, “dynamisch” war es da an Brett 3-6 (und auch 7, aber da war Remis am Ende unvermeidlich).

Sipke Ernst war der offizielle Sieger, da er die beste Wertung (gegnerischer Eloschnitt) hatte – aber ich werde in diesem Bericht alle acht Spieler, die (auf etwas unterschiedliche Weise) 5.5/7 erzielten, würdigen und nenne sie nun, nach Wertung sortiert, bereits: Ernst, Bauer, Nisipeanu, l’Ami, Donchenko, Harff, Janssen, Beerdsen. Sechs haben den GM-Titel, Marcel Harff ist FM, Thomas Beerdsen IM. Unterschiedliche Weise bedeutet: fünf blieben ungeschlagen, wobei die beiden nach Wertung besten ihre vier Siege früh im Turnier erzielten und drei andere jedenfalls den letzten erst in Runde sechs oder gar sieben von sieben. Sieben Runden – was Titelnormen ausschliesst – sind es, da man sieben Partien über das Pfingstwochenende verteilen kann: eine Freitag abends, jeweils zwei Samstag bis Pfingstmontag. Drei der acht haben einmal verloren und fünf Partien gewonnen. Reihenfolge nach Wertung ist generell nachvollziehbar, für Platz eins und zwei nicht unbedingt – aber Preisgeld wurde gleichmässig verteilt, alle acht bekamen wohl 712 Euro (sechs Geldpreise im Topf und dann durch acht teilen). Nisipeanu und l’Ami hatten ein quasi selbst verschuldetes kurioses Auslosungs-Handicap.

Als Titelbild ein Gesamteindruck. Ein buntes Bild, wobei die Farbe grün nur sporadisch auftaucht, später kommt sie nochmals. Auf diesem Foto auch erkennbar, dass es nicht die erste Auflage des Turniers war: an der Wand neun der elf bisherigen Sieger – drei haben wieder mitgespielt, außerdem zwei, die einmal (Bauer) bzw. dreimal (Ernst) Platz eins teilten aber damals nicht die beste Wertung hatten. Die Livebretter – Schwerpunkt im weiteren Bericht – wohl hinten links neben dem Logo des Hauptsponsors BPB (Bruls Prefab Beton). Alle Fotos ab Turnierseite auf Flickr – in Runde 1 stammen die von mir ausgewählten Fotos von ArnoGraphics, sonst hat “Limburg Open” fotografiert.

Nun erst ein separat auf Facebook veröffentlichtes Foto vom “Tag null” vor dem Turnier. Austragungsort war eine neue Sporthalle etwa 100m vom bisherigen Austragungsort, ebenfalls eine Sporthalle, entfernt. Der neue Sport-Fussboden musste geschont werden. Später kamen natürlich Tische, Stühle und Schachspieler(innen) hinzu – Damen im A-Turnier diesmal nur zwei, im B- und den beiden C-Turnieren waren sie offenbar zahlreicher vertreten. Zu Tag eins (erste Runde Freitag abends) noch drei Fotos:

Nicht nur beim Limburg Open gilt: am Spitzenbrett bekommt ein Spieler oft Unterstützung für den ersten Zug. Für GM Christian Bauer machte das Bert Jongen, wethouder (Dezernent?) der Stadt Maastricht für Kultur und Sport (worunter fällt Schach eigentlich?). 1.d4 war wohl abgesprochen, da der Franzose je nach Lust und Laune und Tagesform so ziemlich alles spielt (mit Schwarz auch mal 1.d4 a6 oder 1.e4 c5 2.Sf3 b6). Warum bekam der an zwei gesetzte Christian Bauer eigentlich das Spitzenbrett? Dazu ein Blick auf Brett 46-48 der ersten Runde:

Einige erkennen vielleicht vorne links Taylan Guelsen (Schachgemeinschaft Niederkassel), aber deshalb zeige ich dieses Foto nicht. Neben ihm und dann diagonal gegenüber bekanntere Namen: Erwin l’Ami an Brett 47, Liviu Dieter Nisipeanu an Brett 46. Was war los? Beide hatten sich bei Anmeldung/Anwesenheitskontrolle verspätet, durften dennoch mitspielen aber bekamen nicht die Spitzenbretter die ihnen eigentlich “gehörten”. Sie bestätigten jeweils ihre Favoritenrolle, aber Folge der “Nach-Paarung” war tags darauf, dass sie bereits in Runde 2 aufeinander trafen. Das wurde dann ein nicht ausgekämpftes Duell unter Großmeistern/Turnierfavoriten – Remis nach 14 Zügen, wodurch beide vorläufig einen halben Punkt Rückstand auf die Tabellenspitze hatten. “Alles oder nichts” so früh im Turnier wollten sie offenbar nicht.

