Duda verteidigt nach Chaospartie Tabellenführung

  • 9
    Shares

Nach nur einem Sieg in den beiden Auftaktrunden durften sich die Zuschauer in der 3. Runde gleich über drei entschiedene Partien freuen. Jan-Krzysztof Duda (Foto) bleibt der Mann der Stunde beim Sparkassen Chess-Meeting. Er setzte sich im Duell gegen seinen Landsmann Radoslaw Wojtaszek durch und liegt mit 2,5 Punkten an der Spitze. Mit 2,0 Punkten folgen Ian Nepomniachtchi und Vladislav Kovalev. Nepomniachtchi siegte im Eiltempo gegen Liviu-Dieter Nisipeanu, während Kovalev nach fast sieben Stunden Anish Giri bezwang. Die vierte Partie des Tages zwischen Wladimir Kramnik und Georg Meier endete remis.

 

Nach dem ersten Ruhetag standen beim Spakassen Chess-Meeting die Partien der 3. Runde auf dem Programm. Diese eröffnete Elisabeth Pähtz am Brett von Wladimir Kramnik und Georg Meier symbolisch durch das Ausführen des ersten Zuges. Die beste deutsche Schachspielerin, die mit Großmeister Klaus Bischoff die Partien für die Zuschauer vor Ort kommentiert, fragte dabei den 10-maligen Sieger von Dortmund, welchen Zug sie ausführen solle und Kramnik antwortete nicht ganz ernst gemeint: “Mach einfach, was du möchtest”. Das sorgte für gute Stimmung, bevor es an den vier Brettern zur Sache ging.

vlnr.: Georg Meier, Stefan Koth (Turnierdirektor), Elisabeth Pähtz, Wladimir Kramnik

 

Nach den langen Partien gegen Anish Giri und Vladislav Kovalev, wobei er gegen den Niederländer eine Siegchance verpasste, wollte es Ian Nepomniachtchi gegen Liviu-Dieter Nisipeanu unbedingt wissen und kam schon nach drei Stunden zu seinem ersten Erfolg in Dortmund. Er spielte dabei so schnell, dass er am Ende durch die Zeitgutschrift pro Zug mehr Zeit als zu Beginn der Partie auf der Uhr hatte. “Ich habe diese Stellung sehr gut analysiert und nutzte auch die Zeit meines Gegners”, erklärte er nach der Partie.

Liviu-Dieter Nisipeanu und Ian Nepomniachtchi zu Beginn ihres Kampfes

Programmheft

In einem klassischen Damengambit mit langen Rochaden überführte “Nepo” einen Springer nach c5 und schob die Bauern am Damenflügel entscheidend nach vorne. Nachdem Nisipeanu zuließ, dass der weiße Springer nach c5 geht, hätte er sich schon extrem präzise verteidigen müssen, um nicht klar in Nachteil zu geraten. Auf den Vormarsch des a-Bauern bis nach a6 reagierte er allerdings mit einem falschen Rückzug seines Springers von b6 nach d7.

Nepomniachtchi nutzte die Gunst der Stunde und forcierte eine Veränderung der Bauernstruktur, die ihm im Endspiel klaren Vorteil gab. Mit fantastischer Technik verbesserte er seine Stellung Zug um Zug und zwang seinen Gegner nach 50 Zügen zur Aufgabe. Am Ende hatte er Nisipeanu in eine Zugzwangstellung gebracht, aus der es kein Entrinnen gab.

Einen tollen Kampf lieferten sich Jan-Krzysztof Duda und Radoslaw Wojtaszek. Die neue polnische Nr. 1 überraschte die alte polnische Nr. 1 mit dem Trompovsky-Angriff. “Das war das erste Mal, dass ich in einer klassischen Partie mit Weiß Trompovsky spielte”, freute sich Duda im Nachhinein über die Tatsache, dass sein Gegner ein wenig in seine Vorbereitung lief.

Wojtaszek und Duda konzentrieren sich vor Beginn ihrer Partie

 

Wojtaszek erhielt, typisch für diese Eröffnung, für die geschwächte Struktur das Läuferpaar. Die Spieler befanden sich schnell auf ungewöhnlichem Terrain und verbrauchten viel Zeit. Sie sprachen beide im Anschluss von einer chaotischen Stellung, die noch chaotischer wurde, als Wojtaszek im 17. und 18. Zug gleich beide Bauern am Damenflügel für aktives Spiel opferte. “Ich spielte einerseits auf seine Zeitnot, aber mir fiel auch kein besserer Plan ein”, erläuterte Wojtaszek sein Vorgehen im Anschluss.

