SMM: Riehen verblüfft mit 7:1-Kantersieg im Spitzenkampf gegen Titelverteidiger Winterthur

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Genf (5:3-Sieg gegen Zürich) neuer NLA-Leader – erste Punkte für Aufsteiger Echallens

Markus Angst – Die Schachgesellschaft Riehen ist die grosse Siegerin der ersten von zwei Nationalliga-A-Doppelrunden in der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft (SMM). Die Basler gewannen als Einzige beide Partien. 24 Stunden nach dem 5½:2½-Pflichtsieg gegen Aufsteiger Echallens sorgten sie für eines der eindrücklichsten NLA-Resultate in den vergangenen Jahren. Sie gewannen den Spitzenkampf gegen Titelverteidiger und Leader Winterthur gleich 7:1.

GM Olivier Renet sorgte mit Riehen für einen historischen Sieg.

Einzig der indische Grossmeister Pentala Harikrishna (am ersten Brett gegen GM Andreas Heimann) und FM Emanuel Schiendorfer (am siebten Brett gegen Sebastian Schmidt-Schäffer) remisierten. Die restlichen sechs Partien gingen allesamt an Riehen. «Dabei hatte es gar nicht so schlecht für uns ausgesehen, doch in der Zeitnot kippten mehrere Stellungen auf die Seite von Riehen», kommentierte Winterthurs Präsident und Coach Roman Freuler das Debakel.

Während Winterthur auf Platz 3 zurückfiel, geht das einen halben Einzelpunkt Vorsprung auf Riehen aufweisende Genf als neuer Tabellenführer in die zentrale NLA-Doppelschlussrunde vom 27./28. Oktober in Lausanne (Hôtel «Aquatis»). Die Genfer waren neben Riehen die zweiten Profiteure der 6./7. Runde, blieben sie doch gegen zwei Meisterschaftsanwärter ungeschlagen. Erst spielten sie nach einem spannenden Wettkampf mit sechs Remis gegen Luzern 4:4 unentschieden – einzig Genfs IM Nikita Petrow (am ersten Brett gegen GM Martin Krämer) und Luzerns GM Noël Studer (am zweiten Brett gegen IM Clovis Vernay) gewannen ihre Partien. Dann schlugen sie Rekordmeister Zürich 5:3. Auch in diesem Match endeten sechs Partien unentschieden, jedoch gewannen die beiden Genfer GM Juri Kryworuschko (am ersten Brett gegen GM Christian Bauer) und FM Quentin Burri (am letzten Brett gegen FM Jonathan Rosenthal). Zürich geht damit mit zwei Punkten Rückstand auf Genf und Riehen in die beiden letzten Runden. Dazwischen liegen mit jeweils einem Punkt Differenz Winterthur und Luzern. In der Doppel-Schlussrunde kommt es mit Winterthur – Genf und Zürich – Riehen (8.) sowie Winterthur – Zürich und Genf – Riehen (9.) gleich viermal zum Aufeinandertreffen zwischen den Top-Teams. Luzern (gegen Echallens und Réti) hingegen trifft auf Mannschaften aus der zweiten Tabellenhälfte.

Seine ersten Punkte holte Echallens. Die Waadtländer gewannen das Duell der beiden Aufsteiger gegen St. Gallen nach über siebenstündigem, harten Kampf mit 5:3. Tags zuvor hatte auch Wollishofen mit seinem 5½:2½-Sieg gegen Mendrisio zwei wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg geholt. Die Tessiner liegen ebenso punktelos am Tabellenende wie St. Gallen.

Neben Riehen und Genf war Mihajlo Stojanovic der heimliche Sieger der ersten NLA-Doppelrunde. Der für den Mittelfeldklub Réti Zürich spielende serbische Grossmeister sorgte erst mit einem Schwarz-Sieg gegen den 245 ELO-Punkte mehr aufweisenden indischen Super-GM Pentala Harikrishna (2743/Nummer 19 der Welt!) für Aufsehen. Tags darauf gewann er auch gegen FM Fabrizio Patuzzo und steht mit 6 Punkten aus sieben Partien aktuell als bester NLA-Spieler zu Buche.

In der Nationalliga-B-Ostgruppe machte Solothurn einen grossen Schritt Richtung Aufstieg. Der Leader gewann zwar gegen Luzern II nur mühevoll mit 4½:3½, profitierte aber davon, dass Verfolger Wettswil überraschend klar gegen Winterthur II verlor (1½:6½). Damit haben die Solothurner bereits drei Punkte Reserve auf Platz 2. Wie Winterthur II verschaffte sich auch Tribschen (4½:3½-Sieg gegen Zürich II) in der Abstiegszone etwas Luft. Neu liegen Luzern II und das nur mit sechs Spielern angetretene Baden (2½:5½-Niederlage gegen Neuling Wollishofen II) auf den beiden Abstiegsplätzen.

