Ian Nepomniachtchi gewinnt Sparkassen Chess-Meeting

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Ian Nepomniachtchi (Foto) lautet der Sieger des 46. Sparkassen Chess-Meetings. Der 28-jährige Großmeister aus Russland gewann in der letzten Runde gegen Georg Meier und beendete das Turnier mit 5,0 Punkten. Nepomniachtchi hat am Ende einen ganzen Punkt Vorsprung auf Anish Giri, Vladislav Kovalev und Jan-Krzysztof Duda, die mit 4,0 Punkten durchs Ziel gingen. Georg Meier landete mit 3,5 Punkten auf Platz fünf. Wladimir Kramnik belegte einen für ihn enttäuschenden sechsten Platz mit 3,0 Punkten vor dem punktgleichen Radoslaw Wojtaszek. Liviu-Dieter Nisipeanu landete abgeschlagen mit 1,5 Punkten auf den letzten Platz.

 

Liviu-Dieter Nisipeanu und Radoslaw Wojtaszek trennten sich am letzten Tag des Sparkassen Chess-Meetings nach gut zwei Stunden unentschieden. In einer Ragozin-Variante des Damengambits folgten die Kontrahenten einer Partie von Wojtaszek, die der polnische Großmeister vor vier Monaten schon gegen den tschechischen Großmeister Zbynek Hracek auf dem Brett hatte. Die Spieler tauschten alle Figuren und es entstand ein Endspiel Läufer vs. Springer. Nisipeanu hätte mit seinem Läufer versuchen können Wojtaszeks Springer zumindest etwas unter Druck zu setzen, doch er zog die dreifache Zugwiederholung vor. Beide Spieler waren froh, nach dem für sie enttäuschend verlaufenen Turnier kein Risiko mehr einzugehen zu müssen.

Wojtaszek und Nisipeanu gönnten sich einen kurzen Nachmittag

 

Ian Nepomniachtchi stellte den Turniersieg früh sicher. Gegen Georg Meiers Rubinstein-Variante der Französischen Verteidigung hatte der russische Großmeister mit dem frühen Springerausflug nach e5 eine seltene Variante vorbereitet. “Das habe ich meinem Sekundanten Vladimir Potkin zu verdanken, der mir diese Idee zeigte.” Nepomniachtchi folgte bis zum 11. Zug seiner Vorbereitung, bis Meier mit der Dame ein riskantes Schach auf a5 gab. Meiers Plan beinhaltete allerdings eine Schwächung seiner Königsstellung, die Nepomniachtchi in der Folge aufs Korn nahm.

Meier und Nepomniachtchi vor Beginn ihres Duells

 

Die weiße Dame entwickelte sich fortan zur Protagonistin, in dem sie immer wieder die schwachen schwarzen Bauern angriff. Spätestens als “Nepo” die g-Linie öffnete und mit mehreren Figuren über den schwarzen König herfiel, war die Partie gelaufen. Im Anschluss zeigte Nepomniachtchi im Presseraum eine Analyse seiner Partie und es war beeindruckend, wie schnell und sicher er die Varianten aufs Brett zauberte.

Anish Giri und Jan-Krzysztof Duda trennten sich zum Abschluss mit Remis. Insbesondere der niederländische Großmeister wird mit diesem Resultat nicht zufrieden sein. Duda ging mit Schwarz volles Risiko, indem er die auf diesem Niveau seltene Moderne Verteidigung anwandte. Damit zeigte er an, dass er mit Schwarz gewinnen möchte, um die theoretische Chance auf den Turniersieg zu wahren. Bei heterogenen Rochaden kam Giri allerdings mit großem Vorteil aus der Eröffnung. Es stand alles bereit, um den schwarzen König zu behelligen, doch stattdessen tauschte Giri die Damen.

Giri macht einen Zug, Duda schreibt ihn auf

 

n komplizierter Stellung mehrten sich die Fehler auf beiden Seiten. Letztendlich entstand ein Endspiel, in dem Giri mit Turm, Läufer und zwei Bauern gegen zwei schwarze Türme kämpfte. Hier besaß Duda tatsächlich die Chance kurz vor der Zeitkontrolle die Türme so zu aktivieren, um in Vorteil zu kommen, doch er zog es vor ein ausgeglichenes Turmendspiel zu forcieren und nach einem dramatischen Verlauf den halben Punkt zu sichern.

Die längste Partie des Tages spielte mal wieder Vladislav Kovalev. Die Eröffnung gegen Wladimir Kramnik verlief ungewöhnlich für dieses Niveau, denn der weißrussische Großmeister wählte eine seltene Variante des Schottischen Gambits mit einem vorübergehenden Opfer auf f7. Kramnik ist aber nicht leicht zu überraschen und so wusste er natürlich, wie er zu Werke gehen muss. Im Mittelspiel opferte Kovalev einen Bauern, um sich Möglichkeiten gegen den geschwächten schwarzen König zu erspielen.

Kramnik und Kovalev schütteln die Hände vor Beginn der Partie

 

Das Material war stark reduziert und Kramnik hielt mit einem starken Springer auf d4 lange das Gleichgewicht, aber das Problem mit seinem König blieb. Kurz vor der Zeitkontrolle erfolgte ein Fehler, den Kovalev mit einer Kombination nutzte, um ein Endspiel mit Turm und zwei Bauern gegen Springer und zwei Bauern auf einem Flügel zu forcieren. Kovalev stand zuerst theoretisch auf Gewinn, verpatzte dann aber die allerdings nicht triviale Stellung zum Remis. Nichtsdestotrotz reizte er die Stellung mit allen legalen Mitteln aus, bevor er nach 6 Stunden und 50 Minuten ein Einsehen hatte und die Partie remis gab.

Endstand 46. Sparkassen Chess-Meeting

No. Title Name Fed. FIDE 1 2 3 4 5 6 7 8 Total Black Wins
1 GM Nepomniachtchi Ian RUS 2757 = = = 1 1 = 1 5,0 3 3
2 GM Giri Anish NLD 2782 = 0 = = 1 = 1 4,0 4 2
3 GM Kovalev Vladislav BLR 2655 = 1 = = = = = 4,0 4 1
4 GM Duda Jan Krzysztof POL 2737 = = = = 0 1 1 4,0 3 2
5 GM Meier Georg GER 2628 0 = = = = = 1 3,5 4 1
6 GM Kramnik Vladimir RUS 2792 0 0 = 1 = = = 3,0 3 1
7 GM Wojtaszek Radoslaw POL 2733 = = = 0 = = = 3,0 3 0
8 GM Nisipeanu Liviu-Dieter GER 2672 0 0 = 0 0 = = 1,5 4 0
Ra=2719 XIX cat. FIDE 

Text und Fotos: Georgios Souleidis

TurnierseiteOpen
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