Studiere Paul Keres!

  • 1
    Share

Erst kürzlich hat mich ein Vereinskamerad, welcher meine Vorliebe kennt, auf 1.e4 mit 1… e5 zu antworten, gefragt: “Welche Partien soll ich hierzu studieren, die von Wladimir Kramnik oder Magnus Carlsen?” Meine Antwort überraschte ihn, denn diese lautete: “Studiere Paul Keres!”.

Der Este, dessen Stern bei der Schach-Olympiade in Warschau 1935 aufging, ist für mich und auch für viele andere einer der ganz Großen, der die strategischen Feinheiten dieser vielseitigen Eröffnung, wie kein Zweiter zelebrierte. Dies haben viele starke Großmeister in ihrer Karriere leidvoll erfahren müssen, so auch der deutsche Großmeister Dr. Helmut Pfleger beim Turnier in Tallinn (1973).

Das Leben des Esten war in jungen Jahren alles andere als leicht, spielte er doch seit 1939 unter sowjetischer Flagge, nach dem sein Heimatland Estland von der Sowjetunion annektiert wurde. Aufgrund der Ereignisse ab dem Jahr 1941, musste er notgedrungen für die andere Seite spielen, um als Schachspieler weiterhin seinen Lebensunterhalt verdienen zu können. 1945 wiederum, als ihm klar wurde, dass er mal wieder einen “System-Wechsel” hinnehmen müsse, beschloss er mit seiner Familie in die skandinavischen Länder auszureisen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, da das angekündigte Schiff nicht kam. Unter den neuen alten Machtverhältnissen wollte das sowjetische Regime zunächst nichts von ihm wissen, da er ja bekannter Weise beim Klassenfeind gespielt hatte. Erst die Fürsprache des jungen Michael Botwinnik führte 1946 dazu, dass Paul Keres wieder in die Reihen der sowjetischen Spitzenspieler aufgenommen wurde.

Die heutige Partie ist ein Musterspiel dafür, wie Meisterspieler mit einem kleinen Vorteil umgehen. Sie spielen umsichtig und überstürzen nichts, mitunter wird geduldiges Lavieren einem konkreten Schlagabtausch vorgezogen, getreu dem Motto “Ich bestimme, wann und wie es weiter geht!”.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie!

Print Friendly, PDF & Email

  • 1
    Share