In der NLB-Westgruppe ist Nyon nach dem klaren 6:2-Erfolg gegen Aufsteiger Sion nun alleiniger Leader. Denn Trubschachen gab beim 4:4 gegen Vevey überraschend einen Punkt ab. Die Emmentaler verzichteten nach dem tragischen Todesfall ihres Teamleaders IM Lorenz Drabke darauf, den Ausländerplatz neu zu besetzen. Chancen auf den Aufstieg kann sich auch noch das zwei Punkte hinter Nyon liegende Schwarz-Weiss Bern (5:3-Sieg Therwil) ausrechnen. Weil es im Keller-Duell zwischen Sorab Basel und Biel keinen Sieger gab, bleibt die Lage im Abstiegssektor spannend. Mit Biel (2 Punkte), Therwil (2), Sion (1) und Sorab (1) sind vier Teams abstiegsgefährdet.

In der 1. Liga stehen mit Nimzowitsch Zürich (Zentral) und Genf II (West), die jeweils drei Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten aufweisen, die beiden ersten Gruppensieger bereits fest. Nimzowitsch setzte beim 6:2-Sieg im Derby gegen Zürich III am ersten Brett einen Überraschungsgast ein und spielte erstmals mit Klaus Bischoff. Der 2505 ELO-Punkte aufweisende 57-jährige deutsche Grossmeister wurde 2013 und 2015 deutscher Meister, nachdem er zuvor mehrmals die deutsche Schnellschach- und Blitzmeisterschaft gewonnen hatte. 2016 gehörte er dem deutschen Ü50-Team an, das in Radebeul Gold bei der Senioren-Mannschaftsweltmeisterschaft holte. Mit dem vierfachen Schweizer Meister IM Roland Ekström, der gegen Zürich III allerdings nicht zum Einsatz gekommen ist, hat Nimzowitsch einen weiteren hochkarätigen Spieler im Kader.

Ebenfalls für die Aufstiegsspiele qualifiziert ist Gligoric in der Ostgruppe. Die ohne GM Dejan Pikula spielenden Zürcher bezogen gegen das drittrangierte Pfäffikon/ZH zwar ihre erste Saisonniederlage (3½:4½), verteidigten aber die Leaderposition und können maximal noch auf den 2. Platz zurückfallen. Den zweiten Aufstiegsplatz machen in dieser Gruppe Winterthur III (10 Punkte) und Pfäffikon (8) aus. In der Zentralgruppe gibt es um Rang 2 ein Fernduell zwischen den punktgleichen Olten (das gegen Zug mit 7:1 den höchsten Sieg der Runde feierte) und St. Gallen II (5:3-Sieg gegen Luzern III).

In der Nordwestgruppe gewann Schwarz-Weiss Bern II den Spitzenkampf gegen Court überraschend deutlich mit 6½:1½ und geht mit zwei Punkten Reserve auf Riehen III (5:3-Sieg im Verfolgerduell gegen Bern) und Court in die Schlussrunde vom 22. September. Court hat in den vergangenen Jahren mehrfach auf das Aufstiegsspiel zur Nationalliga B verzichtet, will dieses Jahr aber wegen seines 80-Jahre-Klubjubiläums aufsteigen.

Skurril präsentiert sich die Situation in der Westgruppe. Gruppensieger Genf II und dem zweitplatzierten Valais sowie dem trotz seines ersten Saisonsiegs gegen Köniz-Bubenberg (5:3) als Absteiger bereits feststehenden Neuenburg liegen mit Amateurs Genf (6 Punkte), Thun (6), Bois-Gentil Genf (5), Köniz-Bubenberg (5) und Echallens II (5) fünf Teams, die sowohl noch ins Aufstiegsspiel kommen als auch absteigen können! Bereits abgestiegen ist Neuling Jura, der bei der 1½:6½-Niederlage gegen Basel in der Nordwestgruppe nur mit fünf Spielern antrat. Begleitet werden die Jurassier von Basel (5), Birseck (5) oder Birsfelden/Beider Basel/Rössli (4), das den wichtigen Match im Kampf gegen den Abstieg gegen Birseck 5:3 gewann. In der Ostgruppe sind mit Sprengschach Wil/SG (4), St. Gallen III (4), Bodan Kreuzlingen II (4) und Chur (2) noch vier Mannschaften abstiegsgefährdet – ebenso in der Zentralgruppe mit Zürich III (4), Lenzburg (3), Zug (2) und Luzern III (2).

Nationalliga A, 6. Runde

Réti Zürich – Winterthur 3:5 (Bogner – Georgiadis 0:1, Stojanovic – Harikrishna 1:0, Gallagher – Jenni ½:½, Maier – Forster 0:1, Degtjarew – Gähwiler 0:1, Antognini – Kaczmarczyk ½:½, Gantner – Ballmann 1:0, Kappeler – Hasenohr 0:1).

