Big Point für “Nepo”

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Am Internationalen Tag des Schachs, der wird jährlich am 20. Juli gefeiert, übernahm Ian Nepomniachtchi durch einen Sieg gegen Wladimir Kramnik nach fünf Runden die Tabellenführung beim Sparkassen Chess-Meeting. Kramnik versuchte seinen Gegner in der Eröffnung zu überraschen, doch sein jüngerer Landsmann spielte groß auf und setzte sich verdient durch. Die restlichen Partien der 5. Runde endeten remis, wobei keiner der Spieler realistische Gewinnchancen besaß.

 

Die Partie zwischen Jan-Krzysztof Duda und Georg Meier endete nach drei Stunden und vierzig Minuten als erste mit Remis. Der 20-jährige Großmeister aus Polen wählte mit Weiß einen Aufbau der Englischen Eröffnung, mit der Idee am Königsflügel zu attackieren. Meier tat ihm aber nicht den Gefallen kurz zu rochieren und in den gegnerischen Angriff hineinzulaufen. Stattdessen machte er nützliche Entwicklungszüge und bremste den weißen Angriff auf der g-Linie mit dem Vorstoß seines eigenen g-Bauern aus. “Diese Verteidigungsidee habe ich überhaupt nicht gesehen”, meinte Duda im Nachhinein und fügte hinzu, dass er dadurch keinen Angriff wie in der Hauptvariante kreieren konnte.

Meier rückt die Figuren zurecht vor Beginn seiner Partie gegen Duda

Durch seine starke Eröffnungsbehandlung glich der deutsche Großmeister das Spiel aus und Duda fiel in der Folge nichts ein außer eine Figur nach der anderen abzutauschen. Das Endspiel mit jeweils zwei Türmen und einer Leichtfigur war danach dermaßen ausgeglichen, dass die Kontrahenten sich durch eine dreimalige Zugwiederholung im 33. Zug remis einigten. “Ich bin sehr zufrieden, wie ich die Eröffnung behandelt habe”, zeigte sich Meier zufrieden. “Ich dachte am Ende sogar nach das Endspiel weiterzuspielen, doch objektiv wäre das nicht korrekt gewesen.”

Wladimir Kramnik überraschte seinen Gegner Ian Nepomniachtchi mit der Modernen Variante der Spanischen Partie, die er im klassischen Turnierschach erst ein Mal gegen Viswanathan Anand im Jahr 2017 gewählt hatte. “Nepo” verfiel in langes Nachdenken und setzte auf die frühe Entwicklung des schwarzfeldrigen Läufers nach c5 mit den kritischen Zügen fort. Kramnik wich mit dem sehr seltenen Zug 8…b4 der Hauptvariante aus. Offensichtlich hatte er etwas vorbereitet, doch sein 15 Jahre jüngerer Landsmann wählte die besten Züge und besaß nach 15 Zügen einen Mehrbauern.

Jenny Deppe von Dokom21 eröffnete die 5. Runde am Brett von Wladimir Kramnik und Ian Nepomniachtchi

Kramnik besaß die Chance im 17. Zug das Spiel wieder offen zu gestalten, doch er entschied sich seinen Bauern sofort durch eine kleine Kombination zurückzugewinnen. Nepomniachtchi hatte das alles aber berechnet und schloß den schwarzfeldrigen Läufer Kramniks auf a7 ein, indem er seinen Bauern bis nach c5 vorschob. Dadurch spielte der Rekordsieger von Dortmund ab diesem Zeitpunkt im Prinzip mit einer Figur weniger. Kramnik versuchte noch durch einige Bauernopfer seinen Gegner zu verunsichern, doch Nepomniachtchi blieb bis zum Schluss cool und sicherte sich den vollen Punkt nach 41 Zügen. “Ich freue mich natürlich über das Resultat, aber noch viel mehr über die Qualität meines Spiels”, äußerte sich der Sieger nach der Partie.

Anish Giri und Radoslaw Wojtaszek teilten sich den Punkt. In einer Variante der Réti-Eröffnung setzte der niederländische Großmeister im Mittelspiel auf sein Läuferpar, doch Wojtaszek besaß eine gute Kontrolle über das Zentrum. Nach dem Tausch mehrerer Figuren und der Damen gelangten die Spieler in das Endspiel. Auch hier versuchte Giri sein Läuferpaar in Szene zu setzen, doch auch hier hatte sein Gegner aus Polen jederzeit genügend Ressourcen, um letztendlich ein völlig ausgeglichenes Turmendspiel zu erreichen.

Wojtaszek und Giri trennten sich remis

 

Der Tag endete nach fast fünf Stunden mit dem Remis zwischen Vladislav Kovalev und Liviu-Dieter Nisipeanu. In einer Französischen Partie forcierten die Großmeister durch einen Damentausch schon nach zehn Zügen ein Endspiel. Nisipeanu opferte in der Folge einen Bauern für das Läuferpaar, den der weißrussische Großmeister konsolidierte. Allerdings war das Material derart reduziert, dass sich ihm keine realistischen Gewinnchancen boten. Nichtsdestotrotz versuchte Kovalev seinen Mehrbauern irgendwie zu verwerten, doch nach 62 Zügen hatte er ein Einsehen und gab die Partie remis.

Nach fünf Stunden teilten sich diese beiden Herren den Punkt

 

Mit der 6. Runde geht es beim Sparkassen Chess-Meeting weiter am Samstag den 21. Juli. Die Partien, die im Orchesterzentrum Dortmund um 15 Uhr starten, lauten wie folgt:

Georg Meier – Liviu-Dieter Nisipeanu
Radoslaw Wojtaszek – Vladislav Kovalev
Wladimir Kramnik – Anish Giri
Jan-Krzysztof Duda – Ian Nepomniachtchi

Text und Fotos: Georgios Souleidis

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