Noch ein “atmosphärisches” Foto, Jugend (beim Limburg Open immer zahlreich vertreten) unter sich. Jeroen van Ginneken, bei der Organisation zuständig für Marketing und PR, konnte auf Nachfrage mehrere mir unbekannte Personen identifizieren (z.B. oben Bert Jongen), hier erkannte er allerdings nur rechts Siem van Dael (*2004).

Schon sind wir bei Tag zwei, und das sind (soweit bereits erschienen) die Spieler an den Spitzenbrettern in Runde zwei:

Hinten wartet Nisipeanu auf Erwin l’Ami, der sich zu Rundenbeginn etwas verspätete – wie auch Christian Bauer an Brett 2 gegen den für Rumänien spielenden Rumänen IM Petrisor. Dass die GMs an Brett 1 ihren Arbeitsmorgen schnell beendeten hatte ich bereits, Bauer (heute 1.Sf3 c5 2.b3!?) sass dann länger am Brett und bekam dafür im Endspiel den vollen Punkt. IM Hing Ting Lai – GM Svane an Brett 3 wurde nach 86 Zügen remis, GM Ernst – IM Beerdsen 1-0 kommt später im diagrammatischen Teil dieses Artikels.

Nun eine Kommentar-Galerie:

Meistens machte IM Kuipers das wohl alleine (erstes Foto zu IM Nasuta – GM Pruijssers aus Runde 2), manchmal äusserten sich auch Spieler zu ihren Partien. Hier Erwin l’Ami, nächster Dämpfer für ihn in Runde 3: nur Remis gegen den eröffnungskreativen (1.e3 Sf6 2.b3 g6 3.Lb2 Lg7 4.f4) Lokal-FM Jozef Simenon – der im dritten Foto wohl rechts zuschaut. Damit war Erwin l’Ami noch eher gut bedient, aber der Amateur begnügte sich am Ende mit einer Zugwiederholung. Erwin l’Ami zeigt offenbar, wie Weiß stattdessen weiterspielen konnte. Wie er am Ende noch mit vorne landete, siehe unten.

Zu Tag drei bereits angedeutete Fotos:

Turnierdirektor Ferry Gerard am Mikrofon, neben ihm sieben die im Rundenbericht namentlich erwähnt werden: Jasper Beukema, Jan Broekhuis, Eduard Coenen, Jeroen Cromsigt, Guido Heuts, Rob Loosen und Ashraf Ibrahim. Auf dem Foto wohl in anderer Reihenfolge, der Belgier FM Beukema in Rot. Was haben sie gemeinsam? Nicht die Spielstärke, einige spielen im B- oder auch C-Turnier. Aber alle haben bereits zehnmal mitgespielt und bekamen dafür ein “Limburg-Open-Speldje”. Einen hebe ich noch hervor, da er schoon zwölfmal beteiligt war, auch wenn er nur zehnmal mitspielte:

Ashraf Ibrahim war 2007 und 2008 “Geburtshelfer” und Turnierdirektor des Limburg Open, damals noch nicht “BPB Limburg Open” – 2014 sponsorte Bruls Prefab Beton erstmals, damals war ich vor Ort und konnte bei ihm privat übernachten. Ein Kennzeichen des Limburg Opens ist offenbar, dass sie Wegfall von Sponsoren und auch Wechsel in der Organisation jedenfalls bisher immer verkraften konnten – Ashraf Ibrahim ist inzwischen “nur noch Teilnehmer”, andere die 2014 Teil der Organisation waren sind es nun auch nicht mehr, Ferry Gerard (den es beruflich wieder auf die Niederländischen Antillen verschlägt) und Jeroen van Ginneken hören nach dieser Auflage auf, bisher fanden sie immer neue freiwillige Helfer.

