Poikovsky – noch ein Superturnier?

  • 1
    Share

“Superturnier” ist Definitionssache. Norway Chess ist natürlich eines. Wenn man es etwas lockerer definiert, nämlich “ein zwei drei Spieler aus der top10” ist Karpov Poikovsky immer noch keines – und diese Definition ist bereits umstritten: Reggio Emilia 2011/2012 war kein Superturnier, denn Giri hat noch nie ein Superturnier gewonnen. Das haben Experten (darunter auch Großmeister) nun einmal so entschieden – also war Reggio Emilia mit den top10 Spielern Ivanchuk, Morozevich und Nakamura sowie den Jungtalenten Caruana und Giri (plus Vitiugov) kein Superturnier, basta!

Wenn man es noch lockerer definiert, mehrere Spieler mit Elo 2700+, dann ist Poikovsky – jedenfalls anno 2018 – ein Superturnier. Ich nenne zunächst die Teilnehmer: Nepomniachtchi, Jakovenko, Vidit, Fedoseev, Artemiev, Gelfand, Korobov, Kovalev, Sutovsky, Bologan. So nach Elo sortiert – fünf von zehn haben aktuell Elo über 2700, vier weitere hatten es mal für kürzere oder auch (natürlich vor allem Gelfand) längere Zeit – die Ausnahme ist Vladislav Kovalev, immerhin Aeroflot-Sieger und damit dieses Jahr Dortmund-Teilnehmer. Ob Kovalev auch mal 2700 knackt, wird die Zukunft zeigen – nach Aeroflot ging es bisher nicht weiter aufwärts, Elo 2650 ist dabei nicht so schlecht … . Ob Sutovsky die 2700 wieder bekommt, die er Anfang 2012 mal hatte, wird sich auch zeigen: in der ersten Hälfte 2017 ging es für ihn aufwärts, seit November 2017 dann wieder abwärts.

“Gewöhnungsbedürftig” ist natürlich, dass Boris Gelfand in diesem Feld Elo-Mittelmass ist: zwei schlechte Turniere Ende 2017 (Isle of Man Open und FIDE Grand Prix in Palma de Mallorca) kosteten ihn den 2700-Status, den er viele Jahre hatte. Zu ihm komme ich noch, aber zunächst ein bisschen Poikovsky-Geschichte. Tendenziell ist es ein Turnier für die erweiterte aber nicht die engere Weltklasse, ein Beispiel ist Jakovenko – stabil Elo über 2700, damit gut genug für die FIDE Grand Prix Serie aber nicht gut genug (auch angesichts viel Konkurrenz im eigenen Land) für viele Superturnier-Einladungen. Er ist übrigens gebürtiger Sibirier – aus Nizhnevartovsk bei Khanty-Mansiysk. Für viele andere ist Sibirien vielleicht gewöhnungsbedürftig, dennoch hat Poikovsky was Teilnehmer betrifft eine recht hohe “Alle Jahre wieder” Komponente. Dieses Jahr allerdings nur bedingt, neben Jakovenko sind nur Korobov, Sutovsky und Bologan Stammgäste.

Im Laufe der Jahre hatten sie gelegentlich bekanntere Namen, ich nenne ein paar rückwärts in der Zeitmaschine: Shirov, Morozevich, Ponomariov, Karjakin, Caruana, Gashimov, Grischuk, Svidler. Grischuk und Svidler ist lange her (2003-2005), Caruana war 2011 – damals war er noch Italiener, arbeitete wohl viel auch mit russischen Trainern und spielte auch mal bei der russischen Mannschaftsmeisterschaft. Bei Shirov, Moro und Pono war es jedenfalls teilweise nach dem Höhepunkt ihrer jeweiligen Schachkarrieren – gilt nun eventuell auch für Gelfand, der früher höherkarätigere Einladungen bekam. Wo habe ich das eigentlich alles gefunden? Hier.

Nepomniachtchi hat bereits 2013 in Poikovsky mitgespielt, neben Gelfand sind offenbar auch Vidit, Fedoseev, Artemiev und Kovalev Debütanten – alle sind noch jung, und Kovalev steht erst seit kurzem im relativen Rampenlicht. Aber nun zu Gelfand:

In meinem “Archiv” habe ich natürlich jede Menge Gelfand-Fotos, dieses stammt vom FIDE Grand Prix in Palma de Mallorca. Ähnliche “Draussen”-Fotos gibt es auch von der WM im Schnell- und Blitzschach in Riad, aber da konnte und wollte der Israeli Gelfand nicht mitspielen. Gelfand-Fotos neuesten Datums stammen vom Tal Memorial, wo er (Russen respektieren ihn nach wie vor) mitspielte, ebenfalls Schnell- und Blitzschach. Ob es auch aus Poikovsky “Draussen”- Fotos gibt wird sich herausstellen, das Wetter ist da wohl nicht so toll. Ich fand nur eine Vorhersage für Khanty-Mansiysk: Temperaturen um 10 Grad und Regen.

Trafen die Landsleute Gelfand und Sutovsky eigentlich bereits aufeinander? Durchaus, ist allerdings eine Weile her – Zeitraum 1996-2006. Meistens gewann Gelfand, einmal wurde es friedlich remis, einmal gewann Sutovsky und bezeichnete das (jedenfalls laut einem Kommentar auf chessgames.com) als seine beste Partie aller Zeiten. Zweimal war es in Rundenturnieren – 1996 in Tilburg (mit u.a. auch Piket, Shirov, van Wely, Leko, Karpov und Adams), 2004 in Pamplona (u.a. auch Karjakin, Mamedyarov und Naiditsch). Anderen begegnete Gelfand auch im laufenden Jahrzehnt, z.B. Jakovenko und Nepomniachtchi in FIDE Grand Prix Serien, Fedoseev und Artemiev vor allem bei den Nussknacker-Turnieren “russische Jugend gegen internationale Erfahrung”.

Bleiben noch die üblichen Fakten: Gespielt wird vom 27.5. bis 5.6. mit Ruhetag am 31.5., jeweils ab 12:00 mitteleuropäischer Zeit bzw. die letzte Runde zwei Stunden früher. Zeitkontrolle ist 100 Minuten für 40 Züge, dann 50 Minuten für 20 Züge, dann 15 Minuten für den Rest mit 30 Sekunden Inkrement von Anfang an. Turnierseite

 

Print Friendly, PDF & Email

  • 1
    Share