Wo die Underdogs weniger under sind als woanders

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Seit gestern läuft wieder das „Faroes Open“, ein sehr kleines aber überaus stark besetztes Open auf den Färöer Inseln.

Die Teilnehmerzahl konnte gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel gesteigert werden und beträgt jetzt 36 Spieler aus zwölf Verbänden, wobei die Einheimischen mit 19 Teilnehmern klar in der Überzahl sind.

Und warum dann ein Bericht über so ein kleines Open so weit weg? Politisch gehören die Färöer zu Dänemark, aber wie beim Fußball haben die auch einen eigenen Schachverband. Bei ca. 50 000 Einwohnern kommen sie auf einen GM, einen IM und zwei FM, einer davon mit fast 2400 ELO. Das ist eine Großmeisterdichte, bei der wohl nur noch Island mithalten kann: zum Vergleich dafür müssten – ohne eingebürgerte GMs – um die 800 GMs in Deutschland leben.

Kein Wunder, dass bei der letztjährigen mittlerweile 5. European Small Nations Championship in Andorra, der Titel mit 17 von 18 Mannschaftspunkten an die ungeschlagenen Färöer ging, wie auch in 2016 der Einzeltitel mit 9,5 aus 11:

IM Ziska Helgi (FAI)

Der 2018-er Titel ging ebenfalls an Helgi Ziska, womit er sich wiederum für den World Cup qualifiziert hat.

Und damit sind wir beim Titel: diese überwiegend einheimischen Underdogs taugen auch als Favoritenschreck, weil sie einfach einige hundert Punkte stärker spielen, als ihre Zahl vermuten lässt. Gleich in Runde 1 reihte sich ein Spanier in diese Phalanx ein, der durch aktives Spiel dem 550 Punkte schwereren Vorjahressieger Narayanan aus Indien ein Remis abnahm. Schlimmer erwischte es einen dänischen GM, der gegen einen 700 Punkte schwächeren Einheimischen gar verlor. Ebenso in diese Reihe passt das Plusremis – da wäre statt Dauerschach bei +9 laut Blechtrottel deutlich mehr drin gewesen – eines Spieles mit nur 1237 gegen eine Spielerin mit 2152. Wenn ich mich bei der Gaußverteilung nicht verrechnet habe, dann holt der schwächere Spieler bei dieser ELO-Differenz statistisch aus 250 Partien ein Remis … aber zur Belohnung wurde er gegen den anderen Remisspieler nach oben gelost und darf in der zweiten Runde gegen den Vorjahressieger spielen.

TurnierseiteResultate

 

Wer jetzt Lust auf „Klein gegen Groß“ bekommen hat: alle Partien werden übertragen

 

 

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Veröffentlicht unter Open |