Eine Dame in grün am Mikrofon, wer ist das denn? Vielleicht hätte ich es auch selbst herausfinden können, aber auch hier hat Jeroen van Ginneken geholfen: Marleen van Amerongen, Vorsitzende des Königlich Niederländischen Schachbunds. Das macht sie seit Juni 2016 und nach allem was ich höre macht sie es gut (“es weht ein frischer Wind”). Schachspielerin ist oder war (offenbar inzwischen inaktiv) sie, diese Rolle bekam sie aber wohl aufgrund jahrelanger Berufserfahrung im Bereich Marketing – zunächst 1997-2003 für Unilever, dann 2003-2016 für ein Theater in Eindhoven.

Hier hilft sie keinem Großmeister, da bei Villwock – GM Bauer eben der titellose Spieler Weiß hatte. Was dabei später herauskam, siehe unten. In Runde 4 wurden die Paarungen “entschleunigt”, der Katernberger Martin Villwock erzielte zuvor 3/3 gegen Elo unter 2300 und bekam nun einen Großmeister, später noch einen. Villwock und der bereits erwähnte Simenon sind übrigens Nachbarn von Taylan Guelsen in der Setzliste, aber bei ihnen habe ich die Fotos nicht zufällig ausgewählt.

Dann kibitzte van Amerongen noch hier und da und dort, offensichtlich nicht nur in der A-Gruppe denn …

da haben dieses Jahr nur zwei Damen mitgespielt: links von hinten WFM Hanne Goossens aus Belgien (auch Dauergast im Turnier), rechts von vorne Jorden Lucas Machteld van Foreest –

die auch (hier und bei anderen Turnieren) oft individuell fotografiert wird. In ihrem zarten Alter (*2007) hat sie dieses Jahr bereits Elo 2050 geknackt und durfte daher in der A-Gruppe mitspielen. 3/7 (TPR 2189) war ein sehr gutes Ergebnis, nur gegen Titelträger (IM Beerdsen, GM Svane) schien sie noch etwas überfordert – aber in der Liveübertragung gegen derlei Gegner zu spielen musste sie sich gegen schwächere Gegner erarbeiten.

Nochmals “Jugend gegen Erfahrung”, nun wieder im B- oder vielleicht C-Turnier. Diese Turniere (Elo 1800-2100 bzw. <1850) gehören zum Limburg Open dazu, aber nun wieder zu den Spitzenbrettern im A-Turnier:

Runde 4 – sichtbar Nisipeanu-Janssen und Donchenko-Svane, jeweils 1-0. Zur zweiten Partie später nochmals – der Leser darf bereits versuchen zu ermitteln, wie diese Stellung zustande kam.

Runde 5 – hier erst die Schwarzspieler Nisipeanu, Hing Ting Lai, Donchenko und l’Ami in mehr oder weniger vergleichbarer Denkerpose.

Und nun war jeweils Weiß am Zug (Bauer, Ernst, Pruijssers). Liam Vrolijk ist unsichtbar – damit unklar, welcher Finger ihm am besten schmeckt.

Schon sind wir bei Tag 4, an dem die Entscheidung im Turnier fiel – oder auch nicht, aber nach bereits einer Doppelrunde wären Stichkämpfe im Schnell- oder Blitzschach zuviel.

Die Spitzenbretter aus Runde 6 – fast unsichtbar GM Bauer – GM Ernst (Remis aber kein “GM-Remis”, siehe unten), FM Beukema – GM Nisipeanu (0-1), GM l’Ami – GM Pruijssers (1-0) und FM Harff – IM Nasuta (1/2). Links steht wohl IM Leenhouts – in dieser Runde sass er an Brett 9, nachmittags dann Brett 6 (Chance auf den geteilten Turniersieg, es kam anders).

Daraus und aus anderen Partien ergab sich dann diese Situation vor der Schlussrunde: GMs Nisipeanu, Ernst, Bauer, l’Ami 5/6, zehn Spieler mit 4.5/6. Aber zunächst nochmals in andere Turnierregionen:

Auch das aus dem B- oder C-Turnier, “Jugend gegen Erfahrung” hatte ich bereits. also bekommt dieses Foto den Titel “schwer gegen leicht” – da ich die Spieler nicht kenne, kenne ich das Ergebnis auch nicht.

Brett 1-4 der Schlussrunde. Die “Entscheidung” an den Spitzenbrettern Nisipeanu-Ernst und l’Ami-Bauer war bereits lange gefallen (der mitdenkende Leser kennt die Ergebnisse, oder er weiss was Ke4 und Ke5 bedeutet, Schlusstellungen dazu später), dahinter wird gekämpft bei Donchenko (nicht am Brett) gegen Dambacher und Beerdsen gegen (verdeckt) Svane. Auch diese Ergebnisse kennt der mitdenkende Leser bereits, auch zu diesen Partien gleich Näheres. Viele andere Partien waren offenbar bereits beendet, Kibitze erkenne ich hier nicht.