Duda fand ein brillantes Figurenopfer und aktivierte einen seiner Springer mit Tempo über das zentrale Feld d4. Wojtaszek zog die angegriffene Dame weg, doch Duda setzte mit seiner Dame nach. “Den Damenausfall nach a4 hab ich völlig übersehen”, gab der Vorjahressieger unumwunden zu nach der Partie. Es folgte prompt der nächste Fehler, wonach Duda die geopferte Figur zurückgewann. Der 20-jährige Shootigstar stand plötzlich mit Mehrbauer und klar besserer Struktur auf Gewinn, den er nach 40 Zügen sicherstellte. Damit führt Duda nach seinem zweiten Sieg das Turnier weiter an.

Die Bilanz zwischen Wladimir Kramnik und Georg Meier sprach vor der heutigen Partie mit 7:1, bei keinem einzigen Remis, klar für den russischen Großmeister. Dementsprechend ging der Rekordsieger von Dortmund mit Weiß als klarer Favorit ins Rennen. Auf den Doppelschritt des e-Bauern reagierte Meier mit der soliden Rubinstein-Variante der Französischen Verteidigung. Kramnik holte trotzdem einen kleinen Vorteil aus der Eröffnung heraus, indem er mit seinen hervorragend postierten Schwerfiguren im Zentrum die bessere Kontrolle über das “Spielfeld” besaß.

Meier schaut, wie Kramnik einen Zug in der Eröffnung ausführt

 

Interessanterweise warf Kramnik seine Bauern am Königsflügel nach vorne, um die gegnerische Königsstellung zu schwächen, was aber auch die eigene Königssicherheit in Frage stellte. “Ich hätte natürlich ruhiger zu Werke gehen können, doch es war nicht einfach unter den vielen Möglichkeiten die absolut richtige zu wählen”, meine Kramnik nach der Partie. Er öffnete die g-Linie und drohte mit den Schwerfiguren anzugreifen, doch Meier fand mit der Aktivierung seines Turmes über die 5. Reihe einen schönen Konter. Kramnik versuchte bis nach der Zeitkontrolle aktives Spiel zu produzieren, doch die Stellung gab einfach nicht genug her, so dass die Spieler sich nach 49 Zügen durch eine dreimalige Zugwiederholung den Punkt teilten.

Vladislav Kovalev gelang die Überraschung des Tages. Der weissrussische Großmeister spielte zum ersten Mal in seiner Karriere gegen einen TopTen-Spieler und gleich bei seiner Premiere gelang ihm, sogar mit den schwarzen Steinen, ein Sieg gegen Anish Giri. Kovalev wählte die Sizilianische Verteidigung und den seltenen Zug 2…Sf6. Giri reagierte betont ruhig, wodurch er aber jeglichen Anspruch auf Vorteil negierte. Nachdem die Spieler zahlreiche Figuren tauschten und ein Endspiel mit Dame, zwei Läufern und einigen Bauern auf dem Brett hatten, sah es nach einem Remis aus.

Kovalev und Giri scheuen den Blickkontakt vor der Partie

Im 35. Zug unterlief dem niederländischen Großmeister aber ein großer Fehler. Kovalev schob seinen d-Bauern vor und schwächte die weiße Stellung enorm. Er besaß die deutlich aktivere Dame und übte fortan ohne Risiko Druck gegen die weiße Stellung aus. Nach knapp sieben Stunden beging Giri eine weiteren Fehler, der zu einer entscheidenden Schwächung seines Königs führte. Kovalev eroberte einen Bauern und zwang Giri nach einer Mattdrohung zur Aufgabe.

Mit der 4. Runde geht es beim Sparkassen Chess-Meeting weiter am Mittwoch den 18. Juli. Die Partien, die im Orchesterzentrum Dortmund um 15 Uhr starten, lauten wie folgt:

Georg Meier – Vladislav Kovalev
Liviu-Dieter Nisipeanu- Anish Giri
Radoslaw Wojtaszek – Ian Nepomniachtchi
Wladimir Kramnik – Jan-Krzysztof Duda

Text und Fotos: Georgios Souleidis

TurnierseiteOpen

 

 

Print Friendly, PDF & Email

  • 9
    Shares