Genf – Luzern 4:4 (Petrow – Krämer 1:0, Vernay – Studer 0:1, Kryworuschko – Fröwis ½:½, Sokolow – Kurmann ½:½, Miralles – V. Atlas ½:½, J.-N. Riff – R. Lötscher ½:½, Burri – V. Riff ½:½, Gerber – Gloor ½:½).

Riehen – Echallens 5½:2½ (Ragger – Sermier 1:0, Heimann – Botta ½:½, Renet – Gheorghiu ½:½, Breder – Bondar ½:½, Georgiadis – Duratti 1:0, Turdyev – Valles 0:1, Schmidt-Schäffer – Pahud 1:0, Haag – Vianin 1:0).

St. Gallen – Zürich 2:6 (M. Novkovic – Pelletier 0:1, N. Fecker – Bauer 0:1, Potterat – Hug ½:½, Steiger – Vogt ½:½, J. Novkovic – Mutschnik 0:1, Giesinger – Grünenwald 0:1, Klings – Jon. Rosenthal ½:½, Salerno – Goldstern ½:½).

Wollishofen – Mendrisio 5½:2½ (R. Moor – Godena 0:1, Prusikin – Zujew 1:0, Kessler – Bellini 1:0, Gähler – Aranovitch 0:1, Hochstrasser – Sedina 1:0, Mäser – Mantovani ½:½, O. Moor – Patuzzo 1:0, Fend – Cacciola 1:0).

Nationalliga A, 7. Runde

Winterthur – Riehen 1:7 (Harikrishna – Heimann ½:½, N. Georgiadis – Ragger 0:1, Kaczmarczyk – Renet 0:1, Forster – Breder 0:1, Jenni – I. Georgiadis 0:1, Hasenohr – Turdyev 0:1, Schiendorfer – Schmidt-Schäffer ½:½, Ballmann – Haag 0:1).

Zürich – Genf 3:5 (Bauer – Kryworuschko 0:1, Pelletier – Vernay ½:½, Kosteniuk – Petrow ½:½, Vogt – Sokolow ½:½, Hug – Miralles ½:½, Brunner – Riff ½:½, Mutschnik – Gerber ½:½, Jon. Rosenthal – Burri 0:1).

Luzern – Wollishofen 6:2 (Krämer – Kessler 1:0, Kurmann – Prusikin ½:½, V. Atlas – R. Moor ½:½, Studer – Gähler ½:½, Fröwis – O. Moor ½:½, Riff – Mäser 1:0, Almada – Umbach 1:0, R. Lötscher – Fend 1:0).

Mendrisio – Réti 1½:6½ (Zujew – Bogner 0:1, Patuzzo – Stojanovic 0:1, Sedina – Gallagher ½:½, Mantovani – Maier 0:1, Salvetti – Degtjarew 1:0, Cacciola – Kappeler 0:1, Pedrini – Gantner 0:1, Camponovo – Antognini 0:1).

Echallens – St. Gallen 5:3 (Sermier – M. Novkovic ½:½, Gheorghiu – N. Fecker ½:½, Bondar – Potterat 1:0, Botta – Giesinger 1:0, Buss – J. Novkovic 1:0, Valles – Akermann 0:1, Pahud – Klings ½:½, Vianin – Salerno ½:½).

NLA-Rangliste nach 7 Runden

1. Genf 12 (38). 2. Riehen 12 (37½). 3. Winterthur 11 (37). 4. Luzern 11 (35½). 5. Zürich 10 (33). 6. Réti 8 (32½). 7. Wollishofen 4 (23). 8. Echallens 2 (19½). 9. Mendrisio 0 (12½). 10. St. Gallen 0 (11½).

Partien der Doppel-Schlussrunde vom 27./28. Oktober in Lausanne (Hôtel «Aquatis», Route de Berne 148)

8. Runde (Samstag, 13 Uhr): Winterthur – Genf, Zürich – Riehen, Luzern – Echallens, Wollishofen – Réti, St. Gallen – Mendrisio.

9. Runde (Sonntag, 11 Uhr): Genf – Riehen, Winterthur – Zürich, Réti – Luzern, Wollishofen – St. Gallen, Mendrisio – Echallens.

Die erfolgreichsten Punktesammler in der NLA

GM Mihajlo Stojanovic (Réti) 6 Punkte aus 7 Partien, GM Florian Jenni und IM Dennis Kaczmarczyk (beide Winterthur) je 5½/7, IM Gabriel Gähwiler (Winterthur), IM Nikita Petrow und FM Quentin Burri (beide Genf) je 5/6, GM Yannick Pelletier (Zürich), GM Nico Georgiadis, IM Richard Forster (beide Winterthur) und IM Clovis Vernay (Genf) je 5/7, GM Noël Studer (Luzern) und GM Jean-Noël Riff (Genf) je 4½/6, GM Ognjen Cvitan (Riehen) und IM Jewgeni Degtjarew (Réti) je 4/5.

PARTIEN Runden

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