Acht Spieler teilten dann den Turniersieg, nun “Spieler für Spieler”, durch die deutsche Brille etwas ausführlicher aber nach Wertung sortiert:

Sipke Ernst – zwei seiner Siege gegen junge Landsleute bespreche ich:

Diese Stellung hatte er nach 24 Zügen in Runde zwei gegen Thomas Beerdsen, zuletzt geschah 23.Sf6+ Lxf6 24.exf6 Kh7 – was den Bauern auf h6 nicht dauerhaft verteidigte, denn: 25.Txd7! Txd7 26.Se5 Tfd8 27.Sg4 g5 (muss sein, hilft allerdings auch nicht mehr). Nach insgesamt 34 Zügen war Schluss – 1-0.

Vor vier Jahren trafen diese beiden Spieler in kurzer Zeit mehrfach aufeinander: Ernst(2567)-Beerdsen(2205) 1/2 beim Limburg Open 2014 hatte ich vor Ort live mitbekommen, vielleicht unter dem Eindruck dieser Partie sagte Beerdsen mir damals voller Überzeugung “ich will Schachprofi werden!” – derzeitiger Stand offenbar: nach dem Abitur ein Schachjahr und dann vielleicht doch studieren. Knapp zwei Wochen später besiegte Ernst Beerdsen bei einem Open in Hilversum in einem langen Endspiel, und beim nächsten Open in Dieren etwa einen Monat danach gewann Beerdsen – allerdings offenbar, weil Ernst in besserer Stellung zu schön gewinnen wollte und inkorrekt opferte. Diesmal hat er nun korrekt geopfert.

Endspiele kneten kann Sipke Ernst allerdings auch nach wie vor, hier die Schlussphase von Ernst – Hing Ting Lai 1-0 aus Runde 5.

So stand es nach 51 Zügen, kann Weiß das gewinnen? Versuchen kann er es natürlich, ab hier wurde manövriert, der entscheidende schwarze Fehler offenbar nach gut 80 Zügen und 1-0 nach deren 86.

Christian Bauer hatte in seinen Partien oft Geduld und gewann langsam-allmählich ohne konkrete diagrammwürdigen Momente. Ausnahme vielleicht die Partie gegen Martin Villwock:

Auch wenn es eher zum Namen des Gegners passt, zog Weiß (Villwock) zunächst nur mit Bauern – erst bei 10.Sc3 bemerkte er, dass er auch Figuren hat, die man vielleicht mal entwickeln sollte. Engines können den weißen Laden dann zusammenhalten, Villwock konnte es nicht – nun kam 21.-Sxf4, bumm! Später hat Villwock mutig, übermütig oder vielleicht auch verzweifelt geopfert, das kam dabei heraus:

0-1, und zwar hier ohne das weitere Opfer 39.Dxe6+.

Das war Bauers vierter Streich, ab hier bekam er GM-Kollegen – noch drei Remisen unterschiedlicher Art: 10 Züge gegen Nisipeanu, 70 gegen Ernst und zum Schluss 9 gegen Nisipeanu. Gegen Sipke Ernst war wohl mehr drin:

So stand es nach 38.-Kh6, am besten war nun 39.Le4 mit Qualitätsgewinn (39.-Tc5 40.Df8+ und 41.Dxc5). Zeitkontrolle gab es übrigens nicht, sondern 2 Stunden für alle Züge und 15 Bonussekunden von Anfang an – einmal Zeitnot, immer Zeitnot! Das gespielte 39.Df6 Tg5 40.Dh8+ Dh7 41.Dxh7+ Kxh7 42.Tf7+ Kh6 43.Txc7 bxc4 44.Lxc4 sah auch gut aus – immerhin ein Mehrbauer im Endspiel, demnächst zwei.

Aber dieses Turmendspiel war dann nur Remis – ob Bauer den Sieg verpasste, kann ich nicht beurteilen.

Und das war dann die Schlusstellung bei l’Ami-Bauer – kann man sicher noch weiterspielen, aber die beiden Profis nahmen hier den Spatz in der Hand (ein Sieg könnte 2000 Euro Preisgeld bedeuten, eine Niederlage allerdings null Euro).

Warum hatte Sipke Ernst die bessere Wertung? Wohl zwei Gründe: im direkten Duell profitierte er von seiner niedrigeren eigenen Elo (2541 zu 2644), und in Runde 4 hatte Bauer mit Villwock (2153) einen nominell recht leichten Gegner, noch etwas leichter als Henk-Jan Visser (2219) für Ernst in Runde drei.

Auch bei Liviu Dieter Nisipeanu gilt: er wird oft fotografiert. Auch bei ihm tue ich mich schwer betrifft diagrammwürdige Momente und zeige die Schlusstellung gegen Jasper Beukema:

Entscheidung am Ende am Königsflügel, wobei Nisipeanu mit Schwarz zunächst am Damenflügel Oberwasser bekam.

Und das ist die Schlusstellung zu Nisipeanu-Ernst – Kommentar siehe oben.

Erwin l’Ami gewann in der entscheidenden Turnierphase in Endspielen, zunächst gegen Liam Vrolijk und dann gegen Roeland Pruijssers – Diagramme zur zweiten Partie:

Das (nach 40 Zügen) ist jedenfalls ein für Weiß besseres Turmendspiel.

Dann wurde aufgeräumt, und das (nach zuletzt 49.Txb7 Kxf3) ist für Weiß glatt gewonnen – nur er hat einen vom König unterstützten und daher gefährlichen Freibauern. Damit hatte sich das Thema Titelverteidigung für Vorjahressieger Pruijssers erledigt, auch wenn er zuvor einen anderen GM ärgerte – aber zu Donchenkos Turnier Momente aus allen Partien:

Alexander Donchenko macht hier den Franzosen, dabei liegt sein deutscher Verein DJK Aufwärts Aachen doch geografisch näher an Maastricht? Sein Turnier begann holprig:

Bei FM Hamblok-GM Donchenko geschah zuvor 33.f5! (richtig und nur so) 33.-Dd2 (muss wohl sein) 34.fxe6 fxe6? (34.-Dxe3+ einschieben und versuchen, das zu überleben) – und nun sollte Weiß bei dem wackligen schwarzen König die Damen auf dem Brett behalten. 35.f7+ usw. ist offenbar der engine-beste Zug, aber 35.Dxe6+, 35.De5 oder gar 35.De4, alles mindestens +3. Es kam 35.Dxd2?! Txd2 36.Lc1 Td7 37.Txe6 Kf7 38.Te5 mit Remisangebot!? Weiß kann natürlich auch hier problemlos weiterspielen, neben dem Respekt für fast 300 Elopunkte mehr spielte vielleicht auch die Situation auf der Uhr eine Rolle – noch gut eine Minute für Hamblok gegen 14 für Donchenko, Zeitkontrolle im 40. Zug gab es ja nicht. Natürlich war Donchenko einverstanden.

Noch ein Auslosungs-Kuriosum: In Runde 6 wurde Roel Hamblok gegen Rasmus Svane eingeteilt und trat offenbar nach der Auslosung vom Turnier zurück (Gründe kenne ich nicht). Es wurde nicht neu ausgelost, aber Rasmus Svane bekam einen anderen Gegner – einen gewissen R. Ramachandran, der zuvor 0.5/5 hatte und sonst das Freilos bekommen hätte (diesen kampflosen Punkt erhielt er dann in Runde 7).

Runde 2 lief besser für Donchenko, Liam Vrolijk wurde regelrecht schwindlig gespielt:

21.f5 war der Anfang des weissen Königsangriffs, dann 27.Se4!, 34.Txg6+! und nach 38.Tf7 war Schluss.

In Runde 3 konnte er dann mit Schwarz gegen Martin Müller (Elo 2057) einfach so mattsetzen, ohne zuvor große taktische Feinheiten.

Dann das Duell der ehemaligen Prinzen Donchenko-Svane 1-0:

Diese Stellung stand bereits auf einem Foto oben, sie entstand nach 1.c4 c6 2.Sf3 d5 3.g3 Sf6 4.Lg2 dxc4 5.0-0 Sbd7 6.Sa3 Sb6 7.Dc2 Le6 8.Se5 (8.Sg5 ist häufiger, aber auch das noch bekannt) 8.-h5!? (8.-Dd4) 9.h4 g5!? (neu, 9.-Dd4) 10.hxg5 Sg4. Engines sind bisher zumindest mehr oder weniger einverstanden, aber im weiteren Verlauf bekam Weiß doch Oberwasser:

Hier (nach 21.De4) ist es offensichtlich. Mit 21.-0-0 gab Schwarz zu, dass auf der h-Linie für ihn nichts zu holen ist. Später gewann Donchenko die schwarze Dame für Turm und Läufer bei weit und breit keiner Festung – 1-0. Donchenko war weiterhin im Rennen, Svane fiel zurück und durfte sich dann an Machteld van Foreest und R. Ramachandran abreagieren. Donchenko und Svane trafen zuvor offenbar vor allem bei deutschen Meisterschaften aufeinander (erstmals 2009 in der U12), aber laut chess24-Datenbank weder in gemeinsamen Opens noch in der Bundesliga.

In Runde 5 dann ein Dämpfer für Donchenko (bereits angedeutet), wobei Roeland Pruijssers offenbar zunächst erfolgreich bluffte:

16.d4?!, was war das denn? Engines sagen, dass Schwarz diesen Bauern durchaus (vorteilhaft) nehmen kann, aber nach 21 Minuten spielte Donchenko 16.-Tad8?! 17.d5 und Weiß bekam Oberwasser.

Das weisse Bauernzentrum ist furchterregend, aber nach gerade 27.Se5?! hatte Schwarz eine ungewöhnliche Ausgleichschance: 27.-Txd5!! – am Ende bekommt Schwarz den weissen Se5 sowie alle weissen Zentralbauern, genug Kompensation für die investierte Qualität! Das “muss” man natürlich nicht unbedingt sehen – eher frage ich mich, was Donchenko im 16. Zug befürchtete.

Danach war es wieder Einbahnstraße zum weissen Sieg mit dieser Schlusstellung. Ein vorangegangenes weisses Damenopfer war nicht nötig aber spielbar und hübsch, nun kann Schwarz Txh6# nicht sinnvoll parieren, also 1-0.

Auch Runde 6 bereits angedeutet, der nächste GM für Martin Villwock, der mit Schwarz Benoni wählte. Auch Donchenko bluffte vielleicht, wohl ohne es zu wollen:

27.Sxc5!? war verlockend, aber nach dem subtilen 27.-Kh8 (entfernt den König aus der vorläufig noch versperrten Diagonale) stünde Schwarz nicht schlechter – allerdings wohl auch nicht besser. Stattdessen nahm Villwock mit 27.-Sxe6 sofort (bzw. nach fünf Minuten Nachdenken) die angebotene Qualität und ging mit fliegenden Fahnen unter, das kam dabei heraus:

1-0

Über zu wenige diagrammwürdige Momente kann man sich bei Donchenko jedenfalls nicht beklagen (bei Villwock auch nicht), eher sind es aus Reportersicht zu viele? Donchenko war dann einer von zehn Spielern, die im Preisgeldsinne in der letzten Runde gewinnen mussten – vier schafften es.

Das ist (fast) die Schlusstellung aus Runde 7 gegen den sechsfachen Limburg-Meister GM Dambacher, dessen Holländisch in dieser Partie gar nicht funktionierte. Weiß dominiert völlig – Gewaltmassnahmen mit ab hier 48.-e5 49.fxe5 f4 halfen Schwarz auch nicht mehr. Dann wurde eben ein anderer Spieler Limburg-Meister, der nun an der Reihe ist.

Marcel Harff bekommt von mir dabei in diesem Turnier den Spitznamen “Mazzel Harff” (mazzel ist niederländisch für Glück), sein eigenes Spielerzitat passt dazu. Warum konnte er Limburg-Meister werden? Weil er (wie Dambacher) unter anderem für den dortigen Verein aus Blerick spielt. Blerick liegt in der Nähe von Venlo, Venlo ist Endpunkt einer Bahnlinie, die (wenn sie nicht wegen einem Tornado gesperrt ist) von Düsseldorf über Mönchengladbach dorthin führt. In Deutschland ist Harff schachlich seit einiger Zeit Düsseldorfer (spielt für den Bundesliga-Reserveaufsteiger Düsseldorfer SK) und sonst Mönchengladbacher – bekennender Fan des dortigen Bundesliga-Vereins in einer anderen Sportart.

Zu seinem Turnier: Er musste in den letzten Runden Gas geben und hat nach eigenem Spielerzitat eher aus Versehen das Preisgeld für den Limburg-Meister (75 Euro) vervielfacht. Der Schwarzsieg in Runde 5 gegen IM Grooten war dabei kurios:

Etwas ging aus schwarzer Sicht schief – ein Bauer ist zwar ein Bauer, aber ein Läufer ist ein Läufer … . Das kam später dabei heraus:

Nun ist es wohl Remis, aber nach 57.Dd3???? war es nicht mehr Remis – warum sollte der Leser (wie Harff am Brett) finden.

Nun zunächst das Spielerzitat (in seiner email-Antwort auf meine Anfrage Teil 2):

Die Partien gegen GM Ruud Janssen und IM Herman Grooten waren natürlich schwierig und hatten einen sehr glücklichen Ausgang für mich. Ruud Janssen kam in Zeitnot und Herman Grooten spielte am Ende ungenau, das einzügige Matt war natürlich ein totaler Blackout. Mein Gegner war wahrscheinlich sehr unzufrieden, dass wir eine Remisstellung erreichten, mit der ich natürlich nach dem Partieverlauf sehr zufrieden war.

Gegen Ruud Janssen spielte er bereits in Runde eins, da stand er aus Engine-Sicht mit Schwarz nicht sooo schlecht, aus menschlicher Sicht aber offenbar unangenehm passiv.

Harff-Leenhouts 1-0 in Runde sieben passte zum allgemeinen Chaos in dieser Runde an Brett 3-7 – Spieler, die im Preisgeldsinne gewinnen mussten (wobei Harff auch für ein Remis noch zweistelliges Preisgeld erhalten hätte). Dieses Spielerzitat nach und nach mit eigenen Anmerkungen dazu:

Die Partie gegen IM Koen Leenhouts war ja bereits früh abseits der Theoriepfade. Ich spiele zwar immer Englisch, aber diese Stellung hatte ich auch noch nie. Die Idee von Le4 war die Rochade meines Gegners zu verhindern. 

Es begann mit 1.c4 g6 2.g3 Lg7 3.Lg2 c5 4.Sc3 Sc6 5.d3 e6 [wurde bereits oft gespielt, aber überraschte Harff offenbar] 6.Ld2 [nach 6 Minuten, und so verlässt er Theoriepfade. 6.e4 ist üblich, aber das muss man mögen – strukturell quasi ein geschlossener Sizilianer, aber mit weissem Bauern auf c4] 6.-Sge7 7.Dc1 Sf5 [selbst das gab es noch, aber nur in einer Partie zwischen zwei Spaniern mit Elo 1420 und 1519] 8.h4 h6 9.Le4!?? [nach 10 Minuten, was ist das denn?]

Engines plädieren hier für (wieder) -Sfe7 nebst -d5 und haben lieber Schwarz – so flexibel ist ein Mensch nicht unbedingt. Nun wieder Harff:

Im 16.Zug habe ich Remis angeboten, dass hätte zum limburgischen Meister gereicht. [Dabei wusste er anscheinend, dass er gegenüber Mit-Limburger Dambacher die bessere Wertung hatte und ging davon aus, dass dieser gegen Donchenko jedenfalls nicht gewinnt. Oder war er sich bereits ziemlich sicher, dass Dambacher verlieren würde?]. Leenhouts lehnte ab und spielte direkt suboptimal, Harff – mit Remis einverstanden – darauf jedoch nicht prinzipiell, und so blieb es kurios-ausgeglichen.

Harff: Nach 34…Lg2 wollte ich gewinnen. Da muss wohl noch ein – sonst nicht geplantes – Diagramm her:

Hier sind die weissen Springer offensichtlich besser als die schwarzen Läufer – die nicht laufen können bzw. sich verlaufen haben.

Ab dem 37.Zug war mein Gegner in akuter Zeitnot und verkomplizierte zudem die Stellung. Das bezieht sich wohl auf 37.-f4 38.gxf4 exf4 39.f3 g5?!

Hier ging durchaus 40.hxg5, aber Harff spielte 40.Sa5 gxh4 und der schwarze Tb7 ist vorläufig tabu – Weiß muss den schwarzen h-Freibauern aufhalten! Das schaffte er, Schwarz überführte seinen Turm auf die g-Linie, Weiß hatte jede Menge Schachgebote aber nicht mehr. Und dann:

Nun 51.-Txd5??? – Weiß nahm natürlich die Qualität und konnte dann weiter ernten:

1-0 Harff: Im 50.Zug nach Se7 hatte mein Gegner weniger als 2 Minuten und er konnte wohl nicht mehr alles überblicken. Ke5 anstatt Txd5?? hält wohl Remis. Ich denke, er hat Ke5 nicht gesehen und dachte, er müsste sonst auf die g-Linie. Befürchtete Leenhouts etwa 51.-Ke5 52.Te7 “matt” und übersah die ‘Verteidigung’ 52.-Kxd4 ?!
Ende gut, alles gut, 75 + 712 Euro Preisgeld für Harff … . Vor abschliessenden Fotos noch zu zwei Spielern und einer weiteren kuriosen Schlussrunden-Partie:

Zu Ruud Janssen nur die Partie aus der letzten Runde gegen IM Petrisor. Lange plätscherte sie eher dahin – ausgeglichene Stellung, aber beide brauchten ja einen Sieg. Das Ende für den Rumänen mit Weiß kam nach einem unvorteilhaften Bauerntausch:

Ab hier 43.Df2?! Txe4 44.Txf6 Dg7 – Weiß kann vielleicht noch um ein Remis kämpfen, aber ein Fehler kommt selten alleine: 45.Tf5? (45.Tf8+ oder 45.Df5) 45.-h4! und nun stand Schwarz klar besser, noch ein Diagramm:

Damentausch ist hier aus schwarzer Sicht genauso hoffnungslos wie kein Damentausch und dadurch zweiter Bauernverlust.

Thomas Beerdsen, ebenfalls bekennender Fussball-Fan (von Feyenoord Rotterdam), konnte auch noch zur Spitze aufschliessen – auf Kosten von Rasmus Svane, der wiederum eine etwas kuriose (dabei zumindest ansatzweise bekannte) Eröffnung spielte.

Weiß konterte den schwarzen Aufmarsch am Königsflügel mit 26.d5, das kam dabei kurzzügig heraus:

Ein Bauer ist ein Bauer, auch wenn Weiß ihn nicht schnell verwerten kann. Das wurde es langfristig:

Und hier verzichtete Beerdsen auf 43.c8D?? Dg3+ mit Dauerschach zugunsten von 43.De6+ 1-0. Aus Svanes Sicht: Wenn man gewinnen will, verliert man eben manchmal auch und/oder “nach dem Turnier ist vor dem nächsten Turnier”!?

Brett 7 in Runde 7 IM Nasuta – IM Hing Ting Lai wurde Remis, wobei man diesen Spielern keine Absicht unterstellen kann:

“Asymmetrisch” ist es ja bereits, nun goss der Pole mit 26.Sxg7!? Kxg7 27.f6+ usw. weiteres Öl ins Feuer – was Engines nicht so gefällt, aber “Stellung verkomplizieren und Gegner eventuell verwirren” ist in der gegebenen Turniersituation vielleicht mindestens ebenso wichtig wie “die besten Züge finden und spielen”. Heraus kam dann ein unklar-ausgeglichenes Endspiel, das danach zugunsten von Schwarz kippte.

Hier war aus weisser Sicht wohl bereits 49.Txe3 angesagt und dann ums Remis kämpfen, aber es kam 49.g6 hxg6 50.hxg6 Ke7? – 50.-Sxe2 musste im Gewinnsinne sein, Schwarz konnte wohl dann 51.g7 nicht berechnen: 51.-Sxd4+ 52.Kg2 (52.Ke4 e2 53.g8D e1D+ 54.Kxd4 De3+ wird forciert Matt) 52.-e2 53.g8D e1D mit zwei Mehrfiguren. Nun spielte Weiß doch 51.Txe3! Lxe3 52.Kxe3 und hatte genug Bauern, um die schwarzen Figuren zu beschäftigen und diese nur symbolisch schlechtere Schlusstellung zu erreichen:

Somit wurden es glorreiche Acht und nicht Neun:

Zusammen mit Turnierdirektor Ferry Gerard sind es natürlich neun auf diesem Foto. Fast hat man den Eindruck, dass Alexander Donchenko und Thomas Beerdsen am glücklichsten sind, Sipke Ernst schaut (nomen est omen) ohnehin oft ernst drein. Es gibt noch mehr Fotos, Ferry Gerard mit jedem einzeln muss hier nicht sein aber ich zeige noch Sieger der C-Gruppe:

Und Marcel Mazzel Harff mit seinem Pokal:

Überreicht von Walter Kunstek, Vorsitzender des limburgischen Schachverbandes (Ton zum Foto fehlt leider).

 

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